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„Mall of shame“ – Gewerkschaft fordert Lohn statt Mitgefühl

18. Dezember 2014

mallofshame1. Herr Fettchenhauers „Mitgefühlsbekundung“ in einem Interview mit dem Tagesspiegel können wir nur als billige Heuchelei empfinden. Verantwortlich dafür, dass die Kollegen kein Geld erhielten, sei er angeblich nicht. Doch Fakt ist: Die FCL hat auf dubiose Subunternehmen gesetzt, die zu keinem Zeitpunkt von ihren Aufträgen entbunden wurden. Er trägt auch die rechtliche Verantwortung für das Geschehen auf der Baustelle inkl. nichtgezahlter Löhne (§14 AEntG).

2. Die im Tagesspiegel erwähnten Vereinbarungen, die Fettchenhauer für die Arbeiter erzielte, waren ein Witz! Es handelte sich um Verzichtserklärungen auf den versprochenen Lohn mit einer verbundenen Einmalzahlung einiger hundert Euro. Die Behauptung, er habe dies mit dem DGB getan, stimmt nach Kenntnisstand der FAU Berlin nicht. Das zuständige Büro für entsandte Beschäftigte hat von solchen Erklärungen abgeraten. Letztlich sind solche Verzichtserklärungen ebenso rechtswidrig wie rechtlich gegenstandslos (§ 9 AEntG). Sie sind vielmehr ein Eingeständnis, dass die Arbeiter dort – entgegen anderer Behauptungen (bspw. durch das Subunternehmen Metatec) – tätig waren.

3. Fettchenhauers anschließende Infragestellung der Tätigkeit der rumänischen Kollegen auf der Baustelle ist purer Zynismus. Wie sollen Arbeiter, denen Verträge vorenthalten wurden, Verträge vorweisen? Er vergisst wohl komplett, was ihm überhaupt vorgeworfen wird? Das System aus Subunternehmen, das Arbeiter mit falschen Versprechungen anlockte, um sie anschließend systematisch in die Schwarzarbeit zu drängen, ist schließlich der Grund für die Probleme der Arbeiter, ihre Arbeiten nachzuweisen. Als Generalübernehmer ist er ebenso verantwortlich, wenn Löhne durch von ihm beauftragte Subunternehmen nicht gezahlt werden. Dass die Arbeiter letztlich die bereits angesprochenen rechtswidrigen Verzichtserklärungen unterschrieben haben, ist indes doch das Eingeständnis der Subunternehmen und Fettchenhauers, der angeblich dies in Wege geleitet haben will, dass die Arbeiter auf der Baustelle tätig waren. Alles andere entbehrt jeder, auch von Fettchenhauer selbst proklamierten Logik.

4. Fettchenhauer behauptet, dass Schwarzarbeit nicht seriös kalkuliert werden könne. Fakt ist jedoch, dass er Subunternehmen eingesetzt hatte, die nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn eingehalten, geschweige überhaupt den versprochenen Lohn gezahlt haben. Ja, eines der beauftragten Subunternehmen – die 2011 gegründete Openmallmaster GmbH – hatte 2014 nach Angaben der Wirtschaftsauskunft Creditreform nur eine/n Beschäftigte/n. Unseriöser geht es kaum. All das möchte der FCL also nicht aufgefallen sein?

5. Fettchenhauer verweist im Tagesspiegel Interview darauf, dass der Zoll eingeschaltet worden sei. Unsere Kollegen berichteten jedoch davon, dass es ein Leck zum Zoll gab. Schwarzarbeiter wurden meist eine Stunde vor Eintreffen des Zolls von der Baustelle abgezogen. So konnte niemals Schwarzarbeit im großen Stil nachgewiesen werden. Auch diese Tatsache, in die nicht allein ein Subunternehmen eingebunden sein kann, will FCL nicht registriert haben?

6. Fettchenhauer war vielleicht nicht Geschäftsführer der BSS, die im Rahmen von Ermittlungen stand, jedoch einer von drei Gesellschaftern und als solcher auch für die Vorgänge rund um die BSS mitverantwortlich.

Andreas Fettchenhauer verweist erneut auf den Investor Harald Huth, die Subunternehmen jedoch seit Beginn auf Fettchenhauer. Doch wo angeblich Millionengelder flossen, ist nichts bei den Arbeitern gelandet und niemand will das bemerkt haben? Als FAU Berlin werden wir dieses „Verantwortungspingpong“ nicht mitmachen. Juristisch werden wir gegen alle Parteien vorgehen. Gegen Fettchenhauer sowie die Subunternehmen werden zusätzlich noch Strafanzeigen in Erwägung gezogen. Gleichzeitig kündigt die Gewerkschaft hiermit an, Fettchenhauer nicht aus der Verantwortung zu entlassen und über die Vorgänge bei der Mall of Berlin, für die er die Mitverantwortung trägt, in seinem gesamten Geschäftsumfeld aufzuklären. Auch das Mittel des Protests gegen Fettchenhauer bei anderen von ihm geleiteten oder betreuten Projekten behält sich die Gewerkschaft vor, bis die Löhne gezahlt sind. Die FAU fordert nunmehr mit dem zusätzlichen Einschlagen des Rechtswegs den gesetzlichen Mindestlohn in Berlin für die Arbeiter von 11,10 Euro (Lohngruppe 1). Der Investor ging indes auf ein Gesprächsangebot der FAU Berlin nicht ein, ebenso wenig wie Andreas Fettchenhauer.

Quelle: PM FAU Berlin vom 17.12.2014

Die Presseerklärung nimmt Bezug auf diese beiden kürzlich erschienenen Presseartikel:
Schönball, Ralf. Tagesspiegel: „Mitgefühl für die rumänischen Bauarbeiter“
http://www.tagesspiegel.de/berlin/mall-of-berlin-unternehmer-fettchenhauer-mitgefuehl-fuer-die-rumaenischen-bauarbeiter/11129724.html online veröffentlicht am 17.12.2014

Beyerlein, Andrea. Berliner Zeitung: Betrugsverdacht bei der Mall of Berlin
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/vorwuerfe-gegen-generalunternehmer-betrugsverdacht-bei-der-mall-of-berlin,10809148,29352348.html online

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  1. FAU-Berlin, [Mall of Shame] Kampf geht unbeirrt weiter permalink
    30. Dezember 2014 14:39

    FAU-Berlin, [Mall of Shame] Kampf geht unbeirrt weiter
    Date Mon, 29 Dec 2014 12:38:23 +0200

    Als die Berliner Zeitung am 25. Dezember die Flops des Jahres 2014 kührte, war die „Mall of Berlin“ ganz vorne mit dabei. Mehr noch als ein Flop, ist sie ein Schandfleck, der für Ausbeutung steht, geleitet von einem selbstherrlichen Investor, dem das Schicksal der Bauarbeiter, die beim Bau seiner Mall für Hungerlöhne schufteten und ausgebeutet wurden, zuletzt scheißegal war. Die FAU Berlin wird ihre Forderungen Aufrecht erhalten, weiterhin mit Aktionen öffentlich wie auch juristisch die Subunternehmen, den ehemaligen Generalunternehmer und den Investor in die Pflicht nehmen. —- Die „Mall of Berlin“ ist, mit all ihren Skandalen, der in Stein gehauene Klotz von Investor Harald Huth’s Ignoranz und Arroganz. Lieber sieht er sich smart lächelnd, umworben und umschwärmt von Medien und Politik, als dafür zu sorgen, das eine Kleckersumme für geprelle Mall-Arbeiter gezahlt wird und die Umstände der Ausbeutung aufgeklärt werden.

    Wir werden diesem Schauspiel auch im neuen Jahr die simple Forderung entgegenhalten: Mall of Shame – Bezahlt die Arbeiter!

    Doch jegliche verantwortliche Ebene erfüllt ein nahezu trauriges Klischee. Die Subunternehmen (Metatec aus Berlin-Kreuzberg und Openmallmaster aus Frankfurt am Main), die Ebene fürs Grobe und Dreckige, die Ebene des schlichten Betrügens und der offenen Gewaltandrohungen gegen die Arbeiter. Der ehemalige Generalunternehmer Andreas Fettchenhauer, die Ebene des Geschäftsmannes, der weiß wie er all diese dubiosen Vorgänge sauber und ordentlich verkaufen kann, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, und der Investor, der über alles mit einem Perlweiss-Werbelächeln thront und sich unwissend und unschuldig stellt. Doch das ist kein Film! Alle Ebenen haben ihr Geld gemacht – das Geld der Arbeiter fehlt bis heute.

    Die FAU Berlin betonte zuletzt, das Spiel des „Verantwortungspingpong“ nicht mitzuspielen, in der jede Ebene mit dem Finger auf die andere zeigt. Sie zieht alle zur Verantwortung – politisch und moralisch jedoch ganz besonders Investor und Generalunternehmer, die sich zu offensichtlich aus der Verantwortung stehlen wollen.

    Die FAU Berlin hat im Zuge dessen 36 Sponsoren des CSI Neustadt (Dosse), einem Internationalem Reit- und Springturnier, an dem auch Andreas Fettchenhauer als Betreiber der Graf-von-Lindenau-Halle maßgeblich beteiligt ist, über die Geschäfte von Andreas Fettchenhauer informiert. Doch auch vor der Mall wird die FAU Berlin wieder Präsenz zeigen.

    Wie bereits angekündigt, sind die Klagen gegen alle Beteiligten bishin zum Investor in letzter Vorbereitung. Auf eine letzte Geltendmachnung der FAU Berlin wurde nicht reagiert. Die Metatec-Fundus & Co. KG, die durch die Kanzlei Prof. Dr. Streich und Partner auch in weiteren Belangen vertreten wird, schickte die Forderungen kommentarlos zurück.

    Für die Mall of Berlin und ihre Akteure wird das neue Jahr damit so starten, wie es geendet hat: In Auseinandersetzung um die simplen Lohnforderungen der Bauarbeiter mit der FAU Berlin.

    Da wünschen wir doch schon mal ein frohes Neues!

    https://berlin.fau.org/news/mall-of-shame-kampf-geht-unbeirrt-weiter

    ——————————

    http://www.ainfos.ca/de/ainfos04028.html

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