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Faschistenaufmarsch in Rom

2. März 2015

faschosromUnter Mussolini-Bildern und keltischen Kreuzen versammelte sich am Sonnabend in Rom auf der Piazza del Popolo eine gefährliche Phalanx von mehreren zehntausend Rassisten der Lega Nord, der faschistischen Casapound und der Fratelli Italia, einem Nachfolger der in Auflösung begriffenen früheren Alleanza Nazionale. Eröffnet wurde der gespenstische Aufmarsch vom Führer der Lega Nord, Matteo Salvini. Er verkündete, einen neuen rechtsextremen Block zu bilden und anstelle des vor dem politischen »Aus« stehenden Chefs der Forza Italia (FI), Silvio Berlusconi, dessen Führung zu übernehmen. Hier in Rom starten wir »zur Eroberung des Landes und werden Renzi nach Hause schicken«. Bei der Skizzierung seiner Anti-EU-Linie nannte er den Euro zum einen ein »Verbrechen gegen die Menschheit« und zum anderen eine »kriminelle Währung«. Renzi sei »ein Diener der EU-Bürokraten« und stehe »im Dienst der Industrielobbys. Wir stehen an der Seite der Kleinunternehmer, der Handwerker, der Italiener, die arbeiten.« Es folgten von Ausländerhass geprägte Ausfälle, dass man Bootsflüchtlinge, »einfach auf hoher See in ihren Booten sitzen lassen« solle. In Italien dürfe es für keinen einzigen Immigranten mehr »einen Platz geben«. Nach Salvinis Rede wurde eine Videobotschaft der Chefin des französischen Front National, Marine Le Pen, gezeigt, mit der die Lega in der EU, wie Salvini erklärte, »einen eisernen Pakt« schließe und eine gemeinsame Gruppe in Brüssel bilden werde.

Die Zeitung La Repubblica schätzte den Aufmarsch als eine Reaktion auf die bei der Präsidentenwahl erlittene schwere Niederlage der extremen Rechten ein, nach der Salvini das »politische Spektrum ausweiten und einen Pol der Opposition gegen die Demokratische Partei«, eine »Anti-Renzi-Front« mit ihm an der Spitze formieren wolle. Die nächste Schlacht wolle er bei den Wahlen im Mai in sieben Regionen (Ländern) schlagen, aber er denke bereits an neue Parlamentswahlen, die jedoch erst 2018 anstehen. Dazu gehöre, dass Salvini Abstand nehme von der Politik der Abspaltung des Nordens vom Zentralstaat. Er orientiere sich um auf »Vaterland« und »nationale Einheit«, um die Lega aus einer auf den Norden ausgerichteten Partei landesweit aufzustellen.

Gegen den faschistisch-rassistischen Aufmarsch formierte sich eine Protestdemonstration von mehreren tausend Antifaschisten, die von der Piazza Vittorio Emanuele in Richtung Piazza del Popolo marschierten. Unter ihnen befanden sich viele Mitglieder sozialer Zentren, die auf Spruchbändern und Plakaten die ausländerfeindlichen Ausfälle Salvinis anprangerten, und Angehörige von Roma, die erst kürzlich Opfer von Überfällen der Casapound geworden waren. Es waren 4.000 Polizisten im Einsatz, den Innenminister Angelino Alfano, Chef der neuen Rechtspartei NCD, einem Ableger der FI Berlusconis, persönlich leitete.

Quelle: Junge Welt

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