Skip to content

Charlie Hebdo und das linke Appeasement – Die europäische Linke hat die islamistische Gefahr viel zu lange banalisiert

15. Januar 2015

viel zu oft weggesehen„Viel zu oft hat die europäische Linke aus Gründen der Political Correctness weggesehen.“

Das Attentat gegen Charlie Hebdo kam mit Ansage. Islamistische Gewalt oder ihre Androhung ist spätestens seit der Fatwa gegen Salman Rushdie Teil der politischen und kulturellen Landschaft Europas. Diesmal hat sie mit Charlie Hebdo eine Ikone der libertären Gesellschaften Europas getroffen: Wie kein anderes Medium war „Charlie“ ein Kind des Mai 68.

Die Frage ist, ob die europäische Linke aus diesem Angriff endlich Konsequenzen zieht. Denn die bittere Wahrheit ist, dass die europäische Linke viel zu lange die islamistische Gefahr banalisiert hat. Gefangen in einem werterelativierenden Multikulturalismus hat sie passiv zugesehen, wie an den Rändern der Zuwanderungsgesellschaften Westeuropas ein Klima des antiwestlichen Hasses heranwuchs. Wenn dieser Hass schließlich tätig wurde, hat sie sich meistens weggeduckt. Viel zu oft hat die europäische Linke aus Gründen der Political Correctness weggesehen: Als islamische Fanatiker im Zuge des Karikaturenstreits Menschen töteten und bedrohten, hat sie Verständnis für die verletzten Gefühle der Täter gezeigt, nicht für die der Opfer. Erst nach einem Aufschrei der Öffentlichkeit ging die Labour-Regierung in Großbritannien gegen die Fanatiker vor, die mit ihren „Kill all Enemies of Islam“-Plakaten durch britische Städte zogen.

Weggesehen wurde auch, als in britischen Islamschulen die Amputation von Gliedern zum Unterrichtsthema wurde. Wenn, wie in Rotherham, organisierte sexuelle Gewalt aus migrantischen Milieus gegen Minderjährige ausging, wurde die Strafverfolgung behindert. Als die französische Assemblée Nationale für das Verbot der Burka stimmte, enthielt sich die PS-Fraktion der Stimme. Weder Salman Rushdie noch Kurt Westgaard haben von der europäischen Linken viel Unterstützung erfahren. Im Gegenteil: Immer wieder hat die Linke eingestimmt in den Chor derjenigen, die jede Kritik an der kulturellen und politischen Praxis des Islam als „menschenfeindliche“ Islamphobie und Xenophobie tabuisierten. Säkulare und assimilationsorientierte Einwanderer wurden in ihrem Kampf gegen religiöse Identitätspolitiken weitgehend allein gelassen.

Die Dynamik und Pathologie der ideologischen und politischen Entwicklungen in der islamischen Welt hat die Linke nie ernsthaft interessiert. Religiöser Fanatismus, Gewaltkultur, Radikalisierung und Anti-Okkzidentialismus in migrantischen Milieus wurden immer nur als Reaktion auf angebliche Ausgrenzungserfahrungen behandelt. Auf eine perverse Art artikuliert sich hier ein paternalistischer Gutmenschenrassismus, der auch 50 Jahre nach der Entkolonialisierung den muslimischen Anderen nicht als Subjekt seiner Geschichte begreifen kann, sondern nur als reagierendes Objekt westlichen Handelns. Der Islamismus ist aber nicht in Seine-Saint Denis oder Neukölln entstanden, sondern in Riad, Kairo und Islamabad. Er ist ein ideologisches Kind der Modernisierungskonflikte der islamischen Welt selbst.

Diese Denkverweigerung artikulierte sich in den letzten Wochen auch in der Reaktion auf die Pegida-Bewegung. Natürlich ist diese Bewegung in vielen Aspekten suspekt. Aber in ihr artikuliert sich eben auch die Angst vor Ereignissen wie am 7. Januar in Paris oder am 7. Juli 2005 in der Londoner U-Bahn. Der Alt-68er Peter Schneider spricht in einem Artikel zu Pegida davon, dass die Menschen Angst hätten „dass die zivilen Gesellschaften Europas ihre eigenen Regeln nicht mehr verteidigen.“ Warum die Sorge vor Attentaten und der Wunsch nach der Bewahrung einer freiheitlichen und säkularen Gesellschaft eine „Schande für Deutschland“ sein soll, bleibt das Geheimnis des Justizministers und des deutschen Feuilletons. Wer die Faschisten sind, sollte spätestens seit dem 7. Januar klar sein. Man hätte es aber auch schon früher wissen können.

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hatte völlig Recht, als er erklärte, dass „der Islam zu Deutschland gehört“. Man mag das gut oder schlecht finden, es ist einfach so, weil in diesem Land (und auf diesem Kontinent) eine signifikante Gruppe von Menschen lebt, die dieser Religion angehören und sich ihrem Weltbild verpflichtet fühlen. Diese Normalität des Islam in Europa bedeutet aber auch, dass die europäische Linke sich mit ihm wie mit jeder anderen Ideologie auseinanderzusetzen hat.

Gegner eines linken Menschenbildes

Sie hat zu prüfen, wo und wie ihre Werte und Ziele mit den Normen und der kulturellen und gesellschaftlichen Praxis dieser Religion übereinstimmen, aber auch, wo sie diesen widersprechen. Dort, wo diese Ideologie im Widerspruch zu zentralen Zielen eines linken Menschenbildes steht, wo sie elementaren Freiheits- und Gleichheitsnormen widerspricht, ist sie ein politischer Gegner, wie jede andere derartige Denkschule auch. Oliver Schmolke, einer der klügsten Köpfe der deutschen Sozialdemokratie, schreibt in seinen Buch „Über die Freiheit“: „Die Menschen, die kamen, brachten die nationalen Identitätskämpfe ihrer Heimatländer mit, und sie als Gleiche anzuerkennen, muss auch heißen, ihre Ideologien mit gleichem Maß zu beurteilen. Nationalistische und religiös fundamentalistische Einwanderer sind Rechtsextreme, die wie ihre europäischen Verwandten einer Ideologie der Ungleichheit anhängen. Das hätten Linke immer wissen und sagen müssen.“

Das haben sie aber oft genug nicht getan. Die Tradition der Ideologie- und Religionskritik, die seit den Tagen der Aufklärung ein wesentliches Element der normativen und praktischen Emanzipations- und Freiheitsambition der europäischen Linken war, wurde durch das Schlagwort der Xenophobie mundtot gemacht. Stattdessen hat die Linke tatenlos zugesehen, wie sich eine radikal freiheits-, gleichheits- und frauenfeindliche Ideologie in Europa breit gemacht hat. Zur wachsenden Gewaltbereitschaft dieser Bewegung hat sie – jenseits von Warnungen vor „Verallgemeinerungen“ – fast nichts zu sagen gehabt. Diese Realitätsverweigerung droht sich nun bitter zu rächen. Der Kampf gegen religiösen Totalitarismus und Obskurantismus hat im 19. Jahrhundert dazu beigetragen, die Linke in Europa groß zu machen. Ihre Feigheit, diesen Kampf unter geänderten Umständen wieder aufzunehmen, droht sie nun klein zu machen: politisch und moralisch.

Von: Ernst Hillebrand

Dr. Ernst Hillebrand ist Leiter des Referats Internationale Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung. Nach Studium der Politikwissenschaften ist er seit 1990 in verschiedenen Funktionen für die FES tätig, u.a. als Referatsleiter Mittel- und Osteuropa und Leiter der Büros in Paris und London.

Quelle: IPG-Journal

9 Kommentare leave one →
  1. 15. Januar 2015 15:03

    Ich hätte beinahe nach dem Wort „Multikulturalismus“ aufgehört, den Artikel zu lesen – bis ich ganz unten gemerkt habe, daß dieser „Beitrag“ eh aus der Friedrich Ebert Stiftung stammt!
    in dem IPG Journal stehen dann auch so „nette“ Begriffe wie „paternalistischer Gutmenschenrassismus.“!!!
    Es kann nicht sein, daß wenn ich Religion als Krankheit erkannt habe, daß ich dann alle Befallenen verdamme, anstatt die Krankheit zu verdammen.
    Ich kann zwar den Krebs hassen, aber nicht alle Krebskranken!
    Was Linke immer hätten wissen und sagen müssen, ist sicherlich in erster Linie bei ihrem eigenen kulturell-religiös hegemonistischen Hintergrund anzufangen bei der Kritik der eigenen westlichen „Kultur“ mit ihrer Doppelmoral –
    anstatt sich populistisch nur diese EINE Religion zur Kritik vorzunehmen.
    – eine terroristische Bedrohung sind Ku-Klux-Klan, Andres Brejviks, und nicht zu vergessen die mit keinem Wort erwähnte Religion des Geldes nicht minder. –
    Jede Staatsreligion ist absolut zu verurteilen.
    „Wer die Faschisten sind“, ist eben hierzulande ANDERS „klar“, als der Professor von der SPD-Stiftung uns das weismachen will – gehen die hiesigen Spießbürger EBEN NICHT für die „Bewahrung einer freiheitlichen und säkularen Gesellschaft“ auf die Straße, sondern für eine Freiheit bedrohende Volksidentität!!
    Aber was wäre von solchen SPD- Ideologen, die sich dann auch noch als “ Linke“ wähnen, auch anderes zu erwarten.😦
    deswegen frage ich mich, was diese Lobhudelei auf angebliche „westliche Werte“ hier zu suchen hat, die auch noch versucht, dieses Identitäre bei den sogenannten „Linken“ einzufordern.
    Es gibt wahrlich bessere Lebensäusserungen zu diesem Konflikt, auch wenn nicht alle von promovierten Steinmeier-Fans kommen:-/

  2. Höhere Wesen sind auch keine Erlösung permalink
    19. Januar 2015 02:05

    PRÄDIKAT: Besonders extremistisch-pädagogisch wertvoll!!!

    Verständlich ab 5 Jahren

    Höhere Wesen sind auch keine Erlösung

    „WAS VERBINDET so unterschiedliche Leute wie die treue Kirchgängerin, den selbstbewussten Kämpfer gegen gierige Bankster und Heuschrecken, die esoterisch angehauchte Bioladendauerkundin, den missionarischen Salafisten, die reinkarnationsgläubige Waldorflehrerin, den sonnwendfeiernden Neonazi, die eifrige Streiterin wider die Weltverschwörung der Bilderberg-Konferenz, den homophoben Rastafarian, die aus ihrem Krafttier Energie schöpfende Schamanin, den spirituelle Erlösung suchenden Insassen einer Yoga-Lebensgemeinschaft, den ein Hirtenwort zum Jahr des Glaubens verkündenden Bischof und die an die Wirksamkeit einer Verdünnung von 1:10²³ glaubende entschiedene Gegnerin der Manipulation durch die Pharmaindustrie?

    ES IST DER GLAUBE an das Walten höherer Mächte, denen sie entscheidenden Einfluss auf unser Wohl und Wehe unterstellen. Zwar halten sie die einen für das Gute an sich und die anderen für das Böse schlechthin. Und wo sich die einen den guten Geistern lustvoll unter-werfen, werfen sich die anderen heldenhaft den finsteren Mächten entgegen. Die einen predigen Sanftmut und die andern kochen vor Wut. Die einen beschreiben sich als religiös, die anderen als atheistisch, die einen als unpolitisch, die anderen als hochpolitisch, die einen als rechts, die anderen als links. Doch gemeinsam sind ihnen der Hang zu einfachen Antworten auf komplizierte Fragen, das wohlige Gefühl, zur Gemeinschaft der Erleuchteten zu gehören und eine ausgeprägte Kritikresistenz.

    GUTE ZEITEN für einfach zu verstehende Botschaften, die scheinbar Antwort und Sicherheit geben, sind Zeiten, in denen sich der krisenhafte Zustand der Welt herumgesprochen hat und Unsicherheit und Zukunftsängste um sich greifen. Doch wo sich Demut statt Vernunft, Wut statt Kritik und Glaubenwollen statt Wissenwollen durchsetzen, machen sich Denkfaulheit, Regression und Irrationalität breit. Die Sehnsucht nach einfachen Antworten ist immer auch die nach einfachen Lösungen. Und die nach starken Führungspersönlichkeiten, von denen man sich Halt und Orientierung verspricht.

    Was muss emanzipatorische Kritik leisten, die sich weder mit der kapitalistischen Krise noch mit ihrer regressiven Verarbeitung in den Köpfen abfinden will und die am Ideal einer Gesellschaft freier Menschen in freien Vereinbarungen festhält?“ (Text, MP3 & Quelle: http://emafrie.de/audio-hoehere-wesen… | Gekürzte MP3: http://www.freie-radios.net/68085 )

  3. 19. Januar 2015 10:30

    besser als das FES-Elaborat ist sowas:

    http://lowerclassmag.com/2015/01/die-linke-und-der-islam/

    Die Linke und der Islam

    Einige vorläufige Überlegungen zu einem immer drängender werdenden Problem. (Teil 1)

    Was ist denn nun mit diesem Islam? Ist er nun „ein Teil Deutschlands“, oder keiner? Ist er schon in seinem Gründungstext so angelegt, dass nur bewaffneter Dschihad rauskommen kann, oder ist er die „Religion des Friedens“? Und wie sollen wir uns als Linke positionieren, angesichts immer stärkerer politischer Ambitionen einiger Strömungen dieser Weltregion?

    Die Wege, die uns angeboten werden, sind allesamt nicht sonderlich überzeugend. Die einen meinen, wir müssen uns nun, da auch wir als KommunistInnen und AnarchistInnen ein Kind von Aufklärung und Säkularismus sind, in die „westliche Wertegemeinschaft“ einreihen, die sich einige der in der Französischen Revolution geschichtsmächtig gewordenen Losungen auf die Fahnen schreibt. Andere wiederum interpretieren den blutigen Feldzug der Gotteskrieger als eine Art degenerierten „antiimperialistischen“ Widerstand, und meinen, man könne sich zumindest klammheimlich freuen, dass da jemand die Hegemonie der USA und ihrer örtlichen Vasallen in Frage stellt. Wieder andere setzen auf „Dialog“ und meinen, es könnten sich doch alle Seiten mal an einen Tisch setzen und einen auf Habermas machen, dann klappt das schon mit dem Nachbar-Sein. Zwischen diesen Seiten, meint man, solle auch die Linke wählen. Die Frage steht: „Wie halten wir´s mit dem Islam?“

    Die erste Antwort auf die so gestellte Frage muss lauten: Die Frage ist falsch. Wir können uns überhaupt nicht zu „dem Islam“ verhalten, denn der ist, wie alle Weltreligionen kein monolithischer Block. Der Islam beinhaltet unterschiedliche Strömungen, die sich keineswegs allein theologisch unterscheiden, sondern auch politisch. Aleviten in der Türkei, die schiitische Hisbollah im Libanon und wahabitische Salafisten in Saudi-Arabien wird man nicht in einen Topf werfen können, weder theologisch, noch – was viel wichtiger ist – politisch. Zwischen beiden – theologischer und politischer Ausrichtung – besteht freilich ein enges Verhältnis. Mit einer wahabitischen Koranauslegung kannst du nicht für eine befreite Gesellschaft eintreten, es sei denn, du verwirfst deine religiösen Überzeugungen. Beides geht nicht zusammen.

    Auf der anderen Seite der Skala gibt es alevitische Vereinigungen, die der revolutionären Linken nahestehen, es gibt schiitische KommunistInnen und es gibt – zugegeben in kleinerem Rahmen, aber doch, sunnitische Gruppen wie die „antikapitalistischen Muslime“ in der Türkei, die eine an die „Befreiungstheologie“ in Südamerika erinnernde Islamauslegung vertreten.

    Die Frage, wie man sich „zum Islam“ verhalten will, setzt voraus, bestimmen zu können, was „der Islam“ ist. Der Islam ist aber, ganz im Unterschied zum Selbstverständnis vieler ihm Anhängenden, nicht die „absolute Wahrheit“, sondern eine ideologische Form, die sich ganz unterschiedlich ausprägt, je nachdem von welcher Community und in welcher Situation sie gerade gedacht, gepredigt, praktiziert und durchgesetzt wird.

    Ideologie und Praxis

    Schaun wir mal kurz, was so eine „Ideologie“ ist und wie sowas funktioniert. Wir leben in Wechselwirkungen mit der Natur, die wir uns denkend oder produzierend aneignen, und gesellschaftlichen Verhältnissen, die zwar menschengemacht sind, aber uns doch als etwas „Objektives“, Vergegenständlichtes gegenübertreten, das wir nicht einfach dadurch ändern können, das wir uns wünschen, es wäre anders. In der Auseinandersetzung mit dieser Welt machen wir uns Gedanken und bilden Überzeugungen darüber aus, wie diese Welt, in der wir uns bewegen, beschaffen ist. Ein System solcher Überzeugungen wird eine Weltanschaung, eine Ideologie.

    Ob die nun gut oder schlecht ist, ist damit noch gar nicht gesagt. Gesagt ist damit nur: Sie entwächst aus unserem praktischen Verhältnis zur uns umgebenden Welt und entsteht nicht im „reinen Geist“ oder wird uns auch nicht „von Gott gebeben“.

    Kommen wir zurück zum Islam, der uns beschäftigt. Koran und Hadithe sind von Menschen niedergeschrieben, letztere sogar auf äußerst chaotische Weise. Diese Menschen lebten unter konkreten historischen Umständen, die Gedanken, die sie sich über diese Umstände machten, weisen auf diese zurück. Die realen Kämpfe um Herrschaft, Macht, Wohlstand formen jene Fraktionen, die sich dann auch in theologischer Form artikulieren. Nehmen wir als Beispiel die Zeit des fünften Kalifen, Muʿāwiya (661 – 680). Mit ihm kommt eine Dynastie aus einem einflussreichen mekkanischen Clan an die Macht, die zunächst Mohammed feindlich gegenüberstand, später aber aus eben jenen oben genannten Erwegungen den Islam annahm. Gegen diese Dynastie, die Umayya, regt sich dann Widerstand von Leuten, die diesen Clan nicht als Herrscher akzeptieren, das Ganze artikuliert sich dann theologisch und am Ende stehen theologisch unterschiedliche Schulen.

    Kurz: Die Islamisten teilen eine Überzeugung mit ihren bürgerlichen KritikerInnen, nämlich die, dass die Religion das Primäre wäre, die eigentliche „Triebkraft“ in einem Kampf. Demgegenüber wollen wir erstmal festhalten, dass die Ideologie nicht das Erste und Letzte ist, sie ist selbst Resultat, auch wenn sie sich verselbständigen und relativ von ihrer realen Basis lösen kann.

    Verschiedene Islamauslegungen

    Ähnlich wie oben zur Frühzeit des Islam angemerkt, verhält es auch heute. Jede Islamauslegung ist die Gedankenleistung eines Menschen oder einer Community von Menschen. Koran und Hadithe interpretieren sich ja nicht, sie sind eine Sammlung mehr oder weniger zusammenhängender, einander oft widersprechender Sätze. Wäre das nicht so, bräuchte die islamische Tradition keine umfangreiche Literatur zur Frage der „Abrogation“, theologische Erörterung darüber, wann eine Koransure eine andere aufheben kann. Die Tragik jeder Religion, die ihre Autorität von einem „heiligen Buch“ bezieht, ist ja, dass es immer Menschen sind, die dieses Buch lesen, auslegen und seine Regeln anwenden, insofern maßt sich zwar jede dieser Strömungen an, die zu sein, die Gott genauso versteht, wie er das Ding gemeint hat. Aber am Ende kommt er halt doch nie und sagt: Jo, ihr da, ihr habt´s genau gecheckt, genauso wollt ich´s gesagt haben.

    Deshalb sind sowohl diejenigen, die sagen „Der Islam ist die Religion des Friedens“, wie auch diejenigen, die sagen „Der Islam ist die Religion des Dschihad“ im Unrecht. Er ist nichts davon – und beides zugleich. Je nachdem, welche Bewegung ihn sich aneignet. Sehen wir uns – stark vereinfacht und nur um einen Aspekt herauszuarbeiten – zwei Beispiele an.

    Die wahabitischen und salafistischen Strömungen beruhen auf einer extrem strikten Auslegung des Tauhid, wie er in der 112. Sure, der al-Ichlās, dargelegt ist, die bekundet, dass Gott „ein Einziger“ ist und „nicht ihm gleich ist einer“. Aus dieser strengen Auslegung heraus (zusammen mit der wortwörtlichen Auslegung einiger Hadithe) kommen sie zu dem Ergebnis, dass etwa alle Schiiten „Abtrünnige“ sind, weil sie „Shirk“ betreiben, Vielgötterei. Abtrünnige darf man, in dieser Lesart des Koran und der Hadithe, töten.

    Schauen wir uns eine andere (zugegeben wesentlich kleinere) Strömung an, die unter sunnitischen Muslimen in der Türkei entstanden ist, die „antikapitalistischen Muslime“. Sie argumentieren, dass jeder Prophet „Widerstand gegen das herrschende System seiner Zeit“ geleistet habe und lesen den Islam vor allem als eine “Recht, Gerechtigkeit, Freiheit und Geschwisterlichkeit” fördernde Religion. Aus der Religion ziehen sie auch ökonomische Konseqenzen. Ich erinnere mich noch gut an ihr Transparent während des Gezi-Aufstandes: „Eigentum gehört Allah“. Das mag für uns eigenartig klingen, hat aber eine erfreuliche Stoßrichtung gegen Privateigentum und Kapital.

    Wie wird der Dschihadismus Massenbewegung?

    Wir sehen also: Der Koran und die Hadithe können ganz unterschiedlich ausgelegt werden, je nachdem welche soziale und politische Bewegung sich seiner bemächtigt. Schauen wir nun zu jener Islaminterpretation, die derzeit am meisten Furore macht und offenkundig die reaktionärste ist, die möglich ist.

    Wir wollen uns nicht die Frage stellen, wie einzelne Gelehrte, Kleriker oder sonstige schrullige alte Männer auf die Idee kommen können, den Islam so auszulegen, wie es der „Islamische Staat“ oder die diversen Al-Qaida-Ableger tun. Wir wollen uns die Frage stellen, wie ein solches Theorem massenwirksam werden kann, was es ja offenbar in vielen Ländern des Maghrebs, Afrikas und des Mittleren Osten geworden ist. Diese Frage ist die eigentlich spannende. Denn das eine Handvoll schräger Typen die Idee entwickeln, man müsse jetzt alle „Abtrünnigen“ und Kufr umbringen, wäre ein Problem, um das sich PsychologInnen und PharmaherstellerInnen kümmern müssten. Dass allerdings hunderttausende Menschen – von Syrien bis Libyen, von Nigeria bis in den Irak – diese Ansichten teilen und nach ihnen handeln, noch mehr die neuen Herrscher zustimmend bis passiv akzeptieren, das ist ein tatsächlich politisches Problem.

    Die erste Einsicht ist: Wir können dieses Phänomen nicht einfach pathologisieren. Wir müssen irgendwie verstehen: Welche Gedanken machen sich diese Leute, die dieser Bewegung anhängen und aus welcher „realen Basis“ erwachsen diese Gedanken. Wenn wir uns die Medien der Dschihadisten ansehen, können wir zuerst mal festhalten, wie sie ihre Taten rechtfertigen: Es gibt (neben all dem theologischen Zeug, über das wir ja schon gesprochen haben) kaum einen Account, auf dem kein Bild von Guantanamo oder Abu Ghraib ist. Es gibt immer wieder die Bemerkung: „Jetzt regt sich der Westen auf, aber schiitische Milizen (im Irak) haben genauso gemordet.“ Es gibt immer wieder den Verweis auf die diversen westlichen Angriffskriege auf Länder wie Afghanistan, den Irak usw. (weniger bis nie übrigens zu denen auf Libyen und Syrien) und auf die permanente Erniedrigung und Drangsalierung, die den Muslimen widerfahren seien. Es gibt häufig Bemerkungen über die Sykes-Picot-Grenzen. Kurz: Zumindest in der Selbstwahrnehmung reagieren die Islamisten auf die Verheerungen, die Länder wie die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich in der Region angerichtet haben.

    Religion der Staatswerdung

    Gut, sind diese Leute also antiimperialistische Freiheitskämpfer, wie das ein paar ganz auf Hardcore gepolte „Antiimps“ gerne haben wollen? Natürlich nicht, es ist traurig, dass man das überhaupt erwähnen muss. Ein „Antiimperialismus“, der das glaubt, ist kein Antiimperialismus, sondern schlichtweg schwachsinnig. Er handelt nicht in irgendeiner marxistischen, leninistischen oder anarchistischen Traditon, sondern nach dem simplen Kindergartenmerksatz „Der Feind meines Feindes ist mein Freund (oder zumindest nützlich)“.

    Festzustellen, dass Kolonialismus und Imperialismus, politische, militärische und ökonomische Verheerungen, die durch die entwickelten kapitalistischen Länder in den hier zu diskutierenden Regionen angerichtet wurden, eine entscheidende Rolle für die Entstehung reaktionärer dschihadistischer Bewegungen spielen, ist etwas anderes, als reaktionäre Milizen als Bündnispartner im Kampf gegen den eigenen Imperialismus zu sehen.

    Die betroffenen Regionen sind in hohem Ausmaß barbarisiert, Armut, völlige Perspektivlosigkeit und vor allem extreme Gewalterfahrungen gehören zu den Biographien der Menschen, die dort leben. Die Staaten, in denen der Dschihadismus wirklich stark ist – Libyen, Syrien, Irak, Nigeria, Somalia usw. – sind Failed States. In ihnen gibt staatliche Mechanismen nicht mehr, der Alltag ist geprägt von Verteilungskämpfen zwischen Milizen, die um Herrschaft über Territorien, Ressourcen und Menschen konkurrieren.

    Die Dschihadisten, zumindest der „Islamische Staat“, treten in dieser Region als eine Bewegung an, die eine erneute Staatswerdung unter dem Titel des „Kalifats“ durchsetzen. Das war übrigens schon historisch eine der Funktionen des Islam, der sich gegen die vereinzelten Stämme und Clans durchsetzte und „ein Gemeinwesen, das bis zu einem gewissen Grad die wesentlichen Kennzeichen eines Staates erlangt hatte“, schuf, wie der Islam-Forscher Fred M. Donner nachwies.

    Man kann sich leicht vorstellen, wie bestimmte Glaubenssätze des Islam genau diese Funktion übernehmen. Der von Islamhassern so gern zitierte „Schwertvers“ in der 9. Sure zeugt von dieser Zeit der Auseinandersetzung mit rivalisierenden Stämmen und Communities. Der Vers sagt, dass jene „Ungläubigen“, die keine Verträge mit den islamischen Herren haben oder sich feindlich verhalten, getötet werden sollen, außer sie unterwerfen sich: „Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Zakat (eine Steuer) geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen.“

    Der Preis der Ordnung

    Heute übernimmt der Islam in einigen Failed States der Peripherie eine ähnliche Funktion. Er verspricht – übrigens mancherorts in Koalitionen mit anderen Bewegungen, die ideologisch eigentlich woanders stehen, wie etwa mit den Baathisten in Mossul – den Leuten in den kaputten Staaten die Wiederherstellung einer „Ordnung“. Das „Kalifat“, sagt der „Islamische Staat“, macht einen Deal mit den Menschen in seinem Herrschaftsgebiet: Ihr unterwerft euch voll und ganz unserer ideologischen, ökonomischen und politischen Herrschaft, und wir garantieren euch dann Sicherheit und Ordnung.

    Der “Preis” dieser Ordnung ist uns allen bekannt. Der Staatswerdungsprozess vollzieht sich in der für derlei Prozesse charakteristischen Brutalität. Der Nachsatz des Versprechens des IS ist: „Wenn ihr euch nicht unterwerft, bringen wir euch um.“ Die mörderische Brutalität des Islamischen Staates (der uns hier als anschaulichstes Beispiel dienen kann, weil er es mehr als jede geistesverwandte Terroristenmiliz geschafft hat, sich zu verstetigen und ein tatsächlicher Machtfaktor zu werden) ist so zu verstehen als der Versuch, ein „homogenes“ Staatsvolk zu erschaffen. Dieser Prozess ist nach „innen“, in den sunnitischen Gebieten, charakterisiert durch den Mord an Abweichlern, nach „außen“ durch einen aggressiven Expansionismus in alawitische, kurdische, jesidische und schiitische Gebiete.

    Will die Linke dem Dschihadismus etwas entgegensetzen, dann geht das nur, wenn an der „realen Basis“ angesetzt wird. Wie das geht, darüber im 2. Teil.

    – Von Peter Schaber

  4. Pegida & Islam permalink
    20. Januar 2015 22:26

    Serdar Somuncu: Pegida & Islam

  5. Daimler-Betriebsratsmitglied applaudiert Pariser Attentätern: "Jeder Mensch zahlt für seine Taten! Die einen früher, die anderen später... Fuck Charlie Hebdo" permalink
    24. Januar 2015 11:41

    Verfahren zur Amtsenthebung: Daimler-Betriebsratsmitglied applaudiert Pariser Attentätern

    „Jeder Mensch zahlt für seine Taten! Fuck Charlie Hebdo“: Mit solchen Äußerungen auf seiner Facebook-Seite hat ein Mitglied des Betriebsrats im Rastatter Daimler-Werk seine Kollegen erzürnt. Er könnte jetzt sein Amt verlieren.

    Rastatt – Einem Betriebsratsmitglied im Rastatter Daimler-Werk droht ein Amtsenthebungsverfahren wegen Äußerungen über den Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Sowohl Betriebsrat als auch IG Metall und Unternehmen wollen beim Arbeitsgericht Karlsruhe die Amtsenthebung des Arbeitnehmervertreters beantragen. Das bestätigten alle drei Seiten am Freitag. Zuvor hatten örtliche Medien darüber berichtet. Der Betriebsrat hatte am Donnerstagabend über seinen Beschluss informiert.

    Der Mann habe mit Äußerungen auf seiner privaten Facebook-Seite wie „Jeder Mensch zahlt für seine Taten! Die einen früher, die anderen später… Fuck Charlie Hebdo“ für Aufruhr in der Belegschaft gesorgt, hieß es bei der IG Metall. Diese gingen nach Ansicht der Gewerkschaft weit über eine normale Meinungsäußerung hinaus. Sie deuteten auf eine Haltung hin, die „Mord als legitimes Mittel in der politischen Auseinandersetzung rechtfertigt“. Bei dem Anschlag auf das französische Satiremagazin waren am 7. Januar in Paris zwölf Menschen von Islamisten getötet worden.

    Distanzierung abgelehnt

    Gewerkschaft und Betriebsrat hätten den Mann aufgefordert, sich von den Äußerungen zu distanzieren. Das habe er aber abgelehnt, sagte der Betriebsratsvorsitzende Ullrich Zinnert. Ein Betriebsrat habe aber den gesetzlichen Auftrag, im Betrieb für Gleichberechtigung und demokratische Rechte einzustehen, begründete die 1. Bevollmächtigte der IG Metall in Gaggenau, Claudia Peter, das Verfahren.

    Hat die Amtsenthebung vor dem Arbeitsgericht Erfolg, verliert der Mann seinen Betriebsratsposten, für den er freigestellt war, kann aber wieder an seinen früheren Arbeitsplatz zurückkehren. Weitere Konsequenzen drohen nicht: Meinungsäußerungen auf Facebook und anderen sozialen Medien seien privat, sagte ein Daimler-Sprecher. Voraussetzung für arbeitsrechtliche Konsequenzen seien ein klarer Bezug zum Arbeitsverhältnis sowie ein Verstoß gegen die arbeitsrechtlichen Pflichten. „Dies ist hier nicht der Fall.“

    Auch ein Ausschlussverfahren aus der IG Metall ist nach den Worten einer Sprecherin aktuell nicht vorgesehen. Der Fall werde aber noch geprüft.

    mik/dpa

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/charlie-hebdo-schmaehung-daimler-betriebsrat-droht-amtsenthebung-a-1014702.html

  6. Der Namenlose permalink
    25. Januar 2015 23:34

    Wow! Dieser Kommentar ist dermaßen unendlich verlogen, heuchlerisch, dumm und bösartig, dass ich fast erbrochen habe vor so viel Abscheulichkeit und Niederträchtigkeit. So etwas würde genauso gut zu PI-news passen oder in das „Manifest“ von Anders Behring Breivik. Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll, weil einfach jedes einzelne Wort von Ernst Hillebrand falsch ist.

    Die Rede von Appeasement soll suggerieren, dass Muslime eine Gefahr sind für den guten zivilisierten Westen. Was dabei schwierig ist: gut trainierte Ideologen der herrschenden Klasse wie Hillebrand sind gut darin, nicht offen rassistisch aufzutreten. Sie sind viel heuchlerischer und verlogener als der dumpfe Neonazi, sie wissen, was sich in der Mainstreampresse schickt und was nicht. Deshalb ist ihr Rassismus sehr unterschwellig, subtil und kodiert (Islamophobie ist nichts anderes als kodierter Rassismus und deshalb sehr beliebt in unserer Epoche, aber dazu später mehr). Hillebrand will das gute, alte Bild von der Menschenflut der Untermenschen aus dem Süden und Osten heraufbeschwören, das eine gewisse Tradition hat. Früher haben sie unsere (westliche) rassische Überlegenheit bedroht, jetzt bedrohen sie unsere (scheinbare) moralische Überlegenheit und Zivilisation. Derselbe alte Wein in neuen schicken, verschönerten Schläuchen.

    Dann redet er etwas von den libertären Gesellscheften Westeuropas. Es ist offensichtlich, dass Hillebrand liberal und libertär nicht auseinander halten kann. Welcher echte Libertäre -keine Marktspinner- würden ernsthaft behaupten, dass diese Gesellschaften libertär sind?! Und auch Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit sind „Kinder des Mai 68“, das ist also kein Argument für nichts.

    Natürlich möchte der bekennende linksliberale Sozialdemokrat (beiden Wörter kann man auch gut und gern als Schimpfwörter verwenden) die pöse pöse Burka verbieten und damit Frauen vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben. Ziemlich libertär, gell? Und was die Vergewaltigungen in Rotherham angeht: Ich habe keine genauen Zahlen mehr im Kopf, aber in der US Army finden in einem Jahr mindestens 20-mal mehr Vergewaltigungen statt als diese Gangster in 16 Jahren begangen haben. Doch darüber wird nie berichtet, weil das sind ja schließlich unsere Jungs, die Guten, die den Wilden Zivilisation, Demokratie und vor allem Frauenrechte bringen. Außerdem versucht Hillebrand das natürlich mit dem bitterbösen Islam zu verknüpfen, weil immer wenn Muslime irgendein Verbrechen begehen, ist ihr Islam schuld. Klarer Fall von Doppelmoral, wie nicht anders zu erwarten.

    Ein weiterer Fall ist die Behandlung von dem Angriff auf Charlie Hebdo und im Vergleich dazu die Angriffe auf Oslo und Utøya 2011. Im einen Fall ist alles sehr politisch und religiös und alle Muslime müssen sich dringend distanzieren. Im anderen Fall ist es ein armer, verwirrter Einzeltäter, der mit der islamophoben Stimmung in Europa natürlich nichts zu tun hat und dessen Tat angeblich auch überhaupt nicht politisch sein soll. Niemand hat damals von irgendwem verlangt, sich zu distanzieren.

    Nun allgemein zum Westen und zum Islam: Nicht nur das der Westen seit langer Zeit mehrheitlich islamische Länder überfällt und deren Bevölkerung ermordet, foltert und unterdrückt, er fördert auch mit der anderen Hand systematisch islamisch-fundamentalistische Bewegungen und Regimes, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Diese Regimes bringen über ihre Propangandasender dasselbe Gedankengut nach Europa, wo es bereitwillig aufgenommen wird von Teilen einer Banlieue- und Elendsviertelbevölkerung, die aus guten Gründen (Polizeigewalt, Arbeitsämter usw.) die westlichen Staaten als immer nur als Feind empfindet, was sie ja auch sind. Gleichzeitig werden durch westliche Aggression fundamentalistische Bewegungen im Nahen Osten gestärkt. Der Westen erschafft sich seine Feinde größtenteils selbst und es ist sicher nicht so, das Kolonialismus, Imperialismus oder westliche Vorherrschaft nicht mehr existieren würden, anders als Hillebrand es zu suggerieren versucht.

    Aber es ist ja schließlich sein Beruf, zu lügen! Immerhin ist er Legitimationsideologe der herrschenden Klasse in einer Stiftung der SPD. Wahrscheinlich hat er auch die Angriffskriege gegen Jugoslawien und Afghanistan gerechtfertigt, er wird ja dafür bezahlt, Verbrechen zu verherrlichen, verdammt nochmal! Sowas wie er gehört mit der ganzen SPD und Grünen-Verräterbagage zum Teufel gejagt.

    Noch etwas zum Faschismus: Es gibt schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten in den USA und Westeuropa etwas, was ich den neuen Faschismus nennen würde. Der neue Faschismus zeichnet sich aus durch extreme Verlogenheit und Heuchelei (Massenmord wird humanitäre Intervention genannt), weinerliches Herumgeheule und ständige Opferrolle seiner Hauptvertreter, gut kodiertem statt offenem Rassismus und scheinbarer moralischer Überlegenheit seiner Vertreter gegenüber ihren Hassobjekten, statt der altmodischen rassischen Überlegenheit. Die 4 Hauptelemente des neuen Faschismus sind:

    1.) Neoliberalismus
    2.) Neokonservativismus
    3.) Islamophobie
    4.) Zionismus

    Das soll nicht bedeuten, dass der alte Faschismus tot ist oder dass die Grenzen nicht teilweise fließend sind, aber man kann schon von einem eigenen Phänomen sprechen, auch weil sich manche Vertreter stark vom alten Faschismus abgrenzen.

    Eine Sache noch, zum Schluss: ich schätze diesen Blog wirklich sehr und bin fast immer mit den Betreibern einer Meinung, aber ich muss euch jetzt wirklich folgendes fragen: Welcher Teufel hat euch geritten, dass ihr diesen sozialdemokratischen Müll hier bringt? Habt ihr vergessen, dass Sozialdemokraten seit mindestens 100 Jahren die fortwährenden Verräter des Weltproletariats in allen Ländern sind? Wollt ihr provozieren, um die Diskussion anzuregen? Denkt ihr selbst so wie Hillebrand? Bitte um Antwort.

    Anmerkung Syndikalismus-Blog: Wir denken nicht wie Hillebrand, finden aber einige Aussagen in der Tat Provokant. Wie du siehst ist eine Diskussion aber nicht zustande gekommen. Neben dir hat nur ein weiterer Genosse den Beitrag kommentiert.

  7. ♻ Paris: Kunstausstellung entfernt Kunstwerk, was bei Moslems als blasphemisch gilt ♻ Belgien: Ausstellung über Charlie Hebdo musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden ♻ permalink
    1. Februar 2015 18:52

    Paris: Kunstausstellung entfernt Kunstwerk, was bei Moslems als blasphemisch gilt

    Artwork showing women’s shoes on Muslim prayer mats is removed from exhibition after warnings of possible violence

    weiterlesen: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/11374899/Blasphemous-artwork-removed-from-Paris-exhibition.html

    Belgien: Ausstellung über Charlie Hebdo musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden

    Museum dedicated to famous cartoonist Tintin says police consultation convinced it that exhibit showing victims of shooting too dangerous.

    weiterlesen: http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/190354

  8. VOM 😎 ABSOLUTEN 😂 RECHT 😛 DES 😵 HUMORS permalink
    5. Februar 2015 00:57

    VOM 😎 ABSOLUTEN 😂 RECHT 😛 DES 😵 HUMORS

    Der Hamburger Comicexperte Ole Frahm verteidigt im art-Interview das Recht des Humors gegen den heiligen Ernst des Islamismus und erklärt, warum Lachen unser Überleben sichert.
    // INTERVIEW: STEFFEN ZILLIG

    http://www.art-magazin.de/szene/79171/charlie_hebdo_interview

  9. Ist Voltaire eigentlich für oder gegen „Charlie“? permalink
    7. Februar 2015 10:20

    Ist Voltaire eigentlich für oder gegen „Charlie“?

    Die „Abhandlung über die Toleranz“ verteidigt auf den ersten Blick die religiösen Gefühle. Ein Irrtum.

    29.01.2015 | 19:09 | Anne-Catherine Simon (Die Presse)

    Was würde Voltaire wohl über die „Charlie Hebdo“-Satiren sagen? Offenbar suchen jetzt viele Menschen Rat und Rezept beim großen Aufklärer; denn seine „Abhandlung über die Toleranz“ gehört auf der französischen Amazon-Seite derzeit zu den meistverkauften Büchern.

    Nur, wofür, für wen ist der Philosoph eigentlich? Auf den ersten Blick kann man herauslesen, was man will: „Gott, du hast uns kein Herz gegeben, einander zu hassen“, schreibt der Deist Voltaire. Toleranz ist für ihn friedliche Duldung, das Zusammenleben soll nicht durch Hass gestört werden. Jeder solle glauben, was er wolle, solang er nicht die Ordnung störe. Seine Maxime: „Tue nichts, was du selbst nicht erleiden willst.“

    Mit dem aggressiven Spott der „Charlie“-Zeichnungen scheint das nicht kompatibel. Ist Voltaire am Ende ein Gewährsmann für Muslime, die in ihren religiösen Gefühlen nicht beleidigt werden wollen? Man kann es so lesen – was zeigt, wie schnell man bei alten Texten in die Irre gehen oder sie missbrauchen kann, wenn man sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang reißt.

    Voltaire schrieb seine „Abhandlung über die Toleranz“ 1763 als Plädoyer für eine Urteilsrevision und Rehabilitierung: Der protestantische Stoffhändler Jean Calas war fälschlich wegen Ermordung seines Sohns angeklagt und hingerichtet worden, er hätte seinen Sohn daran hindern wollen, Katholik zu werden, hieß es. Voltaire schrieb vorsichtig und strategisch klug mit Rücksicht auf die staatlichen und kirchlichen Adressaten. Und er argumentierte vor dem Hintergrund jahrhundertelanger Religionskriege und Gemetzel zwischen Katholiken und Hugenotten. Warum hätte Voltaire in seiner Schrift das Recht auf die Verspottung fremder Glaubensinhalte verteidigen sollen? Es ging ja gerade erst darum, einer übermächtigen katholischen Kirche die Duldung „abweichenden“ Glaubens abzuringen.

    „Der Atheismus und der religiöse Fanatismus sind zwei Ungeheuer, die die Gesellschaft verschlingen und zerreißen können“, schrieb Voltaire acht Jahre später. Auch das könnte man, aus dem Kontext gerissen, gegen „Charlie Hebdo“ zitieren. Aber Voltaire betonte auch den Unterschied zwischen beiden: Beim Atheisten stutze die Vernunft seine Krallen, der Fanatiker sei im fortwährenden Wahn. Außerdem ist es sehr fraglich, ob Voltaire auch heute noch einen Gott für nötig halten würde, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

    Sicher ist, dass er konkrete Formen von Religion als „Aberglaube“ ungehemmt verspottet und die Machtausübung durch Religion überall heftig bekämpft hat. Kein Zweifel, dass er die „Charlie“-Satiren ohne Wenn und Aber verteidigt hätte.

    Kommentar
    hirni 30.01.2015 22:22

    zunge herausschneiden

    die katholische kirche war zur zeit voltaires nicht mehr allmächtig, aber immer noch sehr mächtig. der pfarrer von moens verlangte von voltaire, dass er sich wegen des abscheulichen wortes „galgen“ im zusammenhang mit einem kreuz rechtfertige, voltaire bestritt es so gesagt zu haben und die handwerker die beim vorfall zeugen waren, versicherten „galgen“ sei ein technischer ausdruck in der schreinerzunft. im dijon kam es zum prozess. eine verurteilung konnte vermieden werden. die strafe für eine derarige gotteslästerung war damals das herausschneiden der zunge und abhacken der hände.
    (uta ranke heinemann, „nein und amen“ S325)

    http://diepresse.com/home/meinung/marginalien/4650762/Ist-Voltaire-eigentlich-fur-oder-gegen-Charlie

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: