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Tausende Suizide im Zusammenhang mit Erwerbslosigkeit

13. Februar 2015

21852_ArmutIm Krisenjahr 2008, als viele Menschen rund um den Erdball ihre Arbeit verloren, ist die Zahl der Suizide weltweit kurzfristig um 5000 Fälle angestiegen. Diese Zahl ist lange bekannt; ebenso der Umstand, dass Arbeitslosigkeit einer der gewichtigsten Gründe ist, wenn ein Mensch sein Leben beendet.

Umfangreiche Studie

Nun haben Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich Daten der Jahre 2000 bis 2011 aus 63 Ländern zusammengetragen, um herauszufinden, wie viele Suizide genau auf das Konto ungewisser beruflicher Aussichten gehen. Vertreten sind die Länder Europas, Nord- und Südamerikas sowie einiger Länder ausserhalb dieser Regionen; jedoch fehlen Daten zu Indien und China. Anhand der Korrelation zwischen Arbeitslosen- und Suizidraten kamen die Forscher zu dem Schluss, dass dies in den untersuchten Ländern jedes Jahr auf etwa jeden fünften Suizid zutrifft – das ist weitaus mehr, als man bisher angenommen hatte. In der Schweiz, wo die Arbeitslosenrate generell tiefer liegt, sei es jeder Siebte, erklärte Erstautor Carlos Nordt auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Laut Nordt nehmen sich in der Schweiz etwa 1000 Menschen pro Jahr das Leben, davon liessen sich etwa 150 auf Arbeitslosigkeit zurückführen. In den untersuchten Ländern insgesamt sind es 230 000 Suizide pro Jahr, von denen die Forscher 46 000 direkt oder indirekt auf Arbeitslosigkeit zurückführen.

Zwar sind die Korrelationen kein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang, sie liefern jedoch starke Hinweise darauf, dass die berufliche Situation eine noch wichtigere Rolle spielt als bisher angenommen. Die Ergebnisse werden heute Mittwoch in «The Lancet Psychiatry» veröffentlicht.

Suizidrate steigt noch vor der Arbeitslosenquote

Zudem eile die Suizidrate oft einem Anstieg der Arbeitslosigkeit voraus, schreiben die Forscher. Häufig führe also schon die Unsicherheit zum Suizid, nicht erst der tatsächliche Verlust des Arbeitsplatzes. Die Forscher schliessen daraus, dass zunehmender Druck am Arbeitsplatz, etwa durch Umstrukturierungen, Suizide begünstigt. Ein weiteres Ergebnis der Forschenden ist, dass nicht nur von der Arbeitslosigkeit direkt Betroffene ein erhöhtes Suizidrisiko aufweisen: So steigt laut den Daten mit der Arbeitslosenquote auch die Suizidrate der Menschen im Alter von über 65 Jahren, die gar nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung

2 Kommentare leave one →
  1. Die Szenerie und die Zuschauer des Selbstmords permalink
    13. Februar 2015 15:57

    Die Szenerie und die Zuschauer des Selbstmords

    Durch die Eröffnung von ‘Anti-Selbstmordzentren’, von denen eins auf nationaler Ebene bestehen soll, hat man in den Vereinigten Staaten vor, diese Art Seuche zu bekämpfen, die in diesem Land 1965 als sechste Todesursache und unter den jungen Leuten sogar an dritter Stelle stand. Über den unerklärlichen Selbstmord des 37jährigen Bernard Durin (eines seit 15 Jahren mustergültigen Angestellten, der nach einstimmiger Meinung “alles hatte, um glücklich zu sein”: “Eine 10 jährige Tochter, Agnes, eine gute Schülerin. Eine charmante Ehefrau… Eine Stellung als mittlere Führungskraft bei IBM…2.500 F Monatslohn. Eine schmuck und modern eingerichtete Wohnung. Einen Peugeot 404. Einen Fernsehapparat, eine Waschmaschine, einen Kühlschrank und sogar ein Aquarium”) schrieb Ch. Caron in ‘France-Soir’ vom 24.12.64: “Die Räume der Firma, wo Durin arbeitet – ein hohes Glashaus… In der Mitte ein Büro aus Metall. Von da aus Regale, so weit das Auge sieht. Metallene. Gleichfalls metallene Aktenschränke. Dort befinden sich die Einzelteile, die Durin in die ganze Provinz verschickt. Kein Fenster. Neonbeleuchtung. Unterschiedliche Arbeitszeiten: der Laden hat von 7 Uhr bis Mitternacht geöffnet. Alle 2 Wochen ist Schichtwechsel. Einmal steht Durin um 5.30 Uhr auf und ist um 16 Uhr mit seiner Arbeit fertig, einmal fängt er um 14.30 Uhr an und ist erst um 1 Uhr in der Nacht wieder zuhause. Durin ist ein mustergültiger Angestellter. Man weiß nicht, wie man ihn anspornen könnte, über seine bisherigen Fähigkeiten hinauszugehen. Es wird ihm nahegelegt, Englisch zu lernen. Er macht das. Er lernt also abends und auch am Samstag und Sonntag. Wenn er den Laden in Vincennes verlässt, fährt Durin mit dem Peugot 404 nach Hause nach Bonely. Dann gibt es die allen bekannten Autoschlangen. Erstarrte Schlangen. Durin erblickt die Lichter der großen Sozialwohnungssiedlung von Bonely. Gerade Linien. Beton, mit einem Einkaufszentrum in der Mitte. Niemand hat seinen Platz in diesem riesigen Sortierkasten. Bernard Durin wohnt in der Wohnung Nr. 1153, 13 rue Léon-Blum, III. Stock. Das ist also Durins Leben: elektronische Maschinen, Trabantensiedlungen, Autos, Kühlschränke und Fernsehapparate. Das ist auch Durins Tod.”

    Seit Jahren und zumindest in Amerika passierte es bekanntlich relativ oft, dass unsichere Verzweifelte vor den Augen der bewegten Menge damit drohten, sich in die Leere hinabzustürzen. Da das Publikum jetzt durch besser gemachte Schauspiele abgestumpft oder beansprucht wird, will es nur unter der Bedingung auf einen seiner als ‘wilder Star’ anerkannten Mitbürger aufmerksam werden, dass er schnell springt. Unseres Wissen kam diese neue Tendenz zum erstenmal am 16.April 1964 in Albany im Staat New York zum Vorschein. Während der 19jährige Richard Reinemann schon seit fast zwei Stunden am Gesims des 12.Stockwerks mit dem Sprung zögerte, riefen ihm 4.000 ungeduldig gewordene Personen zu: “Spring doch!”. Man konnte sogar eine Frau hören, die erklärte: “Ich kann hier doch nicht die ganze Nacht warten, ich habe schon mein Lieblingsfernsehprogramm verpasst!”

    no.10 (1966)

    http://www.si-revue.de/die-szenerie-und-die-zuschauer-des-selbstmords

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