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Offener Brief von Mina Ahadi an Sahra Wagenknecht

21. Dezember 2015

Offener Brief von Mina Ahadi an Sahra Wagenknecht, Vorstandsmitglied der Partei „Die Linke“

Sehr geehrte Sahra,

seitdem ich deine Rede im deutschen Bundestag gehört habe, bin ich erstaunt und fassungslos. Und zwar deshalb, weil du ebenso wie die Partei „Die Linke“ die politische Lage nicht richtig einschätzt. Du hast dich in jener lebhaften Rede gegen Brutalität und Krieg ausgesprochen. Du hast davon geredet, dass der Terror nicht mit Bomben zu bekämpfen sei. Ich füge meinerseits hinzu, dass die Lösung des Problems die Einbeziehung verschiedener Faktoren erforderlich macht. Nicht mit Bomben kann der Terror bekämpft werden, aber auch nicht mit Schweigen und einer verharmlosenden Darstellung des politischen Islam.

Es ist eine bittere Wahrheit, dass die westlichen Staaten Amerika, England, Frankreich auf den politischen Islam zur Sicherung eigener Macht gesetzt haben. In Ländern wie dem Iran, dem Irak, Afghanistan, dem Sudan usw. haben die Terrorbanden der islamischen Bewegung das Leben von Millionen von Menschen beeinträchtigt oder gar zerstört. Um es deutlicher zu sagen: Ich rede über Steinigung, Zwangsverschleierung und Massenhinrichtungen. Ich rede von den offiziellen Gesetzen, nach denen du und ich halb so viel Wert sind wie die Männer.

Als Iranerin habe ich hautnah den abscheulichen und ekelhaften Charakter der Bewegung des politischen Islam erlebt und seit 36 Jahren bekämpft. Nach deiner lebhaften Rede habe ich gegoogelt, um zu wissen, wie oft die Führerin der Linkspartei über das Verbrechen der islamischen Bewegung lebhafte Reden gehalten hat. Google hat meine Hoffnung zunichte gemacht. Nicht eine Minute lang hast du jemals eine Rede über die Steinigung, das Auspeitschen der Frauen, die Hinrichtung z. B. das Erhängen der Atheisten/innen, Kommunisten/innen usw. gehalten. Google hat mir gesagt, dass unter dem Namen Sahra und islamische Bewegung nichts zu finden ist.

Ich hoffe, dass du von mir gehört hast. Ich bin eine Bürgerin, die seit Jahren in fast allen Städten Deutschlands gegen Steinigung, Hinrichtung, Burka, Frauenfeindlichkeit und islamischen Terrorismus Reden gehalten hat und die nicht zuletzt Kritik an der Politik der westlichen Staaten, auch Deutschlands, geübt hat. Ich war aber niemals euer Gast. Weshalb? Weil deine Partei fortwährend die islamische Bewegung als Verkörperung des Befreiungskampfes der Bevölkerung jener Länder, aus denen wir kommen gegen imperialistische Machtherrschaft versteht, und vielleicht verstehst auch du es so. Ihr bewertet jede Taktik und Aktion dieser Verbrecher als „antiimperialistisch“.

Die islamische Bewegung an sich ist eine Bewegung zur Unterdrückung der Bevölkerung im Allgemeinen und der Linken im Besonderen. Diese Bewegung terrorisiert und mordet nach islamischer Überzeugung und nach den Gesetzen des Koran.

Die islamische Bewegung nahm im Iran, dem Land, aus dem auch dein Vater stammt, Form an als Antwort und zur Zerschlagung jener Revolution, die linke Charakterzüge besaß.

Der „Islamische Staat“ als Zwillingsbruder der „Islamischen Republik“ begann im Iran. Seine barbarische Errichtung ging mit bestialischem Massenmord an Tausenden von jungen Menschen einher. Bis heute habe ich keine einzige Zeile deiner Partei zu einer Verurteilung der Verbrechen von der iranischen Entsprechung der DAESH (IS) gelesen. Warum?

Wir, du und ich, sind Linke und Kommunistinnen. Wir sind uns in Deutschland noch nicht begegnet, denn wie haben unterschiedliche Positionen zur der großen Katastrophe des Jahrhunderts, nämlich dem grausamen islamischen Terrorismus. Niemals habt ihr die verbrecherische Rolle des politischen Islam in der jetzigen Welt erkannt. Ihr habt die Apologeten des Multikulturalismus und Postmodernismus unterstützt. Ihr habt uns Frauen, die diesen Psychopathen in die Hände gefallen und zu Gefangenen geworden waren ignoriert. Ihr habt euch mit eurer Arbeit und eurem Leben beschäftigt. Nichts findet man in euren politischen Bekundungen zur Unterstützung der Frauenbewegung in den islamisch beherrschten Ländern. Warum?

Ich bin eine iranische Kommunistin. Viele Jahre meines Lebens habe ich gegen ein Monster gekämpft, das von den westlichen Ländern ins Leben gerufen wurde. Wir haben im Iran die Politik der Steinigungen, Hinrichtungen und Frauenunterdrückung dieser Bewegung zurückgedrängt, während unsere linken Freunde und insbesondere linke Frauen im Westen die Steinigungen gleichgültig hinnahmen. Ich hoffe du weißt, was ich meine.

Als eine Frau aus dem Iran unter der Herrschaft des islamischen Terrorismus klage ich an:

die westlichen Staaten, die den ins Mittelalter gehörenden Reaktionären geholfen haben,

die Intellektuellen, die uns ruhig stellen wollten und von Harmlosigkeit des Islams erzählten,

die Linken, die schwiegen oder die Augenwischerei betrieben, die erzählten, dass Hinrichtung ein Bestandteil unserer Kultur sei: Schließt eure Augen und lebt weiter, und schließlich ihr, als Linke mit politischer Verantwortung in der Gesellschaft, ihr seid noch einen Schritt weiter gegangen und habt erzählt, es gäbe keine Probleme. Manchmal habt ihr den Ex-Staatspräsidenten Ahmadinedschad als Sieger über das US-imperialistische Amerika bejubelt.

Du hast im Bundestag über Afghanistan und die falsche Politik, die die Entwicklung der Taliban ermöglichte, gesprochen. Zur falschen Politik gehörte nicht nur die Bombardierung und die Entsendung von Militär, sondern sie umfasste auch die Weichenstellung zur afghanischen Regierungsbildung, wiederholt verteidigt durch die deutsche Regierung auf der Afghanistan-Konferenz, bei der alle modernen und säkularen politischen Kräfte ausgeschlossen bleiben und Bürgerrechte durch religiös-ethnisches Recht ersetzt wird.

2011 veranstalteten wir in Bonn eine Kundgebung gegen die beschlossene falsche Politik von zehn Jahren der Afghanistan-Konferenz. Wir waren der Meinung, dass diese Politik den Weg für weitere jahrelange blutige Auseinandersetzungen in Afghanistan vorbereitet. Leider beteiligte sich niemand von euch an dieser Protestkundgebung.

Vereehrte Sahra,

wir sind gegen Krieg und Terror, gegen Terrorismus des Staates und islamischen Terrorismus. Angesichts der momentanen Lage erfordert linke Politik die Bildung einer dritten Front sowohl gegen Staatsterror als auch gegen islamischen Terror. Leider steht deine Partei nicht in der Kampffront gegen den islamischen Terrorismus. Daher gehört sie meines Erachtens nicht zum linken Lager.

Der Kommunismus ist die richtige, schöpferische Antwort auf die Probleme der Menschheit für ein besseres Leben. Ignorieren der Probleme, Übersehen der Schwierigkeiten und falsche Interpretation des antiimperialistischen Kampfes haben euer Verhältnis zu der Bevölkerung in den islamisierten Ländern zerstört. Als langjährige Kämpferin gegen den politischen Islam stelle ich fest, dass ihr das Problem entweder nicht richtig einschätzt oder es ignoriert. Aus diesem Grund habt ihr seit 36 Jahren keinen Platz an unserer Seite im Kampf gegen den politischen Islam eingenommen.

Ich hoffe, dass dieser Brief ein Nachdenken ermöglicht. Seit Jahren hat sich die islamische Bewegung in Deutschland mit dem Bau von Moscheen, mit Zwangsverschleierung, Trennung der Geschlechter in den Schulen usw. ausgebreitet. Viele Deutsche sind zu Recht über die Zurückdrängung der relativ säkularen Prinzipien Deutschlands besorgt und eure Partei steht wie üblich auf der Seite der Islamisten.

Denkt bitte darüber nach.

Ich warte auf eine Antwort zu diesem Brief.

Hochachtungsvoll

Mina Ahadi
13.12.2015

Hervorhebungen in rot vom Syndikalismus-Team

8 Kommentare leave one →
  1. Der türkische Staat bestimmt die Theologie des größten Islamverbands in Deutschland permalink
    21. Dezember 2015 23:15

    Grünen-Chef kritisiert Import-Imame
    „Ankara muss die Muslime freigeben“
    Der türkische Staat bestimmt die Theologie des größten Islamverbands in Deutschland. „Nicht akzeptabel“, sagt Grünen-Chef Cem Özdemir.

    Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kritisiert den Einfluss der Türkei auf die islamische Theologie in Deutschland. „Es ist nicht akzeptabel, dass der türkische Staatspräsident darüber entscheidet, welche Interpretation des Islam auch hier in Deutschland die legitime ist“, sagt Özdemir der taz.am wochenende.

    Die meisten organisierten Muslime in Deutschland gehören zu Gemeinden des Dachverbandes Ditib. Ditib untersteht dem Religionsministerium der Türkei, Vorsitzender ist immer ein türkischer Botschaftsrat. De facto sei oberster Theologe also der türkische Präsident, sagt Özdemir. „Ankara muss die Muslime freigeben. Wir müssen darauf bestehen.“

    Auch bei der Prävention von Radikalisierungen komme es darauf an, ob Theologen in der Lage seien, hierzulande Debatten zu führen. „Oft sprechen Importimame ja noch nicht mal vernünftig Deutsch und bringen je nach aktuellem Herrscher ihr Islam-Verständnis aus Ankara, Kairo oder sonst wo mit“, sagt Özdemir. „Es reicht mir nicht, wenn die Muslime sagen, der Terror der Dschihadisten habe nichts mit dem Islam zu tun.“ Man müsse die theologische Dimension dieses Kampfes aufnehmen, sonst sei er nicht zu gewinnen. (…)
    Quelle: taz – http://www.taz.de/Gruenen-Chef-kritisiert-Import-Imame/!5262516/

  2. DER ZENTRALRAT DER EX-MUSLIME Aufklären statt verschleiern! permalink
    22. Dezember 2015 08:59

    DER ZENTRALRAT DER EX-MUSLIME
    Aufklären statt verschleiern!
    http://exmuslime.com/offener-brief-von-mina-ahadi-an-sahra-wagenknecht-vorstandsmitglied-der-partei-die-linke/ [Mina Ahadi, 13.12.2015]

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralrat_der_Ex-Muslime

    Mina Ahadi (* 1956 in Abhar, Iran) ist eine exil-iranische politische Aktivistin.
    Sie ist Leitungsmitglied der Arbeiterkommunistischen Partei Irans, Gründungsmitglied des Internationalen Komitees gegen Steinigung (2001), des Komitees gegen Todesstrafe (2004) und des Zentralrats der Ex-Muslime (2007), deren Vorsitzende sie seit der jeweiligen Gründung ist.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mina_Ahadi
    https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterkommunistische_Partei_Irans
    https://de.wikipedia.org/wiki/Tudeh-Partei_des_Iran
    https://de.wikipedia.org/wiki/Irakische_Kommunistische_Partei

  3. 29. Dezember 2015 01:59

    Diese Stellungnahme hat in meinen Augen enormes Gewicht und steht dem Bewusstsein des linken Gedankengutes zur Verarbeitung ohne Schuldzuweisung zu .

  4. 12. Januar 2016 18:33

    Hat dies auf Seiltänzerin rebloggt und kommentierte:
    Eine starke Frau, die ihre Meinung offen vertritt und nicht mit Scheuklappen vor den Augen blind allem Feministinnen Mainstream nachrennt.
    Meinen tiefsten Respekt und meine absolute Hochachtung vor so viel Rückgrad!

  5. الله ميت permalink
    13. Januar 2016 22:55

    Gott ist tot

    Ist es wirklich hilfreich, will man die Welt begreifen
    Sich auf altorientalische Bücher zu versteifen?
    Statt der Exegese der Bibel, des Korans oder des Sanskrits
    Halte ich mich lieber an den alten Fritz:

    Gott ist tot
    Ich würde sagen: Gott ist tot
    Und Jesus war wahrscheinlich nur ein jüdischer Prophet
    Der glaubte, dass morgen die Welt untergeht

    Gott ist tot
    Ich tippe mal: Gott ist tot
    Und auch auf die Gefahr hin, dass mich jemand bedroht:
    Mohammed ist womöglich auch schon tot

    Hu hu, ein religiöses Tabu bu bu bu
    Und die Juristen der großen Bubububuch-Religionen
    Überlegen, ob sich diesbezüglich Anzeigen lohnen

    Gott ist tot
    Nä lasst ma… Gott ist tot
    Die frohe Botschaft lautet: Das jüngste Gericht
    Und die ewige Verdammnis kommen wahrscheinlich nicht

    Und die Rosenkränze und das Schächten
    Das Alkoholverbot und das Zölibat
    Und die alten Jungfern im Paradies
    Haben mittlerweile alle so’n langen Bart

    Und die Gebete in der Kirche
    In der Moschee oder der Synagoge
    Bei der Zwiesprache mit Gott hört vielleicht niemand zu
    Und es sind alles nur fromme Monologe. Ou!

    Gott ist tot, wenn ihr Pech habt
    Gott ist tot
    Und die Fundamentalisten einiger Religionen
    Überlegen, ob sich diesbezüglich Anschläge lohnen

    Demokratie und Emanzipation
    Die Freiheit des Denkens entstammen nicht den Buchreligion´n
    Toleranz entspringt auch nicht christlichen Werten
    Die kommt ursprünglich eher von den aufgeklärten

    Ich weiß, es gibt Gläubige im Publikum
    Und so ein Umgang mit dem Thema gefällt ihnen nicht
    Denen ist es lieber man druckst rum
    Am liebsten ist es ihnen, dass man gar nicht drüber spricht

    Dabei gibt es immer noch das Wort zum Sonntag
    Es gibt Urbi et Orbi – Live aus Rom
    Doch eine dezidiert nicht religiöse Position im Fernsehen
    Ist hingegen immer irgendwie ein Skandalon

    Gott ist tot. Sowas sagt man irgendwie nicht
    Gott ist tot
    Dabei sind die Ungläubigen hierzulande in der Überzahl
    Was ich sagen will, ist eigentlich banal:

    Der Hadsch, der Schabat, die Gestalt von Wein und Brot
    Die täglichen Gebete und das Leben nach dem Tod
    Ich sage nur: Hui, nä das ist nicht mein Ding
    Und das Blasphemische an diesem Song
    Ist der Swing!

    Nein, nein, mein Text war nicht blasphemisch. Ich habe nur gesagt, dass meiner
    Meinung nach, unter Umständen, der religiöse Ansatz auf einer falschen Annahme
    beruht. Und das ist doch kein Grund, schlechte Laune zu kriegen, oder?

    Gott ist tot!

    Musik und Text: Thomas Pigor

  6. Wagenknecht: »Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt!« permalink
    30. Januar 2016 17:04

    Wagenknecht: »Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt!«

    Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag, in einer Pressekonferenz am 11.01.2016: »Wer Gastrecht missbraucht, der hat dann eben auch Gastrecht verwirkt.

    Die Parole „Wer Gastrecht missbraucht, hat Gastrecht verwirkt“ wird der Situation nicht gerecht – und ist niemals Links!

    https://emanzipatorischelinke.wordpress.com/2016/01/12/die-parole-wer-gastrecht-missbraucht-hat-gastrecht-verwirkt-wird-der-situation-nicht-gerecht-und-ist-niemals-links

    http://www.tagesspiegel.de/politik/gregor-gysi-ruegt-sahra-wagenknecht-mit-solchen-slogans-kommen-wir-nicht-weiter/12837024.html

  7. Sahrosa Luxusknecht permalink
    1. April 2016 17:40

    Jaja die gute alte Sahrosa Luxusknecht

    Ihr neuer Bestseller wird von Peter Gauweiler (!!!!!) in der SZ belobsudelt:
    »Das Buch ›Reichtum ohne Gier –Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten‹ ist wirklich gut geschrieben. Die Autorin beherrscht die Kunst des klaren Denkens und kennt sich über den Unterschied von Haben und Nichthaben auch in der Praxis aus.«
    http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/gesellschaft-wirtschaft/wirtschaft/reichtum_ohne_gier-10240.html

    PS: Scheiß auf denHummer … Sie stiehlt Kamera um Beweisfotos zu löschen. http://www.sueddeutsche.de/politik/sahra-wagenknecht-laesst-fotos-loeschen-die-schoene-sahra-und-die-hummer-affaere-1.342298

  8. Sahra Wagenknecht oder wenn Populisten sich mal wieder missverstanden fühlen permalink
    31. Juli 2016 01:37

    Sahra Wagenknecht oder wenn Populisten sich mal wieder missverstanden fühlen

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