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Eat the rich! And fuck racism!

29. Dezember 2015

lemmy

 

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  1. 100 Fragen an ... Lemmy Kilmister permalink
    31. Dezember 2015 14:12

    100 Fragen an … Lemmy Kilmister

    Wen begrüßen Sie mit Handkuss? Hasslieben Sie Hitler? Macht Headbangen dumm? 2003 stellte sich Lemmy Kilmister den 100 Fragen des „SZ Magazins“ – die Antworten.
    Von Moritz von Uslar

    2003 durfte Moritz von Uslar Lemmy Kilmister 100 Fragen stellen. Anlässlich des Todes des Motörhead-Sängers veröffentlichen wir das Gespräch erneut.

    In einem jämmerlichen Hotel aus Pappmaschee hinter der Papptür Nummer 25 sitzt das Metalmonster Lemmy Kilmister. Halbes Stündchen Interview. Dann Soundcheck. Lemmy: schwarzer Reiter, Antichrist, schönstes aller Scheusale, das Warzengesicht des Rock’n’Roll. Seit 1975 ist er Sänger und Bassgitarrist von Motörhead, „der lautesten Band der Welt“ (New York Times). Es gibt wenige hübsche Interviews mit ihm, weil seine Themen – Weltkriege, Warzen, Pornos, Tod – ja ganz in echt eisenhart, ekelhaft, stumpfsinnig böse sind. Er heißt nicht Tony Blair. Er ist Lemmy! Lemmy! Lemmy! von Motörhead – Abfall, Albtraum, epileptischer Anfall, der Dreck unter deinen Fingernägeln!

    Man weiß ja, das Böse zieht vor allem liebe Menschen, Gymnasiasten und Herrn Andrack von der Harald Schmidt Show an. Er öffnet, noch während man anklopft. Er schlurft, Haare hinters Ohr streichend, in seinen berühmten weißen Cowboystiefeln zurück zur Whiskyflasche auf dem Tisch. Schnaufen, alles sonstige Geräuschvolle, das aus Männern kommt. Gefärbte Haare, gefärbter Bart. Sein Trick ist, dass er schon vor dreißig Jahren alt aussah.

    Grau-weiß-rot gepunktete Alkoholikerhaut. Um seinen Hals ist ein Wehrmachtskreuz mit den Zahlen „1914-16“ gezurrt. Das eigentlich Irre ist, dass es einen wie ihn heutzutage überhaupt noch gibt: einen Rocker! Rührend! Er säuft echt! Man erkennt außerdem seine klugen Augen, Humor, ein Herz für schlechte Witze. Das wird was, solange der Whisky reicht. Zum Fragekonzept: das Härteste zuerst, dann langsam weich werden – so wie das Leben. Man hat natürlich ständig Angst davor, dass er einem ein Ohr abbeißt, verdammt! Sein Atem. Klingeln der Eiswürfel. Zigarette brennt.

    1) Wissen Sie, wo Saddam steckt?

    Nein. Wissen Sie’s? Sie kriegen einen Orden, wenn Sie es den Amerikanern verraten. Langsam wird es verdächtig. Sie haben ihn, wollen ihn uns aber nicht zeigen, damit das Gespenst Saddam weiter über uns schwebt.

    2) Wenn Sie Saddam persönlich bekämpfen müssten, welche Waffe würden Sie wählen?

    Ein Maschinengewehr. Er kriegt ein Messer.

    3) Halten Sie persönlich Massenvernichtungswaffen versteckt?

    Es gibt sie ja nicht! Man hat nie Massenvernichtungswaffen gefunden!

    4) Welche UN-Resolution akzeptieren Sie?

    Jede. Ganz gleich. Amerika hat vorgemacht, dass man auf die UN nicht mehr zu hören braucht. Jeder Club ist so gut wie seine Mitglieder.

    5) Wer ist schlimmer: Saddam oder Sie?

    Eindeutig er. Ich muss keine Menschen töten, um mein Ego zu befriedigen.

    6) Einverstanden, dass Saddam wie ein Gentleman aussieht?

    Jeder Geschäftsmann sieht so aus. Die meisten Arschlöcher sehen so aus.

    7) Richtig, dass Sie wie ein Gentleman aussehen?

    Nein. Ich benehme mich wie einer.

    Sein Whisky. Gurgeln, Schlucken. Aaaah … ! Jetzt sind auch noch alternde Metalmonster geistesgegenwärtige Menschen! Unfassbar. Seine Stimme klingt unerwartet hoch (Lemmy von Motörhead könnte Staying Alive von den Bee Gees singen). Seine Mimik wirkt flink und schwerelos. Jetzt klimpert er mit dem Glas neben seinem Ohr, zieht dabei eine Augenbraue hoch. Tanzende Augenbrauen!

    8) Richtig, dass Sie über einen Universitätsabschluss in Neuerer Englischer Geschichte verfügen?

    Das stimmt nicht. Ich habe nie eine Universität besucht.

    9) Welchen Paartanz beherrschen Sie?

    Tango.

    Zum Tod des Motörhead-Sängers Lemmy – von 1945 bis in alle Ewigkeit

    10) Wen begrüßen Sie mit Handkuss?

    Königinnen.

    11) Wahres Gerücht, dass Sie Ihre Liebeskonkurrenten bei Duellen im Mondschein zu erledigen pflegen?

    Nein. Ich habe keine Konkurrenten.

    12) Sind Sie das alte Europa?

    Das alte Europa! Ihr Arschlöcher!

    13) Was ist „deutsche Leitkultur“?

    Irgendeine Agenda, oder? Kultur ist alles, was das Bewusstsein der Bevölkerung erweitert. Oder? Sagen Sie es mir!

    14) Ein Beweis, dass Sie ein zivilisierter Vertreter der britischen Rockmusik sind?

    Das ist Ihr Job. Ich werde mich an Spekulationen nicht beteiligen.

    Er leckt sich über die Lippen, weil ihm die Antworten, die er gibt, so gut schmecken. Glückwunsch! Gluckgluck. Schön zu sehen, wie sich so ein Whisky als Belohnung für die eigene Schlagfertigkeit eignet. Ist man mal nicht so lustig, gut – dann genehmigt man sich trotzdem einen. Bis hierher: was für ein heller, sympathischer, souveräner Mann. Nun müssen wir runter, tief runter in Abgründe. Dorthin, wo die Dämonen wohnen.

    15) Immer noch überzeugt davon, dass Hitler einen guten Bassgitarristen abgegeben hätte?

    Er spielte Klavier – ein jämmerlicher Klavierspieler. Goebbels war der Begabtere.

    16) Welche Hitler-Biografie empfehlen Sie?

    Die von Joachim Fest.

    Yeah. Das klingt auf Englisch natürlich ziemlich gut. „The one by Joaquim Fest.“

    17) Ihr Lieblingsmoment im Zweiten Weltkrieg?

    Als sie Frankreich überrannten. In nur drei Wochen. Ha! Und die Franzosen waren so stolz, so selbstbewusst. Ihr Heerführer saß in einem Schloss ohne Telefon. Als die Deutschen kamen, schickten sie einen Fahrradrekruten zur nächsten Poststation.

    Herrlich. Mit Lemmy noch einmal den Weltkrieg erleben. Lächeln, bisschen ein schamhaftes. Damit eine Gesprächspause zur Vergewisserung von gegenseitigem Verständnis einsetzt: ob sein Humor, der englische, gut ankommt. Kommt. Sitzt.

    18) Weshalb lieben die Engländer Hitler so wahnsinnig?

    Wir mögen die bösen Buben. Du möchtest nichts über langweilige Landwirtschaftsreformen hören. Du willst, dass Mackie Messer wieder zuschlägt.

    19) Korrekt, dass England noch immer den Zweiten Weltkrieg kämpft?

    Wir haben seitdem ja nichts gewonnen. Den Falklandkrieg? Den zweiten Irakkrieg? Höre ich da Saddam lachen?

    20) Hasslieben Sie Hitler? Oder ist es einfache, pure, ungetrübte Liebe?

    Hätte ich ihn getroffen, hätte ich mich wohl unfassbar gelangweilt. Er war sehr langweilig. Er saß da und hielt stundenlange Monologe. Seine Visionen – oh je. Sein Nest in den Bergen muss der deprimierendste Ort auf Erden gewesen sein.

    21) Ihr Minderwertigkeitskomplex gegenüber Hitler?

    Sein Talent war seine Redekraft, das muss man anerkennen. Niemand kann das analysieren. Er war der zwingende Redner des zwanzigsten Jahrhunderts. Nach Hitlers Charisma kam nur noch Ozzy Osbourne, aber – Ozzy kann singen! Ganz Europa war voll von Faschisten, aber ihn, Hitler, packte niemand. Eine Zeit lang packte ihn niemand. Er war der Unaufhaltsame.

    Bla. Es sprechen der Pub, deutscher Stammtisch, internationaler Hardrock-Stumpfsinn, ein alter Mann, der nicht dabei war. Gefasel. Er merkt es nicht. Runter, weiter runter – bis man auf den Grund in Lemmys Kopf, einen Boden im Gewurl seiner Gedanken stößt.

    22) Das wertvollste Stück in Ihrer Nazi-Andenkensammlung?

    Ein Hakenkreuz-Silberbesteck, Hakenkreuz-Leinenservietten, die Originalfahnen von Hitlers Leibstandarte, Helme, Totenköpfe, Dolche aus Damaszener Stahl. Preise richten sich danach, ob Hitler das Zeug persönlich in der Hand hatte – was für ein Quatsch. Ich komme kaum noch in meine Wohnung rein, ohne über Nazikrempel zu stolpern.

    23) Mal mit einem SS-Dolch am Gürtel eine Hochzeit besucht?

    Was für ein Typ sind Sie? Nein, das würde ich nie tun. Aber auf einer Kostümparty in Hollywood bin ich in voller SS-Uniform aufgetreten.

    24) Ihnen bekannt, dass Hitler viele Millionen Menschen, die Kunst und unzählige Gedanken getötet und die Welt ins Unglück gestürzt hat?

    Ja. Total. Immer da.

    Er pocht sich zwischen die Augenbrauen.

    25) Der größte Blödsinn, den Sie je über Hitler erzählt haben?

    Hoffe: nichts. Ich war nicht da. Ich habe damals nicht gelebt.

    Er ist selbstverständlich: kein Nazi. Er gehört der Generation an, deren Eltern (England) die Nazis bekämpft haben. Uns Nachgeborenen (Deutschland) bleiben Staunen, Unwohlsein, Beklemmung, schamhaftes Grinsen: hihi! Darf man Unsinn über die Nazis reden? Nein. Die vorstellbare andere Antwort: vom Standpunkt der Opfer, von Lemmys Standpunkt aus betrachtet – natürlich.

    26) Ihr Standardargument, dass Sie kein Nazi sind?

    Meine Freundin in Los Angeles ist schwarz.

    27) Vielleicht noch ein Argument, das nicht erfunden ist?

    Ich lüge nicht. Sie heißt Cheryl und hat am 20. April, Führers Geburtstag, Geburtstag – ist das verrückt? Aber es ist die Wahrheit. Rassismus ist das Übel unserer Welt. Nazi sein bedeutet, dass du verloren hast, bevor du anfängst. Du kannst nicht gewinnen. Du bist nur dumm.

    28) Ihr Friedenslied?

    Mein Friedenslied…Das Problem mit Friedensliedern ist doch, dass sie keinen Frieden stiften. Politiker mögen Friedens-lieder. Politiker küssen Babys, um an der Macht zu bleiben! Können Sie sich das vorstellen? Anderer Leute Babys küssen? Ich küsse nicht mal meine eigenen Babys!

    29) Lemmys Botschaft an alle Nazis der Welt?

    Vergesst es. Es ist vorbei.

    Neustart, neue Gläser, neues Eis. Kinder, was wären wir ohne Whisky! Man merkt ihm an, dass ihm ein Themenwechsel recht ist. Noch sind wir nicht betrunken. Nervosität.

    30) Haben Sie überhaupt gedient?

    Ich wurde nicht eingeladen. Weißer Jahrgang. Ian Kilmister, geboren 24.12.1945 in Stoke-on-Trent, Staffordshire, Großbritannien.

    31) Irgendeine höhere Bedeutung, dass Jesus und Sie am gleichen Tag geboren sind?

    Er hat am 25. Geburtstag, oder?

    32) Irgendeine Bedeutung, dass Robbie Williams und Sie in derselben Stadt geboren sind?

    Sind wir? Keine Bedenken. Süßer Typ.

    33) Ihre früheste Erinnerung?

    Ich steh im Laufstall, klammere mich an den Stäben fest und brülle. Ich muss wohl geprobt haben.

    34) Eine Spätfolge des Kriegs, die Sie als Kind erlitten haben?

    Die Scheidung meiner Eltern. Mein Vater, Pilot der Royal Air Force, wollte ein Kind zeugen, bevor er in den Krieg zog. Ich bin, so gesehen, eine direkte Konsequenz des Kriegs.

    35) Was hätten Sie Little Richard gern gefragt?

    Oh, ja! Ich möchte ihn fragen, wie er so dumm sein konnte, sich bei Nacht an einer Bushaltestelle in Georgia mit drei Kerlen mit heruntergelassenen Hosen erwischen zu lassen! Wir haben 1956. Der Mann ist schwarz, schwul, nackt in Georgia! Und das Radio spielt seinen dritten Nummer-eins-Hit. Wunderbar. Er war der Superfreak, der Urschrei des Rock’n’Roll.

    36) Ein Eindruck, den John Lennon im Club „The Cavern“ auf den 16-jährigen Lemmy machte?

    Er feuerte sein Publikum mit „Heil Hitler“-Rufen an – verrückter Vogel. Den Drive hatte er von den Exzessen auf der Reeperbahn mitgebracht.

    37) Gerade Lust, über die Beatles zu schwärmen?

    Ohne sie wäre niemand von uns hier. Sie haben das Prinzip Band erfunden. Vorher stand ein Mann vorn, hinter ihm spielten die Begleitmusiker.

    38) Wie viel bezahlte Ihnen Jimi Hendrix 1967 für zehn Acidpillen?

    Damals waren es Schilling. Ein Schilling pro Trip. Wechselkurs 1967: ein englischer Schilling gleich 50 Pfennig. Aber… wissen Sie: Es ist nicht einfach, sich an Abende zu erinnern, an denen dir Drachen aus der Tapete entgegenkamen. Wir bekamen das beste LSD.

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    Wen wollten Sie mit dem ö in Motörhead ärgern?
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    39) Echt wahr, dass Sie Sid Vicious das Bassspielen beigebracht haben?

    Ich habe es versucht, vergeblich. Drei Monate nach unserer ersten Stunde trat er den Sex Pistols bei. Er war ein netter Junge, ein Gentleman. Sein Tod war eine niederschmetternde Nachricht.

    40) Gegen alle Schwärmereien und Beschwörungen – waren die Sechziger ein langweiliges Jahrzehnt?

    Nein. Erinnern Sie sich? Ein Schilling! Heute ist es langweilig. Nur Vorschriften. Du brauchst fünf verschiedene Pässe, um hinter die Bühne zu kommen – fünf lilafarbene Plastikpässe! Die Leute glauben an nichts mehr.

    41) Wen wollten Sie mit dem ö in Motörhead ärgern?

    Niemanden. Es sah einfach gemeiner aus. Deutscher.

    42) Wie beschreiben Sie einem blinden Mann das Cover der ersten Motörhead-LP?

    Das Kriegsschwein, top-aggressiv, kettenbehangen. Es schreit dich an.

    43) Wie beschreiben Sie einem tauben Mann den Sound von Motörhead?

    Ein Unfall, bei dem Motorrad, Auto und Bulldozer aufeinander krachen. Das Ganze eine Terz tiefer. Und wieder hoch. Nur der Motorradfahrer überlebt.

    44) Riesenfrage: Macht Headbangen dumm?

    Ich headbange nicht.

    45) Wer war 1977 der Superdepp der Musikszene?

    Irgendein langhaariger, käsiger Heavy-Metal-Superfreak.

    46) Wen genau wollten Sie mit Motörhead erschrecken?

    Busfahrer, Englischlehrer, die Königin, deinen langhaarigen Hippiebruder. Wir wollten angreifen. Wir waren die Band, von der Eltern fürchteten, dass ihre Tochter bei uns im Tourbus kniet.

    47) Gilt die alte Motörhead-Regel, dass ein Gitarrensolo nicht länger dauern darf als das Geräusch, das eine Bierflasche beim Öffnen macht?

    Langweilen gilt nicht. Das gilt.

    48) Korrekt, dass Ihre großen Hits „Ace of Spades“, „Bomber“, „The Hammer“, „Overkill“ alle auf denselben Harmonien aufbauen?

    Nein. Wer sagt das? Warum sagen Sie das?

    49) Mal ein kleines Tier mit Ihrer Stimme getötet?

    Mit Stöcken, ja. Auf dem Schulweg nach Hause. Wir hatten damals eine Kaninchenplage.

    50) Mal ein Gebäude beim Soundcheck zum Einsturz gebracht?

    Bei einem Konzert in Cleveland, Ohio.

    51) Welche Firma stellt die besten Windmaschinen her?

    Fragen Sie einen Flugzeughersteller.

    52) Der Name eines Motörhead-Technikers, dem Sie hier ein Denkmal setzen wollen?

    Dave Hilsden. Spitzname Hobbsy. Seit zwanzig Jahren mit uns auf der Straße.

    53) Das Geheimnis Ihres Sounds?

    Mein Geheimnis als Gitarrist ist, dass ich keiner bin. Ich war nie gut genug. Deshalb spiele ich meinen Bass wie eine Rhythmusgitarre.

    54) Der größte Stumpfsinn im fünften Jahrzehnt von Rock’n’Roll?

    Security. Es kommen immer die Falschen durch. Diese Leute kriegen den Job nicht deshalb, weil sie smart sind.

    55) Väterliche Gefühle für Eminem?

    Ich bin nicht sicher. Ich verabscheue ihn nicht einmal. Bedenkliche Texthänger. Ich höre immer nur: „Bitch, Bitch, Bitch.“ Seine Musik könnte besser sein.

    56) Ihr Therapievorschlag für Mariah Carey?

    Triff eigene Entscheidungen. Trenn dich von den Leuten, die dir erzählen, wie toll du bist. Komm her – hier ist Platz für dich auf meinem Sofa. In fünf Minuten bist du ein neuer Mensch. Okay. Ich brauche zwanzig Minuten.

    57) Kann etwas mehr Rock’n’Roll sein als ein Hubschrauber?

    Ja, Pfeil und Bogen. Hol den Hubschrauber mit Pfeil und Bogen vom Himmel!

    58) Welche ist die tief gehende Katastrophe in Ihrem Leben, auf die Ihre Musik die logische Antwort ist?

    Der Zweite Weltkrieg.

    59) Fassen Sie es, dass Alice Cooper jetzt Golf spielt?

    Er hat schon 1970 regelmäßig Golf gespielt. Mit Richard Nixon.

    60) Zu viele Intellektuelle auf Motörhead-Konzerten?

    Woran erkenne ich einen Intellektuellen? Sie kommen nicht wegen der Musik, sie leihen sich einen Teil meiner Haltung. Runter in den Krach, den Schmutz, den Krieg, weil ihre Gedanken so hochtrabend sind.

    61) Ihre Erklärung, warum Motörhead-T-Shirts bei Prêt-à-porter-Models so beliebt sind?

    Sie haben kein aufregendes Leben. Die armen Dinger.

    Egal, was Thema ist – mit Lemmy landet man im Zweiten Weltkrieg. Verrückt! Er ist der vollendete Sprecher, witzig, doppelbödig, auf den Punkt. Seine Stumpfheit ist der Stumpfheit der Fragen angemessen. Nun wird er auf Wehwehchen durchgecheckt, seelische Balance, Ängste et cetera. Gluckgluck. Lemmy-Stieren. Schön ruhig, bitte. Das könnte jetzt bisschen wehtun.

    62) Wann zuletzt geweint, weil Sie nicht wie Brad Pitt aussehen?

    Das habe ich aufgegeben, lange bevor es Brad Pitt gab.

    63) Wann zuletzt ein warmes Bad genommen?

    Gestern. Moment. Das ist eine unfreundliche Frage.

    64) Gefärbter Bart?

    Gefärbte Haare. Sonst sähe ich aus wie Willie Nelson.

    65) Ihr Eau de Toilette?

    Aqua Velva.

    66) Wie viele Warzen sind es zurzeit?

    Ich habe keine einzige Warze. Es sind Leberflecken. Vor einigen Jahren ist der Fleck auf meiner Stirn verschwunden. Er war einfach weg.

    67) Ihr Kommentar über Rock’n’Roller, die stinken?

    Kein Kommentar. Mein Geruchssinn hat sich vor Ewigkeiten in bolivianischem Schnee aufgelöst.

    68) Haben Sie erfunden, dass die hässlichsten Männer die schönsten Frauen kriegen?

    Nein. Ich finde übrigens, ich sehe in Ordnung aus.

    Irritation. Er checkt es nicht. Lemmy sitzt seitlich, die Stiefelbeine von sich gestreckt. Das Glas hat er am äußersten Rand des Tisches abgestellt, wo er es mit einem Finger vom Tisch schnippen könnte. Jetzt: Dranbleiben. Schön stumpf auf die Taste drücken, die Aua macht.

    69) Pflegeversichert?

    Auch nicht krankenversichert. Welche Versicherung würde mich nehmen?

    70) Mal einen Liegestütz probiert?

    Nur auf Frauen. Ja. Armer Gag.

    71) Das Mittel Ihres Doktors gegen Diabetes?

    Er sagte: Nimm diese Pillen! Also nehme ich seine Pillen.

    72) Ihr letzter Kater?

    Ich kriege keinen Kater. Du musst mit dem Trinken aufhören, um einen Kater zu bekommen. Warum aufhören? Ich mag den Geschmack. Ich werde nicht mehr betrunken.

    73) Müssen Sie im Schlaf Whisky trinken, um schlafen zu können?

    Man kann im Schlaf nicht trinken – hey, keine Witze! Mann! Ich bin sicher, dass Sie sich über mich nicht lustig machen wollen!

    74) Stimmt das schlimme Gerücht, dass Sie auf der Bühne Windeln tragen?

    Das ist der Hammer – ja praktisch keine Frage mehr. Jetzt kracht’s. Nein! Er kneift das linke Auge zusammen, hält sich den goldenen Whisky vor das rechte Auge. Ein- und ausatmen. Vier Sekunden Stille. Böse Welt. Böse Gerüchteküche. Ich höre sie nicht. Bin ich Ozzy Osbourne? Stillschweigen. Sein Zeigefinger, kreisförmig über den Glasrand streichend. Das Glas müsste singen. Es singt aber nicht.

    ———————————
    Mal beim Orgasmus „Mama“ gerufen?
    ———————————

    75) Was tun Sie gegen das Drama, langsam taub zu werden?

    Ich bin 57 Und bisher gut davongekommen. Jede Minute ist ein Bonus.

    76) Mal beim Orgasmus „Mama“ gerufen?

    Als Gag. Natürlich. Ist immer drin.

    77) Wie schläft man mit einem Krokodil?

    Wussten Sie, dass es bei den Kriegern im alten China als Mutprobe galt, einem Krokodilweibchen den Bauch zu kraulen? Behutsam, Sie müssen sehr be- hutsam sein.

    78) Schämen Sie sich nicht, den ganzen Tag Pornos zu gucken?

    Ich schäme mich nicht, weil es Ihre Erfindung ist, dass ich den ganzen Tag Pornos gucke.

    79) Ihr bester weiblicher Freund?

    Viele. Ich habe viele weibliche Freunde. Sie rufen mich an, wir gehen aus. Frauen sind interessanter als Männer. Mit Männern muss man über Sportautos reden. Ich möchte aber nicht mein Leben lang über verdammte Sportautos reden! Ich möchte wissen, ob du etwas weißt!

    80) Mit genug Frauen geschlafen?

    Nein. Niemals. Ich komme rum. Ich halte die Augen offen. Ich habe die Frau, die mich davon abhält, anderen Frauen nach-zujagen, bisher nicht getroffen.

    81) Richtige Vermutung, dass Sie sich Pamela Anderson lieber auf Video ansehen würden, anstatt die echte Pamela zum Abendessen auszuführen, um eines Tages vielleicht echt mit ihr zu schlafen?

    Nein!

    82) Ausgeschlossen, dass Pamela sich in Sie verliebt?

    Sie liebt Kid Rock. Von Tommy Lee zu Kid Rock – Entschuldigung. Aber was für eine Verschwendung.

    Das war das Riesenthema „Lemmy und die Liebe“. Nun: Lemmy und der Tod. Er ist doch Todesverächter. Die Verse aus Ace of Spades, die sein Publikum auf Konzerten mitbrüllt, lauten: „You know I’m born to loose/ And gambling is for fools/But that’s the way I like it, Baby/I don’t wanna live forever!“ Als Band in jeder Hinsicht das Letzte sein: Das ist eine undankbare Disziplin, die Motör-head längst gegen einen wie Marilyn Manson verloren hat. Macht nichts. Er ist das Original. Er räuspert sich jetzt besonders laut und röhrend – wie ein Rindvieh. Als wollte er beweisen, dass sein Körper noch Ohrenbetäubendes erzeugen kann. Lemmy und die Angst vorm Älterwerden.

    83) Oft niedergeschlagen? Müde?

    Selten. Zuletzt, als ich meine langjährige Freundin an eine Überdosis verlor. Das konnte ich nur schwer begreifen. Du glaubst nicht, dass du sterben musst, wenn es so weit ist. Du denkst nie, dass du wirklich sterben musst. Du denkst: Wow. Ich kann meinen Arm nicht bewegen.

    Einmal soll er ausreden dürfen.

    Ich bin sicher, die meisten Leute, die auf dem Schlachtfeld lagen, dachten: Das schaffe ich noch. Du musst schon eine Ladung Schrot in den Bauch kriegen. Aber dann begreifst du immer noch nicht, dass du stirbst.

    84) Manchmal traurig darüber, dass Sie absolut nicht an den lieben Gott glauben?

    Eine Jungfrau wird von einem Geist geschwängert? Come on! Piss off!

    85) Wofür steht das Pikass?

    Das Böse. Der Teufel spielt diese Karte.

    86) Wann zuletzt mit dem Teufel Karten gespielt?

    In Las Vegas. Er war eine Slotmaschine.

    87) Was hätten Sie mit Jesus angestellt, wenn Sie ihn lebend in die Finger bekommen hätten?

    Wir hätten ihn auf Tournee mitgenommen, ihm Frauen vorgestellt. Sah er nicht aus wie ein Motörhead-Roadie?

    88) Immer noch panische Angst davor, in einem Pool zu ertrinken?

    Ich lebe in einem Apartmenthaus in West Hollywood. Was soll ich in einem Pool, wenn ich nicht schwimmen kann?

    89) Hölle oder Fegefeuer?

    Ich gehe dahin, wo es mehr Poolbillardtische gibt.

    90) Sicher, dass Rauchen und Trinken in der Hölle erlaubt sind?

    Befürchte: nein. Es soll ja keinen Spaß machen. Es wird die Hölle.

    91) Welcher dumme Rockstar hat erfunden, dass die Hölle ein cooler Ort ist?

    Fragen Sie Little Richard.

    92) Wie viele Joker sind übrig?

    Du hast einen. Ich habe meinen noch nicht gespielt.

    Halbe Stunde rum. Fazit: Man möchte an dieser Stelle noch mal an seine Musik erinnern. Darum geht es. Wunderbare Musik. Menschen sollten mehr Motörhead hören. Man hört die Beatles. Man hört die Abgründe, in die Lemmy blickt. Man hört den kindischen, trotzdem richtigen Anspruch, es immer noch härter, härter, härter sagen zu wollen. Es muss – bitte! irgendwie! bitte! – noch härter gehen. Motörhead ist selbstverständlich die romantischste Band auf Erden. Neues Eis. Er schenkt sich nach. Der goldene Bourbon, den Lemmy trinkt, hört übrigens auf den Namen Wild Turkey Rare Breed.

    93) Der einsamste Ort auf Erden?

    Die Mitte von Kroatien, wo nur Steine sind und ab und zu ein Busch. Und Flughäfen. Ich hasse Flughäfen. Überall auf der Scheißwelt.

    94) Wo befindet sich Ihre Bassgitarre in diesem Moment?

    Hinter der Bühne. Alter Freund Rickenbastard.

    Für Bassgitarren-Laien: Lemmys Bass nennt sich Rickenbacker.

    95) Woran erkennt man einen Freund?

    Wenn du auf der Flucht bist, weil du wegen Mordes gesucht wirst: Wer versteckt dich? Ich frage Sie: Wer versteckt dich? Daran erkennst du einen echten Freund.

    96) Noch Hoffnung, dass die Queen Ihnen einen Orden verleiht?

    Nein.

    97) Immer noch Bücherwurm?

    Zurzeit liegen „Blitzkrieg“ von Ian Baxter und der neue Steven King auf meinem Nachttisch.

    98) Was bedeutet „1914-16“ auf Ihrem Halsamulett?

    1916 dachten die Deutschen, sie hätten den Krieg gewonnen.

    Grinsen. Großer Gluck. Wir geben dieser Antwort den Preis für den besten Gag nach dem Zweiten Weltkrieg. Lemmy forever.

    99) Ein Satz, den Sie auf Deutsch sagen können?

    Ich bin vom Himmel gefallen!

    100) Kommen Sie mit dem Hotelzimmer hier klar?

    Bisschen heiß hier, was? Mir fehlt die Klimaanlage.

    —————————————————————————————————
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/verstorbener-motoerhead-frontmann-fragen-an-lemmy-kilmister-1.770033
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/verstorbener-motoerhead-frontmann-fragen-an-lemmy-kilmister-1.770033-2
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/verstorbener-motoerhead-frontmann-fragen-an-lemmy-kilmister-1.770033-3

  2. Jack Daniel's befürchtet Gewinneinbruch permalink
    6. Januar 2016 13:24

    Lemmy Kilmister gestorben: Jack Daniel’s befürchtet Gewinneinbruch

    Lynchburg (dpo) – Der plötzliche Tod von Motörhead-Frontman Lemmy Kilmister (70) schockiert weltweit Millionen Fans. Doch auch die Wirtschaft traf die Nachricht völlig unvorbereitet: Nach dem Wegfall seines besten Kunden rechnet der US-amerikanische Whiskey-Hersteller Jack Daniel’s mit einem drastischen Umsatzrückgang.

    „Lemmy war seit den 1970ern unser wichtigster Kunde“, erklärt Jeff Arnett, der Master Distiller von Jack Daniel’s, mit verweinten Augen. „Die 80er-Jahre hätten wir nie überstanden, wenn er nicht gewesen wäre.“
    Draußen auf dem Hof der Destillerie kann man sehen, wie Arbeiter vier Lastwagen entladen und Dutzende Fässer zurück in die Lagerhalle rollen – Lemmys Ration für die erste Kalenderwoche 2016. Experten schätzen, dass der Musiker rund 24 Prozent des jährlichen Ausstoßes der Destillerie konsumierte.
    Wie und ob es mit Jack Daniel’s jetzt weitergehen soll, ist ungewiss. „Wenn nicht plötzlich Justin Bieber anfängt, literweise Whiskey zu trinken, sieht es ganz düster aus“, so Arnett.
    Auch die Fans von Lemmy Kilmister lässt der Tod ihres Idols nicht kalt. Augenzeugen zufolge sollen heute weltweit Millionen Metaller schwarz tragen.

    http://www.der-postillon.com/2015/12/lemmy-kilmister-gestorben-jack-daniels.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+blogspot%2FrkEL+%28Der+Postillon%29

  3. Als ich ihn nach George W. Bush fragte: ............................ permalink
    13. April 2016 12:47


    „Ich würde nicht einmal in seinen Mund pissen, wenn seine Zähne brennen.“

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