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Buchbesprechung: Oskar Lubin – „Triple A“

20. Dezember 2014

Lubin Avon Florian Becker

Untersuchungsgegenstand?

Jede libertäre Richtung hat ihre eigenen Voraussetzungen und Strategien. Lubin wirft sie jedoch in seiner „Streitschrift für ein Upgrading“ unter den Stichworten „Anarchismus, Aktivismus, Allianzen“ alle durcheinander, vor allem Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus, springt von einer zur nächsten. Dieses Problem mangelnder Differenzierung fällt mir bei den Büchern der Verlage „Unrast“ und „Assemblage“ desöfteren auf. Was die Analyse als auch, was die Perspektive angeht, sollten die unterschiedlichen libertären Bewegungen detailliert für sich untersucht und Schnittmengen sorgfältig herausgearbeitet werden. Denn Anarchismus und Anarcho-Syndikalismus gehören differenzierter betrachtet. Nach Epochen und Ländern gibt es teils erhebliche Unterschiede. Auf 100 Buchseiten ist das nicht zu bewerkstelligen. So ist das Buch von Lubin nicht wirklich grundiert. Ich habe viele Fragezeichen am Buchrand gesetzt, die für elementare Einwände und für nötige Ergänzungen stehen.

Viel Philosophie – wenig Praxis

Die Vorschläge Lubins sind bekannt und werden in der Praxis teilweise angewandt, Bündnispolitik („Allianzen“) wurde zu jeder Zeit kontrovers diskutiert. Diesbezüglich (S. 84) fehlen bei Lubin auf jeden Fall eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der syndikalismusbetonten Schwedischen „Sveriges Arbetares Centralorganisation“ (SAC) *1* einerseits und mit dem wohl reichhaltigsten praktischen anarchistischen Papier, Horst Stowassers „Projekt A“. *2* Auch die „Föderation Freiheitlicher Sozialisten“ (FFS), die in Deutschland einen sehr revisionistischen Standpunkt bezog, ganz ähnlich wie Lubin, taucht nicht auf. *3*

Stattdessen hagelt es David Graeber und philosophische Hyperventilierer (Michel Focault, Gilles Deleuze, Pierre Bourdieu), wo ich dem von Lubin zitierten Noam Chomsky (sehr gut ausgedrückt!, S. 85) nur zustimmen kann: „Ohne Zweifel gibt es in jeder Sprechsituation eine Machtstruktur, das ist wiederum eine Binsenweisheit, die nur ein Intellektueller überraschend finden kann und in möglichst vielsilbige Wörter zu kleiden versucht. Als ehrliche Leute sollten unsere Anstrengungen darin bestehen, das aufzudecken und so weit wie möglich abzubauen, und zwar in Zusammenarbeit mit anderen, denen wir bei dieser notwendigen Befreiung helfen können und die uns helfen können. Wird das je aufhören? Vermutlich nicht, was Lyotard und die Postmoderne betrifft, so warte ich noch auf einen Beweis, dass es sich dabei um mehr als Banalitäten und selbstverliebten Unsinn handelt. Ich sehe ein paar Körnchen Wahrheit in der riesigen Wörterflut versteckt, aber die sind ganz einfach. Vielleicht übersehe ich etwas, vielleicht sogar viel. Falls das zutrifft, entschuldige ich mich für meine Beschränktheit. Vielleicht fehlt mir ein Gen.“ (S. 85).

So geht es mir bezüglich des Buches von Lubin und ähnlicher Texte. *4* Auch van der Lindens Analyse „Aufstieg und Niedergang des revolutionären Syndikalismus“ findet keine Erwähnung, *5* genauso wenig wie die hervorragende und aktuelle Schrift von Beltran Roca Martinez über die „Renaissance des Anarcho-Syndikalismus“ (bei Syndikat A erschienen). *6* Ich erwähne dies nur, weil Lubin auch den Anarcho-Syndikalismus in seine Ausführungen über den „Anarchismus“ mit einbezieht, sich eben nicht auf einen reinen Anarchismus beschränkt, wie es im Buchtitel angegeben ist.

Geschichtsverlust durch Ignorieren eigener Klassiker

Generell kann ich sein oberflächliches Abtun von Klassikern wie Emma Goldman nicht nachvollziehen. Diese waren viel weiter im Denken als die Aktivisten heute und weitaus gebildeter. Auch das Werk von Abel Paz kennt Lubin nicht, *7* er biegt ihn sich so hin, wie es in seine Thesen passt. Auch die Staatsfrage (Staat in seinen wohltätigen Funktionen) wurde anno dunnemal hinlänglich und vielfältig diskutiert und in der Geschichte sehr differenziert betrachtet, beispielsweise in Deutschland in „Die Internationale“ 1931 *8* oder bei Evert Arvidsson: Der freiheitliche Sozialismus im Wohlfahrtsstaat von 1960. *9* Keine Zeile darüber ist im Buch zu finden.

Das von Lubin (und anderen „Postanarchisten“) präsentierte gab es schon vor vielen Jahrzehnten, und die heutigen Aktivisten und Schreiber sollten nicht nur ihre universitären Philosophiekurse besuchen, sondern auch etwas historisches Handwerk betreiben. Sie lesen alles mögliche, aber bei ihnen fehlen meistens die eigenen syndikalistischen Klassiker. Heraus kommt eine Pampe aus diversen Ideologiefragmenten. Wenn Lubin beispielsweise meint, der Staat sei nicht die „schreiendste Verneinung des Menschentums“, dann misst er den kruden Anschauungen der an sich unbedeutenden sog. „Marktradikalen“ eine größere Bedeutung zu als den Massendiktaturen China oder Nordkorea.

Daraus folgende Irrwege

„Gängelung und Unterdrückung“ seien von Kindesbeinen an nicht die Lebenserfahrungen in der westlichen Welt, so Lubin weiter. Ich jedenfalls finde in den Äußerungen des Antipädagogen Ulrich Klemm (den Lubin auch unterschlägt) vieles wieder, was ich und viele andere auch im Schulsystem erfahren haben.*10* Keine Ahnung, wie man zu so einem hanebüchenen Urteil kommen kann. Dann käut er marxistische Vorurteile nach, wie es gerade Mode ist,*11* im Anarchismus würde der Mensch als generell gutes Wesen angesehen und anderes mehr. Der Poststrukturalismus/anarchismus könne vor solchen Irrtümern bewahren, so Lubin. Wahrscheinlich hat er Rudolf Rocker nicht gelesen (überhaupt fehlt im Buch das Literaturregister).*12* Zumindest die Syndikalisten berichteten unzählige Male davon, dass große Teile der sozialdemokratisch geführten Arbeiterschaft staatliche Gewalt von außen überflüssig machte. Aber dazu müsste man die Quellen kennen, in denen alles – inklusive scharfsinnigen Analysen – zu finden ist. Wer nur Sekundärliteratur wälzt – nicht selten von Wissenschafts-Koryphäen, die von Syndikalismus keine Ahnung haben – und aus vielen ungeerdeten Hypothesen und Glaubenssätzen neue Hypothesen patchworkt, schreibt an der Realität vorbei.

Richtig: Der Erste Weltkrieg hätte ohne die Partizipation der sozialdemokratischen Arbeiterschaft nicht geführt werden können. Auch das Prinzip der „Sozialpartnerschaft“ basiert auf Zustimmung von unten, Syndikalisten waren und sind ständig damit konfrontiert, ihre Geschichte ist voll davon. Widersprüchlichkeiten im „Klassenbegriff“ und dessen Erörterung sind also nichts neues. Für Analysen und Forschungen dahingehend brauche ich keinen Postanarchismus, sondern studiere die Quellen und bringe Erfahrungen aus der syndikalistischen Praxis mit. Lubin nennt Emma Goldman als „Ausnahme“! (S. 72) Sie habe erkannt, dass für die Unterdrückung die Unterdrückten auch selber verantwortlich seien und zwar als geistig träge und feige Menschen. Wie gesagt, die syndikalistischen Quellen beinhalten reichlich ähnliche Diagnosen, auch der Anarchist Max Nettlau und viele andere benannten dieses Phänomen immer wieder.

Perspektiven als Spielball anderer Kräfte?

Ein weiteres Manko der Forschung und Analysen liegt generell in der geringfügigen Selbständigkeit der anarcho-syndikalistischen Bewegung in Deutschland. Denn in Richtung Linkspartei geschaut, mache es, so Lubin, einen Unterschied, „an wen und wofür die Rosa Luxemburg Stiftung Stipendien verteilen“ kann. Nach diesem Futtertrog wird also geschielt, bevor bei Lubin überhaupt eigene Strukturen angedacht werden. Ich denke: Einen Mangel an Eigenständigkeit der anarcho-syndikalistischen Bewegung überhaupt festzustellen, sollte an erste Stelle rücken, gefolgt von Konzepten, wie sie eigene Bildungs- und Förderstrukturen aufbauen kann. Das Dilemma ist nicht nur ein strukturelles, sondern fängt bereits im Denken von Lubin an. Damit steht er keinesfalls alleine. Es sind eine ganze Reihe Intellektueller aus der anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Bewegung, die an den Fleischtöpfen ihrer eigentlichen Gegner campieren und mit ihnen verfilzen.*13*

Ihre geistigen Produkte sind entsprechend entfremdet, orientieren sich an anderen, marxistischen und bürgerlichen Wertvorstellungen und richten sich an deren Maßstäben aus. Dementsprechend redet Lubin einer gemeinsamen Geschichte der „radikalen Linken“ das Wort (S. 81). Lubin und seine Postulate werden gleich einer Flipperkugel hin und her bewegt in einem Korsett zwischen Neomarxisten und Postanarchisten. Sie offenbaren wenig eigenes Fundament.*14* Es ist eine generelle geistige Schwäche der heutigen Bewegung und ihrer Theoriebeflissenen. Sie ist Spielball anderer Kräfte mit mehr Geld, höherem Niveau und mehr Klarheit. Sie selber ist nicht mehr als eine Fortsetzung des geschichts- und hilflosen Neoanarchismus der 1960er Jahre. Um Allianzen eingehen zu können – wie es Lubin und andere andenken – braucht es jedoch starkes eigenes Fundament und historisches Bewusstsein, eben: geistiges Eigenkapital.

Fazit und positives am Buch

Lubins Schrift wolle sich gegen Geschichtsvergessenheit richten (S. 78). Sie trägt aufgrund zahlreicher elementarer Auslassungen jedoch mehr dazu bei, Geschichte tatsächlich zu vergessen und manches zu verbiegen.

Eine Ausnahme sehe ich auf der letzten Buchseite, wo Lubin zurecht kritisiert, dass es nicht gelungen ist, die Spanische Revolution im kollektiven Gedächtnis zu etablieren (S. 92). Stattdessen dominieren der Dualismus zwischen Faschisten und Republik die öffentlichen Betrachtungen, und statt der CNT hätten die Internationalen Brigaden eine dominante Stellung im öffentlichen Bewusstsein. In seinen Einschätzungen zur hedonistischen Parole „Tu, was du willst“ stimme ich Lubin ebenfalls zu. Bei Hartz IV mit Sanktionsdrohungen kommt der ansonsten sympathische Spruch: „Heute gehe ich nicht zur Arbeit, und morgen werde ich es wohl auch nicht tun“ unpassend rüber.

Seine Grundthesen hätte Lubin genauso gut auf 10 Seiten zusammenfassen können, statt sie unpassend und aufgebläht herzuleiten. Dass dieser Text dennoch mit einer ISBN Nummer versehen wurde, spricht für das geringe Niveau der libertären Verlagslandschaft (hier edition assemblage).

Oskar Lubin: Triple A. Anarchismus, Aktivismus, Allianzen. Kleine Streitschrift für ein Upgrading, Edition Assemblage, Münster 2013, 92 Seiten, 9.80 Euro ISBN 978-2-942885-43-0

*1* Beispielsweise mit Ahto Uisk: Syndikalismus – eine Ideenskizze, Berlin 1985 oder Ingemar Sjöö: Syndikalismus in Schweden, Hamburg 1999. Auch Gabriel Kuhn publizierte jüngst interessante Texte zur aktuellen syndikalistischen Bewegung in Schweden
*2* http://www.anarchismus.at/texte-anarchismus/kommuneprojekte/6130-horst-stowasser-die-anarchistische-bewegung-und-das-projekt-a
*3* Beispielsweise Hans Jürgen Degen: Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002. Eine Neuauflage erscheint 2015 im Verlag Edition AV.
http://www.edition-av.de/info/editionav_vorschau_2015.pdf
*4* Beispielsweise in Beiträgen des von Jürgen Mümken herausgegebenen Bandes: Anarchismus in der Postmoderne. Beiträge zur anarchistischen Theorie und Praxis, Frankfurt/M. 2005. Auch die beim Unrast Verlag herausgegebenen Bände „Begegnungen feindlicher Brüder“ sind voll von inhaltsleerer Wortakrobatik
*5* Van der Linden/Thorpe, Wayne: Aufstieg und Niedergang des revolutionären Syndikalismus, in: 1999 Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, 1990, Heft 3
*6* Oder online:
http://www.kommunismus.narod.ru/knigi/pdf/Beltran_Roca_Martinez_-_Renaissance_des_Anarchosyndikalismus.pdf
*7* Der Erkenntnisgewinn aus seinen vier biographischen Bänden ist für die anarcho-syndikalistische Bewegung mindestens ebenso hoch, wie diejenigen aus heutigen abstrakten sozialwissenschaftlichen Abhandlungen und kommen ganz ohne Geschwurbel aus:
http://www.edition-av.de/paz.html
*8* Gerhard Wartenberg: Unsere Staatsauffassung, in: „Die Internationale“, Nr. 6 (1931)
*9* Herausgegeben im Verlag „Die Freie Gesellschaft“, ist antiquarisch erhältlich.
*10* Eine übersichtliche Auswahl der Werke von Ulrich Klemm finden sich über diesen Link:
http://www.edition-av.de/buecher/anarchisten_als_paedagogen.htm
*11* Beispielsweise bei den aktuellen Autoren Torsten Bewernitz oder Roman Danyluk
*12* Interessant sind hier beispielsweise dessen Schriften: „Absolutistische Gedankengänge im Sozialismus“ oder „Nationalismus und Kultur“
*13* Beispielsweise der „gewaltfreie“ Anarchist Martin Baxmeyer, der als Stipendiant der katholischen Kirche die anarcho-syndikalistischen Spanienkämpfer von 1936-39 als Massenmörder an den Vertretern des Klerus verunglimpft. Nicht wenige andere hängen am Trog von Unterorganisationen der „Linkspartei“ oder paktieren innig mit Vertretern von DGB-Organisationen. Augenscheinlich nicht aus taktischen Erwägungen, sondern sie verkaufen sich
*14* Ähnliches gilt auch für die „Weltgeschichte des Faschismus“  von Frank Pfeiffer, bzw. vom Forum deutschsprachiger Anarchisten, Edition Assemblage, Münster 2013

Quelle: Eingesandt

4 Kommentare leave one →
  1. Eigenes Fundament erarbeiten permalink
    20. Dezember 2014 12:42

    Noch als Ergänzung – zum Nachlesen:

    Ahto Uisk: Syndikalismus. Eine Ideenskizze – http://www.anarchismus.at/texte-anarchosyndikalismus/texte-zur-sac/691-ahto-uisk-syndikalismus-eine-ideenskizze

    Van der Linden/Thorpe, Wayne: Aufstieg und Niedergang des revolutionären Syndikalismus – http://www.anarchismus.at/texte-anarchosyndikalismus/anarchosyndikalistische-theorie/6115-aufstieg-und-niedergang-des-revolutionaeren-syndikalismus

  2. 20. Dezember 2014 13:17

    „Ohne Zweifel gibt es in jeder Sprechsituation eine Machtstruktur, das ist wiederum eine Binsenweisheit, die nur ein Intellektueller überraschend finden kann und in möglichst vielsilbige Wörter zu kleiden versucht. Als ehrliche Leute sollten unsere Anstrengungen darin bestehen, das aufzudecken und so weit wie möglich abzubauen, und zwar in Zusammenarbeit mit anderen, denen wir bei dieser notwendigen Befreiung helfen können und die uns helfen können. Wird das je aufhören? Vermutlich nicht, was Lyotard und die Postmoderne betrifft, so warte ich noch auf einen Beweis, dass es sich dabei um mehr als Banalitäten und selbstverliebten Unsinn handelt. Ich sehe ein paar Körnchen Wahrheit in der riesigen Wörterflut versteckt, aber die sind ganz einfach. Vielleicht übersehe ich etwas, vielleicht sogar viel. Falls das zutrifft, entschuldige ich mich für meine Beschränktheit. Vielleicht fehlt mir ein Gen.“ Diese Kritik finde ich berechtigt. Es ist gleichgültig, ob man alte Klassiker liest oder sich noch mehr Schriften reinzieht, die ehrlicherweise in den entscheidenden Punkten – nämlich wie hilfreich sie für die Praxis sein könnten – überhaupt keine relevanten Unterschiede aufweisen. Das Leben findet nun mal nicht in Büchern und Theorien statt und entspricht ihnen – oh Wunder – deshalb auch nicht! Vor allem die Vokabel „selbstveliebt“ finde ich dahingehend schon sehr gut gewählt.

  3. Edition Blamage permalink
    21. Dezember 2014 20:41

    „Die kleine Weltgeschichte des Faschismus“ ist auch so eine Blamage. Dass das Buch von Antifas gehypt wird sagt nichts über das Buch aus. Das sagt etwas über das Niveau der Antifas aus.
    In diesem Schinken einen („libertären“) Anspruch zu suchen, rate ich keinem. Statt dessen kommt man nicht drum herum die Geschichte selbst aufzuarbeiten, auch wenn man arbeitet, studiert, oder aus welchen Gründen Ausreden sucht, sich in der uns umgebenden Welt nicht auskennen und zurechtfinden zu müssen.
    Die Geschichte und die sozialistische Literatur der vergangenen Epochen der Klassenkämpfe sind ein reicher Schatz, diese Gesellschaft so zu sehen, wie sie ist. Sie öffnet die Augen und man richtet seine Aufmerksamkeit auf Dinge, die man vorher als „normal“ und nicht „anstößig“ missinterpretiert hat.
    Wenn man gute Bücher von damals liest, entdeckt man zeitlose Gedanken, die man im Heute benutzen kann, wie im Morgen. Man lernt aus erster Hand, von den eigenen Genossen und Genossinnen – wenn man den Müll liest, der heute aus der ganzen „Anarcho-Szene“ verzapft wird, dann fühlt man sich schlecht. Man hat ein schlechtes Gewissen der eigenen Lebenszeit gegenüber, die man nutzlos mit dem Guru-Gequatsche irgendwelcher realitätsfernen Heiligen verprasst hat.

    Ich hoffe es gibt irgendwann mal eine nennenswerte Immun-Reaktion, ein Zeichen des Willens zur Geisteshygiene, der dann wieder zarte Knospen eigenen Denkens austreibt. Das könnte noch Hoffnung geben in dieser „Bewegung“.

  4. Der Namenlose permalink
    6. Januar 2015 18:56

    Der US-amerikanische Physiker Alan Sokal hat 1996 übrigens die ganzen postmodernistischen und poststrukturalistischen Berufsschwurbler grandios verarscht und gezeigt, dass ihre „Wissenschaft“ nur aus sinnlosen, aufgeblähten Phrasen besteht.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sokal-Aff%C3%A4re

    Sokal hat einfach einen vollkommen sinnlosen, aber in bestem postmodernen Jargon geschriebenen Artikel an ein postmodernistisches Magazin geschickt. Er hat in dem Artikel „bewiesen“, dass die physikalische Realität nur ein linguistisches und soziales Konstrukt ist und dabei absichtlich offensichtlich unlogisch und absurd argumentiert, wie die Poststrukturalisten eben, mit Binsenweisheiten, Sprachspielen und hohlen Phrasen. Und dieses Magazin hat den sinnlosen Text ohne Zögern abgedruckt, einfach weil es ihrer Ideologie entsprach! Erst danach hat Sokal offengelegt, dass der Artikel nur ein Scherz war.

    Das sollte deutlich vor Augen führen, dass das Einsickern von postmoderner Ideologie in die Anarchoszene (speziell an den Universitäten) mindestens genauso gefährlich ist wie das Einsickern von marxistisch-deterministischer staatsgläubiger Ideologie (der Einfluss offen rechter, antideutscher Idioten ist noch um einiges schlimmer als die beiden vorigen). Übrigens gibt es, leider nur auf Englisch, einen Zufallsgenerator, der postmoderne Artikel erstellt:

    http://www.elsewhere.org/pomo/

    Diese Artikel sind auch nicht sinnloser als irgendwas von Foucault und co.

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