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Schwarz-Roter Ticker (Oktober 2016) [+Ticker mit+]

3. Oktober 2016

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Kurt Gustav Wilckens und der Kampf für die Freiheit

4. November 2016
 Der anarchistische Genosse Kurt Gustav Wilckens.


Der anarchistische Genosse Kurt Gustav Wilckens.

Vor 130 Jahren wurde der Arbeiter und Anarchist in Schleswig-Holstein geboren.

Von Jan Tölva

Vor 130 Jahren, am 3. November 1886, wurde im schleswig-holsteinischen Bramstedt, dem heutigen Bad Bramstedt, Kurt Gustav Wilckens geboren. Das wäre, wenn sein ganzes Leben so verlaufen wäre wie die ersten Jahre, wohl kaum der Rede wert.

Wilckens wurde als eines von acht Kindern in eine gutbürgerliche Familie hineingeboren. Sein Vater war Viehhändler, seine Mutter kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt. Er besuchte neun Jahre die Schule, ging danach bei einem Gärtner in die Lehre und leistete schließlich in Berlin beim kaiserlichen Wachregiment seinen Wehrdienst ab. Ein völlig normaler Lebensweg im damaligen Deutschen Reich also. Doch dabei blieb es nicht. Irgendwann kam Wilckens in die falsche, will sagen: die richtige Gesellschaft, und begann sich zu radikalisieren.

1910 emigrierte Wilckens wie so viele andere in die USA und spätestens dort kam er mit anarchistischen Ideen in Berührung. Er wurde zum Bewunderer Leo Tolstois und zum überzeugten Pazifisten. Daher weigerte er sich auch, mit Beginn des Weltkriegs dem Ruf der neuen Heimat zu den Waffen zu folgen. Er ging lieber nach Arizona, arbeitete im Bergbau und wurde wenig später, als es dort zu einem groß angelegten Streik kam, der vor allem von der Gewerkschaft Industrial Workers of the World (IWW) getragen wurde, zu einem der Wortführer der Streikenden. Doch der Streik wurde niedergeschlagen, Wilckens entlassen und wenig später als »feindlicher Ausländer« interniert. Zwar gelang es ihm, zwischenzeitlich zu fliehen, doch nach Kriegsende wurde er ausgewiesen und nach Deutschland deportiert.

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Heleno Saña: Verteidigung des Menschlichen – Eine Antwort auf die brutalisierte Welt von heute

24. Oktober 2016

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Hamburger Vortrag, Oktober 2016

Wir leben in einer Welt, die nicht nur, aber vor allem von der überall herrschenden Unmenschlichkeit geprägt ist. Schon aus diesem Grund ist Leben gleichbedeutend mit Unsicherheit, Unbehagen und Angst eng verwoben. Es gibt in der Tat immer weniger Menschen, die sich wohl in ihrer Haut fühlen, die weniger Gründe haben, sich sorgenlos ihres Daseins zu erfreuen. Entgegen den apologetischen Verheissungsparolen der Machtkartelle, die die Geschicke der Welt in ihren Händen haben, bewegen wir uns in Richtung eines Gesellschaftsmodells, das immer schneller nicht nur Maschinen und technische Wunder aller Art, sondern auch Elend, Armut, Erwerbslosigkeit, soziale Ausgrenzung und seelische Panik produziert. Man kann, glaube ich, die Zeit, die zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gegenwart liegt, als eine Zeit der zunehmenden Desillusionierung bezeichnen. Das gegenwärtige Zeitalter erweist sich immer deutlicher als ein Produkt der übelsten Traditionen der Menschheit, gehört vollends zu der von Erich Voegelin vor einigen Jahrzehnten umfassend untersuchten «Pathologie des modernen Geistes». Das alte klassische Ideal des Wahren, Schönen und Guten ist durch das Unwahre, Hässliche und Schlechte weitgehend ersetzt worden. Wir sind längst in einen neuen nihilistischen Abschnitt der Weltgeschichte eingetreten.

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DGB in der Tarifrunde Leiharbeit: Erneuter Kniefall vor Unternehmensprofiten und Weltmarktexpansion

23. Oktober 2016

zeitarbeit1Tarifverträge in der Leiharbeit sind Zustimmung zu Niedriglohn und Tagelöhnerei.

Während sich Niedriglohn und prekäre Beschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland immer weiter ausbreiten, wird die Leiharbeit mit Unterstützung des DGB weiter gefördert. Mit dem Beschluss des DGB, die Tarifverhandlungen für eine Million Leiharbeiter*innen mit einer Forderung von 6 Prozent, mindestens 70 Cent pro Stunde in den untersten Lohngruppen, zu eröffnen, verzichtet die Tarifgemeinschaft des DGB auf die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit, den Leiharbeiter*innen die gleichen Löhne zu gewähren, wie den Kolleg*innen mit denen sie in den Stammbetrieben die gleiche Arbeit verrichten. Dazu müssten die DGB-Oberen lediglich bestehende Tarifverträge auslaufen lassen.

Wie üblich, zelebrieren die DGB-Gewerkschaften, die mit den ersten Verhandlungsgesprächen am 7. Oktober begonnene Tarifrunde mit den Unternehmerverbänden der Leiharbeitsbranche, als großen Kampf. Bei Lichte besehen ist die ganze Show jedoch eine gigantische Verzichtserklärung.

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Arbeiterinnen und Arbeiter aller Länder – vereinigt euch! Proletari din toate țarile – uniți-vă!

13. Oktober 2016

vereinigteuchFür anarchistischen Sozialismus! Pentru socialism libertar!

In ganz Europa wachsen nationalistische Bewegungen, Regierungen weisen vor Krieg und Elend fliehende Menschen zurück, misshandeln sie an den Grenzen. Mit dem Nationalismus eng verbunden sind gerade in Osteuropa die Kirchen. In Ungarn und Rumänien vertreten sie extrem reaktionäre Positionen. Teilweise sind sie offen faschistisch. Sie sind Bastionen der Frauenunterdrückung und Frauenverachtung, des Hasses gegen Homosexuelle und der sexuellen Selbstbestimmung. Die Lebensbedingungen in den Ländern Osteuropas sind für die große Mehrheit der Bevölkerung prekär. Die Armut ist groß. Auch hier in Mitteleuropa arbeiten und leben zunehmend mehr Menschen unter prekären Bedingungen. Arbeitsverträge sind befristet, Löhne niedrig, viele brauchen mehrere Jobs, um sich und ihre Angehörigen über die Runden zu bringen. Die Zeitarbeit boomt und damit die Unsicherheit über das Leben morgen. Aus Osteuropa emigrieren immer mehr Menschen nach Deutschland und Westeuropa. Hier hetzen Nationalisten und „Patrioten“ gegen sie und propagieren reaktionäre, falsche Werte. Sie wollen weniger Freiheit, einen repressiven Staat, rassistische Politik und sehen Nichtdeutsche als Menschen zweiter Klasse. Dabei verbindet uns alle, die wir uns für unsere Existenz prostituieren/verkaufen müssen, viel mehr, als uns trennt.

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Syndikalismus in Deutschland 1914-1918

12. Oktober 2016

1914Helge Döhring:

Die syndikalistische Arbeiterbewegung in Deutschland 1914-1918

Entnommen aus: „Syfo – Forschung & Bewegung. Jahrbuch des Instituts für Syndikalismusforschung (SYFO) Nr. 4/2014, S. 50-70.

Die Arbeiterbewegung in Deutschland ist im kollektiven Gedächtnis vor allem durch die numerisch größten, die sozialdemokratischen Arbeiterorganisationen vertreten. Dazu zählen in der Geschichte auf betrieblicher Ebene die Zentralverbände, vertreten durch die „Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands“, in der Weimarer Zeit organisiert im „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund“ (ADGB) und auf politischer Ebene die Parteien, die „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) und in ihrer radikaleren Form die „Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (USPD). In der Zeit des Ersten Weltkrieges und im Zuge der russischen Oktoberrevolution (1917) kamen explizit kommunistisch orientierte Parteien hinzu, die größte unter ihnen seit Januar 1919 die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD). Auf ihre eigenen Traditionen zurückblicken konnten auch die christlichen Gewerkschaften, die besonders in Regionen mit katholischer Bevölkerung zur zweiten Kraft hinter den sozialdemokratischen Zentralverbänden aufstiegen, sowie der liberale, kleine, aber traditionsreiche „Hirsch-Dunckersche Gewerkverein“. Sie alle werden in den wissenschaftlichen Darstellungen zur Gewerkschaftsgeschichte in Deutschland ausgiebig beachtet.

Genese und Entwicklung des Syndikalismus

Kaum bekannt hingegen ist der syndikalistische Teil der Arbeiterbewegung in Deutschland, der zahlenmäßig zwar eine weit untergeordnete Rolle spielte und selbst gegenüber den Hirsch-Dunckerschen klein anmutet, der ideell betrachtet aber gerade für die Zeit des Ersten Weltkrieges eine bemerkenswerte Rolle einnahm. Beachtlich deshalb, da die Geschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung von Zustimmung zum Krieg gekennzeichnet war, und die sich entfaltende kommunistische Opposition erst im Entstehen begriffen war.

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„Der spanische Anarchismus war sehr pragmatisch“

10. Oktober 2016
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Carlos Ramos

Carlos Ramos kam Ende der sechziger Jahre zum Anarchismus. Heute ist er Mitglied der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CGT und Archivar der Salvador-Seguí-Stiftung für libertäre Studien. In Madrid ist er in der basisdemokratischen Bewegung 15M aktiv.

von Alexandre Froidevaux

Dieses Jahr jährt sich der Beginn der libertären Revolution (1936–1939) in Spanien zum 80. Mal. Wie kamen Sie in der Spätphase der an die gescheiterte Revolution anschließenden Diktatur Francisco Francos (1939–1975) zum Anarchismus?

Im Mai 1968 war ich zufällig in Paris und lernte dort verschiedene Libertäre kennen. Wegen einer Krankheit musste ich dann nach Spanien zurückkehren. Ich lebte in Sevilla und arbeitete als Elektriker. Als ich an einem Bauar­beiter­streik teilnahm, kam ich mit ein paar Anarchisten in Kontakt. Mit ihnen gründete ich einen Lesekreis und eine Aktionsgruppe. Dann ging ich wieder nach Frankreich, in ein Dorf in der Nähe von Toulouse. Dort lebte ich in einer Kommune zusammen mit alten Anarchosyndikalisten der historischen Gewerkschaft CNT. Das waren Exilanten.

Diese CNT-Aktivisten waren 1939, zum Ende des Spanischen Bürgerkriegs, nach Frankreich geflohen und lebten seitdem dort im Exil.

Ja. Und dort gründeten wir jungen Leute die Gruppe Solidaridad. Ab 1972 war ich Teil eines Kollektivs von Solidaridad in Madrid.

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Die Erwerbslosen und Jobberinitiativen der 80iger Jahre und ihr Kampf um mehr Geld und weniger Arbeit

8. Oktober 2016

wildcat1000Am Dienstag, den 25.10.2016 um 19:00 Uhr, werden wir im Rahmen einer Veranstaltung, im Bürgertreff Altona Nord in der Gefionstraße, erfahren, wie soziale Kämpfe in den 1980er bis in die 1990er Jahre hinein, in Hamburg geführt wurden.

Ein wesentlicher Grund für die Entstehung dieser kreativen Proteste der 80iger Jahre, die bis hin zu gelungenen Sabotageakten führten, waren die aufkommende Massenarbeitslosigkeit und das Abschieben der Menschen auf die damals existierenden Sozialämter, aber auch die aufkommenden neuen Formen von unsicheren Arbeitsverhältnissen in der BRD. Aber auch die Unzufriedenheit mit den Verhältnissen im Land in Bezug auf die Umstrukturierung der Stadtteile, die sich in besetzten Häusern äußerte oder der Kampf gegen Atomkraftwerke und gegen geschlossene Heime und Hochsicherheitstrakte sind in diesen Organisationsansatz eingegangen.

Mittlerweile haben sich die Verhältnisse, mit der Schaffung des SGB II (Hartz IV) noch einmal deutlich verschärft. Wir werden zu ergründen versuchen, ob und wie wir an den Widerstand der „schwarzen Katze“ anknüpfen können.

Dazu haben wir die beiden damalige Aktivisten Dirk und Ronny eingeladen, die die damalige Situation in Hamburg schildern, die zentralen Überlegungen vorstellen und einige Hinweise geben werden, warum diese Bewegung Mitte der 90iger Jahren an ihr Ende kam. Moderiert wird diese Veranstaltung von der Journalistin Siri Keil.

Eine Veranstaltung der Landesarbeitsgemeinschaft „Arbeit und Armut“.

Quelle: Eingesandt