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Gegen die Ignoranz faschistischer Gewalt in Rumänien

27. März 2015

distruge_fascismulOffener Brief an die Organisatoren des Fanfest und die Koordinatoren der “Rettet Roșia Montană” („Salvați Roșia Montană“, SRM) Kampagne

An alburnusmaior@ngo.ro (Eugen David) und calin.capros@yahoo.com

Beim diesjährigen FanFest kam es zu einigen Vorfällen mit faschistischem Charakter. Diese Vorfälle lassen uns fragen wer in die SRM-Kampagne involviert ist und wie es um die Sicherheit derer bestellt ist, die an ihr teilnehmen.

Was ist aktuell vorgefallen? Dieses Jahr erschienen auf den Straßen von Roșia Montană und auf dem FanFest und den Konzerten (genauso wie in den letzten Jahren) einige junge Leute. Es handelt sich bei ihnen um nationalistische „Ultras“ mit Sympathien für Legionäre/Neofaschisten. Sie haben sich unter der Bezeichnung „Uniți sub tricolor“ (Vereinigt unter der Trikolore) und neben ihrer Unterstützung für Roșia Montană haben sie Parolen gezeigt und gerufen die eindeutig rassistisch und fremdenfeindlich sind. (So z.B. „Raus mit den Ungarn“).

Unter diesen Gegebenheiten protestierten in der letzten Nacht auf dem Konzert – während des “Rehab Nation” Auftritts, einige Personen mit einer antifaschistischen Fahne, um auf das mangelnde Verhalten der Veranstalter gegenüber der Anwesenheit und Aktivität dieser neo-legionären Gruppe hinzuweisen. Während des Auftritts der Band „Baba Zula“ wurde die beiden Jugendlichen von einer Gruppe aus sieben bis acht Personen angegriffen, die Kleidungsstücke mit der rumänischen Flagge und der Aufschrift „Onoare și Patrie“ („Ehre und Vaterland“) trugen.

Diese Personen waren Teil der zuvor bereits erwähnten neo-legionären Gruppe. Sie schlugen die beiden mit der Antifa-Fahne und stahlen sie. Die beiden Antifaschisten wurden mit Fäusten und einem Teleskopschlagstock geschlagen. Der wahrscheinlich schockierendste Aspekt stellt der Mangel an Reaktion von Seiten der Konzertbesucher sowie der Organisatoren dar. Sie blieben apathisch oder dachten dass dieser Vorfall nicht wirklich wichtig sei.

Wir sind sehr besorgt über diese Art von Vorfällen, die keineswegs isolierte Erscheinungen in Rumänien sind, wie auch bei den Protesten von letztem Jahr in Bukarest zu sehen war, und deren Tendenz überall in der Welt zunimmt.

Wir heben hervor, dass es die bekannte Auffassung der Organisatoren ist, diese Kampagne apolitisch zu halten, auch wenn wir überzeugt sind, das die Probleme die innerhalb der „Rettet Roșia Montană“-Kampagne – wie die Zerstörung der Umwelt, Erwerbslosigkeit, Zerstörung historischer Gebäude, Enteignungsbestrebungen der „Roșia Montană Gold Corporation“ (RMGC) und der Kampf der lokalen Bevölkerung gegen dieses Unternehmen und gegen die von der Regierung getroffenen Entscheidungen – weder apolitisch sind noch apolitisch bleiben können. Wir stimmen aber zu, das die Kampagne weder von einer politischen Partei oder politischen Gruppe dominiert werden soll, sondern bei Bürgern mit einem starken politischen Bewusstsein.

Wie auch immer: Die Probleme entstehen, wenn Menschen offen erklären, dass sie Neolegionärismus und Neofaschismus nicht unterstützen und damit rechnen müssen, deswegen attackiert zu werden, während die Organisatoren sich indifferent gegenüber solchen Aktionen verhalten (wir möchten nicht annehmen das sie diese tolerieren oder begünstigen). Solch Verhalten ist kein apolitisches Verhalten, sondern im Gegenteil eine deutliche Unterstützung faschistischer Ideen.

Der selbe „unpolitische“ Slogan – „Roșia Montană ohne Politik“ wird von der Ultra-Gruppe „Uniți sub Tricolor“ benutzt, der Gruppe, die die oben genannten gewalttätigen Übergriffe durchführte. Der Beweis findet sich auch auf ihrer offiziellen Facebook-Seite, wo sich ein Foto der gestohlenen Antifa-Fahne findet.

https://www.facebook.com/unitisubtricolor2013/photos/pb.787555924606046.-2207520000.1409337406./896090223752615/

Gleichermaßen wichtig ist es auch, sie wissen zu lassen, das Mitglieder dieser Gruppe eine große Anzahl rassistischer und fremdenfeindlicher Kommentare veröffentlichen und dadurch ethnischen Hass schüren und versuchen historische Konflikte wiederzubeleben. (Siehe beispielsweise die Schals mit dem Aufdruck „Rumänien 1918“ oder ungarnfeindliche Aussagen neben Aussagen gegen hydraulische Bohrungen):

https://www.facebook.com/unitisubtricolor2013/photos/a.787657894595849.1073741828.787555924606046/899594743402163/?type=1&relevant_count=1)

Wichtig ist auch anzusprechen, dass ähnliche Vorfälle letztes Jahr während der Herbst-Proteste stattgefunden haben, als Menschen deswegen zusammengeschlagen wurden weil sie englisch Sprachen. Die Angreifer waren Mitglieder derselben Gruppe oder einer ähnlichen.

Wir hoffen dass sie, die Organisatoren des FanFest und Koordinatoren der „Rettet Roșia Montană“ Kampagne, die Auffassung teilen, das es für die Zukunft der Kampagne und für ihre Sicherheit dringend notwendig ist, eine klare Position gegen dieses nicht zu akzeptierende Auftreten und Verhalten zu beziehen, und das es ein Fehler einiger der Organisatoren ist, diesen Gruppen auch noch zu danken, welche die Intoleranz und einen historischen Revanchismus kultivieren, wie es in der Nacht und am Abend dieses Vorfalls geschehen ist.

Zum Schluss möchten wir anmerken, dass eine Antwort auf diesen offenen Brief willkommen ist, genauso wie eine Diskussion über die Aktionen die Notwendig sind, um solche Angriffe zu verhindern. Ein Beispiel solch einer Aktion wäre eine Stellungnahme in den Massenmedien, die sich gegen die Ideen, das Verhalten und die Gewalt ausspricht, die von der „Uniți sub tricolor“-Gruppe ausgeht. Wir können die Umwelt und die Berge nicht retten, wenn wir apathisch oder tolerant gegenüber faschistischer Intoleranz, gegenüber Chauvinismus, Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie etc. verharren.

Wir wünschen uns durch diesen offenen Brief die Eröffnung eines Dialogs über diese Dinge, der wirklich nötig ist. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass wir diesen Brief einem größeren Publikum zukommen lassen.

Wir erklären unsere Solidarität mit der „Rettet Roșia Montană“ Kampagne und hoffen auf eine Antwort.

Keine Toleranz für die Intoleranz!

Dieser offene Brief wurde vom „Centrul Feminist Sofia Nădejde București“, dem „Centrul CLACA București“, dem „A-casă Cluj“ und dem „Spaţiul Do-It-Yourself Craiova“ in Rumänien verfasst und bislang von den folgenden Vereinigungen in Deutschland unterzeichnet:

Anarcho-Syndikalistische Gruppe (ASG) Hamburg-Altona
Anarcho-Syndikalistische Jugend/Junge Föderation (ASJ) Mainz
Institut für Syndikalismusforschung (Bremen)
Libertäres Bündnis Ludwigsburg
Revista BUNĂ (Bremen/Bukarest/Hamburg)
Verlag Barrikade (Hamburg)

Weitere Informationen direkt in Rumänien über “Spaţiul Do-It-Yourself Craiova” (diycraiova[a]riseup.net) (In Englisch) sowie über die Redaktion der BUNĂ – Zeitschrift für Emanzipation & Befreiung – nicht nur in Rumänien (revistabuna[a]riseup.net). http://revistabuna.wordpress.com/

Quelle: Revista Buna

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