Skip to content

Fußball-EM: Kein Hoch auf Schwarz-Rot-Gold

12. Juni 2016

2474_club_not_country_1Pünktlich zur EM wird wieder die deutsche Nation bejubelt und der unverkrampfte Partypatriotismus zur Schau gestellt, warum aber auch während der EM Patriotismus negative Folgen hat, verdeutlicht Nils Böhlke in diesem Artikel.

Ich habe vor sechs Jahren zum ersten Mal für marx21 einen Artikel darüber geschrieben, dass ich mir den Fußball nicht von den Nationalisten nehmen lassen möchte und mich niemals in eine Fanmeile stellen würde, um dort mit Schwarz-Rot-Gold auf der Wange der deutschen Nationalmannschaft zuzujubeln. Heute ist deutlicher denn je erkennbar, wie sich die Enttabuisierung nationaler Symbolik bei Sportevents negativ auf die gesellschaftliche Entwicklung auswirkt. Wenn ich das schreibe, geht es mir keinesfalls darum, mich gegen diejenigen zu stellen, die sich für Fußball begeistern. Nichts liegt mir ferner. Ich bin Fußballfan seit ich denken kann. Das erste Mal war ich im Alter von sieben Jahren im Stadion. Ich habe mich heiser geschrien für den FC St. Pauli und mit den anderen Fans viele Siege gefeiert und leider noch mehr Niederlagen erlebt. Während der Europameisterschaft werde ich mir so viele Spiele wie möglich anschauen. Dennoch werde ich niemals eine Deutschlandfahne in die Hand nehmen.

EM: »schwarz-rot-geil«?

Die »Bild« wird mich und andere, die ähnlich denken, als »Spaßbremse« und »Miesmacher« bepöbeln. Egal. Denn ich bin Überzeugungstäter: Ich bin überzeugt davon, dass der absehbare schwarz-rot-goldene Taumel gerade in der jetzigen Situation Wasser auf die Mühlen nationalistischer Kräfte wie der AfD sein wird. Über »schwarz-rot-geil« (»Bild«) freuen sich die Falschen. Wenn sich heute ein rechter Hardliner der AfD, Bernd Höcke, in einer Fernseh-Talkshow mit Deutschlandfahne präsentiert, sieht er sich an der Seite der Vielen, die sich in den letzten Jahren bei den großen internationalen Fußballturnieren auf den Fanmeilen tummelten. Die Enttabuisierung nationaler Symbolik wurde bereits nach der WM 2006 von konservativen Kräften bejubelt. So schrieb damals zum Beispiel die notorisch rechte CDU Hessen: »Die Fußballweltmeisterschaft in unserem Land hat den Umgang mit nationalen Symbolen wieder selbstverständlicher gemacht. Die Diktatur der Nationalsozialisten und die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs hatten das deutsche Nationalgefühl stark beschädigt. In den Jahrzehnten nach 1945 hatten wir Deutsche große Probleme, zu einem normalen Patriotismus zurückzufinden.

Das scheint nun gelungen zu sein.« Gerhard Haslinger, Bezirkspolitiker der rechtsextremen FPÖ in Österreich, frohlockte: »Eine herrliche Zeit! Man darf ungestraft zeigen, dass man auf seine Nation stolz ist und man darf öffentlich sein Land lieben. (…) Die gepredigte Vielfalt weicht der Nation, das Miteinander zerfällt zu Gegnern.« Auch NPD-Ideologe Jürgen Gansel freute sich über die Deutschlandfahnen: »Die Herrschenden in Politik und Kultur müssen feststellen, dass über 60 Jahre nach Kriegsende nationale Gemeinschaftssehnsüchte nicht länger unterdrückt und Nationalbewusstsein nicht mehr unter moralische Quarantäne gestellt werden kann.«

EM: Die Rechte fühlt sich pudelwohl

Nun will nicht jeder, der bei der Europameisterschaft einen Deutschlandwimpel schwenkt, die Wiederherstellung des Dritten Reichs oder eine starke AfD. Man kann sogar recht sicher davon ausgehen, dass das nur auf einen kleinen Teil der Deutschlandfans zutrifft. Tatsache ist jedoch: Die schwarz-rot-goldene Woge schafft eine Atmosphäre, in der sich die Rechte pudelwohl fühlt. Richtig hässlich wird es, wenn sich Patriotismus noch mit Spekulationen über einen feststehenden Nationalcharakter oder obskuren biologischen Annahmen paart. Vor der WM 2006 meinte Luis Fernando Suárez, Trainer des ecuadorianischen Teams, in einem Interview über die deutsche Mannschaft: »Die Deutschen spielen wie große Panzer, die alles, was sich ihnen in den Weg stellt, überrollen. Sie spielen realistisch, effizient. Sie sind Zerstörer, wie im Krieg.« Ähnlich äußerte sich Franz Beckenbauer, der wusste: »Wir Deutschen haben etwas im Blut, um das uns die ganze Welt beneidet. Wir geben nie auf.« Der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder variiert das völkische Motiv soziobiologisch, wenn er pseudowissenschaftlich analysiert: »Der südamerikanische und afrikanische Fußball haben genetisch andere Voraussetzungen.« Diese Pseudowissenschaft wird Teil des Alltagsbewusstseins. Autoren wie Thilo Sarrazin können darauf aufbauen und ihre Thesen auf andere Lebensbereiche ausweiten.

Die Erfindung der Nation

Die Annahme, dass sich in einer Nationalmannschaft und ihrer Spielweise ein Nationalcharakter manifestiert, ist absurd. Denn so etwas wie »das Deutsche« gibt es nicht. Nationalismus – und damit auch die Annahme einer feststehenden »deutschen Nation« – ist das Produkt frühkapitalistischer Gesellschaften. Der Begriff in seiner heutigen Bedeutung ist erst im späten 18. Jahrhundert entstanden, wie der Historiker Benedict Anderson in seinem Buch »Die Erfindung der Nation« gezeigt hat. Das, was wir heute als Deutschland kennen, war noch im frühen 19. Jahrhundert ein Mosaik verschiedener Königreiche und Fürstentümer. Lange Zeit gab es keine einheitliche deutsche Sprache. Ein Bewohner Badens hätte sich nicht mit einem Einwohner Mecklenburgs unterhalten können. Nachdem die Nationalstaaten entstanden waren und mit ihnen der Nationalismus, wurde im Nachgang eine Nationalgeschichte konstruiert, die nach Möglichkeit tausende von Jahren in die Vergangenheit zurückreichte. So wurde beispielsweise im 19. Jahrhundert der Germanenfürst Arminius, der im Jahr neun nach Christus die Römer in der Varusschlacht besiegt hatte, zu »Hermann«, dem Gründungsvater der Deutschen umgewidmet. Das sollte der Nation historische Tiefe geben, ist aber ein unhistorisches Konstrukt.

EM-Kader mit Migrationshintergrund

Bislang ist jeder Versuch der Konservativen, in »Leitkulturdebatten« festzulegen, was deutsch ist, im Sande verlaufen. Die Leitkulturvertreter scheitern schon daran, dass seit Jahren Pasta und Pizza die unangefochtenen Lieblingsessen der Deutschen sind, und nicht Eisbein oder Sauerbraten. Gesellschaften sind permanent im Wandel und Mentalitäten ändern sich. Debatten wie die über die »deutschen Tugenden« der Nationalmannschaft und die Leitkultur verfolgen nur einen Zweck: eine Einteilung in »wir« und die »anderen«, in Deutsche und Nichtdeutsche.Da h ilft es auch wenig, dass mit Mesut Özil, Jérome Boateng, Lukas Podolski, Emre Can, Mario Gomez, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Sami Khedira und Leroy Sané knapp die Hälfte des aktuellen deutschen EM-Kaders einen Migrationshintergrund hat – im Gegenteil. Alexander Gauland von der AfD meint, dass Jérome Boateng zwar als Fußballspieler beliebt sei, aber Deutsche jemanden wie ihn (er spielte auf die Hautfarbe an) nicht gerne als Nachbar hätten. Simpler kann man den Nützlichkeitsrassismus nicht mehr ausdrücken: Die dunkelhäutigen Fußballer werden zwar für ihre Arbeitskraft geschätzt, aber als Menschen, die sich in unserer Nachbarschaft aufhalten, sind sie unerwünscht. Sobald Boateng also (und jeder andere »Gastarbeiter«) seine Arbeitskraft nicht mehr zur Verfügung stellt, ist er aus der Sicht der AfD-Rassisten unerwünscht in diesem Land.

Nation statt Klasse

Während der Weltmeisterschaft 2014 gab es derweil eine Debatte, weil Boateng, Özil und Khedira die Nationalhymne zu Beginn der Spiele nicht mitsangen. In der »Welt« schrieb eine Kommentatorin »Die drei stehen stumm da und machen die schöne Idee kaputt, dass wir mit der Hymne zu einem einigen Ganzen werden könnten.« In diesem Satz wird wunderbar deutlich, worum es eigentlich geht: Das große deutsche »Wir« beschwören, um die soziale Spaltung zu verkleistern. Der »Spiegel« brachte es im Jahr 2006 auf den Punkt: »Es ist tatsächlich eine Stimmung der Einheit, die Deutschland erfasst hat. (…) Für die Dauer eines Turniers interessieren sich Hartz-IV-Empfänger, Investmentbanker und Intellektuelle für dasselbe, im Jubel sind die Grenzen sozialer Herkunft verwischt.«

Warum das alles? Weil den Konservativen »das gebrochene Verhältnis der Deutschen zur Nation« ein Dorn im Auge ist. Das hat einen Grund: Die deutsche Gesellschaft ist tief gespalten. Die oberen fünf Prozent der Bevölkerung verfügen über 46 Prozent des Vermögens und die oberen zehn Prozent sogar über zwei Drittel. Allein das oberste Prozent besitzt über 23 Prozent des Reichtums in Deutschland. Gleichzeitig haben zwei Drittel der Bevölkerung nahezu kein eigenes Vermögen. Als Folge des Sozialabbaus der letzten Jahre öffnet sich die Schere immer weiter und immer schneller. Die »Süddeutsche Zeitung« (»SZ«) zeigte in einer Reportage anschaulich, wie selbst Menschen, deren soziale Existenz völlig zerstört ist, das Nationalgefühl annehmen. Unter einer Brücke in München machte das Blatt obdachlose Fußballfans ausfindig: »›Wir haben oft genug vom Staat auf den Sack bekommen‹, sagt Indie, ›aber wir stehen trotzdem für Deutschland, weil wir hier geboren sind, weil das unser Vaterland ist.‹ Sein Feuerzeug hat die Farben Schwarz-Rot-Gold.« Die »SZ« wollte mit diesem Artikel die allumfassende Begeisterung dokumentieren. Doch eigentlich ist diese Geschichte sehr traurig. Indie bräuchte ein Dach über dem Kopf, eine Gesellschaft, die sich um ihre Schwächsten kümmert. Stattdessen bekommt er Schwarz-Rot-Gold. Und das kann man bekanntlich nicht essen.

Die EM und der »Patriotismuseffekt«

Politik und Wirtschaft setzen ganz bewusst auf den »Patriotismuseffekt«. Im Vorfeld der WM 2006 ließen es sich 25 Konzerne 30 Millionen Euro kosten, um uns von Plakatwänden, aus Zeitungen und im Fernsehen immer wieder dieselbe Botschaft zu predigen: Du bist Deutschland! In ihrem Manifest appellieren die Initiatoren: »Behandle dein Land doch einfach wie einen guten Freund. Meckere nicht über ihn, sondern biete ihm deine Hilfe an.« Auch der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder und die CDU unterstützten die Kampagne.

»Spiegel«-Autor Matthias Matussek argumentierte ähnlich: »Umfragen zeigen ja, dass die Deutschen im Prinzip zu schmerzhaften Einschnitten bereit sind. Wenn es dann allerdings um die konkreten Maßnahmen geht, dann antworten die jeweiligen dann betroffenen Gruppen wiederum anders. Aber ich glaube, dass es ein Nationenzusammengehörigkeitsgefühl braucht, um gerade durch schwierige Zeiten zu kommen und zu sagen: Okay, das muss jetzt sein, diesen Einschnitt machen wir. Und da ist Patriotismus natürlich sehr tauglich.« Diese Rolle hat Nationalismus seit jeher gespielt: eine zwischen arm und reich, zwischen Klassen gespaltene Gesellschaft unter dem Banner von »Volk« oder »Nation« zu vereinen, um dann für die Nation Opfer einzufordern. Anschaulich schildert das Henrik Müller, damals stellvertretender Redakteur des »Manager-Magazins« in seinem 2006 erschienenen Buch »Wirtschaftsfaktor Patriotismus – Vaterlandsliebe in Zeiten der Globalisierung«. Darin klagt er: »Statt sich auf den ökonomischen Wettbewerb einzustellen und mitzuspielen, verlangen viele in Deutschland nach internationalen Lösungen: zum Beispiel nach einer Harmonisierung der Steuer- und Sozialsysteme innerhalb der EU, mit dem Ziel, den Standortwettbewerb zu begrenzen. Es liegt auf der Hand, welche Reformen in Deutschland anstehen: ein grundlegender Umbau der Sozialsysteme, die weitere Öffnung des Arbeitsmarkts und der Märkte für Dienstleistungen.« Neidisch blickt der Journalist auf die erfolgreiche Konkurrenz: »Andere Länder haben es vorgemacht – in den 1980er Jahren die Niederlande, Großbritannien, die USA, Neuseeland, in den 1990er Jahren Schweden, Finnland, Dänemark; erst recht die vormals sozialistischen osteuropäischen Staaten. Sie alle haben sich in kollektiven Kraftakten auf die neuen Realitäten eingestellt, haben grundlegende Reformen durchgesetzt.«

Müller wirbt deshalb für die entsprechende Ideologie, um diesen »kollektiven Kraftakt« auch im Interesse der deutschen Konzerne durchzusetzen: »Das Bindemittel des Patriotismus – das Zugehörigkeitsgefühl zu dem und die Opferbereitschaft für das nationale Kollektiv – wird offenkundig benötigt als emotionaler Gegenpol zu einer ökonomischen Globalisierung.«

Es gibt keinen unverkrampften Patriotismus

Sie reden vom Weltmeistertitel und meinen den Exportweltmeister – eine Position, die errungen wurde auf dem Rücken von immer schärfer ausgebeuteten Beschäftigten. Dieses Spiel sollten Linke nicht mitmachen und auch während der Europameisterschaft über die wirklichen Probleme im Land reden. Und das ist nicht ein mögliches Ausscheiden in der Vorrunde, sondern Dinge wie zum Beispiel Schäubles Dogma einer »schwarzen Null«, die zur Zerstörung der sozialen Infrastruktur führt. Politiker, Manager und Medien werben für den angeblich »unverkrampften« Patriotismus, weil sie hoffen, hinter der Fassade des neuen »Wir-Gefühls« Politik gegen alle Menschen in Deutschland machen zu können – egal, ob sie Deutsche, Türkinnen, Italiener oder Serbinnen sind. Jedoch sollten weder Deutsche noch andere der Regierung dabei helfen, indem sie das Bild ihrer Städte mit schwarz-rot-goldenen Fahnen prägen.

Quelle: Die Freiheitsliebe

One Comment leave one →
  1. WM: Die verdrängten Massenproteste von Paris // Das Spiel dauert 90 Minuten – ein neues Gesetz 57 Sekunden permalink
    16. Juni 2016 11:31

    Während die Mainstreammedien von der EM berichten, protestierten in den letzten Tagen mehr als zwei Millionen Franzosen auf den Straßen gegen ihre Regierung. Der hauptsächliche Grund für den anhaltenden Protest sind die Arbeitsmarktreformen von Francois Hollandes Regierung, die per Dekret am Parlament vorbei verabschiedet wurden. Der deutsche TV-Zuschauer erfährt davon nur am Rande und stichwortartig; verpackt als Bedrohung, neben Terrorgefahr und Hooligans. Alexander Pohl ist für die NachDenkSeiten vor Ort und versucht zu erklären, was ARD, ZDF und Co. nicht erklären wollen.
    Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=33820

    Ein heilloses Durcheinander

    Für heute ist in Frankreich weiterer massiver Protest gegen das von der Regierung Holland eingebrachte Gesetzesprojekt zum Arbeitsmarkt angekündigt. Die Gewerkschaftsverbünde CGT, FO, FSU, Solidaires, UNEF, UNL und FIDL haben zur Demonstration in Paris aufgerufen.
    Währenddessen setzt der Senat (das »Oberhaus« des französischen Parlaments neben dem Unterhaus, der Nationalversammlung) seine Beratung über das Gesetz fort. Wir dokumentieren hier eine Kritik des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty am Arbeitsmarktgesetz der Regierung.
    Während die sozialen Spannungen Frankreich zu blockieren drohen und die Regierung weiterhin den Dialog und Kompromiss verweigert, erweist sich das Gesetz zur Reform des Arbeitsmarkts immer deutlicher als das, was es ist: ein heilloses Durcheinander, ein weiteres in einer fünfjährigen verpatzten Regierungszeit, und vielleicht das schlimmste.
    Die Regierung will uns glauben machen, dass sie den Preis dafür zahlt, Reformen voranzubringen, und dass sie allein gegen alle Formen von Konservatismus kämpft. Die Wahrheit sieht auch bei diesem Thema anders aus: Die Regierungsmacht vervielfältigt die Improvisationen, Lügen und den handwerklichen Pfusch.
    Das zeigte sich bereits beim Thema Wettbewerbsfähigkeit. Die Regierung stieg damit ein, dass sie – zu Unrecht – die Kürzungen der Arbeitgeberbeiträge zurücknahm, die die vorherige Regierung veranlasst hatte, bevor sie ein unwahrscheinliches Monsterverfahren startete, und zwar in Form eines Steuerkredits, der darauf zielte, den Unternehmen einen Teil der ein Jahr zuvor geleisteten Beiträge zu erstatten, wobei sie einen enormen Reibungsverlust wegen des Mangels an Verständlichkeit und Nachhaltigkeit ihrer Maßnahmen bewirkte. Stattdessen hätte sie eine ehrgeizige Reform der Finanzierung der Sozialversicherung angehen sollen.
    Quelle: Sozialismus aktuell
    Eine Reform zum Weinen
    Da liefen die Tränen: Gleich zu Beginn der gewerkschaftlichen Großkundgebung gegen die Arbeitsmarktreform hat die Ordnungspolizei CRS in Paris am frühen Nachmittag Tränengas gegen mehrere hundert Demonstranten eingesetzt.
    Damit wollten die Sicherheitskräfte entschieden gegen „Casseurs“ (Randalierer) vorgehen, die die Konfrontation mit der Polizei suchen. Mit diesem Begriff werden summarisch alle bezeichnet, die sich den polizeilichen Anordnungen widersetzen oder die Sicherheitskräfte gewaltsam provozieren. Bis Redaktionsschluss wurden 13 Personen festgenommen.
    Das massive Vorgehen der Staatsmacht gegen Zehntausende von friedlich Protestierenden ist ein Zeichen der Schwäche: Es symbolisiert die Art und Weise, wie die weitgehend isolierte sozialistische Regierung in Paris eine Politik durchboxen will, die in der Bevölkerung auf breiteste Ablehnung stößt.
    Die Verzweiflung über die an Sturheit grenzende Unnachgiebigkeit der Regierung wirkt radikalisierend. Am Dienstag waren es Tausende, die zum Teil vermummt mit Appellen zum „Aufstand“ wie „Paris debout, soulève-toi!“ (Paris, lehne dich auf) die Ordnungshüter herausforderten. Bei den Zusammenstößen mit der CRS, die zum Teil mit Material eines Baugeländes beworfen wurde, sind mehrere Personen verletzt worden. Dazu kreiste permanent ein Helikop­ter über den Köpfen der Demonstranten, aus dem wahrscheinlich alles gefilmt und das Vorgehen der Polizeieinheiten koordiniert wurde.
    Quelle: taz – http://www.taz.de/Sozialproteste-in-Frankreich/!5309354/

    Streiks in Frankreich: „Neu aber ist das Ausmaß der Repression“
    „Gegen das Arbeitsgesetz und seine Welt“ – unter diesem Motto ist in Frankreich in den letzten Wochen eine der größten Bewegungen seit dem Mai 1968 entstanden. Lukas Oberndorfer sprach für Mosaik mit Guillaume Paoli darüber, wie die Regierung Repression und Ausnahmezustand einsetzt, um den neoliberalen Umbau trotz der wegbrechenden Zustimmung durchzusetzen.
    Quelle: mosaik-blog.at – http://mosaik-blog.at/streiks-in-frankreich-neu-aber-ist-das-ausmass-der-repression/

    Frankreich: Orgie der Polizeigewalt
    Pariser Demonstration gegen das Arbeitsgesetz, die Protestbewegung hat es mit einer zum Äußersten entschlossenen Regierung zu tun
    „Bras Döner“ hat jemand am gestrigen Dienstag an eine Wand am Pariser Boulevard Port-Royal gepinselt, und dadurch so manchem Betrachter Rätsel aufgegeben. Eine neue Speise? Nein, ein Wortspiel mit bras d’honneur (wörtlich: „Ehrenarm“). So bezeichnet man im Französischen einen ehrenvollen Abgang, mit dem man sich das Gesicht wahrt, aber sich dennoch geschlagen gibt.
    Der unbekannte Autor oder die unbekannte Verfasserin mokierte sich über die Vorstellung, die in manchen Kreisen kursierte und der zufolge die gestrige Pariser Zentraldemonstration gefälligst den letzten Akt in der Auseinandersetzung um das geplante „Arbeitsgesetz“ (vgl. Reform für Arbeitgeber: „Gut für die Arbeitsplätze“?) darstellen sollte. Ebenfalls gestern begann im Senat, dem „Oberhaus“ des französischen Parlaments, die Debatte über den Gesetzentwurf. Sie soll bis zum 28. Juni dauern.
    Entscheidende Lesung des Gesetzes im Juli
    Die Nationalversammlung, also das „Unterhaus“ – das im Falle der Uneinigkeit zwischen beiden Kammern das letzte Wort hat -, hatte den Entwurf bereits am 12. Mai in erster Lesung angenommen. Oder eigentlich nicht, denn die Regierung unter Manuel Valls hatte eine im Kern autoritäre Verfahrensregel benutzt: Artikel 49-3 der französischen Präsidialverfassung erlaubt es einer Regierung, die Vertrauensfrage mit einer Sachdebatte zu verknüpfen. Wird kein Misstrauensantrag gegen die Regierung erfolgreich durchgebracht, dann gilt die strittige Vorlage automatisch als angenommen.
    Im Juli wird die entscheidende letzte Lesung in der Nationalversammlung stattfinden. Bis dahin haben sich die Gewerkschaften – die Mehrheit unter ihnen, denn die von rechtssozialdemokratischen Technokraten geführte CFDT unterstützt die Regierung in diesem Konflikt – und die soziale Protestbewegung Zeit gegeben, um den Entwurf doch noch vom Tisch zu bekommen.
    Quelle: Telepolis – http://www.heise.de/tp/artikel/48/48536/1.html

    ——————————————————————————————————–

    Das Spiel dauert 90 Minuten – ein neues Gesetz 57 Sekunden
    Diesmal also die Privatisierung des Autobahnbaus. Dass diese Maßnahme den Steuerzahler Unmengen an Geld kostet, ist klar. Aber die Privatisierung ist nun einmal eines der wesentlichen Instrumente des Neoliberalismus, und wenn schon, denn schon! Es ist das zweite Gruppenspiel, da kann schon fast alles klar gemacht werden, die nächste Runde wäre mit einem Sieg faktisch sicher, und überhaupt … Moment mal, war da noch etwas anderes? Ach, was soll‘s, darüber können wir immer noch nachdenken …
    Mindestens zwei Aktionen gegen das neue Gesetz sind aber anberaumt. Auf der Seite GiB („Gemeingut in BürgerInnenhand“) ist nachzulesen, dass am Donnerstag, den 16.6.2016, das Treffen der Ministerpräsidenten von Privatisierungsgegner begleitet werden soll. Es findet statt um 10.45 Uhr in der Bremer Landesvertretung in der Hiroshimastraße 24 in Berlin. Die zweite Aktion beginnt um 14.00 Uhr im Bundeskanzleramt in der Willy-Brandt-Straße 1, ebenfalls in Berlin. Dort treffen sich die Ministerpräsidenten erneut zu einer Sitzung. Das Schöne daran: Fußball-Fans können sowohl protestieren als auch das EM-Spiel konsumieren, diesmal gibt es keine zeitliche Überschneidung. Bequemer kann Widerstand wohl kaum sein.
    Quelle: Spiegelfechter – http://www.spiegelfechter.com/wordpress/133321/das-spiel-dauert-90-minuten-ein-neues-gesetz-57-sekunden

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: