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Heute keine Post?!

16. Juni 2015

streikHaben Sie es mitbekommen? Seit letztem Montag (8.6.2015) streiken 16.000 Angestellte der Deutschen Post unbefristet. Falls dies an Ihnen vorbeigegangen sein sollte, liegt das nicht daran, dass der Streik ohne Auswirkungen bleibt, sondern viel mehr daran, dass die Post neben 40.000 verbliebenen BeamtInnen ca. 6000 Angestellte des Tochteruntnehmens Delivery und LeiharbeiterInnen beschäftigt. Diese setzt sie ein, um den Streik zu brechen. Die Angestellten bei Delivery dürfen nämlich nicht mitstreiken und werden zudem wesentlich schlechter bezahlt – sie bekommen durchschnittlich 20% weniger Lohn für die selbe Arbeit. Das kann einen Unterschied von bis zu 1.000 Euro im Monat ausmachen. Deswegen üben sich die bei Ver.di organisierten KollegInnen in praktischer Solidarität und streiken für alle Angestellten der Post. So geht es nicht nur um Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich sondern auch um gleiche Löhne für alle.

Verständnis, Empathie und Solidarität? – Leider selten vorhanden in Deutschland…

Wirft man einen Blick in breite Teile der Medien, so lässt sich feststellen, wie die PolitikerInnen und die Öffentlichkeit über Streiks denken: Hass oder Wut auf die faulen ArbeiterInnen, die es wagen, den kapitalistischen Normalbetrieb, einzuschränken oder ganz zu behindern.

Bei den erst kürzlich vergangenen Streiks von GDL und Lufthansa, aber auch bei denen der ErzieherInnen und bei Amazon, gab es mehr Empörung als Verständnis. Um neben den Streikzielen auch gesellschaftiche Veränderungen oder mehr Verständnis zu erzeugen, wäre eine Verbindung aller Streiks wünschenswert.

Doch gerade Parteien, wie die SPD, die sich einst soziale Werte auf die Fahnen geschrieben haben, sind aktiv daran beteiligt, große, wirtschaftlich schädliche Streiks zu verteufeln und als Werkzeug zu delegitimieren.

Betrachtet man jedoch die Perspektive der ArbeiterInnen und vergleicht diese mit der eigenen, meist ebenfalls lohnabhängigen Situation, so stellt sich die Frage, was schlimm daran sein soll von großen Konzernen und Unternehmen, die Milliarden von Euro an Umsätzen im Jahr erzeugen, zu verlangen ihre Angestellten fairer zu behandeln und besser zu vergüten.

Ist der Wunsch nach mehr Lohn wirklich so unverständlich? Können wir die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen wirklich nicht nachvollziehen?

Erst durch eine kontinuierliche Organisierung von ArbeiterInnen in gewerkschaftlichen Strukturen konnten ab 1965 auch Verbesserungen wie die Verkürzung der 48- auf die 40 Stunden- Woche erzielt werden. Seien wir mal ehrlich und stellen fest, dass sich wohl die Wenigsten sehnlichst wünschen würden, wieder härter und mehr arbeiten zu müssen!

Streiks sind ein Mittel um die Macht und das Ungleichgewicht, welches der Staat und die Politik Unternehmen in die Hand gegeben haben, zu durchbrechen und gemeinsam für ein Stück weit bessere Verhältnisse zu sorgen… Verständnis und Solidarität sind einfache Mittel, mit denen jeder Mensch diese Kämpfe zumindest ein klein wenig unterstützen kann.

Quelle: Anarchosyndikalistische Jugend Berlin

4 Kommentare leave one →
  1. 16. Juni 2015 13:17

    Wieso eigentlich dürfen die Kollegen von der Delivery nicht mitstreiken (rechtl. Begründung)?

  2. Umstrukturierungen bei der Post Goldene Zeiten permalink
    19. Juni 2015 21:27

    Outsourcing und Lohnsenkungen: So will Vorstandschef Frank Appel den Gewinn seines Konzerns von drei auf fünf Milliarden steigern.

    Quelle: taz – http://www.taz.de/Umstrukturierungen-bei-der-Post/!5205170/

    ———-

    http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/post/tarifverhandlungen-2015-warnstreiks-bei-der-post-ag-ab-1-april/?cat=7755

  3. Beobachtend permalink
    23. Juni 2015 17:45

    Streikbruch in Frankfurt am Main durch Taxifahrer:

    Neulich kam in die Poststelle eines in FFM gelegenen Finanz“unternehmens“ ein Taxifahrer mit Paketen im Arm. Auf meine Frage, was er denn mit den Paketen machen würde, sagte er, er würde von der Post bezahlt, 330€ pro Tag, wenn er die Pakete ausfährt, um den Streik zu brechen.

  4. Gollum permalink
    24. Juni 2015 22:36

    Schaut Euch mal die angeblichen Informationen der DHL an.
    https://www.dhl.de/streikinfos

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