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Kaffee ist nicht links – es sei denn, er kommt aus der Flora!

15. Februar 2015

sommerbaubannerKaffee ist ein Produkt harter Arbeit von – Menschen. Ob die also links oder rechts politisch eingestellt sind, ist „Banane“ … dem Produkt tut es wohl keinen Abbruch, ob es bio-zertifiziert ist und von Paramilitärs geerntet wurde oder ob es politisch korrekte Bauern sind, die ihn ernteten.

Nun bringt das ehemalige Café Libertad Kollektiv einen neuen Soli-Kaffee für die Sommerbaustelle der Hamburger Roten Flora heraus. Nunja, aber wieso ist in der vervierfachten Tüte bei ebenfalls vervierfachtem Preis eine Spende für die Hamburger „Rote Flora” von 2 Euro enthalten, während die bäuerlichen Kleinfamilien weiterhin nur ihre 40 €ent pro Kilogramm verkauften Röstkaffee als zusätzliche Unterstützung des solidarischen Handels bekommen?

Ist dies ein weiterer Ausdruck der neuen politischen Ausrichtung des CL“K“? Nachdem der Anwalt der Firma vor Gericht mehrfach äußerst deutlich und nachhaltig erklärt hat, dass es keinen Kollektivbetrieb und auch keine internen Kollektivvereinbarungen geben würde, die Konstruktion der Firma also eine andere sei als Name und Selbstdarstellung vermuten lassen, gibt es also offenbar zwei Sorten von Solidarität. Einmal die für die eigene Mischpoke (auch politisches Umfeld genannt), und andererseits eben die solidarische Unterstützung der Produzenten. Letztere ist jedoch nur 20% des Engagements wert.

Der Störtebeker-Fonds war eingerichtet worden, um anarchosyndikalistische, anarchistische und andere linksradikale Initiativen und Projekte zu fördern, mit jeweils 150 €uro. Es wurde ein doppelter Soli-Betrag einkalkuliert, also jeweils 40 €ent für hiesige und für die dortigen Bewegungen. Nun geht die ganze Kohle – oder zumindest 2 €uro – an ein angeblich besetztes Projekt, eben die Rote Flora. Die RF ist mittlerweile vom Hamburger SPD-Senat vom insolventen Immobilienkaufmann Kretschmer zurückgekauft worden und in den Verwaltungsbestand der städtischen Lawaetz-Stiftung überführt worden. „Besetzt“ ist hier also ein relativer Begriff. Ebenso ist der Begriff „widerständig“ für die RF-Autonomen ja ein weites Feld. Mal sind die Zapatisten „widerständig“, dann plötzlich auch andere Kooperativen, die teils Lichtjahre vom politischen oder sozialen Widerstand ihre Landes oder ihrer Region entfernt sind. Und der Stadtteil St. Pauli ist generell ein „Barrio en resistencia“ (CL„K“-Werbeslogan für den St. Pauli-Soli-Espresso Roar). Also – es kommt eben auf die Vermarktung an.

Wer meint, dass es „kein richtiges Leben im falschen geben könne“, der hat eben mehr als nicht mehr alle Kaffee-Tassen im Schrank. Diese Ideologie eröffnet – genau wie jetzt – Tür und Tor für das eigene Versagen. „Schuld“ hat niemand, keiner trägt die Verantwortung für sein Handeln, da das Leben ja ohnehin „falsch“ läuft; dagegen kann man nichts machen, es ist das System, das es einem verunmöglicht, sich richtig oder gerade im Leben zu verhalten.

Letztlich sind die RotFloristen im CL„K“ zum Verrat und Betrug also „objektiv“ gezwungen.

Florentina Eisenberg, Robert Blum, J.S.

15. 2. 2014

Quelle: Eingesandt

15 Kommentare leave one →
  1. günther permalink
    16. Februar 2015 13:27

    irgendwie erinnert das an die klientelpolitik der der fdp. und das endpro der jetzige “ führer“ = vorstand ein radikaler verfechter von hartz 4 und der arschkriechende anhang hinterläßt eine ekelhafte schleimspur. rote flora die avantgarde der neoliberalenund das endprodukt egomaner, autonomer politik.

  2. günther permalink
    16. Februar 2015 13:36

    sorry, beim kotzen ist mir eine zeile verrutscht.

  3. 17. Februar 2015 00:46

    Hat dies auf diwini's blog rebloggt.

  4. 17. Februar 2015 00:59

    Hat dies auf wolfhilta rebloggt.

  5. Analyse permalink
    17. Februar 2015 08:21

    Bei der Übernahme des CLK durch die Floristen ging es von Anfang an um wirtschaftliche Interessen. Durch den Rausschmiss der Gründer / Altgenossen wurden – gut bezahlte – Arbeitsplätze für RF-Mitglieder frei. Wir reden hier über eine monatliche Abschöpfung von geschätzt 10.000 Euro. Früher haben „Berufsrevolutionäre“ Banken überfallen, heute kapern sie Kollektivbetriebe. Die Autonomen sind eben modern und zivilisiert.
    Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion über 2 Euro schon ziemlich lächerlich. Die Renovierung der Flora kostet nach Presseberichten allein an Material einen hohen fünfstelligen Betrag. Es werden Prioritäten gesetzt, und seien wir ehrlich (Warnhinweis: enthält Sarkasmus): unter Berücksichtigung von Lebensstandard und Kaufkraft sind 2 Euro in Hamburg doch allemal weniger als 40 Cent in Chiapas.

  6. reynauld permalink
    23. Februar 2015 18:16

    von libertär zu liberal zu kapital ists ja auch nicht weit !!!

  7. Bernd permalink
    28. Februar 2015 17:20

    Faszinierend, zu beobachten, wie ein erfolgreiches Kollektiv von Interessierten einfach gestohlen wird, in dem man die Altkollektivisten mit Heuschreckenmethoden, also den Techniken, die räuberische Aktionäre üblicherweise bei feindlichen Übernahmen anwenden, ausbootet. So genannte „linke Anwälte“ (das ist hier wörtlich zu nehmen) schwafelen dann vor Gericht etwas davon dass das gar kein Kollektiv ist, sondern ein ganz normaler Gewerbebetrieb, bei dem die Mehrheitsgesellschafter einfach die anderen an die Wand stellen können, um eigene Vorteile zu maximieren.

    Das wäre ja an sich der Lauf der Dinge, shit happens, wenn die neuen Machthaber nicht dazu eine verlogene Melodie spielen würden, und mit anarchosydikalen Wortversatzstücken dem geneigten Publikum irgendwas daherfabulieren, um weiter gute Geschäfte zu machen unter der schwarzroten Flagge.

    Der Lerneffekt muss sein, zukünftig sich Strukturen von Anfang an gut zu durchdenken, um sie „übernahmesicher“, also wasserfest gegen feindliche Übernahmeversuche jedweder Art zu machen.

    Beispiel ist das Mietshäuser-Syndikat, dass eine gesellschaftsrechtliche Konstruktion aus dem GmbH-Gesetz nutzt, um Grundbesitz so zu organisieren, dass sich die Bewohner/Mieter/Nutzer diesen nicht nachträglich schnappen können, wenn zum Beispiel die Bodenpreise stark gestiegen sind, um die Scholle zu versilbern und abzukassieren, oder Eigentumswohnungen daraus zu machen usw.. Das Mietshäuser-Syndikat hat dazu in der jeweilgen Grundstück-GmbH eine Sperrminorität, um solche Ansinnen schicht und einfach gesellschaftsrechtlich zu blockieren im Fall des Falles.

    Die Erfahrung aus Hausprojekten ohne solche konstruktiven Sperren sind die gleichen wie bei Kollektiven: Nach einiger Zeit, oft 10-15 Jahren, haben sich Hausstrukturen so geändert dass es Mehrheiten für Eigentumswohnungen oder lukrative anderweitige Verwertung der Immobilie gibt, und die werden dann nach dem Mehrheitsprinzip durchgedrückt. Wem das nicht passt, der wird aus dem Haus gedrängt. Konsens war gestern. Mehrheit ist Mehrheit. Wußte schon Gerd Schröder.

    • Analyse permalink
      2. März 2015 11:04

      Vielen Dank, Bernd, für das instruktive Beispiel. Die Rechtsform GmbH hat also für ein Kollektivprojekt gegenüber der Rechtsform Genossenschaft durchaus ihren Charme, wenn sie richtig ausgestaltet wird. Das sollten wir im Auge behalten.

    • Richard permalink
      2. März 2015 11:30

      so etwas gab es in Form einer Kollektivvereinbarung, an der immer noch gefeilt wurde und die, so mein Kenntnisstand aus den Gerichtsverfahren, einseitig für ungültig erklärt wurde. Der CLK-Anwalt behauptet es hätte sie nie gegeben und wenn es sie gegeben hätte, würde sie gegen das Gesetzt verstoßen…
      Es geht also den „Gefeuerten“ nicht um Geld, sondern um Einhaltung der selbst geschaffenen Regularien, soweit ich das nach den bisherigen Verhandlungen vor Gericht beurteilen kann.

    • Max Nettlau permalink
      3. März 2015 01:49

      Ja genau, deshalb ist auch völlig richtig und notwendig, Mitglieder auszuschließen die sich aufgrund der Höhe ihrer Anteile oder durch die Länge ihrer Vereinszugehörigkeit als Chefs betrachten. Wie sollten sich Arbeitskollektive sonst gegen „Gründer“ verteidigen, die zwar alle Schweine als gleich empfinden, aber „Gründer“ doch irgendwie als gleicher…

      • Richard permalink
        3. März 2015 12:06

        du schreibst einen derartigen Quatsch, das es schon weh tut!
        Es gab eine Kollektivvereinbarung, in der Regeln für Konflikte und auch Entlassungen, wenn keine Einigung erreicht werden kann, festgeschrieben waren. Diese Regeln wurden nicht eingehalten und es wurde einseitig gesagt, sie würde nicht mehr gelten – du scheinst ja wohl gute Kenntnis von internen Vorgängen zu haben…

      • Das Schwein permalink
        3. März 2015 12:36

        Die Nutzung des Namens «Max Nettlau» in diesem Zusammenhang ist wirklich widerlich. Denn Max Nettlau – der echte, der tote – schrieb seinerzeit:

        Die Probleme, warum sich seinerzeit (also um 1930 herum) kaum Arbeiter fanden, derartige Betriebe aufzubauen, verortet NETTLAU in der Psychologie der kapitalistischen Verantwortungslosigkeit:
        »Zwangslosigkeit, Reichlichkeit, ein bequemes Treiben sind dabei nicht möglich, und hierdurch scheint die Anziehungskraft solcher Organismen, deren werktätige Kräfte, wenn alles gut zusammenginge, in wesentlich verbesserten Verhältnissen leben könnten, wesentlich vermindert. Psychologisch scheint dies unvermeidlich zu sein: dem kapitalistischen Zwang steht bei den Arbeitern volle Verantwortungslosigkeit gegenüber, Mangel an Interesse an dem Unternehmen ihrer Ausbeuter, und dafür eine Arbeit mit intensivem Verantwortungsgefühl einzutauschen, erscheint dem Durchschnittsmenschen als eine Verschlechterung seiner Lage, auch wenn die Arbeitsverhältnisse wesentlich bessere würden. Dies ist auch der Grund, warum die Arbeiter in der jetzigen Vorbereitungsperiode des Sozialismus so leicht alle Macht in die Hände der Führer gleiten lassen, wodurch sie die eigene intensive Bemühung und die Verantwortung von sich abgewälzt sehen, und ebenso ist ihnen deshalb der kommunale und der Staatssozialismus so genehm, wo erst recht andere festbegründete Organismen jedem die Arbeit zuweisen und für ihn denken und ihm die Verantwortung abnehmen.«

        Damit arbeiterselbstverwaltete Betriebe funktionieren, bedarf es deshalb nach NETTLAUs Einschätzung der Einübung eines kollektiven Verantwortungsbewußseins:

        »Denn es ist leicht, den Arbeitswillen einer befreiten Menschheit in den Himmel zu erheben, wie die Propagandaliteratur dies tut; man vergißt dabei die sehr großen Erholungs-, d. h. Nichtarbeits- oder Wenigarbeitswünsche, die sich dann mindestens ebenso intensiv geltend machen würden. Um da Zusammenstößen vorzubeugen. könnte eine in der vorbereitenden Uebungs- und Erfahrungszeit erzielte Erziehung zum Verantwortlichkeitsgefühl und sozialer Arbeit für ein soziales Milieu gewiß nur nutzen.«

        • Zitate aus: MAX NETTLAU, „Einige Worte über konstruktiven Sozialismus“, Die Internationale, Heft 4 – Februar 1930, III. Jahrgang – entnommen der barrikade #6

      • Analyse permalink
        4. März 2015 11:05

        Lieber Max, hast Du den Beitrag von „Bernd“ überhaupt gelesen? Oder das Buch von Orwell, das mit den Schweinen? Wie die Schweine die Macht übernehmen und die alten naiven Revolutionäre mitsamt ihren Idealen entsorgen und das gemeinsame Haus in Eigentumswohnungen aufteilen? Eigentlich kein schlechtes Bild, passt bloß nicht zu dem, was Du sagen möchtest. Was Du sagen willst: Die Machtübernahme durch die Schweine, die Aufteilung des Besitzes und die Vertreibung der alten Revolutionäre sind geschichtliche Notwendigkeiten und deshalb richtig.

  8. Robert Blum permalink
    3. März 2015 12:32

    Hallo Max Nettlau,
    da bist du wohl in den falschen Thread gerutscht – ich vermisse in deinem Post jegliche Inhaltliche Auseinandersetzung mit unserem Text. Schade…aber sicher ist es einfacher, sich an Personen „abzuarbeiten“, als an Inhalten…aber dicht am Thema vorbei ist eben auch nur nicht getroffen😉

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