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Streik im Babylon ist beendet: Mitarbeiter entlassen

29. Dezember 2015

babylohnMonatelang haben Mitarbeiter des Kino Babylon in Berlin-Mitte für höhere Löhne gestreikt. Nun sind sie ihren Job los: Wie die Berliner Zeitung erfuhr, hat Geschäftsführer Timothy Grossman sechs seiner Mitarbeiter entlassen.

Sie kämpften jahrelang für höhere Löhne, doch nun sind sie ihren Job los. Der Geschäftsführer des Kinos Babylon in Mitte, Timothy Grossman, kündigt nach einem mehrmonatigen Streik sechs seiner Mitarbeiter. Das erfuhr die Berliner Zeitung aus Gewerkschaftskreisen.

Die Betroffenen, dazu gehört auch der Betriebsrat, haben ihren Entlassungen letztendlich zugestimmt und über die Gewerkschaft Verdi sozialverträgliche Konditionen über eine drei Monate dauernde Fortzahlung ihrer Bezüge bis März 2016 und die Höhe ihrer Abfindungen ausgehandelt. Von einer „einvernehmlichen Lösung“ sprechen die Gekündigten, die sich eine Rückkehr an ihren Arbeitsplatz unter Leitung Grossmans nicht mehr vorstellen können. Das Betriebsklima sei nach dem mehrmonatigen Streik und etlichen Konflikten mit der Geschäftsführung des Babylons nachhaltig gestört, heißt es.

Seit Juli 2015 hatten Mitarbeiter das Kino bestreikt und zum Boykott aufgerufen. Grossman hatte daraufhin Davidsterne an die Türen gemalt. Nachdem sein Mit-Geschäftsführer Tobias Hackel einen Insolvenzantrag gestellt hatte, berief ihn Grossman Ende November ab.

Quelle: Berliner Zeitung

3 Kommentare leave one →
  1. Fauler permalink
    30. Dezember 2015 10:20

    Traditionskino Babylon Mitte Babylon-Betreiber stellt Insolvenzantrag
    Von Stefan Strauß

    Berliner Zeitung vom 16.11.2015

    Wegen der wirtschaftlichen Lage des Kinos stellt ein Geschäftsführer den Antrag auf Insolvenz. Die Verbindlichkeiten sollen sich auf 150.000 Euro belaufen. Weit über 100 Gläubiger sind davon betroffen.

    Mit den Finanzen des Kinos Babylon in Mitte beschäftigt sich jetzt das Insolvenzgericht. Einer der beiden Geschäftsführer des Kinobetriebs am Rosa-Luxemburg-Platz, Tobias Hackel, hat vor wenigen Tagen einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. „Aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Hauses habe ich keine andere Wahl“, sagte Hackel der Berliner Zeitung. Dem Antrag zufolge, er liegt der Berliner Zeitung vor, soll die Neue Babylon Berlin GmbH Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 150.000 Euro haben. Weit über 100 Gläubiger sind davon betroffen.

    Tobias Hackel ist einer von zwei Geschäftsführern des Babylon. Ihm gehören als Gesellschafter 49 Prozent des Betriebs. Er ist vor allem zuständig für das Filmprogramm und hat bisher Lesungen, Filmreihen und Konzerte organisiert. Sein Kompagnon als Geschäftsführer und 51-prozentiger Gesellschafter ist Timothy Grossman, der seit einigen Jahren alleinvertretungsberechtigt agiert und alle personalpolitischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ohne Absprachen trifft. Wie berichtet, streiken Mitarbeiter des Hauses seit mehreren Monaten unbefristet für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

    Dauerstreik von Mitarbeitern

    Eine Einigung gab es bisher nicht, stattdessen haben Grossmans Anwälte Abmahnungen an mehrere Kinomitarbeiter geschickt wegen angeblich unwahrer Tatsachenbehauptungen und wegen des Erweckens falscher Eindrücke. Das Arbeitsgericht hat vergangene Woche zwei dieser Verfahren zurückgewiesen. Ein weiteres wird am 19. November verhandelt.

    Geschäftsführer Grossman hat nun Gelegenheit, dem Insolvenzgericht den Sachverhalt zu widerlegen. Er muss auch darlegen, dass er 90 Prozent der offenstehenden Verbindlichkeiten innerhalb von drei Wochen begleichen kann. Gelingt ihm das nicht, würde das Gericht einen Insolvenzverwalter einsetzen, der ein wirtschaftlich tragfähiges Zukunftskonzept für das Traditionskino entwickelt.

    Durch den andauernden Streik von Mitarbeitern sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Vorwürfe gegen Grossman laut geworden. Renommierte Veranstalter haben sich abgewandt und andere Orte für ihre Programme gesucht. Als Grossman dann im Oktober diesen Jahres auch noch Davidsterne an die Türen sprühte und einen Boykottaufruf in Frakturschrift an die Fassade hängte, kritisierten auch Künstler und Politiker diese Aktion. Der Sänger und Autor Thees Uhlmann sagte seine Lesung ab, ebenso Bela B. von den Ärzten. Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner distanzierte sich von der „hochgradig geschmacklosen Aktion“. Der Senat zahlt dem Kino für sein zum Teil kommunal ausgerichtetes Programm jedes Jahr viel Geld, aktuell sind es 358.000 Euro, wovon ein Großteil für die Miete des Kinos verwendet wird.

    Wie das Babylon trotz dieser hohen Fördersumme ein Fall für das Insolvenzgericht geworden ist, wird die Kulturverwaltung jetzt klären müssen.

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/traditionskino-babylon-mitte-babylon-betreiber-stellt-insolvenzantrag,10809148,32432384.html#plx213893484

    Und vorher:
    Babylon-Streik Gericht weist einstweilige Verfügung zurück
    Von Stefan Strauß
    Seit Wochen schwelt der Streit zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung.
    Berliner Zeitung vom 12.11.2015

    Ein Geschäftsführer des Kino Babylon wollte mit einer einstweiligen Verfügung gegen angeblich unwahre Tatsachenbehauptungen von streikenden Mitarbeitern vorgehen. Das Arbeitsgericht wies den Vorstoß jedoch zurück.

    Das Arbeitsgericht Berlin hat einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurückgewiesen und damit die Meinungsfreiheit der streikenden Mitarbeiter im Kino Babylon gestärkt. Ein Geschäftsführer war juristisch gegen angeblich unwahre Tatsachenbehauptungen und das Erwecken falscher Eindrücke in Flugblättern der Streikenden vorgegangen.

    Das Arbeitsgericht folgte dieser Sichtweise nicht. In weiteren Verfahren gegen Babylon-Mitarbeiter wird in Kürze verhandelt. Das Kino wird seit Juni unbefristet bestreikt. Mitarbeiter fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/babylon-streik-gericht-weist-einstweilige-verfuegung-zurueck,10809148,32393166.html#plx1930120510

  2. nachgedacht permalink
    31. Januar 2016 09:16

    Wieder kommt ein Snob gegen den Willen der Mehrheit durch, weil er den Staat auf seiner Seite hat.
    Auf der anderen Seite fehlte dem Arbeitskampf, so wie es zu lesen und auch in verschiedenen Youtube-Videos zu sehen war, die Ernsthaftigkeit.
    Ich finde das Problem steckt in solchen zunächst kämpferisch wirkenden Zusammenhängen überall: Man kämpft einfach nicht ganz – genauso, wie es vorher „nur ein Job“ war, ist es jetzt „nur ein Streik“, mal eben nebenbei…
    Diese Haltung ist das Resultat der bürgerlichen Lebensweise in die wir hineingepresst werden. Und zwar deswegen, weil man in der Arbeitsteilung nicht mit den Einzelteilen, die man als spezialisierte Aufgaben in der Gesellschaft übernimmt, nicht innerlich verbunden ist.
    Man macht nichts mehr „richtig“, „ganz“, „wahrhaftig“, sondern nur noch nebenbei: Die Hobbies, die nur Hobbies sind, laufen neben der Lohnarbeit, die Lohnarbeit neben dem Studium, die Affäre neben der Ehe, die Beziehung neben der Affäre, Zigaretten neben dem Bier, Bier neben gesunder Ernährung, gesunde Ernährung neben Ausnahmen, Fahrradfahren neben der Bahn, Bahnfahren neben dem zu Fuß gehen.
    Weil alle gesellschaftliche Energie Zentren zufließt, wie zum Beispiel das Geld stetig den wenigen Bonzen des Planeten zufließt, leben die Menschen nicht mehr miteinander, sondern nebeneinanderher. Der Grund ist auch, dass der Staat und das Unternehmertum die Beziehungen aufspalten und durch ihre Vertreter „vermitteln“.
    Damit sind sie ein politisches Kirchengebilde, welches nicht mehr zwischen „Gott“ und dem Menschen „vermittelt“, sondern zwischen den Menschen, um ihre Lebenswege in ihrem Sinne zu verfälschen.
    Das führt dann zu schwachen Arbeitskämpfen, lächerlicher Bewegungsaktivität, mittelmäßiger Leistung in allen Lebensbereichen, die kaum die ANstrengung wert ist.

    Die Wurzeln liegen tief im bürgerlichen System, welches nicht wirtschaftlich, sondern in allen Lebensbereichen von Zwangsvorstellungen geleitet wird und eben auch in solchen Zwängen ausufert, jeden Tag. Man sehe sich nur mal an, wie einfallslos und hässlich wirklich jede Straße, in jeder Stadt ist: eine dumme Architektur der bürgerlichen Mitte(lmäßigkeit) durchzieht wie eine Krankheit das Stadtbild und entleert ihr Antlitz vollkommen. ALles was nicht vorgegebenen Prinzipien folgt wird abgestutzt und damit abgetötet.
    Diese Lebensfeindlichkeit wirkt sich natürlich auch auf kämpferische Verbindungen aus.
    Diese müssen die entstandenen Wunden heilen, bevor sie irgendwas anderes machen. Zum Beispiel müssen sie durch andere Formen der Betriebe und der Produktion wieder sinnvolle Zwischenmenschlichkeit zwischen sich herstellen, denn sonst läuft man Gefahr nebeneinander her zu leben, da man ja mit den „Genossen“ eine schwächere Verbindung hat, als mit dem Ausbeuter – er bezahlt am Monatsende mit dem kärglichen Lohn, den er auszahlt, die Miete, währned die „Genossen“ am eigenen wirtschaftlichen Schicksal kaum ANteil nehmen. Natürlich wirkt sich diese Umverteilung im SInne der Abhängigkeit vom Bürgertum auf unsere Beziehungen aus….

    • nachgefragt permalink
      1. Februar 2016 00:05

      Wer oder was hält Dich auf oder davon ab?

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