Skip to content

Eingesandt: Hamburger Brief

7. Juli 2015

Hamburg Wasser und Remondis … aus Scheiße Profit machen

floraHamburger und Bremer Kot und Urin (Klärschlamm) wird zu Phosphor umgearbeitet. Eine tetraphos-Pilotanlage im Klärwerk am Köhlbranddeich zur Rückgewinnung von Phosphor wurde am 6. Juli 2015 in Betrieb genommen. Weltweit erstmals kann mit diesem Verfahren der wichtige Rohstoff, der sich bei der Abwasserreinigung aus der Klärschlamm-Asche herausfiltern lässt, zurückgewonnen und verwertet werden. Diese Fäkalienasche entsteht durch das Verbrennen der Exkremente, die der menschliche Körper ausscheidet. Phosphor wird vom Menschen über die Nahrung in Form von Phosphat aufgenommen. Das Phosphorvorkommen ist begrenzt aber essentiell für das Pflanzenwachstum und damit für die Nahrungsmittelproduktion insgesamt. Langfristig soll die in Hamburg anfallende Klärschlammasche komplett verwertet werden, um Phosphor zurückzugewinnen.

Also: aus Scheiße wollen sie Geld machen. Alles also wie immer.

300.000 EUR für renovierte Latrinen und Pißbecken

Umbau Rote Flora – mehr als 300.000 EUR haben die Radikalinskis vor, in die Renovierung ihres „besetzten“ Siff- und Stinkpalastes zu stecken, damit der normale Pöbel auch mal bei ihnen einen Kaffee oder ein Bierchen trinkt.

Ob sie dann auch Steuern und den Mindestlohn bezahlen müssen? Woher die Kohle für diese neue politische linke Tour kommt, fragt derzeit keiner nach. Ein paar Konzerte machen ja noch kein so fettes Brot. Aber die Kasse scheint voll, weil 25 Jahre lang keine Steuern gezahlt wurden? Man darf gespannt sein, wie die lokale Konkurrenz reagiert, die ja tüchtig vom Profit an den Staat abgeben muss. Wettbewerbsverzerrung durch ein ordentliches, richtiges Café in der Neuen Roten Flora? Und das, obwohl sie doch den Touristen einen direkten Blick auf das Kulturdenkmal „Flora“ spendieren, wäre ja aufstandsrelevant, so eine Steuerzahlung.

Das Gebäude der „Flora“ gehört seit Monaten bereits zum Immobilien-Bestand der Stadtväter; Verwalter und Investor in eine nicht zusammenbrechen sollende Bausubstanz wegen Pisse & Kacke im Gemäuer ist die städtische Lawaetz-Stiftung. Nun wird alles gut: genauso integriert und geordnet wie die Hafenstraße endet nun auch die RoteFlora unter sozialdemokratisch-grünen Fittichen. Na, da werden die Bierpreise steigen und dann säuft der Links-Aktivist wieder Dosenbier aus dem Billig-Supermarkt von gegenüber vor der Türe und im Park. Und Konzerte kosten dann bestimmt richtigen „Eintritt“. Mal sehen, wann die linksradikal-autonomen ihren „Ratte Machiato“ wo anders trinken, in der Neuen Roten Flora jetzt wird’s richtig kleinbürgerlich …

Ernst Otto Nom

Hier eine aktuelle Bestandaufnahme der Bewußtseinsveränderungen in der NRF:

Sternschanze Rote Flora will mehr gemäßigte Aktivisten anziehen

Von Christoph Heinemann

Autonomes Zentrum will sich mit Umbau radikal öffnen. Die Szene ist allerdings skeptisch, ob der Wandel von Dauer ist.

Hamburg. Die Fenster erinnern an Schießscharten, nur dürres Licht fällt herein. Amelie Behrens*, 52, wischt mit einer Hand durch die staubige Luft und zeigt auf Zeichnungen an den Wänden. „Viel mehr Platz, neue Ideen, weniger Geheimmief“, sagt die Autonome. „Wenn alles fertig ist, werden einige Münder offenstehen.“ Auf Pappkarten ist der ganze Plan haarklein beschrieben: der Aufbruch der besetzten Roten Flora in eine neue Ära.Bis Ende August soll sich die linksautonome Trutzburg am Schulterblatt zum Stadtteil öffnen wie nie zuvor. Vor der Stahltür ohne Klinke röhrt ein Sandstrahler, im Inneren blitzen schon die neuen Armaturen der „Volksküche“ hinter Kupferlampen, auf den Toiletten haben Autonome ein Einhorn und Regenbögen aus Mosaik gelegt. Mehr als 300.000 Euro allein an Material stecken die Rotfloristen in die Renovierung von Fassade und Innenleben, die auch eine kleine Revolution ist.

Frage: woher kommt dieses Geld?

Die Flora habe sich verändert, nicht immer zum Guten, sagt Behrens. Sie gehörte vor 25 Jahren zu den Erstbesetzern, für den Umbau ist sie nach Jahren zurückgekehrt. Ihre einst lockige Mähne trägt sie mittlerweile kurz geschnitten. Wenn sich das Stadtteilzentrum jetzt öffne, jeder bald seinen Kaffee bei Autonomen trinken könne, gehe es auch um das „große Ganze“, die Zukunft eines alten Traums. Für die Stadt geht es um die Frage, ob sich die Flora, üblicherweise Kulisse von ritualisierten Krawallnächten, tatsächlich in einen Ort verwandeln kann, wo man Klönschnack betreibt und demnächst sogar das „Phantom der Oper“ aufgeführt wird.

Die Anwohner kommen im Anzug zur Besichtigung, Radikale sind skeptisch

Eine Besetzerin

Im „Subraum“ im ersten Stock der Roten Flora, steht die Aktivistin Anna Müller* und klebt gelbes Klebeband auf Ausstellungstafeln. Immer mittwochsabends dürfen jetzt Anwohner aus dem Viertel zum Rundgang durch die Geschichte des einstigen Varieté-Theaters kommen, oft tragen sie Anzüge, passend zu ihren Bürojobs. Sie stellen viele Fragen. „Da ist eine große Neugier, eine Welt kennenzulernen, die vorher kaum greifbar war“, sagt Müller, eine blonde Frau mit wachen Augen.

Aha, bisher hatten Autonome also kein Interesse, der Umgebung ihre Welt zu erklären.

Auf persönlicher Ebene klappe der Austausch „schon ganz gut“, sagt Henning Brauer vom Stadtteilbeirat Sternschanze. Die Autonomen haben den sanften Druck des Viertels zu spüren bekommen und erfahren, dass sie zwar untrennbar zur „Schanze“ gehören, aber sich nicht jeden Unsinn erlauben können. Wenn Vermummte am Abend des Schanzenfestes Unrat am Schulterblatt in Brand steckten, stiefelten betagte Damen zum Tatort und schlugen die Flammen eigenhändig aus. „Ein ehrlicher Nachbar kann besser sein als große Politik“, sagt Henning Brauer. „Beide Seiten haben sich gerieben und angenähert“. Inzwischen berichten Geschäftsleute von Autonomen, die beseelt sind vom Aufbruch, in ihren Geschäften nach Vinyl-Platten stöbern und am Tresen über die Baufortschritte berichten. Doch sie erleben noch immer auch Gestalten, die in das besetzte Kulturzentrum wortlos ein- und ausgehen wie in ein Raumschiff, das zufällig in einer feindlichen Umgebung gelandet ist. In Internetforen, in denen Linksradikale sonst leidenschaftlich diskutieren, werden die neuen Töne aus der Flora beschwiegen. „Man wartet erstmal ab, was sich da entwickelt“, sagt ein Mitglied einer radikalmarxistischen Gruppe dem Abendblatt. Die Rote Flora habe zuletzt nur für die Medien eine große Rolle gespielt, besitze in der Szene eher nostalgischen Wert. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die abknicken und handzahm werden. Eher, dass das dicke Ende noch kommt.“

Im Inneren der Flora stehen Pinnwände und Flipcharts in den langförmigen Räumen in den Obergeschossen, in denen künftig Widerstand gemacht werden soll – das Plenum, das Exekutivkomitee der Rotfloristen, dazu insgesamt drei Besprechungsräume. „Auch hier gibt es in Zukunft deutlich mehr Offenheit statt Abschottung“, sagt Behrens, ein enger Dialog von mehr als 100 Aktivisten statt Endlosdiskussionen in Splittergruppen. Wenn man ehrlich sei, sagen Besetzer, hätten in jüngerer Vergangenheit kaum noch fähige Aktivisten in der Flora mitgemischt. „Es konnte so nicht weitergehen“, sagt ein Besetzer. Wer Amelie Behrens fragt, warum sie sich jahrelang lieber in anderen linken Bündnissen engagierte, erntet ein knappes „wegen meiner Kinder“. Dann bricht doch aus ihr heraus: Die Flora habe bei Jugendlichen häufig nur „für Party am Wochenende und einmal im Jahr Druck ablassen“ gestanden.

Soso, Amelie B. hat Kinder – dürfen die auch in der Neuen Roten Flora spielen oder hat Muttern sie vor dem Einfluss ihrer Genoss/innen zu behüten versucht, jahrelang?

Für die Zeit nach dem Umbau wünscht sich die Mehrheit des Plenums mehr pragmatische Aktivisten, beispielsweise aus der „Recht auf Stadt“-Bewegung und der Fanszene des FC St. Pauli. „Viele Gruppen haben in der jüngeren Vergangenheit gute Erfolge erzielt, und die Rote Flora war immer ein vielfältiger Ort“, sagt Anna Müller. Hinter ihr stehen im „Subraum“ auf einer Tafel mehr als zwei Dutzend Namensvorschläge für die neue „Volksküche“, neben „Ratte Machiato“ leuchten begeistert geschwungene Häkchen. Mit lockeren Gesprächen über Familie und Hobbys, so hoffen die Besetzer, ließen sich auch Spitzel der Staatsbehörden künftig früher erkennen. Der Verfassungsschutz behält den Sinneswandel der Rotfloristen eng im Blick. Auf Abendblatt-Nachfrage bleibt die Behörde bei der Einschätzung, dass das Zentrum weiterhin „der Anlaufpunkt für gewaltbereite Linksextremisten in Hamburg“ sei.

Ob der Weg richtig ist, darüber wird in der Flora kontrovers diskutiert

Ob der eingeschlagene Weg richtig sei, werde in der Flora auch intern „weiter sehr kontrovers diskutiert“, sagt Amelie Behrens. Dass das ehemalige Theater sich nun im Stadtbesitz befindet, halte den moderaten Kräften im Moment aber den Rücken frei. Am 15. August, vor Abschluss des großen Umbaus, wird Christoph Faulhaber seinen Moment haben. Der Regisseur hat die Rote Flora mit einer überdimensionierten Plane verhüllt. Wenn der Vorhang fällt, soll seine Inszenierung des „Phantom der Oper“ den Beginn der neuen Zeit besiegeln. Faulhaber trägt einen Dreitagebart, dazu eine Nickelbrille, und tänzelt stets etwas gedankenverloren durch die Rote Flora. Seine Inszenierung werde sicherlich Teile des Musical-Klassikers beinhalten, sagt er. „Wir haben Darsteller, aber noch keinen richtigen Plan“. Bei den Wandergesellen steigt die Spannung, die Szene will wissen, ob die Flora damit zum Anfang zurückkehrt, als das Zentrum besetzt wurde, um das „Phantom“-Musical zu verhindern. „Die Ankündigung ist kein Werbegag“, sagt Anna Müller, „das wird ein schöner Höhepunkt des Umbaus“. Sie macht Pause und schiebt den Nachsatz verschwörerisch hinterher. „Bei der Aufführung wird sicher alles gespielt – aber nicht das Phantom, wie Sie es kennen.“

«Ratte Machiato» – schöner Name für einen neuen, gemeinsamen Soli-Espresso der beiden hauseigenen Kaffeefirmen-„Kollektive“ AZ und CL!

Artikel aus dem Hamburger Abendblatt – Internet, nicht in der Printausgabe! – vom 6.7.2015, etwas kommentiert

2 Kommentare leave one →
  1. Analyse permalink
    9. Juli 2015 13:22

    Aus Scheiße Geld zu machen hat ja Tradition seit den Zeiten des römischen Imperiums (https://de.wikipedia.org/wiki/Pecunia_non_olet), von daher tatsächlich nichts Neues unter der Sonne. Witzig finde ich allerdings, dass jetzt Phosphor zurück gewonnen wird, nachdem die Hauptphosphoreinleitungen in das Abwasser durch Waschmittel weitgehend verboten worden sind. Umweltschutz ist eben keine sehr rationale Veranstaltung, sondern wird wesentlich als PR betrieben. Die Fischer am Bodensee klagen neuerdings darüber, dass wegen zu geringer (!) Phosphoreinleitungen, d.h. zu effektiver Kläranlagen, der Fischbestand in existenzgefährdender Weise abgenommen hat (http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/berufsfischer-klaeranlagen-sollen-weniger-stark-filtern–75122074.html).

  2. Der Namenlose permalink
    22. Juli 2015 17:33

    Unter anderem über die Situation in der sogenannten Roten Flora gibt es einen sehr guten von vor fast fünf Jahren:

    http://kommunistischeassoziationhamburg.blogspot.co.at/2010/09/am-ende-der-aufklarung-warten-die.html

    Die besten und wichtigsten Stellen:

    „Dieses Vorgehen überrascht nicht, denn die Rote Flora ist längst zur Partymeile für neoliberale Ober- und Mittelschicht-Youngster verkommen. Politische Veranstaltungen, eine Debattenkultur oder einfach nur ein bisschen Verständnis für Flüchtlinge, Hartz-IV-Geschädigte und andere Menschen in Not sucht man dort vergeblich. Stattdessen findet man „antideutsche“ Yuppies, die sich bei feucht-fröhlichen Sektparties dem dumpfen Elektropop-Dusel hingeben – ein Hohnlacher auf den selbst formulierten Anspruch, ein „Stadtteilzentrum“ und „Flora für alle!“ zu sein. Wer dem markenorientierten Dresscode des Modezentrums nicht genügt, wird skeptisch beäugt. Wer gar so aussieht, als stamme er aus dem arabisch-muslimischen Kulturraum, gerät hier rasch unter Verdacht, ein „Feind Israels“ oder gar ein „Antisemit“ zu sein. Wer es wagt, offen eine Meinung zu äußern, die vom softcore-„antideutschen“ Mainstream abweicht, wird unter „politisch korrektem“ Vorwand von der machtbewussten Clique, die die Rote Flora autokratisch regiert, diffamiert, sozial geächtet, eingeschüchtert, rausgemobbt – und wenn das nicht funktioniert, mit einem Hausverbot belegt.“

    „Offener oder latenter Rassismus gegen Afrikaner, Asiaten, Südamerikaner und andere Menschen in den Armenhäusern dieser Welt, die Rechtfertigung und Befürwortung der völkerrechtswidrigen und extrem gewalttätigen Besatzung des palästinensischen Territoriums durch die israelische Regierung, die Legitimation und Unterstützung von Kriegen (wie des Gazakriegs, der Golfkriege gegen den Irak und des geplanten Militärschlags gegen den Iran) und der herrschenden Antiterror-Doktrin, die Verteidigung und Apologie kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung – das sind die markantesten Elemente der „antideutschen“ Ideologie.“

    Kein Wunder, dass in der Roten Flora „Verbotsschilder“ mit durchgestrichenen Palästinensertüchern und Friedenstauben sind. Für „den normalen Pöbel“ war dieses Haus wohl noch nie, und jetzt öffnet es sich wohl bestenfalls Yuppies und Schnöseln, die nicht aus dem antideutschen Milieu kommen. Man muss sich ja schließlich vom harten Job als Börsen- oder Immobilienmakler auch erholen, und wie geht das besser als mit Sekt und Koks im neuesten schicken restaurierten Hipster-Szenelokal! Vielleicht kurbelt die gute Flora ja sogar die Aufwertung und Gentrifizierung im Viertel an, was wiederum sicher die Immobilienmakler freut. So hat jeder was davon!

    Alle Personen aber, die entweder a) arm oder b) dunkelhäutig oder c) beides sind, sollten die Flora auf jeden Fall meiden, wie im verlinkten Text sehr gut beschrieben wurde.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: