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Rumänien: Antifaschistische Position von „Salvați Roșia Montană“ nur Fassade für westliche Gruppen?!

12. Juli 2016
angriffaufantifa

Antifaschist nach körperlichem Angriff von Faschisten während der Proteste für Roșia Montană in Bukarest. Der Angriff fand statt, weil er nicht in rumänisch sprach und keine Nationalflagge mit sich trug. Der Angriff erfolgte, nachdem sich der Protestzug mit dem Marsch „Bessarabien ist rumänisches Land“ vereinte.

2014 kam es zu physischen Angriffen von Faschisten (Neolegionären) auf antifaschistische TeilnehmerInnen des größten Widerstandsfestivals Rumäniens gegen die chemische Goldauswaschung in den Apuseni-Bergen: dem FânFest in Roșia Montană. Während der Attacken griff niemand der Umstehenden ein. Auch die Organisatoren der „Salvați Roșia Montană“-Kampagne („Rettet Roșia Montană“) um die Gruppe „Alburnus Maior“ sah keine Notwendigkeit, gegen die Faschisten aktiv zu werden. Auch als ihnen der Angriff berichtet wurde, verhielten sie sich passiv und schlossen die dutzenden, faschistische Abzeichen und Uniformen tragenden Neolegionäre nicht von dem Festival aus. Aus dem antifaschistischen Spektrum Rumäniens wurde der Angriff aufgegriffen und von Alburnus Maior eine schriftliche Stellungnahme eingefordert (Siehe dazu BUNĂ #1). Auf alle Anschreiben reagierte Alburnus Maior nicht. Daraufhin wandten sich rumänische Antifaschisten in einem Offenen Brief mit dem Titel „Gegen die Ignoranz faschistischer Gewalt in Rumänien“ an die „Salvați Roșia Montană“-Kampagne und die Öffentlichkeit. Das Schreiben wurde von libertär-antifaschistischen Vereinigungen in Rumänien und verschiedenen anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Gruppen aus Deutschland unterzeichnet, darunter von der Redaktion der BUNĂ sowie dem Verlag Barrikade.

Daraufhin sah sich die Kampagne „Rettet Roșia Montană“ zum ersten Mal gezwungen, auf die faschistische Gewalt zu reagieren und übersandte uns eine Antwort, die wir in der letzten Ausgabe veröffentlichten. Die Redaktion der BUNĂ forderte daraufhin die „Salvați Roșia Montană“-Kampagne und Alburnus Maior freundlich auf, ihr in deutscher Sprache verfasstes Antwortschreiben an die deutschen Gruppen auch in rumänisch zu verfassen und in Rumänien zu veröffentlichen. Dies ist bis heute nicht geschehen. Damit wird die Überzeugung, die in der nachfolgend veröffentlichten Stellungnahme von Antifaschist/innen aus Craiova zum Ausdruck kommt, untermauert, dass der „Rettet Roșia Montană“-Kampagne nur daran gelegen ist, im Westen ihr gutes Image als entschiedene Umweltschutzbewegung nicht ankratzen zu lassen und die politische und finanzielle Unterstützung – auch aus Deutschland – nicht zu verlieren. Wir verlangen eine eindeutige Stellungnahme der „Rettet Roșia Montană“-Kampagne in rumänischer Sprache und ihre Veröffentlichung in Rumänien.

Redaktion BUNĂ

Eine deutsche Antwort an die deutschen Gruppen
(Auszug aus „Rettet Roșia Montană ohne Faschisten“ – Salvați Roșia Montană fără fasciști. Împotriva ideilor și violențelor fasciste din cadrul campaniei „Salvați Roșia Montană”)

von AntifaschistInnen aus Craiova

Wir möchten euch über die Tatsache informieren, dass Alburnus Maior eine Antwort in deutscher Sprache an die deutschen Gruppen gesendet hat, die den offenen Brief („Gegen die Ignoranz faschistischer Gewalt in Rumänien“, Anm.d. Red.) unterzeichnet haben. In diesem Antwortschreiben erklärt die „Rettet Roșia Montană“-Kampagne, dass sie zu jeder Zeit eine klare Position gegenüber nationalistischen, rassistischen oder xenophoben Ideologien bezogen hat und die Bewegung niemals ein sicherer Platz für nationalistische, rassistische oder xenophobe Kräfte sein wird. Wir denken, dass Alburnus Maior mit diesem sehr irreführenden Brief nur versucht, ihr gutes Image in westlichen Aktivisten-Zirkeln zu bewahren und die Unterstützung, die sie von außerhalb des Landes erfahren, nicht aufs Spiel zu setzen. Diese Auffassung (dass die „Rettet Rosia Montana“-Kampagne klare Positionen gegen faschistische etc. Positionen bezogen hat, Anm. d. Red.) kann anhand einiger Gründe nicht ernst genommen werden.

1. Sie behaupten, dass der faschistische Angriff, den wir in unserem Brief beschrieben haben, ein Einzelfall sei und es gefährlich wäre, diesen für die gesamte Kampagne zu verallgemeinern. Wir haben nie behauptet, dass die gesamte Kampagne faschistisch, nationalistisch, rassistisch oder fremdenfeindlich ist, noch war dies ein Einzelfall. Jeder der jemals an Veranstaltungen mit Bezug zur Bewegung teilgenommen hat, konnte mit Leichtigkeit beobachten, dass gut organisierte Elemente, die diese Ideen und Aktivitäten vertreten, ein beträchtlicher Teil der Kampagne sind. Wir sind der Auffassung, dass nicht die Menschen, die von Faschisten angegriffen werden, eine Gefahr darstellen oder diejenigen, die versuchen, Ereignisse wie das vorgefallene zu verhindern, sondern diejenigen, welche diese Fakten ignorieren und sich weigern, darüber zu sprechen.

2. Sie sagen, sie hätten eingegriffen, wenn sie informiert worden wären. Mitglieder der Organisationsgruppe wurden unverzüglich nach dem stattgefundenen Angriff informiert und ihre Reaktion bestand darin, den privaten Sicherheitsdienst anzuhalten, nach der gestohlenen Flagge Ausschau zu halten. Auch dies kann von den Organisatoren nicht als unbedeutende gewaltsame Randerscheinung abgetan werden. Es handelte sich um einen politischen Angriff, der von Mitgliedern einer extremistischen ultra-nationalistischen Gruppierung gegen einige Leute ausgeführt wurde, die friedlich ihre Ablehnung gegenüber diesen Ideen und Verhaltensweisen zum Ausdruck brachten.

3. Die wichtigste Sache, die uns daran zweifeln lässt, dass Alburnus Maior wirklich daran interessiert ist, den faschistischen (oder nationalistischen, rassistischen und fremdenfeindlichen) Einfluss in der Kampagne zu stoppen, ist die Tatsache, dass sie zu keinem Zeitpunkt solch eine Stellungnahme in der Öffentlichkeit von sich geben wollen oder irgendeine andere Form von Antwort in rumänischer Sprache. Selbst als die deutschen und rumänischen Gruppen, die den Brief unterzeichneten, nach einer Antwort in rumänischer Sprache verlangten, war ihr Verhalten das selbe wie über die gesamte Zeitspanne, nämlich die Anfrage zu ignorieren und zu so zu tun, als ob nichts geschehen sei. Dabei darauf hoffend, dass nicht zu viele Menschen davon erfahren und das am Ende alles Vergessen sein wird. Wenn dies nicht funktioniert, dann können sie jederzeit damit beginnen, zu versuchen, die Antifaschist/innen zu verleumden und ihnen vorzuwerfen, gegen die Kampagne zu sein und ihr schaden zu wollen.

Zusammenfassend halten wir fest: Wir sind der Auffassung, dass Alburnus Maior nur daran interessiert ist, dass möglichst viele Gruppen und Menschen sich in der „Rettet Roșia Montană“-Kampagne einbringen. Wenn Leute, die von Faschisten zusammengeschlagen werden, dies nicht stillschweigend hinnehmen wollen, werden sie als gefährlich für die Einheit der Kampagne hingestellt. Wir sagen es laut und deutlich: Gefährlich für die gesamte Kampagne sind nicht nur die Faschisten, sondern auch jene, die sich weigern, faschistische Ideen und Gewalt öffentlich in deutlichen Worten zu verurteilen, jene die dies tolerieren und sich dieser Position anschließen, jene, die sich auf die Anwesenheit von Nationalisten und Rechtsextremisten stützen wollen, wenn Massenaktionen notwendig sind und jene, willentlich oder nicht, die eine Plattform für die extreme Rechte schaffen um ihnen Anerkennung und öffentliche Sichtbarkeit zu verschaffen.

Übersetzung ins Deutsche durch BUNĂ

Das Original in Rumänisch und Englisch findet sich auf dem Blog des Kollektivs „Do it Yourself“ aus Craiova: http://diycraiova.noblogs.org/?page_id=624

Wer mit den verantwortlichen Organisatoren der „Rettet Roșia Montană“-Kampagne in Kontakt treten mag, um diesen die Meinung zu sagen, kann dies über die folgenden email-Adressen und Telefonnummern machen:

Email:
alburnusmaior@ngo.ro oder calin.capros@yahoo.com.

Telefonisch:
Eugen David: 040740280309, Präsident der Alburnus Maior NGO
Călin Capros: 040742524387, Vize-Präsident der Alburnus Maior NGO

Kontakt zu den AntifaschistInnen in Craiova: diycraiova@riseup.net

Erschienen in BUNĂ #3

Quelle: Revista Buna

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  1. Antifa Training permalink
    12. Juli 2016 08:14

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