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Bremen: Willkür mit MinijobberInnen

15. Dezember 2014

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJeder/r kennt sie, die Reinigungskette Krogmann. In zahlreichen Filialen und in der zentralen Wäscherei sind insgesamt ca. 20 Menschen beschäftigt – zu einem großen Teil aufgestockte Minijobber/innen. Aufgestockt heißt, dass in der Realität deutlich mehr gearbeitet wird als der Lohnzettel ausweist. Der Rest, oberhalb der Minijobgrenze, wird vom Chef bar ausgezahlt – zur Vermeidung von Sozialabgaben und mit dem Ziel, Gewinne zu maximieren. Das geht auf Kosten der Kolleg/innen – die deshalb weniger Rentenansprüche und Ansprüche aus gesetzlichen Krankenkassen haben.

Auch in Sachen Auslegung bestehender arbeitsrechtlicher Bestimmungen sind Senior und Junior Krogmann erfinderisch. Das Bundesurlaubsgesetz und das Lohnfortzahlungsgesetz regeln Krankheitsfälle und jährlichen Mindesturlaub eindeutig, auch für Minijobber/innen: Bei bis zu sechs Wochen Krankheit gilt der rechtliche Anspruch auf Lohnfortzahlung. Dies gilt auch bei Urlaub. Jedoch nicht so im Privatrecht des ehrwürdigen Selbstständigen Krogmann: Wer mit Grippe im Bett liegt, bekommt auch keinen Lohn – so einfach ist das. Und wer sich den Lohnausfall bei Urlaub nicht leisten kann, na ja, der kann eben durcharbeiten.

So berichten denn auch Kolleg/innen von Krogmann, dass sie als Minijobber/innen zum Teil drei Jahre am Stück, bei einer Fünf-Tage-Woche, durchgearbeitet haben – ohne einen Tag Urlaub. Selbst mit Fieber sind sie zur Arbeit erschienen. Ach ja und natürlich geht das nicht ohne Druck vom Chef ab. Denn wer nicht durcharbeitet, die/der wird kräftig gemobbt und wenn nicht einsichtig, auch gekündigt. So konnte erst durch das Arbeitsgericht Bremen nach einer mündlich ausgesprochenen Kündigung einer Ex- Krogmann Beschäftigten der anschließende Lohn durchgesetzt werden. „Sachen packen und abhauen“ aus dem Munde des Chefs entspricht nicht im Ansatz den Normen, die für Kündigungen vorgesehen sind. Zunächst gilt für eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses die Schriftform und Fristen sind auch noch zu beachten. Im geschilderten Fall gab es eine erhebliche Lohnnachzahlung und eine Abfindung durch einen gerichtlichen Vergleich. Einzelfall eines knorrigen Alten, der mit Profiten durch prekäre Beschäftigung nebenbei ein Immobilienhai geworden ist? Nein! Dies ist tägliche Praxis in vielen Kleinbetrieben. Die Notwendigkeit für Unternehmen, im unerbittlichen Konkurrenzkampf mit anderen Unternehmen Gewinne scheffeln zu müssen, reißt bei so manchem Kleinunternehmen so ziemlich alle gesetzlichen Normen nieder, wenn niemand sich wehrt. Die Angst um den Job und damit das Einkommen und die Angst vor dem Hartz-IV-Bezug und dem Jobcenter sitzen tief, sodass die meisten Kolleg/innen nicht den Mut haben, sich zu wehren.

Aber die Zeiten werden besser: Die profitschaffende Ware Arbeitskraft wird knapper. Einen neuen Job findet sich immer. Wenn sich ein paar Leute zusammentun und lauf rufen: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld!“, können sie erfolgreich sein. Ohne die Lohnarbeiter/innen geht gar nichts!

Quelle: IWW Bremen

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