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Antifa-Recherche zum Neonaziaufmarsch am 12. September in Hamburg

11. September 2015

nazisaufsmaulaberrichtigNeonazis werden bei weiterbestehendem Verbot trotzdem aufmarschieren – Orga-Kreis hat einen Plan B – Alle Neonazis sollen Richtung Hamburg fahren – Ersatzort wird intern an deren Reisegruppen vermittelt.

Es kriselt mal wieder in dem neu gegründeten Bündnis für den „Tag der deutschen Patrioten“. Der Zusammenhang bestehend aus GSD (Gemeinsam Stark Deutschland), HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten), B.D.H. (Bündnis deutscher Hools) und den Berserker Deutschland zeichnet sich erneut durch interne Streitigkeiten aus. Die Gründungsgruppe des B.D.H. in Berlin um den Neonazi Enrico Schottstädt hat sich mittlerweile aufgelöst. Andere Ableger sollen weiterhin Bestand haben. Weitere Krisen zeichnen sich innerhalb des neuen Bündnisses ab. Vor kurzem trennte sich der rechte Zusammenschluss von ihrem Pressesprecher, dem Pro NRW Mitglied Dominik Roeseler. In einer gemeinsamen Begründung für den Ausschluss hieß es: „Pro Amerika und Pro Israel Redner werden von uns in Zukunft keinerlei Unterstützung mehr erhalten […. ] ob Jewgida wow oder gida Dachverband und wie nicht noch so manche heissen, wir sind Patrioten und stehen für Deutschland und die Sache ein. Wir stehen nicht für gesteuerte und noch weniger für zionistische Bewegungen“ (Fehler im Original).

Die Distanzierungen von Pegida und den oftmals als „pro Israel“ (selbst-)bezeichneten Bewegungen um PI-News und Pro-Parteien lassen eine deutliche politische Linie in dem noch jungen Zusammenschluss erkennen. Die politischen Standpunkte des Bündnisses wirken zwar häufig diffus, der antisemitische Konsens scheint jedoch gefunden. Als Folge der Distanzierungen mobilisiert das Spektrum um PI-News nicht zu der Demo nach Hamburg.

Der Organisations-Kreis

Thorsten de Vries startete im Vorfeld mehrere Spendenaufrufe um anfallende Gerichtskosten und die Bühne zu finanzieren. Die Spendenkontonummer wurde zweimal gewechselt. Zu Beginn meldete Marius Edahl, NPD-Kandidat aus Hamburg, ein Konto an. Interne Streitigkeiten, wie die Kritik an der Beteiligung von Parteifunktionären und letztendlich die Sparkasse selbst, führten dazu, dass das Konto gesperrt wurde. Es folgte ein zweites Spendenkonto von Marian Herzfeld, welcher ebenfalls bereits für die NPD kandidierte. Auch dieses Konto wurde gesperrt. Letztendlich stellt der Verein „Deutschland muss leben e.V.“ das Konto bereit. Der Verein ist in Greifswald angemeldet und sieht sich als Gegenpart zur Roten Hilfe. Es werden Spenden gesammelt um Gefangene zu unterstützen, auch explizit für jene Neonazis die am „Tag der deutschen Patrioten“ in Hamburg festgenommen werden. Kopf des Vereins ist der mehrfach vorbestrafte Neonazi Maik Spiegelmacher, dieser wurde unter anderem wegen Anstiftung zu einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim, sowie wegen versuchten Mordes verurteilt (1). Eine weitere Ortsgruppe des Vereins wird von NPD-Kader und Hooligan Christian Hehl aus Mannheim organisiert. Hehl war einer der Administratoren der rechten Hooligan-Gruppe „Weil deutsche sich’s noch traun“, die sich 2014 bei Facebook gegründet hatte. In dieser Gruppe waren neben Thorsten Sallay (Brigade Bochum) und Ralf Schütthelm (Rot-Front Kaiserslautern) auch Heiner Grasshoff (Gremium MC) und Thorsten de Vries aktiv.

Zur bundesweiten Koordination für die Demonstration am 12.09. initiierte Thorsten de Vries eine Whatsapp-Gruppe, über die Absprachen bezüglich Anreise, Abreise, Parkplatzmöglichkeiten etc. getroffen werden. In Hamburg selbst kam es zu mehreren Vorbereitungstreffen des Orga-Kreises, an denen Gruppen wie GSD Hamburg und GSD Bremen teilnahmen. Diese fanden u.a. am 08.08. und am 29.08. in einer Lohbrügger Wohnung statt. Anwesend waren die Neonazis Thorsten de Vries (HH-Neustadt), Jan Steffen Holthusen (HH-Bramfeld), Denis Ackermann (HH-Wihelmsburg), Teresa Mathießen (HH-Eimsbüttel), Michael Arnold (HH-Lohbrügge) und Christian Sternberg (Lüneburg) sowie die Bremer GSD Köpfe Marcel Kuschela, Michael Hampe, Manuela Jagemann und Jens Jagemann. Letztgenannte sind auch in der Norddeutschen Rechtsrockszene organisiert und zählen zum festen Bestandteil der Crew um die rechte Kultband Endstufe (2). Denis Ackermann verklebte in der Nacht vom 30.08. auf den 31.08. mit seiner Partnerin Anika Bolle „Outing“-Plakate in Hamburg-Wilhelmsburg. Auf diesen waren antifaschistisch engagierte Menschen abgebildet. Bolle war bereits 2005 auf NPD Kundgebungen unterwegs und war mit Ackermann und Holthusen 2014 auf einem „Honour & Pride“ Konzert in Nienhagen (3). Teresa Mathießen engagiert sich seit Monaten für GSD Hamburg und koordinierte anfangs noch die Whatsapp Gruppe für Hamburg (4).

Die Lohbrügger Wohnung, in der die Orga-Treffen stattfanden, gehört Michael Arnold, der der rechten Partei „Nationale Liste“ um Thomas Wulff und Christian Worch, bis zu ihrem Verbot 1994, den Posten als zweiter stellvertretender Vorsitzender inne hatte. Arnold ist mehrfach durch Gewaltdelikte in Erscheinung getreten. Er attackierte 2009 gemeinsam mit Marius Edahl während eines NPD Infostandes in Bramfeld einen Menschen aus rassistischen Motiven so heftig, dass der Betroffene im Krankenhaus behandelt werden musste (5).

Ich bin kein Rassist, aber Nazi!!1!

Der Organisator und Koordinator Thorsten de Vries versuchte sich im Zuge der Demovorbereitungen durch Statements immer wieder als Antirassist zu präsentieren, indem er seine Freundschaften mit „Migranten“ betonte. Eine Bemerkung zu kürzlich in seiner Straße von ihm entdeckten „polnischen Arbeitern“ entlarven jedoch seine politische Strategie: „AB HEUTE BIN ICH WIEDER RECHTRADIKAL UND NAZI! Und dass ist mein voller Ernst“ (Fehler im Original). Kürzlich veröffentlichte er Fotos von sich, auf denen er mit Stahlhelm und Militäruniform posiert, die er bereits in den 80er Jahren bei Wehrsportübungen in Norddeutschland getragen hat. Weitere Aussage legen seine NS verherrlichende Ideologie, Gewaltbereitschaft und seinen Militärfetisch offen: „Ich bin zwar raus aus der NS Szene. Aber ich habe immer noch alle Ausrüstungsgegenstände. Mich könnte die Waffen SS noch heute sofort zu einer Reservistenübung einziehen. Mein Rucksack ist immer noch gepackt“.

Angesichts antifaschistischer Intervention sieht de Vries sich derweil in die Enge getrieben und droht Antifagruppen per Videobotschaft: „Wenn ihr meint ihr müsst hier wilde Sau spielen, dann werden wir das sicherlich nicht hier vor der Demonstration hier irgendwie in überstürzten Kopf beantworten […] sollte das mit euch hier überhand nehmen am 12. September oder vorm 12. September, werde ich mir mit Sicherheit Gedanken darüber machen“. Darüber hinaus rät er seinen Kameraden statt der Hafenstraße doch lieber die Rote Flora zu räumen.

Der Anmelder des Neonazi-Aufmarsches Bernhard Wessling, ist bislang nicht als Neonazi in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten. Über sein Facebook Profil wird allerdings deutlich wo er politisch steht. Die NPD, die Rechte und der Dritte Weg gehören beispielsweise zu seinen favorisierten Seiten. Neben der mittlerweile gelöschten Facebook Veranstaltung, erstellte er auch diverse Mobi-Videos für den „Tag der deutschen Patrioten“. Zu seinen Freunden zählt er Jan Steffen Holthusen und Heiner Grasshoff, ein ehemals rechter Schläger der Savage Army und jetziges MC Gremium Mitglied.

Randgruppen und ihre Freunde

Den Mobi-Song für den „Tag der deutschen Patrioten“ liefert das neue Musikprojekt „Randgruppe Deutsch“ um den ehemaligen Hammerskin und jetziges Mitglied der Bruderschaft Nordic 12, Andreas Lohei (6). Weitere Projektmitglieder sind der Neonazi Kevin Link, der enge Kontakte zu der rechten Terrorgruppe „Oldschool Society“ pflegt (7) und der bekannte Neonazi Holger Ingwersen (8).

Für den 12.09. haben sich mittlerweile u.a. die Brigade Halle, die Bruderschaft Nordic 12, Brigade 8 und Mitglieder der NPD, JN, die Rechte und der German Defence League angekündigt. Aus der Schweiz werden Neonazis um Jonas Schneeberger erwartet, ebenso wollen Rechte Schläger von Hellas Verona und Rapid Wien nach Hamburg kommen. Mehrere Neonazis aus Süddeutschland werden ebenfalls organisiert anreisen. Aktuell ist zwar die Demonstration der Neonazis verboten, allerdings gibt es von den Organisatoren Marcel Kuschela und Thorsten de Vries Aufrufe dennoch nach Hamburg zu kommen. Es ist damit zu rechnen, dass auch bei einem bestehenden Verbot zahlreiche Neonazis anreisen werden.

1 https://linksunten.indymedia.org/de/node/150641
2 https://antifa-bremen.org/was-ging-ab/2015/rechte-hooligans-attackieren-…
3 https://linksunten.indymedia.org/de/node/140396
4 https://linksunten.indymedia.org/de/node/147043
5 http://www.die-linke-hamburg.de/presse/detail/artikel/solidaritaet-mit-d…
6 https://antifa-bremen.org/was-ging-ab/2013/bremer-hammerskins-organisier…
7 https://www.antifainfoblatt.de/artikel/bka-hebt-rechtsterroristische-%E2…
8 http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/%E2%80%9Ebrigade-8%E2%80%9C-und-%…

Quelle: Linksunten Indymedia (dort auch Fotos)

2 Kommentare leave one →
  1. Ascaso permalink
    11. September 2015 12:35

    11.09.15 — 12:20 Uhr
    „Tag der Patrioten“ Oberverwaltungsgericht: Neonazi-Demo bleibt verboten

    Die geplante Demonstration von Rechtsextremisten und Hooligans in Hamburg bleibt verboten. Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht wies am Freitag eine Beschwerde der Anmelder des „Tags der deutschen Patrioten“ zurück. Zuvor hatte bereits das Verwaltungsgericht die Verbotsverfügung der Polizei bestätigt. Den Veranstaltern bleibe nun noch der Gang vor das Bundesverfassungsgericht, teilte das Oberverwaltungsgericht mit.

  2. Taekwondo, Juuunge! permalink
    13. September 2015 18:16

    Schöner Bericht, Danke! Gern gelesen. Wichtig ist immer wieder auf die Vernetzungen hin zu weisen. Die Polizisten, die an Tatorte kommen haben entweder keine Lust, keine Zeit oder nicht die Gesinnung Taten von nazis als solche zu bezeichnen – diese werden dann umgedeutet – oder habt ihr schon mal von türkischen Neonazis gehört, in einer realistischen Relation zu ihren Übergriffen? Nein, das sind dann „Migrantenkonflikte“.
    Bei deutschen Nazis ist es auch so – die politische Ebene wird aufgrund nicht nur von Verwaltungsaufwand unterschlagen, das ist ja auch politisch nicht gewollt.
    Wenn der Gabriel die Nazis mit „Pack“ bezeichnet, dann passt es grade nicht ins Konzept vermehrt Naziaktivitäten zu offenbaren: Das hieße ja beinahe, dass die Worte der Politiker nur Schall und Rauch wären – was bleibt ist der Kampf von Unten an.

    Also nochmal, Danke für den Bericht.

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