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Solidaritätsdemonstration in Berlin für die Gefangenen der „Operation Pandora“

17. Februar 2015

demoberlin3Wie schon vor ein paar Wochen angekündigt wurde, fand am Samstag dem 7 Februar in Solidaritätsdemo für die von der Operation Pandora Verfafteten AnarchistInnen statt. Nachmittags versammelten sich in Berlin-Kreuzberg (diesesmal aber 61 und nicht 36) 250 solidarische Menschen die den Aufruf gefolgt waren, sich mit denen von Repression Betroffenen AnarchistInnen in Barcelona und sonstwo zu solidarisieren.

demoberlin2Es war ein grauer Samstag und es war auch ganz schön kalt, aber dies hat die Stimmung der Anwesenden nicht gemildert. Es war eine sehr laute und gut gelaunte Demonstration wo fast ohne Pause Parolen skandiert worden sind, die sich gegen staatlicher, herrschaftlicher und kapitalistischer Repression und Ordnung richteten. Meter auf Meter wurde in Kreuzberg für fast zwei Stunden die Kritik an einer Welt mit Gefängnissen und deren VetreterInnen sichtbar, deutlich und analog. Während der Demo wurden mehrere Texte vorgelesen die sich zusätzlich auch mit der Lage von Inhaftierten AnarchistInnen in Griechenland und Italien (siehe unten) befasste.

Denn fast auf allen Ländern auf der Welt, werden all jene verfolgt, die sich gegen jede Form von Herrschaft, Ausbeutung, Diskriminierung und Unterdrückung wehren. Dies darf nicht vergessen werden, denn Solidarität ist und war schon immer einer der wichtigsten Waffen im Arsenal jeglicher Revolutionärern um im hier und jetzt eine andere Welt zu ermöglichen und erdeutlichen. Diese Texte sowie der Aufruf wurde seitlich an PassantInnen auch verteilt. Die Demo lief vom Südstern entlang der Gneisenaustraße, Zossenerstraße, Tempelhoferdamm über den Platz der Luftbrücke wo sie dann letztendlich vor eins der Hauptgebäude des LKA in Berlin beendete und sich auch auflöste. Es gab keine Verhaftungen. Hiermit bedanken wir uns nochmals an alle Anwesenden.

Es soll daran erinnert werden, dass auch wenn all jene wieder „frei“ sind (unter Auflagen, versteht sich von selbst), immer noch zwei GefährtInnen von uns im Knast sitzen. Und zwar die chilenischen AnarchistInnen Monica und Francisco die seit über einem Jahr in spanischen Gefängnissen in Untersuchungshaft sitzen und dort auch noch in Isolationshaft. Gegen ihnen beiden gelten auch einige der Anklagen wie für die restlichen Beschuldigten. Auch wenn die letzten Tage mit erfreulichen Infos waren, gehen die Kämpfe überall entweder weiter oder sie werden geschmiedet.

Von Berlin bis nach Madrid, Dyna Dyna Dynamit!
Hoch die revolutionäre Solidarität!
Freiheit für alle Gefangene, Nieder mit allen Gefängnissen!

Einen Radiobericht zu der Demo gab es auch hier: https://www.freie-radios.net/68741

Folgende Texte wurde als Flyer unter den PassantInnen verteilt und auch durch den Lauti vorgelesen.

Es gibt keine Nacht ohne Tag und auch keine Freiheit ohne Anarchie

Die Repression, diese ständig hungrige Bestie, zeigt uns die Zähne und ist bereit zuzubeißen, sobald wir durch unsere Kämpfe und Bestrebungen versuchen, kleinere und manchmal auch etwa großere Stöße gegen den kapitalistischen Alltag zu liefern. Knast, Kontrolle, ominöse Vereinigungsparagraphen, sie sind alles Waffen in ihrem Arsenal. Ihre Instrumente mögen sich vielleicht von Land zu Land teilweise unterscheiden, das Prinzip dahinter ist aber immer dasselbe: einschüchtern, teilen, demütigen und unsere Angriffe temporär zu einem Halt zu bringen. Egal, ob auf Grund eines Anstiegs des Konfrontationsniveaus innerhalb eines sozialen Kampfes, oder wegen einer Intensivierung der Angriffe gegen das Bestehende durch Gruppen oder Individuen: das Spektrum der Repression lauert und möchte uns erinnern, dass, solange die existierenden Verhältnisse so bleiben wie sie sind, wir uns immer mit Ihr auseinandersetzen werden müssen. Dass man aus dieser gezwungenen Situation heraus offensiv agieren kann, beweisen aber die verschiedenen Beispielen im europäischen Raum. Die griechische Regierung verabschiedete z.B. im letzen Jahr ein Gesetz zur Schaffung der sogennanten C-Typ Gefängnisse, zuerst in der Stadt Domokos, um dort GenossInnen als auch rebellische Gefangenen unter zu bringen und vor allem durch die Isolation ihren Willen zu brechen. Dagegen machen sich die Gefangenen laut durch Hungerstreike und z.B. Proteste wie der Verweigerung, wieder in ihre Zellen züruck zu kehren, wie es neulich der Fall im Athener Knast Korydallos war. Gleichzeitig macht der erforgleiche Kampf des Anarchisten Nikos Romanos durch einen Hungerstreik in diesem Winter, der durch massive, militante Protesten draußen und drinnen unterstützt wurde, wieder deutlich, daß es auch unter solchen Umständen nach wie vor Möglichkeiten der Auseinandersetzung und Solidarität gibt. In einen Land, das knapp 50 anarchistische und rebellische Gefangene eingesperrt hält, bleibt die Auseinandersetzung um Knast und Repression nach wie vor zentral. Das gleiche beweist auch der anhaltende Widerstand gegen das TAV Projekt im italienischen Susa Tal: 7 GenossInnen wurden im Dezember 2013 aufgrund einem erfolgreichen Akt der Sabotage an der Baustelle verhaftet, was eine Welle der Solidarität in ganz Italien auslöste. Vier der Gefangenen gingen offensiv gegen die Ermittlungen vor und bekannten sich zur Aktion. Nach über einem Jahr in Hochsichereitstrakten in verschiedenen italienischen Gefängnissen, wurden sie zu über 3 Jahren Haft verurteilt und kamen neulich unter Hausarrest, während die restlichen 3 noch auf ihre Prozess warten. Viele Proteste lösten auch die Verhaftungen von mehreren GenossInnen in Turin im Juni 2014 aus, die seit einigen Jahren die Kämpfe gegen Zwangsräumungen vorantreiben: mehrere landeten knapp eine halbes Jahr im Knast, während andere mit unterschiedlichen repressiven Massnahmen, wie Hausarrest oder Stadtverbot, zu kämpfen hatten. Neue Besetzungen, direkte Aktionen als auch Antworten innerhalb des Knastes (verschiedenen Streiks und die Erstellung einer Knastzeitung durch die eingesperrten GenossInnen) hielten die Aufmerksamkeit und den Kampfgeist hoch, bis die Gefangenen rauskamen. Der Austausch zwischen den repressiven Behörden in Europa steigert sich. Die unterschiedlichen Länder experimentieren mit Ermittlungsarten, die anderswo schon angewendet wurden: sei es italienische Vereinigungskonstrukte, die nach Spanien importiert werden, oder Hochsicherheitsisolationsknäste, die aus der Geschichte Deutschlands und Italiens für Griechenland aufgepeppt werden. Unser altes, bewährtes Rezept gegen ihre Experimente bleibt die erprobte Waffe derjenigen, die sich schon immer gegen Staat und Kapital und für einen Bruch mit Ausbeutung und Unterdrückung stark machen: eine solidarische Praxis des Angriffs mit unseren von Repression betroffenen GenossInnen, die jegliche Grenzen überwindet, bis zu einer befreiten Gesellschaft.

Solidarität mit allen GefährtInnen, die sich im Knast oder auf der Flucht befinden.

Auf freien Fuß mit Auflagen für alle Verhafteten der Operation Pandora

Die sieben eingesperten GefährtInnen, die im Rahmen der Operation Pandora am 16. Dezember verhaftet wurden, sind in der Nacht vom 30. Januar unter Kaution freigelassen worden. Am Tag davor hat das Amtsgericht Nummer drei der Audiencia Nacional (Sondergerichthof für die Bekämpfung von Terrorismus, A. d. Ü.) die Ermittlungsakten geöffnet. Zur Zeit sind die einzigen klaren Anschuldigungen nur das, was die katalanische Polizei mittels einer Pressemitteilung auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat. Außer der Mitgliedschaft in der GAC (Grupos Anarquistas Coordinados, Anarchistische Koordinierte Gruppen) wird ihnen Anschläge gegen Banken, das Verschicken von Briefbomben (eins gerichtet an den Erzbischof von Pamplona, ein weiteres für ein Mitglied einer faschistischen Ordensgemeinschaft namens Legionäre von Christus in Madrid und gegen italienische Unternehmen) vorgeworfen. Ebenso werden sie seitens der Polizei auch in Verbindung mit den Anschlägen mit Sprengsätzen gegen den Dom von Madrid (7 Februar 2013) und die Basilika in Zaragoza (2 Oktober 2013) gebracht. Aufgrund dieser letzten erwähnten Anschlägen sitzen immer noch unsere GefährtInnen Monica und Francisco in Untersuchungshaft. Die Mitteilung der Polizei endet mit einem siegreichen „nach dem Kriterium der Ermittlungs-behörden ist die Struktur der GAC/FAI-FRI in Katalonien, wichtigster Bollwerk dieser kriminellen Organisation mit terroristischen Zielen im spanischen Staat zerstört worden“. Was sie nicht zugeben wollen (und auch nicht werden), ist, das mit so einer Operation nur unter allen GefährtInnen Angst eingejagt werden soll. Ein Ziel welches sie nicht erreicht, sondern das Gegenteil bewirkt haben. Ohne Zweifel ist dies ein Grund zum Feiern: dass die sieben freigelassen worden sind, wieder unter uns sind und wir alle gemeinsam wieder Schulter an Schulter gegen diese Scheiß Welt kämpfen können. Aber dies alles ist eine halbe „Feier“, denn die Anschuldigungen gegen sie bleiben bestehen – sie haben Auflagen (sie müssen drei mal die Woche in Bullenwachen unterschreiben, ihnen wurden die Reisepässe weggenommen, etc) und Monica und Francisco sind immer noch in Untersuchungshaft. Und außerdem sind all die FreundInnen, Genoss-Innen und GefährtInnen nicht zu vergessen, die mit unterschiedlichen Knaststrafen konfrontiert sind.

Bis wir alle frei sind!

Mitteillung von einigen Ex-Gefangenen der Operation Pandora

Hiermit wollen wir -inzwischen von der Strasse und von zu Hause- einen besonderen Gruss an alle solidarischen GefährtInnen senden. Auch durch Eure Antwort auf die Repression und den Druck gegen den Staatsapparat haben wir unsere Freiheit wieder erlangt. Wichtiger noch, es wurde wieder einmal gezeigt, dass Solidarität unsere staerkste Waffe ist. Wir sind zutiefst begeistert von allen solidarischen Gesten und fühlen uns dadurch auch darin bestätigt, den Kampf für die totale Befreiung von jeglichen Formen der Unterdrückung weiterzuführen. Die Operation Pandora findet im spanischen Staat und zum Teil auch global in einem Kontext statt, in welchem die Staaten immer totalitarer werden, was sich unter anderem in immer repressiveren und freiheitsraubenderen Gesetzen ausdrückt: Gesetzen zum Schutz der sogennannten öffentlichen Sicherheit, zur Kontrolle der Grenzen, zur Absicherung der patriarchalen Gewalt, zum Schutz vor dem sogenannten Terrorismus- Gesetze mit denen sie durch unsere Misere ihren Reichtum anhäufen. Der Staat braucht somit einen inneren Feind, um diese drastischen Massnahmen zu legitimieren und zu rechtfertigen: Dies geschieht durch das Konstrukt des sogenannten jihadistischen, linksnationalistischen oder auch anarchistischen Terrorismus. An alle die sich gegen das System auflehnen und kämpfen, sowohl in den Knastzellen wie auch ausserhalb schicken wir unsere feurige und solidarische Grüsse. Weder schuldig noch unschuldig- Der Staat ist der Terrorist, und nicht derjenige, der sich gegen ein Leben in der Misere wehrt. Freiheit fuer unsere FreundInnen und GefährtInnen Monica und Francisco! Freiheit fuer alle Gefangenen! Hass und Liebe- der Kampf geht weiter!

Einige der Ex-Gefangene der Operation Pandora

Quelle: Linksunten

2 Kommentare leave one →
  1. Bourgeois Influences on Anarchism - by Luigi Fabbri permalink
    18. Februar 2015 18:21

    Luigi Fabbri (* 1877; † 1935) war ein italienischer Anarchist, Schriftsteller, Agitator und Propagandist, http://de.wikipedia.org/wiki/Luigi_Fabbri

    http://www.libcom.org/history/articles/1877-1935-luigi-fabbri/

    Bourgeois Influences on Anarchism (in Englisch) http://www.anarkismo.net/article/14544

    • boa! permalink
      19. Februar 2015 18:14

      Der hat bestimmt Veganer und die Graswurzelrevolution vorhergesehen!

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