Skip to content

Max Uthoff -Verrohung der Gesellschaft- Hartz IV – Gegendarstellung 2015

31. Dezember 2015
One Comment leave one →
  1. Adamee permalink
    6. Januar 2016 06:34

    Leider sehe ich kaum, dass Uthoff über die bereits zahlreich gemachten Erkenntnisse hinausgeht. Nämlich, dass der Vorwurf, Erwerbslose seien faul, nicht gerechtfertigt ist, weil sie tatsächlich arbeiten wollen.
    1:39: „Hartz4-Empfänger haben eine höhere Arbeitsmotivation als der Rest der Bevölkerung. Die wollen arbeiten, weil arbeiten nun mal einen Teil unseres Selbstwertgefühls ausmacht.“
    Ich sehe einen Fortschritt, wenn er sagt: „Wissen Sie was: Ich glaube, der Mensch ist nie strukturell faul. (…) Der Mensch hat vielleicht vom eigenen Elternhaus nicht die nötigen Fähigkeiten mitbekommen, um sich jeden Tag einer nervtötenden Arbeit zu stellen.“ (7:31) Hier stellt er mal überhaupt die Denkweise von „faul – ja oder nein“ in Frage, indem er das Faulsein als Einstellung verwirft. Der Mensch wird von den Umständen dazu getrieben, sich einigen Tätigkeiten zu entziehen, weil er zu diesen nicht die nötige Kraft aufbringen kann. Bei einigen Menschen ist dies nur kurzzeitig der Fall, bei anderen vielleicht jahrelang, weil sie keine Motivation und/oder Hilfe bekommen, es zu ändern. Das finde ich eine interessante Erkenntnis, die mir auch in den zeitgenössischen Medien so noch nicht begegnet ist.
    Ich finde aber, Uthoff hätte noch einen Schritt weitergehen und fragen können, ob es überhaupt Sinn hat, für eine Lohnarbeit die Faulheit zu überwinden. Wenn er von der nervtötenden Arbeit spricht, kratzt er bereits an der Oberfläche des Gedankens, den ich meine, aber spricht es nicht aus: Die ganze Argumentation, Arbeitslose würden arbeiten wollen, könnten es aber aus verschiedenen Gründen nicht, mag der aktuellen Situation zwar entsprechen. Aber letztendlich bewegt es sich immer noch in der geistigen Sphäre des Zentralismus, überhaupt so zu denken: Wer arbeiten will, ist gut, wer es nicht will, soll nicht essen… Hier wird uns die geistige Verwandschaft von Kapitalismus und theologischer Religion (hier Christentum, Bibel) auf dem Präsentierteller vorgelegt. Eigentlich sollte es aber, gerade für uns als Syndikalisten, klar sein, dass „lohnarbeitslos“ sein etwas gesellschaftsförderndes ist, etwas wovon der Mensch profitiert, und vor allem etwas, das den Kapitalismus schwächt und die Stärke der Arbeiterklasse hervorhebt.
    Dass es, vor allem finanziell, unangenehm, eine Herausforderung ist, erwerbslos zu sein, stelle ich natürlich nicht in Frage. Und auch, dass die Schikanen beim Amt die Würde der Menschen antasten, ist mir klar. Aber ist das denn für Lohnarbeitende anders? Wird man auf der Arbeit vom Chef nicht schikaniert? Steckt man nicht in einem dauerhaften Konkurrenzkampf mit den „Kollegen“? Und hat man dabei etwa am Ende des Monats genügend Lohn erarbeitet, sodass man sich keine finanziellen Sorgen mehr machen braucht? NEIN! Deshalb sollten wir uns einmal überlegen: Wie schlecht ist Erwerbslosigkeit wirklich? Müssen wir „arbeiten wollen“, um nicht – auch von scheinbar Gleichgesinnten – verurteilt zu werden?
    Dies ist kein Plädoyer für die Ausnutzung von Hartz 4. Ein scheiß Leben ist es so oder so im Kapitalismus. Insofern ist man als H4-Empfänger auch nicht unbedingt besser dran. Aber „Arbeitslosigkeit“ ist meiner Meinung nach nichts, wogegen ein Syndikalist kämpfen sollte. Sogar Maxim von K.I.Z. rappt: „Ich hab noch nie so treue Sklaven gesehen, die bereit sind, für mehr Arbeit auf die Straße zu gehen.“ Deshalb: wer „ja (lohn!)arbeiten will“, aber es nicht kann/darf, der sollte darüber nicht traurig sein, sondern froh, solange ihm ein gewisses Einkommen gesichert ist (etwa durch Hartz4).

    Noch ein Punkt, den ich aus Uthoffs Vortrag hervorheben möchte: Er sagt, der Mindestlohn habe auch keinen „sittenwidrigen Lohn“ verhindern können – Beispiel Martin Winterkorn. HIer stellt er das Prinzip Mindestlohn auf den Kopf, indem er sozusagen von oben betrachtet. Das finde ich echt klasse, denn es besagt eigentlich: Es kann einen noch so hohen Mindestlohn geben, aber durch die Klassengesellschaft wird dieser niemals ein „gerechter Lohn“ sein.
    (Zu Winterkorns Abfindung: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/frueherer-vw-chef-wie-viel-geld-bekommt-martin-winterkorn-13827773.html)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: