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100 Jahre Sabaté – Ein militanter Anarchist und Antifaschist

23. Mai 2016

sabateBUNĂ Nr. 3 – Frühjahr 2016

Im Herbst 2015 publizierte die BUNĂ einen Aufkleber, um an Francesc Sabaté zu erinnern. Der spanische Anarchist, Syndikalist und antifranquistische Widerstandskämpfer Francesc Sabaté Llopart wäre 2015 100 Jahre alt geworden. In Spanien ist er ein lebendiges Symbol für einen konsequenten anarchistischen Kampf gegen die Organe der Unterdrückung und den Faschismus. In Deutschland wurde sein 100. Geburtstag von der libertären und antifaschistischen Bewegung leider kaum beachtet. Für uns ist dieser Umstand ein wichtiger Grund an den Menschen und Kämpfer zu erinnern. Diesem Ziel dient der zweisprachige, in deutsch und rumänisch gehaltene Aufkleber, den wir auch dieser Ausgabe beilegen.

Sabate wurde am 30. März 1915 in der katalanischen Stadt L’Hospitalet de Llobregat in einer Arbeiterfamilie geboren. Schon früh lehnte er sich gegen Ungerechtigkeiten und vom Bürgertum als „Autoritäten“ begriffene Machtmenschen auf.

So wehrte er sich bereits im Alter von zehn Jahren gegen die Schläge durch einen Priester in einer katholischen Schule, die er daraufhin verließ. Dieser Wesenszug, sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen und aktiv gegen diese vorzugehen, begleitete ihn sein gesamtes Leben. In jungen Jahren trat er der mitgliederstarken anarcho-syndikalistischen Gewerkschaftsföderation Confederación Nacional del Trabajo (CNT) bei sowie der Anarchistischen Föderation Iberiens, der FAI. Er beteiligte sich an Streiks und an verschiedenen regionalen Aufständen. Mit dem Putsch der Nationalisten, Militärs und der katholischen Kirche im Juli 1936 begann nicht nur ein Bürgerkrieg, sondern in verschiedenen Regionen Spaniens eine soziale Revolution, von deren Errungenschaften – auch unter Kriegsbedingungen – wir heute noch viel lernen können. Sabaté kämpfte in den anarcho-syndikalistischen Milizen, welche die nummerische Hauptkraft des antifaschistischen Widerstandes bildeten. Durch politische Machtspiele der „antifaschistischen Parteien“ und inkonsequentes, nachsichtiges Handeln anarcho-syndikalistischer Wortführer und Delegierter diesen gegenüber gelangten innerhalb weniger Monate die zuvor bedeutungslosen Parteikommunisten an einflussreiche Stellen innerhalb der antifaschistischen Republik. Die Parteikommunisten zerschlugen hunderte von Arbeiterinnen und Arbeitern selbst gebildete Kollektive und militarisierten den bewaffneten Widerstand. Die Arbeitermilizen wurden in eine traditionelle, hierarchische Armee umgewandelt. An der Spitze dieser Armeeeinheiten standen oftmals stalinistische Offiziere. Diese beabsichtigten die anarcho-syndikalistische und anarchistische Bewegung niederzuschlagen und deren bewaffnete Kolonnen auszumerzen. An verschiedenen Frontabschnitten wurden anarcho-syndikalistische Einheiten von den Stalinisten in aussichtslose Gefechte geschickt und dadurch vernichtet. Nachdem Sabaté einer solchen Tat eines stalinistischen Kommandanten gewahr wurde, rächte er seine gefallenen Genossinnen und Genossen und erschoss den stalinistischen Kommandanten noch an der Front. Nach dem Sieg der Faschisten 1939 ging Sabaté, wie ein Großteil der anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Bewegung, in den Untergrund. Zu den Aufgaben der von ihm gebildeten anarchistischen Aktionsgruppen zählten Banküberfälle und „Besuche“ bei faschistischen Großgrundbesitzern um mit dem erbeuteten Geld die Familien von anarchistischen Gefangenen zu unterstützen. An Ort und Stelle wurde oftmals die folgende Erklärung zurückgelassen: „Wir sind keine Räuber, wir sind Kämpfer des libertären Widerstands. Was wir soeben mitgenommen haben, wird ein wenig dazu beitragen, den verwaisten und elenden Kindern jener Antifaschisten zu essen zu geben, die ihr und euresgleichen erschossen habt. Wir sind Menschen, die niemals um das gebettelt haben und niemals um das betteln werden, was uns gehört.“ Durch die schnell ausgeführten Überfälle erhielt er bald den Beinamen „El Quico“, „der Schnelle“. Aktionen richteten sich zudem gegen faschistische Befehlshaber, wie den Polizeikommissar Quintela in Barcelona. Die Aktionsgruppen Sabatés waren in das anarchistische Widerstandsnetz eingegliedert, welches in Frankreich von emigrierten Angehörigen der CNT und FAI gebildet worden war. Unter der Arbeiter- und Bauernbevölkerung Spaniens, besonders Kataloniens und der Region um die Pyrenäen, wurden Sabaté und seine Aktionsgruppen schnell als eine Art „Robin Hood“ betrachtet und verehrt. Dem gegenüber standen offene Angriffe seitens führender Anarcho-Syndikalisten der CNT, darunter Federica Montseny, im französischen Exil, die seine Taten auf das schärfste verurteilten und ihn mehrmals in Artikeln der anarcho-syndikalistischen Presse diffamierten und zur Entsolidarisierung mit ihm aufriefen. Doch erfuhren Sabaté und die Aktionsgruppen Sympathie und Unterstützung von einem Großteil der aktiv im Untergrund kämpfenden anarchistischen Genossinnen und Genossen und ebenso von Teilen der Exil-CNT.

Sabaté setzte seinen bewaffneten Widerstand noch bis 1960 fort. Dann wurde er in einem Feuergefecht in der kleinen katalanischen Stadt Sant Celoni im Alter von 44 Jahren von der franquistischen Polizei erschossen. Noch heute findet dort in jedem Jahr an seinem Todestag eine Gedenkveranstaltung statt.

Dass Sabaté überhaupt in deutschsprachigen Gefilden bekannt wurde, ist seinem Biographen und Zeitgenossen Antonjo Tellez zu verdanken. Sein Buch „Sabaté. Stadtguerilla in Spanien nach dem Bürgerkrieg 1945-1960“ erschien 1974. Der Wiener bahoe-books Verlag hat es unter dem Titel „Sabaté. Ein aussergewöhnlicher Guerillero“ (ISBN 978-3-903022-06-5) 2015 neu aufgelegt.

Erschienen in BUNĂ Nr. 3 – Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien

Link: revistabuna.wordpress.com/
Quelle: bahoe books

One Comment leave one →
  1. FEUD - "Vlast" permalink
    26. Mai 2016 15:04

    FEUD – „Vlast“ ——– Fehde – „Macht“

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