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Arbeiterinnen und Arbeiter aller Länder – vereinigt euch! Proletari din toate țarile – uniți-vă!

13. Oktober 2016

vereinigteuchFür anarchistischen Sozialismus! Pentru socialism libertar!

In ganz Europa wachsen nationalistische Bewegungen, Regierungen weisen vor Krieg und Elend fliehende Menschen zurück, misshandeln sie an den Grenzen. Mit dem Nationalismus eng verbunden sind gerade in Osteuropa die Kirchen. In Ungarn und Rumänien vertreten sie extrem reaktionäre Positionen. Teilweise sind sie offen faschistisch. Sie sind Bastionen der Frauenunterdrückung und Frauenverachtung, des Hasses gegen Homosexuelle und der sexuellen Selbstbestimmung. Die Lebensbedingungen in den Ländern Osteuropas sind für die große Mehrheit der Bevölkerung prekär. Die Armut ist groß. Auch hier in Mitteleuropa arbeiten und leben zunehmend mehr Menschen unter prekären Bedingungen. Arbeitsverträge sind befristet, Löhne niedrig, viele brauchen mehrere Jobs, um sich und ihre Angehörigen über die Runden zu bringen. Die Zeitarbeit boomt und damit die Unsicherheit über das Leben morgen. Aus Osteuropa emigrieren immer mehr Menschen nach Deutschland und Westeuropa. Hier hetzen Nationalisten und „Patrioten“ gegen sie und propagieren reaktionäre, falsche Werte. Sie wollen weniger Freiheit, einen repressiven Staat, rassistische Politik und sehen Nichtdeutsche als Menschen zweiter Klasse. Dabei verbindet uns alle, die wir uns für unsere Existenz prostituieren/verkaufen müssen, viel mehr, als uns trennt.

Wir werden vom selben System drangsaliert, müssen unsere Lebenszeit und Gesundheit an das Kapital verkaufen. Als Baustein in der Kette der Repression haben die Staaten rechtliche Unterschiede aufgrund der Herkunft der Menschen in Gesetzen festgeschrieben. Viele eingewanderte ArbeiterInnen leben dadurch illegal, entrechtet, haben kein Bleiberecht. Nutznießer dieses menschenverachtenden Zustandes ist einmal mehr das Kapital und mehrheitlich die reiche Bevölkerungsschicht. Arbeitern auf Baustellen wird der Lohn vorenthalten, bei Arbeitsunfällen sind die Kollegen auf sich alleine gestellt, Kindermädchen und Hauswirtschafterinnen müssen sich schlecht bezahlt um den Nachwuchs der Reichen sorgen. Dabei sollen sie noch dankbar darüber sein, diese Stellen erhalten zu haben. Das ist das System der Kapitalisten, der Menschenfresser – es ist ihre Gesellschaft, nicht unsere.

In einem ersten Schritt, quasi als Zwischenziel, müssen wir daher gemeinsam für die rechtliche Gleichstellung aller hier lebenden Menschen, unabhängig davon, wie sie in das Land gekommen sind, eintreten. Jeder Mensch hier muss den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Gleicher Lohn muss für gleiche Arbeit gezahlt werden – ohne Ausnahme. Zeitarbeit ist abzuschaffen. Jeder Mensch, der hier lebt, muss zudem das uneingeschränkte Recht auf Grundsicherung haben, die generell sanktionsfrei zu gewähren ist. Geld dafür ist genug da. Es muss von den Kapitalisten, den Unternehmen und Reichen geholt werden.

Gegen Nationalismus und reaktionäre Weltbilder

In allen Gesellschaften sind die Menschen durch die jeweilige Erziehung und die kulturellen Eigenheiten geprägt. Nationalisten und nicht wenige bürgerliche Medien versuchen in Deutschland Angst und Ablehnung vor geflüchteten und emigrierten Menschen zu erzeugen. Sie versuchen sich zum einen als „Verteidiger abendländischer Werte“ zu stilisieren, zum anderen Angst vor einer angeblichen „Überfremdung“ zu erzeugen. Ihre „abendländischen Werte“ sind reaktionär und freiheitsfeindlich. Ihr Einfluss hat in den letzten Jahren zugenommen. Der gesellschaftliche Rechtsruck ist nicht zu übersehen. Unsere Aufgabe ist es, den Nationalisten und der rechten und rassistischen Hetze entschieden entgegenzutreten. Nationalisten stehen für Rassismus, Terror gegen Andersdenkende, für Brandanschläge und Morde, für Weltkriege, Massenmord und Klassengesellschaft. Sie sind die Stiefellecker des Kapitals. Sie treten nach unten und buckeln nach oben.

Tatsächlich erleben wir generell einen wachsenden Einfluss autoritärer Ideologien, Bewegungen und Religionen. In Betrieb und Gesellschaft sind wir immer mit Menschen konfrontiert, die freiheitsfeindliche und reaktionäre Ansichten vertreten. Erfahrungen zeigen, das viele der KollegInnen aus Osteuropa Homosexuellen feindlich gegenüber stehen und ein klassisches patriarchalisches Bild von Familie und Partnerschaft vertreten. Viele sehen weiterhin in Religion und Kirche bzw. dem Imam, leitende Autoritäten für ihr Leben. Sie übertragen die angebliche „Richtigkeit“ ihrer Ansichten auf ihre Umwelt, auf andere Menschen, die sie danach beurteilen, ob sie den Geboten folgen bzw. der „gesellschaftlichen Norm“ entsprechen. Tun sie dies nicht, dann blicken sie auf diese hinunter und halten sich für etwas besseres. Manche wollen durch Zwang und Propaganda ihre reaktionären Vorstellungen durchsetzen. Die Diskussion und Zurückweisung dieser Ansichten ist ein wichtiger Teil im täglichen Klassenkampf. Es gilt sie mit freiheitlichen, anarchistischen Ideen und Gedanken zu widerlegen und zu überzeugen. Hier kommt die Mehrfachfunktion des Anarcho-Syndikalismus zum tragen. Es geht nicht nur um die materielle Besser- und Gleichstellung, die politische Gleichberechtigung, ein Leben im Wohlstand, es geht auch um persönliche Selbstbestimmung und kulturelle Freiheit, um Bewusstsein und Emanzipation. Gegen überzeugte, fanatisierte Reaktionäre jeglicher Schattierung helfen allerdings keine Argumente. Sie sind unsere Feinde. Reaktionäre Ansichten spalten den Kampf für unsere gemeinsamen Interessen als Lohnabhängige. Egal mit welchem kulturellen Hintergrund – wir Arbeiterinnen und Arbeiter müssen uns vereinen und gemeinsam für unsere Interessen kämpfen!

Es ist offensichtlich und notwendig, dass im Zuge einer grundsätzlichen sozialen Umgestaltung der gesellschaftliche Einfluss von Religionen und Kirchen beendet werden muss. Ebenso braucht es in jedem Land neue Formen der Bildung und der Schule. Nationalistische und elitäre, geschichtsfälschende und irrationale Inhalte sowie ausbeuterische Ideologien haben keinen Platz in einer auf Erkenntnis, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung basierenden Welt.

Für einen anarchistischen Sozialismus, für eine freie Gesellschaft

Wir wollen eine selbstverwaltete, freie Gesellschaft, in der wir Menschen in Freiheit und Selbstbestimmung leben können. Eine Gesellschaft ohne oben und unten, ohne Chefs und Untergebene, ohne Existenzängste und Armut. Eine Gesellschaft, in der es keine Klassen mehr gibt, in der alle Menschen gleichberechtigt und ohne Ausgrenzung frei leben können. Entscheidungen werden basisdemokratisch getroffen, Betriebe und Kommunen selbstverwaltet. Wir nennen diese Gesellschaft anarchistischen Sozialismus oder anarchistischen Kommunismus. Unsere Leitschnur ist dabei das alte Motto der libertären Arbeiterbewegung Jedem Menschen nach seinen Fähigkeiten, jedem Menschen nach seinen Bedürfnissen. Selbstredend hat dieser wirkliche Sozialismus nichts mit den totalitären und freiheitsfeindlichen Systemen des sog. Realsozialismus zu schaffen. Dort herrschten, je nach Land, Parteifunktionäre und Familienclans. Der Staat war der größte Kapitalist und bestimmte über das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter. Er bekämpfte unabhängige Arbeiterinitiativen und verfolgte diese. Eine Gesellschaft des anarchistischen Kommunismus ist keine Utopie. Vor 80 Jahren, 1936, erkämpften Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern in Spanien eine solche Gesellschaft durch die soziale Revolution. Sie hatten sich in anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften organisiert, gegenseitig gebildet und dadurch die Voraussetzungen geschaffen, alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche zum Nutzen der Bevölkerung in Selbstverwaltung übernehmen zu können. Diese freie Gesellschaft wurde durch Faschisten, Nationalisten, die katholische Kirche, autoritäre Parteikommunisten (Stalinisten) und sozialdemokratische Politiker bekämpft und schließlich militärisch besiegt. Doch auch innerhalb der anarcho-syndikalistischen Bewegung gab es zögerliche Funktionäre, welche die Zeichen der Zeit nicht erkannt hatten. Daher ist es auch für den heutigen Kampf um eine freie Gesellschaft wichtig, aus der eigenen Geschichte zu lernen und die Erkenntnisse daraus für die Gegenwart konstruktiv anzuwenden. Die Aufgaben heute sind vielfältig. Die anarcho-syndikalistische Bewegung in Deutschland ist eine Minderheitenbewegung. In Rumänien existieren nur Zirkel.

Gebraucht werden KollegInnen, GenossInnen, die dazu beitragen wollen, dass die Bewegung stärker, größer, besser und einflussreicher wird. Je mehr mit anpacken, desto besser kann sich der gemeinsame Kampf entwickeln. Im hier und jetzt gilt es, sich solidarisch zu unterstützen, betriebliche und gesellschaftliche Kämpfe zu führen und diese mit dem Ziel einer freien, anarchistischen Gesellschaft zu verbinden. Und dies über jeden nationalen, staatlichen Rahmen hinaus. Wir Arbeiterinnen und Arbeiter müssen uns weltweit vereinen und gemeinsam und solidarisch an unserer Befreiung arbeiten.

Leseempfehlungen zum Vertiefen

Ausführlicher und vertiefender als dieser kurze Artikel finden sich Beschreibungen und Informationen zum Anarcho-Syndikalismus und anarchistischen Kommunismus in den folgenden Büchern. Manche Texte sind auch online zu lesen.

Mit uns voran! Unser Weg. Das Programm der Freien Arbeiter Union Deutschlands (Anarcho-Syndikalisten F.A.U.D.) Reprint von 1931 mit einem Nachwort des Historikers Helge Döhring. Verlag Barrikade, 64 Seiten, 1 €.

Martin Veith: Die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft. Der Text erklärt Methoden, Ziele und Organisationsformen einer anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft. Syndikat A, 40 Seiten, 2,50 €.

Helge Döhring: Anarcho-Syndikalismus. Einführung in die Theorie und Geschichte einer internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung. Edition AV, 250 Seiten, 18 €.

Erich Mühsam: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat – Was ist kommunistischer Anarchismus? Syndikat A, 84 Seiten, 4 €.

Nestor Machno: Das ABC des revolutionären Anarchisten. Diverse Auflagen. Online hier: https://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/nestor-machno/60-nestor-machno-das-abc-des-revolutionaeren-anarchisten

Quelle: Revista BUNA

One Comment leave one →
  1. Roboter übernehmen Produktionsmittel für kapitalistische Klasse permalink
    18. Oktober 2016 23:23

    Roboter übernehmen Produktionsmittel für kapitalistische Klasse

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