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Heleno Saña: Verteidigung des Menschlichen – Eine Antwort auf die brutalisierte Welt von heute

24. Oktober 2016

heleno-in-hamburg_7-10-2016

Hamburger Vortrag, Oktober 2016

Wir leben in einer Welt, die nicht nur, aber vor allem von der überall herrschenden Unmenschlichkeit geprägt ist. Schon aus diesem Grund ist Leben gleichbedeutend mit Unsicherheit, Unbehagen und Angst eng verwoben. Es gibt in der Tat immer weniger Menschen, die sich wohl in ihrer Haut fühlen, die weniger Gründe haben, sich sorgenlos ihres Daseins zu erfreuen. Entgegen den apologetischen Verheissungsparolen der Machtkartelle, die die Geschicke der Welt in ihren Händen haben, bewegen wir uns in Richtung eines Gesellschaftsmodells, das immer schneller nicht nur Maschinen und technische Wunder aller Art, sondern auch Elend, Armut, Erwerbslosigkeit, soziale Ausgrenzung und seelische Panik produziert. Man kann, glaube ich, die Zeit, die zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gegenwart liegt, als eine Zeit der zunehmenden Desillusionierung bezeichnen. Das gegenwärtige Zeitalter erweist sich immer deutlicher als ein Produkt der übelsten Traditionen der Menschheit, gehört vollends zu der von Erich Voegelin vor einigen Jahrzehnten umfassend untersuchten «Pathologie des modernen Geistes». Das alte klassische Ideal des Wahren, Schönen und Guten ist durch das Unwahre, Hässliche und Schlechte weitgehend ersetzt worden. Wir sind längst in einen neuen nihilistischen Abschnitt der Weltgeschichte eingetreten.

Während alles um uns herum immer undurchsichtiger und mächtiger wird, fühlen wir uns zunehmend kleiner, verlassener, ohnmächtiger. Ständig müssen wir aufpassen, dass uns das gesellschaftliche Ganze nicht jeden Ausgang versperrt und uns nicht in einen Abgrund stürzt. Leben heisst heute vornehmlich im Alarm- und Abwehrzustand leben zu müssen. Der seelische Frieden, den die grossen Denker und geistigen Führer der Menschheit von jeher als die unerlässliche Voraussetzung für ein erfülltes und sinnvolles Dasein betrachtet haben, ist heute ein kaum erreichbares Ziel. Was in der Regel herrscht, ist vielmehr Unmut und innere Spaltung, so dass jeder von uns in mehr oder weniger großem Ausmass eine „split personality“i ist.

Dieselben Widersprüche, Konflikte und Uneinigkeiten, die in der objektiven, äusseren Welt stattfinden, haben sich auch dem Inneren des Einzelnen bemächtigt. Das Sartresche „je suis en danger“ (Ich bin in Gefahr) bildet eine konstante Erfahrung des gegenwärtigen Individuums.

Die Zivilisation, die sich ständig und ungeniert brüstet, das höchste Stadium der Weltgeschichte zu verkörpern, hat sich in Wirklichkeit als das Zeitalter der Zerstörung, des Irrationalismus und der Barbarei in ihren verschiedensten Formen erwiesen. Die westliche Welt lebt seit Jahrhunderten mit der selbstgefälligen Überzeugung, die antike Barbarei hinter sich gelassen zu haben, ohne dabei auf die naheliegende Idee zu kommen, dass sie ihr eigenes Modell der Barbarei erzeugt hat. Das „regnum hominis“ ii, das den Humanisten der Renaissance vorschwebte, ist seit langem zum Reich des Inhumanen geworden. Der Mensch erlebt heute das Dasein vorwiegend als Triebunterdrückung, als Selbstnegation und als Verzicht auf seine tiefsten Bedürfnisse. Die waltende spätkapitalistische Weltordnung bedeutet für immer mehr Menschen nichts anderes als Subordination, Heteronomie und Fremdbestimmung. Wer heute wirklich das Sagen hat, ist nicht der souveräne Demos – also das Volk –, sondern die allumfassende Macht des Kapitals.

Falsches Glück

Der heutige Mensch verwechselt den Sinn des Lebens mit den kapitalistischen Gesetzen, die überall herrschen. Oder wie Erich Fromm in diesem Zusammenhang in einem seiner Bücher schrieb: „Der Mensch hat sich selbst in eine Ware verwandelt und fasst sein Leben als Kapital auf, das gewinnbringend investiert werden muss; wenn ihm das gelingt, ist er erfolgreich und sein Leben hat Sinn; wenn nicht, ist er ein Versager“ («Das Christusdogma und andere Essays»).

Die Suche nach Selbstverwirklichung wird vom System bewusst fehlgeleitet und dient keineswegs der Erfüllung des Einzelnen, sondern der Umsetzung seiner eigenen Interessen. Das angebliche Glück, das trotz der überall herrschenden inhumanen Verhältnisse viele Menschen empfinden, beruht auf das durch Reklame und mentale Manipulation erzeugte falsche Bewusstsein. Unnötig zu unterstreichen, dass dort, wo ein falsches Bewusstsein herrscht, das Glück genauso falsch ist.

Der Erfüllungsdrang richtet sich heute vorwiegend zum Banalen hin; deshalb breitet sich überall Trivialität aus. Gerade, weil er in der Tiefe seines Wesens unglücklich ist, will der Durchschnittsmensch unbedingt geniessen, auf welche Art auch immer. Aber mit diesem vulgär-hedonistischen Weg kann man keine Erfüllung finden, die diesen Namen verdient, wie schon Simone Weil wusste: „Jede Suche nach Lust ist Suche nach einem künstlichen Paradies (…) Sie gibt uns nichts, ausser der Erfahrung, dass sie eitel ist“ («Zeugnis für das Gute»).

Wir leben nicht nur in einem genusssüchtigen Zeitalter, sondern auch in einem Zeitalter, das alles Erdenkliche unternimmt, das Leiden zu verdrängen, zu relativieren, auszublenden oder einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen. Eine Aufgabe die vom Showbusiness, der Unterhaltungsindustrie, dem Sport, den Massenmedien und der Werbung vorbildlich und äusserst wirksam erledigt wird. Wieder einmal bestätigt sich, was Adorno vor Jahren feststellte: „Es gehört zum Mechanismus der Herrschaft, die Erkenntnis des Leidens, das sie produziert, zu verbieten“ («Minima Moralia»). Und dennoch stellt das Leiden die Haupterscheinung unserer Zeit dar. Leiden überall, unendliches, nie aufhörendes, sich immer in grössere Dimensionen vermehrendes Leiden. Hätte heute Leibniz behaupten können, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben? Es ist Voltaire, der recht behalten hat, nur, dass das Erdbeben von Lissaboniii heute weltweites physisches und psychisches Elend heisst.

Unsere Zeit befriedigt lediglich die niedrigsten, vulgärsten und oberflächlichsten Triebe des Menschen, unterdrückt hingegen seine tieferen, höheren Bedürfnisse und Sehnsüchte. Leben ist heute nicht Fülle, wie das System unentwegt behauptet, sondern Privatioiv, Entbehrung von allen wichtigen humanen, geistigen und ethischen Werten. Man spricht vom Reichtum der westlichen Gesellschaft und man verschweigt dabei, wie arm der Mensch der Ersten Welt in immaterieller Hinsicht geworden ist. Entsprechend besteht unser Sein im tieferen Sinn weitgehend auf Nicht-Sein. Es kann kein wahres Glück geben ohne moralische Prinzipien, und dies sowohl in persönlicher wie in zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Diese auf Platon und Aristoteles zurückgehende Wertgrundlage, ist heute genauso gültig wie damals, unabhängig davon, ob man ihr folgt oder nicht.

Gerade, weil von dieser ethischen Tradition wenig übrig geblieben ist, kann das gegenwärtige Individuum kaum glücklich sein.

Moralischer Krebs

Die Jagd nach dem unbedingten Erfolg und dem damit verbundenen Kampf aller gegen alle, ist seit langem der moralische Krebs unserer Zeit geworden. Da die Menschen unter der Herrschaft des Weltkapitals stehen, kann sich keiner der Allgegenwärtigkeit des waltenden Konkurrenzkampfes entziehen. Das genetische Moment dieses Kampfes ist ökonomischer Natur, seine Folgen dringen aber in alle Bereiche des Seins und des Lebens in Form von Selbst- und allgemeiner Zerstörung ein. Die Krise, die die Welt durchlebt, ist in ihrer tiefsten Bedeutung eine Krise der Moralwerte, auch wenn sie sich vordergründig und vor allem in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zeigt. Das In-der-Welt-sein ist für einen immer grösser werdenden Teil der Menschheit zur Hölle geworden. Die damnés de la terre, in deren Namen Frantz Fanon vor sehr langer Zeit seine leidenschaftliche Stimme gegen die Industrienationen erhobv, existieren nicht nur weiter, sondern haben nicht aufgehört, sich zu vermehren. Mit der Zunahme der Probleme wächst zugleich die Unfähigkeit, sie zu meistern und sie aus der Welt zu schaffen. Daher die sich ausbreitende Atmosphäre von Panik und Endzeitstimmung, nicht nur wegen der in letzter Zeit in Europa verübten Attentate des IS und anderer islamischer [islamistischer] Terror-Organisationen.

Die von den abendländischen Nationen errichtete Zivilisation hat nicht nur die äussere, ökologische Struktur der Welt und des Lebens verändert, sie hat ebenso zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Psyche des Menschen geführt. Unser Ich ist genauso kaputt oder noch kaputter als die Natur selbst. Nicht Selbst-, sondern Fremdbestimmung ist das übliche Los des Menschen der Warengesellschaft.

Der Mensch der gegenwärtigen Konsumgesellschaft schafft es immer weniger, sich selbst zu finden und sich Klarheit über das Ganze zu verschaffen, weil er vergessen hat, was er wirklich ist. In diesem Sinne ist es durchaus berechtigt, zu behaupten, dass er ein artifiziellesvi Produkt der von ihm selbst geschaffenen Zivilisation geworden ist. Der Automatismus unseres Erhaltungs- und Überlebenstriebs treibt uns dazu, weiter zu machen, aber in der Tiefe unsere Seele wissen wir, dass das Allerwichtigste nicht mehr stimmt. Und nicht zuletzt: wir sind schrecklich allein mit unseren Kümmernissen und unerfüllten Sehnsüchten. Auch dies gehört zur Befindlichkeit des heutigen Menschen. Tiefe Einsamkeit ist heute das normale Schicksal eines jeden, der sich weigert, sich dem Lauf der Dinge blindlings zu unterwerfen.

Orientierungslosigkeit

Insgesamt sieht die Welt immer düsterer aus. Wir leben in einem verdinglichten und entfremdeten Zeitalter, in dem der Mensch als solcher immer weniger zählt. Selbstfindung ist die Ausnahme, innere Orientierungslosigkeit die Regel, ein Zustand, der den chaotischen Charakter der äusseren Verhältnisse genau widerspiegelt. Die Erde hat aufgehört, ein Zuhause für die Menschen zu sein. Entsprechend schwindet immer rascher die Hoffnung auf eine günstigere, erträglichere Zukunft. An die Stelle des „Prinzip Hoffnung“ von Ernst Bloch ist Hoffnungslosigkeit und Resignation getreten. Die heldenhafte Gestalt des homme révolté, der Albert Camus in den 50er Jahren die Ehre erwiesvii, gehört seit langem zur Vergangenheit. Die spätkapitalistische Gesellschaft hat es geschafft, mittels ständiger Indoktrinierung und mentaler Manipulation, die Bereitschaft zum Widerstand gegen die herrschende Faktizität gründlich zu ersticken, und dies, obwohl die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in den letzten Jahren immer prekärer und unmenschlicher geworden sind.

In einer Welt, die immer unmenschlicher wird, kann der Sinn des eigenen Lebens nur darin bestehen, sich gegen diesen Zustand zur Wehr zu setzen und sich für die Herbeiführung einer gerechten und humanen Gesellschaftsordnung einzusetzen. Wahre Selbstfindung und wahre Selbstvollendung sind heute nur als Militanz gegen die herrschenden Verhältnisse denkbar. Alles andere ist Ersatzidentität und Kapitulation vor dem eigenen Gewissen. Die ganze Motivationslogik der bürgerlich-kapitalistischen Ideologie besteht auf dem instrumentellen Prinzip des Selbstinteresses. Das Ringen um eine bessere Welt geht hingegen vom Prinzip der Selbstlosigkeit und der Solidarität mit den anderen aus, insbesondere mit den Leidenden und Benachteiligten. Nicht die Schwachen muss man verachten, wie Nietzsche empfahl und wie es heute die Machtträger ebenfalls tun; verachten muß man vielmehr die Trophäen, mit denen das System seine Getreuen und Lakaien belohnt.

Man kann in tieferem Sinn nur von Erfolg oder Sieg sprechen, wenn unsere Handlungen einem humanen, nicht-egoistischen Ziel dienen. Alles andere ist Niederlage und Selbstbestrafung.

Das Endziel unseres Engagements gegen Gewalt, Krieg, Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und andere Formen der Irrationalität kann kein anderes sein, als die Herbeiführung eines herrschaftsfreien Miteinander zwischen den Einzelnen, der gesellschaftlichen Gruppen, der Völker und die Aufhebung jeglicher hierarchischer Machtstrukturen. Die wichtigsten Weltanschauungen und philosophischen Systeme waren von je her universell ausgerichtet und suchten entsprechend die Einheit des ganzen Menschengeschlechts, ein Ideal, das die Stoa viii mit ihrer kosmopolitischen Auffassung paradigmatisch zum Ausdruck brachten. Rund 300 Jahre vor Christus träumte Zenon aus Kition ix von einer Weltordnung, die mit der engen Auffassung der klassischen Polis x brach und sich von jeder ethnischen und räumlichen Diskriminierung und Abgrenzung distanzierte.

Der waltende Zeitgeist tendiert dazu, alle Werte und Eigenschaften im Keim zu ersticken, die gerade unerlässlich wären, um den heillosen Zustand zu überwinden, in dem sich die Welt insgesamt befindet. Und das erste, was fehlt, um Widerstand gegen die herrschende Sinnlosigkeit leisten zu können, ist eine Kultur der Gemeinschaft, die das System bekämpft. Was das System interessiert und was es mit allen Mitteln fördert, ist einzig und allein die Gesinnung des Partikularismus; deshalb preist es immer wieder die angeblichen Vorzüge der Privacyxi und des Individualismus als die erstrebenswertesten Güter an, also jene Haltungen und Ansichten, die den Einzelnen von seinen Mitmenschen entfernt. Wir leben in einer Massengesellschaft, aber die meisten Menschen sind einsame und beziehungslose Monadenxii geworden. Mit vollem Recht hat Paul Ricoeur unterstrichen, dass wir „in einer Welt ohne Nächsten“ leben («Geschichte und Wahrheit»). Es gibt stets ein anonymes Publikum für alle möglichen Veranstaltungen und Events, aber kaum einen Gemeinschaftsgeist, der dieses Namens würdig wäre. Die Menschen scheinen vergessen zu haben, dass Sein immer Sein mit Anderen ist, Bindung an sie. Daher die Abwesenheit einer kollektiven Bereitschaft, sich gegen die bestehenden Verhältnisse zur Wehr zu setzen.

Wahre Selbstverwirklichung

Der Mitmensch hat weitgehend aufgehört zu existieren. Er wird entweder als eine Abstraktion oder als Rivale betrachtet, der der eigenen Selbstförderung im Wege steht. Im offenen Gegensatz zu dieser erbärmlichen Einstellung, erinnert uns die grosse Revolutionärin und soziale Mytikerin Simone Weil daran, was die Kategorie des Nächsten bedeutet: „Zu wissen (von ganzer Seele zu wissen!), dass der Andere wirklich existiert, dies ist das Kostbarste und Begehrenswerteste“ («Zeugnis für das Gute»). Dieses rührende Bekenntnis zum Nächsten, das Simone Weil in ihren Exil-Aufzeichnungen zum Ausdruck brachte, steht in krassem Kontrast zum heute herrschenden Ich-Absolutismus. Ähnliches gilt für die intersubjektive Philosophie Emmanuel Lévinas‘ und der vor ihm von Martin Buber entwickelten Ethik des „Ich -Du“. Es fehlt die Kultur der gegenseitigen Hilfe und der Solidarität.

Das gegenwärtige Zeitalter zeichnet sich unter anderem durch den Versuch aus, die Dimension der Transzendenz aus dem Bewusstsein des Menschen zu vertreiben. Das System gibt sich nicht zufrieden mit der Beherrschung der materiellen Welt; es will darüber hinaus die Beherrschung der geistig-spirituellen Sphäre gewinnen. Zu diesem Zweck hat es den Utilitarismus, den Pragmatismus und den Positivismus hervorgebracht und als einzig sinnvolle und in Frage kommende Denk- und Daseinsoption erklärt. Die Hegemonie dieser flachen Ideologien hat die Welt in eine axiologische xiii Wüste verwandelt, deren Endergebnis die Liquidierung jeglicher Form von Transzendenz ist. Nicht auf die Erhöhung, sondern auf eine Verflachung der persönlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse läuft alles hinaus. Der Durchschnittsmensch der Waren- und Konsumgesellschaft hat sich für das Unwesentliche gegen das Wesentliche entschieden, dem Überflüssigen anstatt dem Sinnvollen den Vorzug zu geben, das Banale anstelle des Transzendentalen gewählt. Der überwiegende Teil der Selbstverwirklichungs- und Selbsterfüllungsparadigmen, die die bürgerliche Weltanschauung hervorgebracht und auch weitgehend durchgesetzt hat, sind nur Ersatz für ein wahrhaft sinnvolles Dasein. Was sie als ein Sieg feiert, ist in Wirklichkeit ein Phyrrussieg. Die gleiche Ideologie, die wie keine andere vorher den Menschen dazu getrieben hat, sein Ego optimal zu entwickeln, hat selbst dafür gesorgt, dieses Ziel im voraus zu vereiteln.

Angesichts dieser trostlosen Lage scheint mir naheliegend, die Worte in Erinnerung zu bringen, die Max Horkheimer 1940 zur Papier brachte und deren Aktualität ich nicht zu unterstreichen brauche: „Wir müssen dafür kämpfen, dass die Menschheit durch die grauenvollen Ereignisse der Gegenwart nicht gänzlich entmutigt wird, dass der Glaube an eine menschenwürdige, friedliche und glückliche Gesellschaft nicht von der Erde verschwindet“ («Die gesellschaftliche Funktion der Philosophie»).

Eines steht für mich auf jeden Fall fest: Mensch sein in einer entmenschlichten Welt kann nur heissen, sich auf die Seite der Gedemütigten und Entrechteten zu schlagen; eine Option, die meines Erachtens keine Last, sondern vielmehr ein Privileg ist und darüber hinaus der einzig wahren und vollendeten Form der Selbstverwirklichung entspricht.

Heleno Saña

iFußnoten

eine gespaltene Persönlichkeit

ii lateinisch: das Reich des Menschen (auf Erden); grundlegend formuliert von Francis Bacon (1561-1626) in seinem Werk Instauratio Magna Scientiarum (Die große Wiederherstellung des Lernens/der Wissenschaft).

iii Die Zerstörung Lissabons im Jahre 1755 durch ein Erdbeben ist eine der größten Naturkatastrophen Europas. Es hinterließ auch unter den Philosophen der Aufklärung einen tiefen Eindruck und veranlasste Voltaire (1694-1778), die u. a. von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) postulierte Behauptung, man lebe ‚in der besten aller möglichen Welten‘, einer beißenden Kritik zu unterziehen.

iv lateinisch: die Befreiung, das Befreitsein.

v s. Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt/M 2015 (suhrkamp).

vi künstlich, gekünstelt

vii s. Albert Camus, Der Mensch in der Revolte (1951), Hamburg 1953 (Rowohlt).

viii Philosophische Richtung im antiken Griechenland des 3. Jh. v.u.Z.

ix Zenon von Kition (ca. 333/332 – 262/261 v.u.Z.) – auch Zenon der Jüngere genannt; griechischer Philosoph und Begründer der Stoa.

x Stadt, Staat – Bezeichnung im antiken Griechenland für den Kern des jeweiligen Staatsverbandes.

xi Privatheit.

xii Karl Marx bezeichnet in seiner Arbeit Zur Judenfrage 1844 die Freiheit in der bürgerlichen Gesellschaft als Freiheit des Menschen als isolierte auf sich zurückgezogene Monade (MEW Bd. 1, S. 364) – Monade (griechisch): in der Philosophie die kleinste (unteilbare) Einheit; in der Philosphie Leibniz Urbestandteil der Weltsubstanz.

xiii axiologisch, (von altgr. ἄξιος áxios, ‚Wert‘, + -logie) steht für die allgemeine Lehre von den Werten (Wertphilosophie).

One Comment leave one →
  1. Anonymous permalink
    29. Oktober 2016 22:29

    Danke für die Verschriftlichung des Vortrags!

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