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Nothing Neues in der deutschen Klassentheorie

29. Juni 2016

bewernitz_nothingincommon_webRezension:Das Buch „Nothing in Common“ reflektiert das Thema soziale Klasse in der deutschen Linken. Zeitgemäß ist das Werk, im Gegensatz zu englischsprachigen Pendants, kaum.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Johnny H. Van Hove

In den Vereinigten Staaten und Großbritannien werden gelegentlich grundlegende und sehr lesenswerte Studien über soziale Klasse öffentlich debattiert. Class in the 21st Century von Mike Savage ist so ein Buch. Anhand einer breiten BBC-Umfrage zeigt Savage überzeugend auf, dass die Insel eine 7-Klassengesellschaft ist, die in dauerhaften Klassenkämpfen gefangen sei.

Weit Vorne im Klassenkampf stünden demnach eine Million reicher BritInnen, ungefähr 6 Prozent der Bevölkerung, die alle anderen Klassen wirtschaftlich, kulturell und sozial überflügeln und abhängen. Nicht nur deswegen sei, laut Savage, Großbritannien zutiefst gespalten. Auch die Klassen unterhalb dieser 6 Prozent stehen sich wie Fremdkörper gegenüber, vom Prekariat und der traditionellen Arbeiterklasse über die etablierte Mittelschicht bis hin zur technischen Mittelklasse. Die klassische, marxistische Klassenaufteilung – Proletariat vs. KapitalistInnenklasse – wird hier überzeugend problematisiert und aktualisiert.

In Deutschland ist die Frage der sozialen Klasse(n) kein breit diskutiertes, empirisches Thema, sondern sie ist vielmehr ein Linkes, theoretisches Kampfkonstrukt, in dem die veränderten Realitäten des 21. Jahrhunderts (wie Mike Savage sie beschreibt) eher langsam einsickern. „Nothing in Common? Differenzen in der Klasse“ von Torsten Bewernitz, eine Aufsatzsammlung des Autors, ist dafür geradezu exemplarisch.

Schmucker Titel, modernes Layout, reizvolle Marketingtexte: Der Verlag edition assemblage hat offenkundig versucht, das Buch von Bewernitz für ein breiteres Publikum attraktiv zu machen. Der Inhalt suggeriert allerdings zügig, dass dieses Werk hauptsächlich Eingeweihte der marxistischen Theorie als Zielgruppe fokussiert. Lenin, Marx und weitere Größen des Linken Standardprogramms passieren mehrmals Revue, gelegentlich flankiert von Bourdieu. Gekonnt werden sie diskutiert, sicherlich, aber die Relevanz viele dieser Intellektuellen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert für heute muss erst einmal hergestellt werden – gegeben ist sie lange nicht.

Der Autor tritt regelmäßig offene Türen ein. Die breiteste aller Türen ist die Erkenntnis, dass soziale Klassen sehr heterogen seien. Pluralität innerhalb der (binär gedachten) Klassen ist mittlerweile so mainstream, dass es sogar im Parteiprogramm der Partei die Linke auftaucht: „Unterschiede im Einkommen, der beruflichen Stellung, der Qualifikationen, familiäre Herkunft und verschiedene Migrationshintergründe prägen die verschiedenen Milieus der Lohnabhängigen“, liest man dort. Bewernitz bewegt sich also brav im bestehenden Linken, marxistisch angehauchten Diskurs, in dem die plurale Gruppe des Proletariats bzw. der ArbeiterInnen den ebenso heterogenen KapitalistInnen gegenübersteht. Mit der Wirklichkeit hat diese Dichotomie kaum noch etwas zu tun, wie Mike Savages oben erwähntes Buch vermuten lässt. „Nothing in Common“ ist somit eine verpasste Chance, um die (längst fällige) deutsche Klassentradition herauszufordern.

Quelle: Freitag.de

7 Kommentare leave one →
  1. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm... permalink
    30. Juni 2016 22:08

    Ich kenne keinen schlechteren Verlag und kein schlechteres Verlagsprogramm als Edition Blamage.

  2. Glyphosat - Heimtückisches Gift - ZDF Frontal 21: permalink
    1. Juli 2016 17:09

    The BBC Great British Class Survey: Professor Mike Savage, LSE

    https://www.penguin.co.uk/books/265557/social-class-in-the-21st-century/

    https://www.theguardian.com/books/2015/nov/13/social-class-21st-century-mike-savage-review

    https://twitter.com/mikesav47032563?lang=de


    ‚If you’ve got money, you vote in … if you haven’t got money, you vote out‘
    Brexit is about more than the EU: it’s about class, inequality, and voters feeling excluded from politics. So how do we even begin to put Britain the right way up?

    http://www.theguardian.com/politics/commentisfree/2016/jun/24/divided-britain-brexit-money-class-inequality-westminster?CMP=Share_iOSApp_Other

    The Old New Politics of Class

  3. The BBC Great British Class Survey: Professor Mike Savage, LSE permalink
    1. Juli 2016 17:10

    The BBC Great British Class Survey: Professor Mike Savage, LSE

    https://www.penguin.co.uk/books/265557/social-class-in-the-21st-century/

    https://www.theguardian.com/books/2015/nov/13/social-class-21st-century-mike-savage-review

    https://twitter.com/mikesav47032563?lang=de


    ‚If you’ve got money, you vote in … if you haven’t got money, you vote out‘
    Brexit is about more than the EU: it’s about class, inequality, and voters feeling excluded from politics. So how do we even begin to put Britain the right way up?

    http://www.theguardian.com/politics/commentisfree/2016/jun/24/divided-britain-brexit-money-class-inequality-westminster?CMP=Share_iOSApp_Other

    The Old New Politics of Class

  4. BücherScorpion permalink
    1. Juli 2016 19:39

    Klar, die FAU und ihre murcksistischen Theoretiker wie Bewi biedern sich immer mehr der Düngergrube an.

  5. P.C.? Scheiß auf Hegel, Marx, Adorno ich guck lieber einen Porno permalink
    2. Juli 2016 19:38

    Im Grunde ist so ein FAU-Schund ja nur die Vorbereitung auf die neueste Theorie von den Szene-Hippies, dass es keine Klassen gibt und die Einordnung von Menschen in den Klassenbegriff – also das Konstatieren von gesellsch. Klassen – Diskriminierung ist.
    Überhaupt ist alles Diskriminierung in den letzten Jahren – habt ihr das auch gemerkt?
    Ich meine – es wird nicht mehr nachgedacht. Alles ist „Antisemit“, „Diskriminierung“ und „unterschiedliche Menschen, aus unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Ideen“ – wenn man die drei inhaltlosen Schlagworte in einen Absatz packt kann man beinahe schon eine neue anarchistisch-vegane Antifa-Föderation aufmachen…
    Und die Nazis und der Staat und die Reichen freuen sich – wenn die potenziellen Gegner Kacka in ihren Kopf rein machen. Und symptomatisch auch der andere Text hier auf Syndikalismus Blog, wo es um die Jugend geht, die irgendwo rumeiert, so à la „Ist so ne Phase“. Zum Kotzen ist das und das schlimmste sind die Affengurus die das alles verharmlosen und immer diese Asketenmiene aufsetzen, wo Selbstreflexion und Kritik sein sollte, um neue Wege zu erschließen. Ich hasse dieses szenige Aussitzen, bloß nix verändert. Anarchistisch konservativ immer in die Scheiße greifen, bis die Idee bei allen anderen unten durch ist, weil ihre Präsentation für den Popo war – jahrzehntelang. Irgendwann hängt einem die vegane Pampe auch mal zum Hals raus – damit immernoch die Leute ködern zu wollen und mit dem ganzen intellektuellen Scheißdreck – das ist doch klar warum so wenig Leute ANarchisten sind und immernoch Mehrheiten in D gegen ihre Interessen stimmen – was sollen sie auch machen – ins JUZ gehen und sich mit Scheidenpilz infizieren? Ist halt alles alternativlos, denn die Alternative wirkt nur dahergelabert, von einer Hand voll SPinner, die auch noch stolz drauf sind, alles falsch gemacht zu haben. Aber sie haben es mit Dreadlocks und gegendert falsch gemacht und dann ist das alles halb so wild, denn es gibt am Ende noch den Empowerment Space für Betroffene……

  6. Unterschichtenbomber permalink
    6. Juli 2016 00:20

    Unterschichtenbomber

  7. Every Bank is a Bad Bank: Du bist in der Krise. Dein Problem heißt Marktwirtschaft permalink
    3. August 2016 01:31

    Every Bank is a Bad Bank: Du bist in der Krise. Dein Problem heißt Marktwirtschaft

    „Das Ansehen der Marktwirtschaft als der angeblich besten aller denkbaren Welten ist arg lädiert. Auch in den vermeintlich entwickelten Ländern beschert sie Millionen Menschen Perspektivlosigkeit, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist mit anderen Krisen des globalen Kapitalismus verwoben: Energie-, Umwelt-, Klima-, Hungerkrise und staatlicher Zerfall in großen Teilen der Welt. Widerstand gegen die Zumutungen der Weltmarktkrise ist dringend notwendig. Aber man sollte auch ihre Ursachen verstehen.“ (Text: http://www.krisis.org/2009/every-bank-is-a-bad-bank )

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