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Neonazis aus Stadion geworfen: Prozess gegen Fans vertagt

21. Januar 2015

alonaHeute fand der Prozess gegen zwei antifaschistische Fans des Hamburger Fußballvereins Altona 93 statt. Den beiden wird vorgeworfen zwei Neonazis unter Gewaltanwendung vom Fußballplatz geworfen zu haben. Die beiden angeblich geschädigten Neonazis, die als Zeugen geladen waren, tauchten allerdings nicht zur Verhandlung auf. Gegen eine daraufhin vereinbarte Einstellung des Verfahrens durch Verteidiger, Richter und Staatsanwältin intervenierte höchstwahrscheinlich die Staatschutzabteilung bei der Staatsanwaltschaft. Der Prozess gegen die beiden Antifaschisten wird am 4. Februar 2015 um 11.45, Saal 19, im Amtsgericht Bergedorf (Ernst-Mantius-Str. 8, 21029 Hamburg) fortgesetzt. Über den heutigen Prozessverlauf dokumentieren wir einen Artikel des Hamburger Abendblatts.

Altona-93-Fans sollen Neonazis bei einer Partie des FC Bergedorf 85 gegen Altona 93 aus Stadion geworfen haben. Die angeblichen Opfer blieben dem Prozess fern. Rätselraten um öffentliches Interesse der Strafverfolgung.

Hamburg. Die Staatsanwältin ist nicht zufrieden: „Die Staatsanwaltschaft stimmt der Einstellung des Verfahrens leider nicht zu“, verkündet sie im Sitzungssaal 112 des Amtsgerichts Bergedorf. Der Vorsitzende Amtsrichter, die Verteidigung und die Staatsanwältin hatten sich bereits darauf geeinigt, das Strafverfahren gegen die Angeklagten Andre P. und Frank S. (Namen geändert) zu beenden. Die beiden Fans von Altona 93 sollen bei der Oberliga-Partie Bergedorf 85–Altona 93 am 14. Oktober 2012 zwei Neonazis durch gefährliche Körperverletzung aus dem Stadion geworfen haben (das Abendblatt berichtete).

Die Verhandlung brachte keinen Beweis zutage, und die Staatsanwältin muss weiter ermitteln. Ihr Vorgesetzter verfügte in einem Telefongespräch mit ihr den Willen der Staatsanwaltschaft, das Verfahren fortzuführen. „Das war sicher der Abteilungsleiter der politischen Abteilung bei der Staatsanwaltschaft, mit dem Sie telefoniert haben“, vermutet Verteidiger Gerrit Onken.

Das Verfahren begann schon ungewöhnlich. Die beiden mutmaßlich Geschädigten Heiko H. und Sven W., die als erste Zeugen geladen waren, tauchten gar nicht erst auf. Auch Angehörige der Neonazi-Vereinigung „Weisse Wölfe“, deren Mitglieder sie sein sollen, waren nicht zu sehen. Dafür unterstützten rund 70 Fans von Altona 93 die beiden Angeklagten. Ohne ihre Hauptbelastungszeugen stand die Anklage von Beginn an auf sehr wackeligen Füßen. Die Aussagen der vier Zeugen Dirk M. (Fan von Altona), Rene J. (damaliger Sicherheitsbeauftragter von Bergedorf), Ursula E. und Manuel B. (Ordnungsdienst von Bergedorf ) zeichneten ein Bild der Tumulte. Rene J. und Ursula E. gaben an, zunächst von Bergedorfer Fans auf die Anwesenheit zweier Neonazis hingewiesen worden zu sein.

„Sie wollten, dass wir die aus dem Stadion werfen. Das konnten wir nicht, da die sich friedlich verhalten haben“, sagte Ursula E. Daraufhin hätten insgesamt mindestens sechs Bergedorfer und Altonaer Fans die beiden Zuschauer gemeinsam aus dem Stadion eskortiert. Es sei zu verbalen Auseinandersetzungen und Handgreiflichkeiten gekommen.

Allerdings konnte keiner der Zeugen Andre P. und Frank S. identifizieren, geschweige denn ihnen eine bestimmte Tat zuordnen. Die Aussage von Rene J. deckte sich zudem nicht in allen Punkten mit seinen Angaben bei der Polizei. Der Amtsrichter, der sich durch eine faire und gründliche Verhandlungsführung auszeichnete, muss sich von Ursula E. sagen lassen, sie wolle sie nicht zwecks Identifizierung der Angeklagten auf der Anklagebank ansehen. „Ich kann das nicht. Es tut mir leid. Wer etwas gemacht hat, soll dazu stehen und seine Strafe kriegen“, sagte sie. Welche unabhängigen Zeugen der Staatsanwaltschaft Beweise liefern sollten und wo sie das öffentliche Interesse der weiteren Strafverfolgung sieht, bleibt damit unklar.

(misch)

Siehe auch: Antifaschistische Selbsthilfe – Fußballfans wegen Anti-Nazi-Aktion vor Gericht vom 20. Januar 2015 auf dem Syndikalismus-Blog

6 Kommentare leave one →
  1. UNTERBROCHEN permalink
    21. Januar 2015 20:57

    Die beiden ‚Weißen Wölfe‘ der Terror-Crew Hamburg, die heute nicht vor Gericht als Zeugen erschienen, sind bekannt: Heiko Hackland und Sven Warremann.
    Ich freue mich auf deren polizeilicher Vorführung am 4.2.
    Hier findet mehr über sie – samt Foto:
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/100862

  2. UNTERBROCHEN permalink
    21. Januar 2015 21:48

    Hier ein Link zum NDR-Filmchen von heute Abend im Regionalprogramm:

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Fanpruegelei-in-Bergedorf,hamj38524.html

    War natürlich nicht auf der Haupttribüne – wo die Mehrzahl der AFC-Anhänger standen -, sondern hinterm Tor an der Eingangsseite, wo die Bier- und Wurstbude stehen.
    Aber auch hier wird nicht der politische Staatsschutz erwähnt, der hinter der Staatsanwältin steht. Übrigens – eine eidliche Falschaussage bringt (der Richter hat es heute 4 x ausdrücklich erwähnt) bringt mindestens und nicht weniger als ein Jahr Knast. Mal sehen, wo der vorbeifliegende Plastikpapierkorb den einen Nazi schwer im Rücken körperlich verletzt hat.

  3. Nazis der Karlsbande verdrängen die liberalen Ultras aus Fußballstadion Aachen permalink
    26. Januar 2015 00:57

    Nazis der Karlsbande verdrängen die liberalen Ultras aus Fußballstadion Aachen

  4. Fragender permalink
    28. Januar 2015 05:09

    Wie funktioniert das jetzt mit dem Anarcho-Pazifismus: Dessen Anhänger würden sich dann zwischen die Fans und die Nazis schmeißen und „Keine Gewalt!“ rufen?

  5. Folkert permalink
    4. Februar 2015 14:18

    Freispruch!!!

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