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Ein Gespräch mit einem neuseeländischem Syndikalisten: Percy B. Short (1914)

3. Juni 2015
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Percy B. Short.

Vorbemerkung des Bearbeiters.

I. Die Quelle

Das Interview mit dem neuseeländischen Mitglied der Industrial Workers of the World (IWW) Percy B. Short (1) wurde Anfang 1914 geführt. Entdeckt hat den Text Jared Johnson in den »Max Nettlau Papers« (2) im Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis (IISG) in Amsterdam (3). Es handelt sich um ein Typoskript, von dem nur die Seiten 2 und 3 erhalten sind, und das wie eine Presse-Korrespondenz o. ä. wirkt (4). Der Text wurde auf der Internet-Seite ‘Red Ruffians’. Fragments of Aotearoa’s Anarchist and Syndicalist Past erstmals veröffentlicht. Dort ist er sowohl auf deutsch (in seiner ursprünglichen Fassung) wie auch in englischer Übersetzung nachzulesen (5).

II. Interviewer Nettlau?

Als Interviewer wird von den ‘Red Ruffians’ der anarchistische Historiker Max Nettlau genannt. Dies wird in dem Nachdruck des Interviews im Newsletter des Labour History Project(6) und in einem Artikel in der Zeitschrift der Anarchistische Föderation Deutschland (AFD), Gai Dào, (Nr. 24, Dezember 2012) übernommen(7). Aber stimmt das?

Schon bei der ersten Lektüre auf der Internetseite der ‘Red Ruffians’ irritierten mich vor allem die grammatischen und sprachlichen Schnitzer des deutschen Textes. Und die Partien, in denen Short direkt zu Worte kommt, wirken wie eine wörtliche Übersetzung aus dem Englischen, ohne Rücksicht auf die deutsche Grammatik – ein Eindruck, der sich durch den Vergleich mit der englische Übersetzung verstärkt. Völlig unverständlich sind schließlich die eingestreuten niederländischen Worte (z.B. »Einborlinge« für »Eingeborene«; »von den Blanken verdrungen« für »von den Weißen verdrängt«) – wenn man davon ausgeht, daß der Verfasser des Textes Max Nettlau ist, ein Deutsch-Österreicher. Der vorliegende Text ist jedoch offenbar von jemandem verfaßt worden, der das Deutsche zwar beherrscht, dessen Muttersprache allerdings Niederländisch (oder Flämisch) ist. Nettlau als deutscher Muttersprachler scheidet damit definitiv aus.

Der Text scheint, wie erwähnt, in einer Presse-Korrespondenz oder ähnlichem erschienen zu sein. Doch in welcher? Am wahrscheinlichsten erscheint mir, daß das Interview aus einer Ausgabe des Bulletin international du mouvement syndicaliste stammt, welches der niederländische Syndikalist Christiaan Cornelissen vom 8. September 1907 bis zum 22. März 1914 wöchentlich in französischer, deutscher, englischer und niederländischer Sprache in Paris herausgegeben hat (8). Hier würde alles passen: ein Niederländer, der neben Französisch auch Deutsch und Englisch spricht (9) und ein mehrsprachiges internationales revolutionär-syndikalistisches Bulletin herausgibt.

Der Internationale Syndikalistische Kongreß 1913 in London (10) richtete ein Informationsbüro in Amsterdam ein, unter dessem Dach Cornelissen das Bulletin weiter herausgab (11). Die erste Nummer erschien am 5. April, die letzte, Nr. 17, am 26. Juli 1914, wenige Tage vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs (12). Das Interview ist wohl – wenn meine Annahme stimmt – in einer der ersten Nummern des Jahrgangs 1914 erschienen, die gleichzeitig eine der letzten Nummern ist, die Cornelissen in Eigenregie herausgab.

Aber wer führte das Interview? Da der Ort nicht angegeben ist, ergeben sich mehrere Möglichkeiten. Falls Percy B. Short auch in Frankreich war, so könnte Cornelissen der Interviewer sein. Ich habe bisher allerdings keine Informationen gefunden, die das bestätigen könnten. Alternativ dazu – und das ist wahrscheinlicher, da in dem Text nur erwähnt wird, daß »Short nach England reiste« – könnte das Interview von Frida Tscherkessowa-Rupertus (13) in London geführt worden sein, der Schwester von Cornelissens Lebensgefährtin Lilian ‘Lilly’ Rupertus, die aktiv bei der Distribution des Bulletin in Großbritannien mithalf (14).

III. Datierung

In der Vorbemerkung der Red Ruffians wird das Interview auf »around 1914« datiert. Vor dem Interview befindet sich in der Vorlage eine Notiz zum Bündnis dreier britischer Gewerkschaften, der Mining Federation of Great Britain, der National Union of Railwaymen und der National Transport Workers’ Federation, die sogenannte Triple Alliance, die Anfang 1914 gegründet wurde. Die im Interview erwähnte Zeitung der australischen IWW, Direct Action, erschien seit Januar 1914. Damit ist auch die Datierung des Interviews auf Januar, spätestens aber Februar 1914 möglich. In der Zeitschrift Gai Dào wird das Interview unverständlicherweise in das Jahr 1915 verlegt (15).

VI.

Sämtliche Anmerkungen und Ergänzungen in [eckigen] Klammern stammen vom Bearbeiter. Eingriffe in den Text sind in den Anmerkungen nachgewiesen.

Jonnie Schlichting, 2. Juni 2015

Wir hatten das Vergnügen, mit einem Genossen von den Antipoden (16) zu sprechen, der nach Europa gekommen ist, um die syndikalistische Bewegung der verschiedenen Länder kennenzulernen.

Vor einigen Wochen erhielten die Industrial Workers of the World der Sektion Auckland ein Schreiben vom Herausgeber eines offiziellen syndikalistischen Organes in Europa, um Auskunft über die letzten grossen Streiks in Neuseeland [zu bekommen] (17).

Unser Genosse Percy B. Short wurde mit einem anderen Genossen beauftragt, die Antwort zu redigieren; da aber Short nach England reiste, wurde er ersucht, persönlich die Antwort und alle ferneren Auskünfte [zu] überbringen, um seinerseits auch über die europäische Bewegung Erkundigungen einzuziehen.

Da Short auch einige Zeit Mitglied der Sektion der I.W.W. in Sydney war und also die ganze revolutionär-syndikalistische Bewegung [in Neuseeland und Australien] kennt, waren wir sehr erfreut, über beide Bewegungen mit ihm sprechen zu können. Unsere Unterhaltung war desto interessanter, weil unser Genosse von Geburt ein Māori ist (18), ein Sohn der Eingeborenen (19) Neuseelands, des Volkes, das immer mehr von den Weißen verdrängt (20) wird, sich aber mit unglaublicher Energie und Ausdauer aufrecht erhält.

Um unsere Leser einigermaßen zu orientieren, bemerken wir an erster Stelle, daß in Sydney (Neu Süd-Wales) ein revolutionär-syndikalistisches Organ besteht, Direct Action (21), während in Auckland der Industrial Unionist erscheint. Ferner wird in Wellington, Neuseeland, der Māoriland Worker (22) herausgegeben. Die Redakteure dieses Blattes sind die Genossen Harry Holland (23) und J.B. Allen (24), der letztere ein revolutionärer Syndikalist, der in England jahrelang tätig war.

Die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung in Australien und Neuseeland ist ganz nach dem Muster und mit den Statuten der Industrial Workers of the World der Vereinigten Staaten organisiert(25), und unsere Antipoden verdanken denselben auch einen beträchtlichen Teil ihrer Propagandaliteratur(26). Durch das Prinzip des Industrial Unionism, d.h. der Föderation nach Industrien, unterscheidet die syndikalistische Bewegung in Australasien sich ebenso wie in Nord-Amerika vom organisatorischem Standpunkt aus von den alten Berufsvereinen.

Wir haben uns zuallererst mit Genossen Short unterhalten über die allgemeinen Zukunftsperspektiven (27) der revolutionär-syndikalistischen Propaganda, und mit einer wahren Überraschung hörten wir dabei, daß ganz besonders unter den Māoris diese Propaganda durch die Vergangenheit der Bevölkerung mit ihrem Urkommunismus begünstigt wird.

Unter den Māoris scheint ein Arbeiter, der als Streikbrecher seinen Kameraden das Brot aus dem Munde nimmt, so gut wie ein unbekanntes Wesen zu sein, dessen Existenz (28) schon durch das alte Solidaritätsgefühl in den Volkssitten ausgeschlossen ist (29).

Lang sprachen wir weiter über die anti-militaristische Propaganda, welche in den letzten Jahren seit der Einführung des Militärdienstes in Neuseeland (30) angefangen hat. Verschiedene junge Burschen, zum Gefängnis verurteilt, traten in (31) den Hungerstreik, gerade wie es jetzt auch die Suffragets (32) in England machen. Die anti-militaristische Bewegung (33) ist immer noch lebendig (34).

Schliesslich war es die Gewerkschaftsbewegung, und zwar das Verhalten zu den konservativen Verbänden, das uns am Meisten interessierte:

– Sind die konservativen Gewerkschaften, so fragten wir, diejenigen eben, die unter dem (35) Gesetz auf den verpflichteten Schiedsspruch (36) organisiert sind, im Fortschritt begriffen, oder büßen sie vielmehr an Einfluss ein?

– Augenblicklich, antwortete Short uns, sind von den 80.000 Arbeitern, die in Neuseeland leben, 65.000 unter dem Arbitration Act organisiert, während 15.000 unter dem Trade Unions Act (37) organisiert sind (38); letztere regeln ihre Streitigkeiten mit den Unternehmern direkt.

– Und wie geht es mit den Streiks in ihrem Lande, dem ‘Arbeiterparadies’, dem ‘Lande ohne Streiks und Aussperrungen’, wie unsere Sozialreformer in Europa es so gerne nennen?

– Die Streiks nehmen immer mehr zu, an Anzahl und an Intensität.

– Und das Streik-Gesetz (39), wodurch dieselben verboten sind?

– Dem Zwangsschlichtungsgesetz in Neuseeland ist der Schädel zerschmettert worden (40) (Arbitration is killed in New Zealand).

Und Short setzte uns auseinander, wie die Landesregierung es macht, um die wahre Lage zu verbergen.

– Sie werden sich wohl, es ist schon einige Jahre her (41), [an] den grossen Streik der Bergarbeiter in Blackball erinnern (42). Die Regierung ist dabei soweit gegangen, den Hausrat der zu Geldbußen verurteilten Streikenden (43) verkaufen zu lassen; Niemand wagte es aber, davon zu kaufen. Schliesslich bezahlte die Regierung nun selbst die Geldbußen, unter Vorgeben, dieselben seien von den verurteilten Bergarbeitern selbst bezahlt [worden], eine Lüge, wogegen Letztere laut ihren Protest erhoben (44).

Noch vor wenigen Wochen, wie sie sich gewiss erinnern, haben wir noch einen Generalstreik in Neuseeland gehabt, der sich auf alle Städte und auf fast alle Berufe (45) ausdehnte (46).

Short setzte uns weiter auseinander, wie in Australien, wo die Gesetzgebung weniger streng ist, und wo dem Versuch zur Versöhnung der Schiedsrechtsspruch vorausgeht, der Zustand nicht so gespannt ist und der revolutionäre Syndikalismus auch dort große Fortschritte macht.

Gerne hätten wir das Gespräch noch fortgesetzt, aber wie wir schon sagten, war Genosse Short nicht allein gekommen, um Auskunft zu geben, sondern auch um Auskunft zu holen, und da seine Zeit bemessen ist, haben wir versprechen müssen, das Gespräch wohl wieder aufzunehmen, aber um diesmal über die europäische Bewegung zu sprechen.

Anmerkungen

1 Zu Short siehe Derby 2012a.

2 (Nr. 3424) New Zealand. 1906 and n.d.

3 Das Original ist dort mittlerweile auch online einseh- und herunterladbar.

4 In dem Konvolut befinden sich drei weitere undatierte Dokumente: ein Flugblatt der New Zealand Society for Social Ethics; ein mehrfach durchgestrichener ‘Schmierzettel’ (den ich weitgehend nicht entziffern kann); eine englischsprachige Tabelle (möglicherweise ein Korrekturabzug) zu Bevölkerung und Einkommensverteilung eines Landes, das jedenfalls nicht Neuseeland ist: denn dort wird eine Bevölkerungszahl von 43 Millionen angegeben, während Neuseeland selbst im Jahre 2013 nur 4,47 Millionen Einwohner hatte (vgl. Wirtschaftsdatenblatt des Auswärtigen Amtes für Neuseeland [abgerufen am 25. Mai 2015]).

5 A Conversation with a Syndicalist from New Zealand. Max Nettlau talks to Percy Short. Die Übersetzung ins Englische stammt von Urs Signer.

6 »A comrade from the antipodes«; in: LHP Newsletter 55, August 2012, S. 8 – 9.

7 Pete 2012.

8 Lehning [1986]; Thorpe 1989, S. 31f.; Wedman, 1993, S. 8; Wedman 2001, S. 476. – Es erschienen insgesamt 336 Ausgaben.

9 Wedman 2001, S. 476.

10 Westergard-Thorpe 1978; Westergard-Thorpe 1981; Thorpe 1989, S. 66 – 86.

11 Thorpe 1989, S. 78.

12 Westergard-Thorpe 1978, S. 76. – Am 1. Januar 1915 erschien noch eine Ausgabe, die lediglich die Einstellung des Bulletins aufgrund des Krieges mitteilte.

13 Sie war seit 1899 mit dem georgischen Anarchisten Waarlam Tscherkessow verheiratet, einem engen Freund Kropotkins, mit dem sie in London lebte.

14 Thorpe 1989, S. 69.

15 Pete 2012, S. 26 – Die launige Beschreibung des angeblichen Treffens zwischen Short und Nettlau – »In einem verrauchten Zimmer einer Londoner Seitenstraße treffen 1915 zwei Männer aufeinander, die weiter voneinander entfernt nicht leben könnten.« – ist zwar eine hübsche Geschichte, aber allein schon deshalb unmöglich, weil Nettlau zu diesem Zeitpunkt, dem zweiten Jahr des ‘Großen Krieges’, als Staatsbürger der Donaumonarchie und damit ‘feindlicher Ausländer’ (und Anarchist!) nicht mehr in London frei herumgelaufen wäre, geschweige denn dorthin hätte einreisen können. Er hätte das Schicksal Rudolf Rockers und anderer Emigranten aus den Ländern der Kriegsgegner des United Kingdom geteilt – die Internierung (siehe Rocker 1974, S. 261 – 275).

16 Veraltete Bezeichnung für Australien und Neuseeland.

17 Im März 1912 streikten 1.000 Bergarbeiter der Goldmine in Waihī. Die Regierung setzte im Oktober Polizei ein, die über 60 Streikende verhaftete und den Einsatz einer großen Zahl von Streikbrechern ermöglichte. Am 12. November griff ein Mob von mehreren hundert Streikbrechern und Polizisten das Gewerkschaftsgebäude an. Bei dessen Verteidigung wurde der Kollege Fred Evans totgeprügelt. Anschließend marodierte der Mob durch die Stadt und vertrieb die Streikenden und ihre Familien aus Waihī (Holland u. a. 1913; Mouat 1992; Derby 2012b; McCulloch 2012; Atkinson 2014).

Etwa 16.000 Hafen- und Bergarbeiter in Wellington, Auckland und Christchurch streikten im November 1913. Auch hier kam es zu militanten Auseinandersetzungen mit Streikbrechern, die von der Regierung herangebracht, bewaffnet und zu ‘Hilfspolizisten’ ernannt wurden. Zusätzlich sandte man zwei Kriegsschiffe in die bestreikten Häfen. Nach sechs Wochen wurde der Streik durch die Verhaftung der Streikführer gebrochen (Nolan 2005; Doolin 2013; Clayworth 2014).

18 »Es ist nicht bekannt, ob Short tatsächlich von Geburt ein Māori war oder nicht (seine Familie glaubte es nicht), und einige seiner Behauptungen betreffend die Unterstützung des Syndikalismus und von Streiks durch die Māori können Übertreibungen von Nettlau [der das Interview nicht geführt hat; J.S.] oder Short sein. Nichtsdestoweniger ist es immer noch ein wichtiges Beispiel für syndikalistischen Transnationalismus und eine interessante Betrachtung von Ereignissen.« (aus der Vorbemerkung der Red Ruffians). Allerdings schrieb und übersetzte Short für das Neuseeländische IWW-Organ Texte in Māori (siehe E nga kaimahi o te Ao katoa, Whakakotahitia [Arbeiter der Welt, vereinigt euch] auf der Internet-Seite des Aotearoa Workers Solidarity Movement (http://awsm.noblogs.org/2013/07/e-nga-kaimahi-o-te-ao-katoa-whakakotahitia/).

19 in der Vorlage: ‘Einborlinge’.

20 in der Vorlage: ‘… von den Blanken verdrungen’. – In der englischen Übersetzung lautet diese Passage: » … the people who is more and more pushed to the side … «.

21 Direct Action. Organ of the Industrial Workers of the World. Erschien seit Januar 1914 vierzehntägig in Sidney; 78 Ausgaben von 135 der Jahrgänge 1914 – 1917 sind auf der australischen Internet-Seite Reason in Revolt online.

22 Der Māoriland Worker wurde 1910 als Monatsschrift von der Shearers’ Union (Schafscherer-Gewerkschaft) in Christchurch gegründet. Nach der Vereinigung der Shearers’ Union mit der Miners’ Federation im gleichen Jahr erschien er als Organ der ‘Red’ Federation of Labour. Er ist fast komplett (640 Ausgaben, vom 15 September 1910 – 30. Januar 1924) online.

23 Eigentlich Henry Edmund Holland; siehe O’Farrell [1996]; O’Farrell 2014.

24 Olssen 1976.

25 IWW 1912; Hanlon [1913]; Steiner 2006.

26 Burgman 2007; Industrial Unionism 2007; Derby 2009; Clayworth 2010.

27 in der Vorlage: ‘Voraussichten’.

28 in der Vorlage: ‘Bestehen’.

29 Dieser Aussage wird im LHP Newsletter vehement (und wohl zurecht) widersprochen: während des Waihī-Streiks befanden sich unter den Streikbrechern viele Māoris; sie zeigten vor dem 1. Weltkrieg auch wenig Neigung, sich der revolutionär-syndikalistischen Bewegung anzuschließen (LHP Newsletter 55, August 2012, S. 9).

30 Der Defence Act führte 1909 die allgemeine Wehrpflicht in Neuseeland ein.

31 in der Vorlage: ‘begangen’.

32 Suffragetten: gemeint ist die außerordentlich militante Bewegung für das Frauenwahlrecht in Großbritannien und den USA, die fast ausschließlich von (meist bürgerlichen) Frauen getragen wurde.

33 Weitzel 1973; Bodman 2010; Davidson 2014.

34 in der Vorlage: ‘… dauert noch stets weiter’. Die englische Übersetzung ist verständlicher: »The anti-militarist movement is still alive.«

35 in der Vorlage: ‘unters’.

36 Der Industrial Conciliation and Arbitration Act (Gesetz zur Versöhnung und Schlichtung in der Industrie) wurde 1894 vom neuseeländischen Parlament verabschiedet. Im Gegenzug zur Anerkennung der Gewerkschaften sah es eine obligatorische Schlichtung vor. Die Mehrheit der Gewerkschaften, vor allem kleinere und schwächere, unterzeichnete diese Vereinbarung (Macrosty 1898; Lloyd 1900; Beer 1901a und 1901b; Labour Laws 1906; Broadhead 1908; Holt 1976).

37 Der Trade Unions Act (Gewerkschaftsgesetz) von 1908, der im Gefolge des Blackball-Streiks und der wachsenden Militanz verschiedener Gewerkschaften verabschiedet wurde, gestand den Gewerkschaften, die die Zwangsschlichtung nicht akzeptierten, weitgehende Rechte zu (s. Trade Unions Act 1908; Doolin 2013; s. a. Anm. 42).

38 in der Vorlage: ‘… gibt es auf den 80.000 Arbeitern, die in Neuseeland leben, 65.000, die unter dem Arbitration-Act organisiert sind, während 15.000 unter einem anderen Gesetz sind, das auf der Arbeitsföderation’.

39 in der Vorlage: ‘Gesetz auf die Streiks’.

40 in der Vorlage: ‘Das Gesetz den Verpflichtenden Schiedsspruch ist der Kopf eingedrückt in Neuseeland’. – Die englische Übersetzung ist verständlicher: »The compulsory Arbitration Act has had its head smashed in New Zealand«.

41 in der Vorlage: ‘… schon vor einigen Jahren her’.

42 Im Februar 1908 streikten die Bergarbeiter von Blackball. In einem dreimonatigen Arbeitskampf setzten sie den Achtstundentag und längere Arbeitspausen durch. Der Streik führte zur Aufweichung des Arbitration Act und schließlich 1910 zur Gründung der Federation of Labour, die sich dem Schlichtungsgesetz nicht unterwarf (Olssen 1988; Davidson 2011b).

43 in der Vorlage: ‘Streiker’.

44 Derby 2012b.

45 in der Vorlage: ‘Arbeitskategorien’.

46 siehe Anm. 17.

Literatur

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Bodman 2010: Ryan Bodman, ‘Don’t be a conscript, be a man!’ A History of the Passive Resisters’ Union, 1912-1914, Auckland (University of Auckland) http://www.converge.org.nz/pma/psrb2010.pdf

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Steiner 2006: Peter Steiner, The Industrial Workers of the World in Aotearoa [2006]; in: Industrial Unionism 2007

Te Ara – the Encyclopedia of New Zealand – http://www.teara.govt.nz/en/

Thorpe 1989: Wayne Thorpe, »The Workers Themselves«. Revolutionary Syndicalism and International Labour, 1913 – 1923. Studies in social history (IISG) 12, Dordrecht – Boston – London 1989 (Kluver)

Trade Unions Act 1908: New Zealand Trade Unions Act 1908 No 196 (reprint as at 03 September 2007) – http://apirnet.ilo.org/resources/new-zealand-trade-unions-act/at_download/file1

Wedman 1993: Homme Wedman, De Collectie Cornelissen/Chichery, Amsterdam – Groningen 1993 (IISG & IvG RUG) – http://www.iisg.nl/archives/docs/cornelissen-wedman.pdf

Wedman 2001: Homme Wedman, Christiaan Cornelissen (1864 – 1943); in: AGWA, Nr. 16/2001, S. 471 – 480

Weitzel 1973: R. L. Weitzel, Pacifists and Anti-militarists in New Zealand, 1909-1914; in: NZJH, Vol. 7 (1973), No. 2, S. 128 – 147 – http://www.nzjh.auckland.ac.nz/document.php?wid=1498&action=null

Westergard-Thorpe 1978: Wayne Westergard-Thorpe, Towards a Syndicalist International. The 1913 London Congress; in: IRSH, Vol. 23 (1978), No. 1, S. 33 – 78 – http://search.socialhistory.org/Record/S0020859000005691/Details

Westergard-Thorpe 1981: Wayne Westergard-Thorpe, The Provisional Agenda of the International Syndicalist Congress, London 1913; in: IRSH, Vol. 26 (1981), No.1, S. 92 – 103 – http://search.socialhistory.org/Record/S0020859000007069

Quelle: Muckracker

4 Kommentare leave one →
  1. Arno Nym I. permalink
    4. Juni 2015 14:05

    „Anarchistische Föderation Deutschland (AFD)“
    Man kann nur hoffen das J.S. im allgemeinen besser recherchiert. Denn korrekt muss es heißen „Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA)“

    Und der Name ist Programm:
    Will heißen das es nicht einfach nur die anarchistische Föderation in Deutschland ist, sondern das es sich tatsächlich im eine Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen handelt, alo mit Mitgliedern in verschiedenen Regionen dieser Welt.

    • J. S. permalink
      5. Juni 2015 19:51

      Stimmt. Habe ich übersehen. Danke für den Hinweis. Werde ich korrigieren.

      J.S.

      PS: Ob „J.S. im allgemeinen besser recherchiert“? Die Lektüre beispielsweise des obigen Artikels könnte Hinweise zur Beantwortung dieser Frage liefern.

  2. J. S. permalink
    4. Juni 2015 22:50

    Ergänzung

    Einige Internet-Links sind leider ‚entfleucht‘ (pardonnez):

    Der link zu den Nettlau-Papers:
    http://search.socialhistory.org/Record/ARCH01001/ArchiveContentList#Aef27f2e102

    Der download-link zum Originaltext des Interviews (PDF):
    http://hdl.handle.net/10622/ARCH01001.3424?locatt=view:pdf

    Der link zum Wirtschaftsdatenblatt des Auswärtigen Amtes für Neuseeland
    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Neuseeland/Wirtschaftsdatenblatt_node.html

    Der link zur Veröffentlichung des Interviews durch ‚Red Ruffians‘:

    Der link zum LHP Newsletter 55, August 2012:

  3. Australien: ASF-IAA unterstützt Flüchtlinge permalink
    26. Mai 2016 22:13

    Australien: ASF-IAA unterstützt Flüchtlinge

    Die Gewerkschafter/innen der Anarcho-Syndicalist Federation (ASF-IAA) planen, landesweit die Versorgung von Flüchtlingen zu unterstützen. Diese sollen in Abschiebelagern auf den pazifischen Inseln Nauru und Manus (Papua Neu-Guinea) unbefristet eingesperrt werden.

    Es gibt zahlreiche Berichte über die menschenunwürdigen und gesundheitsgefährdenden Bedingungen, denen die Männer, Frauen und Kinder in den Sammellagern ausgesetzt sind, wo es immer wieder auch zu sexualisierten Gewalttaten kommt.

    Die australische Sektion der Internationalen Arbeiter/innen-Assoziation (IAA) will konkret die Versorgung von hunderten Flüchtlingen mit Nahrung und anderen lebensnotwendigen Dingen unterstützen. Aber auch friedliche, direkte Aktionen im Konsens mit den Mitgliedern der betroffenen Gemeinden sollen stattfinden, um die Abschiebungen zu verhindern.

    Bereits letztes Jahr beteiligte sich die ASF-IAA an antirassistischen Protesten gegen „Reclaim Australia“ und die „United Patriots Front“.

    Quelle: https://www.facebook.com/anarchosyndicalistfederation

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