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„Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun“ – Der Underdog interviewt den Syndikalismus-Blog

6. Dezember 2014

solidaridad2Das Punkfanzine Underdog behandelt in seiner aktuellen Ausgabe den Anarcho-Syndikalismus als Schwerpunkt. Die BlattmacherInnen führten dazu Gespräche mit Genossinnen und Genossen aus selbstorganisierten und anarcho-syndikalistischen Gruppen und Projekten, darunter auch mit uns. Wir geben das Interview vollständig wieder. Wer lieber auf Papier liest, kann das Heft über den Webshop des Underdog bestellen. http://www.underdog-fanzine.de/shop/

UNDERDOG: Rudolf Rocker war einer der herausragenden Theoretiker des internationalen Anarchosyndikalismus. Wie realitätsnah ist seine Prinzipienerklärung in der heutigen Zeit und inwiefern ist diese eine verbindliche Richtlinie für die anarcho-syndikalistische Bewegung?

SYNDIKALISMUS: Rudolf Rocker hat viele treffende Analysen und Positionen formuliert, die nie abgehoben waren und auf realen gesellschaftlichen Fakten und Einsichten beruhten. Die Prinzipienerklärung stammt zwar aus seiner Feder, doch wurde sie von einem Kongress der Syndikalisten als allgemeine Grundlage angenommen und erhielt dadurch erst ihre Verbindlichkeit innerhalb der revolutionären und anti-autoritären Arbeiterbewegung.  Für uns vom Syndikalismus-Blog ist sie noch immer eine wichtige Richtschnur, denn sie behandelt sowohl die Fragen der Selbstorganisation im täglichen Kampf als auch die Sozialismusvorstellung der Syndikalisten. Natürlich sind wir heute mit einigen anderen Problemen und Herausforderungen konfrontiert, als zu der Zeit, in der sie verfasst wurde. Nehmen wir nur die Rationalisierung (über welche die Syndikalisten und speziell Rudolf Rocker aber ebenfalls grundsätzliche Aussagen getroffen haben), die technische Entwicklung  oder die heutige große Vereinzelung der Menschen innerhalb der Gesellschaft, bei einem gleichzeitigen numerischen Wachstum der Arbeiterklasse weltweit. Denn die Arbeiterklasse war noch nie so zahlreich wie heute.

Auf heutige Probleme und Fragen müssen heutige Antworten und Strategien gefunden werden. Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus ist dafür ein guter Ratgeber, eine gute Quelle der Reflexion und einer vorwärtsgewandten, nicht sektiererischen Ausrichtung. Was die Verbindlichkeit anbetrifft ist es so, dass sie von einem Gewerkschaftskongress der Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) als verbindliche Arbeitsgrundlage beschlossen wurde. Die FAUD gibt es nicht mehr. Organisationen und Gruppen die sich in ihrer Nachfolge verorten, haben sich diesen Text nicht als verbindliche Grundlage gegeben. Insofern ist sie eine verbindliche Richtlinie nur für jene, die sie als solche betrachten. Unserer Ansicht nach kann in ihr jeder lohnabhängige, erwerblose und Veränderung wünschende Mensch viele gute Anregungen und Ideen entnehmen. Sie ist für uns also keineswegs eine alte Kamelle.

UNDERDOG: Was sind die dringlichen Aufgaben des Anarchosyndikalismus?

SYNDIKALISMUS: Da gibt es so vieles, das zu tun ist! Wir sehen aber zwei generelle Bereiche. Zum einen müssen anarcho-syndikalistische Ideen und Kampfmethoden in den sozialen Kämpfen und den Betrieben sichtbar werden. Es muss ein Anspruch sein, über reformistische Ziele hinaus, eine revolutionäre Perspektive einer freien Gesellschaft zu vermitteln. Das ist auch eine der großen Stärken des Anarcho-Syndikalismus, dass er schlüssig erklären und aufzeigen kann wie eine neue Gesellschaftaufgebaut sein kann, in der weder kapitalistische Ausbeutung noch staatliche Unterdrückung existieren. Freiheit und Wohlstand für alle sind möglich durch die Selbstorganisation der Gesellschaft in Form von kommunalen Gruppen und Gewerkschaften, in der die Menschen aufgrund ihrer Eigenschaften als Konsumenten und Produzenten ihre Belange solidarisch und selbstbestimmt selbst regeln. Um dorthin zu kommen muss die Einsicht zur Notwendigkeit einer sozialen Revolution unter den ArbeiterInnen und von den Jobcentern malträtierten Klassenbrüdern- und Schwestern wachsen. Das geht natürlich nicht durch das Verkünden von Revolutionsphrasen, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit muss von den Menschen selbst kommen. Unsere Aufgabe muss es sein, dafür zu sorgen dass dieser Prozess unterstützt wird, und Menschen, denen es eine existentielle Notwendigkeit, ein elementares Bedürfnis ist, eine grundlegende Veränderung herbeizuführen, mit dem befreienden Anarcho-Syndikalismus in Kontakt zu bringen.

Der andere große Bereich besteht unserer Ansicht nach in der Bildung und Schulung, dem gegenseitigen „fitt machen“ der Genossinnen und Genossen für die anstehenden Aufgaben und der Vernetzung untereinander. Zum ersten Bereich gehört die Aneignung von Kenntnissen der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung und des internationalen Anarcho-Syndikalismus ebenso wie z.B. Arbeits- und Sozialrechte. Hier gibt es noch viel zu tun, denn diese Selbstbildung ist ein oftmals vernachlässigter Bereich in der aktuellen anarcho-syndikalistischen Szene. Ihr merkt schon, wir sprechen hier in Deutschland nicht von einer anarcho-syndikalistischen Bewegung sondern von einer Szene.  Erfreulicherweise sind wir nicht die einzigen, die das so sehen und einen realistischen Blick auf die Situation legen. In den letzten Jahren haben sich einige Initiativen und Gruppen gebildet die gerade der ArbeiterInnenbildung und der Geschichtsaneignung großes Gewicht beimessen. Beispielhaft sei hier auf das „Institut für Syndikalismusforschung“ und die „Arbeiterbörse für Literatur“ (Hoodbooks) verwiesen.

UNDERDOG: Wer soll mit euren Aktionen angesprochen werden? Wer ist die Zielgruppe?

SYNDIKALISMUS: Als Blog sind wir nun nicht wirklich in Aktionen eingebunden. Aber zur Zielgruppe können wir eine klare Aussage treffen: Alle die von Staat und Kapital ausgebeutet, benutzt und unterdrückt werden, in erster Linie also die Menschen aus der arbeitenden Klasse, Lohnabhängige, Erwerbslose, Hartz-IV-BezieherInnen, Jugendliche aus der arbeitenden Klasse und zwar sowohl mit als auch ohne deutschen Pass.

UNDERDOG: „Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!“ ist die Richtschnur eurer Arbeit. Wie kann euer Info-Blog denn dazu beitragen?

SYNDIKALISMUS: Wir haben diese Zeile aus der „Internationale“ bewusst gewählt. Denn sie sagt ganz deutlich aus, dass die grundlegende Veränderung nur dann stattfindet, wenn wir uns selbst dafür einsetzen. Wir brauchen also weder Parteien noch Hierarchien. Diese behindern die Befreiung. Genauso wie Macht korrumpiert, verändert sich auch bei Berufsfunktionären der Blickwinkel. Deswegen ist es elementar wichtig, dass die Aufgabe der sozialen Revolution von den ArbeiterInnen selbst-organisiert angegangen wird. Mit unserem Blog versuchen wir über anstehende und durchgeführte selbst-organisierte Aktionen zu berichten und begleiten Arbeitskämpfe kritisch-solidarisch, auch solche, die nicht von AnarchosyndikalistInnen geführt werden. Darüberhinaus informieren wir über eine Vielzahl politischer und sozialer Themen. Es geht uns dabei auch um die Bewusstseinsbildung. Die Formen der Unterdrückung sind vielfältig und die Anzahl der Feinde, die gegen Gleichberechtigung und Freiheit ins Feld ziehen oder den ungerechten Status Quo verteidigen, ist groß. Wir benennen sie. Die Öffentlichkeit, die wir erreichen, versuchen wir mit anarcho-syndikalistischen Ideen und Wertvorstellungen bekannt zu machen. Das scheint uns auch hin und wieder zu gelingen, wie uns Anschreiben von Interessierten immer wieder zeigen. An dieser Stelle überspringt der Blog dann auch die reine Information und wir vermitteln Kontakte zu bestehenden anarcho-syndikalistischen oder anarchistischen Zusammenhängen oder ermutigen zum Aufbau eigener lokaler Strukturen.

UNDERDOG: Was sind die charakteristischen Merkmale der kapitalistischen Ordnung und wie wirken sich diese auf Charakter und das Moralempfinden der Menschen aus?

revSYNDIKALISMUS: Über diese Merkmale und Auswirkungen könnte man ganze Bücher schreiben. Wir wollen euer Heft und dieses Interview nicht mit einer diesbezüglichen Analyse sprengen. Vielleicht können wir ja zu einem späteren Zeitpunkt einmal tiefer auf diese Fragestellung eingehen. Aber ein paar Sätze müssen wir dazu dennoch verlieren: Charakteristisch ist: Wer das Geld hat, hat die Macht und nahezu alles ist käuflich, wird zur Ware. Was das mit dem Moralempfinden zu tun hat? Es wird suggeriert das es nichts Unmoralisches  ist, Menschen auszubeuten und von der Ausbeutung zu profitieren. Die Ellenbogen-Mentalität und das Konkurrenzdenken gelten nicht als anrüchig sondern als „gesund“. Solidarität und Mitfühlen gilt als Schwäche. Der kapitalistische Ungeist will uns dazu noch weiß machen, dass „jeder seines Glückes Schmied“ ist und wer arm oder auf Hartz-IV angewiesen ist, „selbst Schuld“ sei.  Gleichzeitig werden arme Menschen als „Sozialschmarotzer“ beleidigt. Dabei ist die Wirklichkeit genau umgekehrt: Die Sozialschmarotzer finden sich in den höchsten Etagen der Banken, Firmen, Aktiengesellschaften und der Politik.  Wir hoffen und wünschen uns, dass die Menschen, die diese Dinge erkennen, ein gesundes Klassenbewusstsein und einen gesunden Hass auf die Verantwortlichen entwickeln, und sich an der revolutionären Überwindung all dieser Ungerechtigkeiten beteiligen wollen.

UNDERDOG: Warum kann eine neue, proletarische Klassenkultur nur aus der Gewerkschaftsorganisation entstehen?

SYNDIKALISMUS: Gegenfrage – Ist das so? Bedarf es wirklich ausschließlich einer Gewerkschaftsorganisation, um eine neue proletarische Klassenkultur entstehen zu lassen? Oder ist es doch eher eine idealistische Betrachtungsweise, die die Gewerkschaft als „Schule“ des Klassenkampfs und der emanzipatorischen Kultur sieht? Nicht das ihr uns falsch versteht. Wir sehen die Vorteile die eine wirkliche selbstorganisierte und verbindlich arbeitende Gewerkschaftsorganisation birgt und erbringen kann. Doch wir sehen sie nicht als Voraussetzung einer „neuen, proletarischen Klassenkultur“. Wie definiert ihr diese übrigens? Wir denken, dass eine solidarische und freiheitliche proletarische Kultur unter den Kolleginnen und Kollegen  im Alltag lebendig werden, sein, und sich entfalten muss. Sie kann durch eine entsprechende Gewerkschaftsorganisation, wenn diese nicht bürokratisch und methodisch-dogmatisch erstarrt (und mit weiteren Mängeln und Fehlentwicklungen behaftet ist)  ist, natürlich verstärkt und ausgeweitet werden. Dazu bedarf er aber einer grundlegenden Änderung des jetzigen Zustandes innerhalb der anarcho-syndikalistischen Szene, und diese sehen wir nicht. Werte wie Solidarität und gegenseitige Hilfe sind nicht an eine Gewerkschaft gebunden, sie können durch diese aber größer, stärker und verbindlicher werden. Dies ist natürlich anzustreben.

UNDERDOG: Die geschichtliche Identifikation bezieht sich zumeist auf Männer. Was ist von Frauen in der anarchistischen Bewegung erhalten geblieben?

SYNDIKALISMUS: Das ist eine gute Frage und wird von Land zu Land ganz unterschiedlich sein. Betrachten wir z.B. Frankreich, so sind die „Frauen der Commune“ und Louise Michel dort auch im Bewusstsein der Gesellschaft lebendig. In Spanien wird durch die zahlenmäßig starke anarcho-syndikalistische und anarchistische Bewegung regelmäßig  an die „Mujeres Libres“ erinnert, deren Biographien vorgestellt und diese für ihre antipatriarchalen, freiheitlichen und feministischen Ansichten und Aktionen geehrt. In den USA sind Emma Goldmann und Lucy Parsons ebenfalls Namen, die über anarcho-syndikalistische und anarchistische Kreise hinaus z.B. innerhalb der Arbeiterbewegung, bekannt sind. Für den deutschsprachigen  Bereich sieht das allerdings wieder anders aus. Hier gab es aber unabhängig von der anarchistischen Bewegung den „Syndikalistischen Frauenbund“, als Selbstorganisation von Frauen aus der arbeitenden Klasse. Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass Informationen über revolutionäre anarchistische und anarcho-syndikalistische Frauen in vielen libertären Gruppen gelesen und auch immer wieder diskutiert werden. Es ist generell ein beständiges Thema, ebenso wie die Auseinandersetzung mit Patriarchat und Gleichberechtigung.

UNDERDOG: Inwieweit wird das Thema „Herrschaftsform Patriarchat“ aufgegriffen und debattiert? Ist die anarcho-syndikalistische Bewegung männderdominiert und verdrängt emanzipatorische Aspekte und Ideen?

SYNDIKALISMUS: Wie gerade schon gesagt ist die Auseinandersetzung mit dem Patriarchat ein beständiges Thema. Dennoch ist die Bewegung, z.B. in Deutschland, Männerdominiert. Emanzipatorische Aspekte und Ideen werden jedoch nicht nur von Männern verdrängt. Dieses Verhalten gibt es auch von Frauen. Es ist also Geschlechtsneutral. Wer sich z.B. die sogenannte „Definitionsmacht“ ansieht, die ja auch in manchen anarchistischen Gruppen vertreten wird, kann sich schnell davon überzeugen. Grundlage von gemeinschaftlicher Arbeit müssen immer Respekt, Gleichheit, Basisdemokratie und das Hinterfragen eigener Verhaltensweisen und eine Selbstreflexion sein.

UNDERDOG: Ist die „Geschlechterfrage“ also bedeutungslos im Hinblick auf Gesellschaftsanalyse und Utopie?

SYNDIKALISMUS: Natürlich nicht. Sie ist eines der wesentlichen Elemente im Kampf für ein gleichberechtigtes, freies und selbstbestimmtes Leben. Durch das Patriarchat werden Menschen in Rollenmuster gezwängt, Frauen erhalten weniger Lohn trotz gleicher Arbeit und Männer haben in vielen Gesellschaften noch immer einen höheren Stellenwert als Frauen. Das muss alles beendet werden. Herrschaft muss in allen ihren Formen beendet werden. Die sexuelle Selbstbestimmung, Freiheit und Achtung sind untrennbare Bestandteile der sozialen Befreiung.

UNDERDOG: Zurück zum Klassenkampf. Die marxistisch-leninistische Lehre von der sozialen Revolution ist von grundlegender theoretischer und praktischer Bedeutung sowohl für das Verständnis des Geschichtsprozesses als auch für die Führung des proletarischen Klassenkampfes. Der Übergang zur sozialistischen Gesellschaftsformation ist im realen praktischen Versuch weltweit gescheitert. Wie kann der kommende Sozialismus erfolgreich aufgebaut sein?

SYNDIKALISMUS: Jetzt hast du uns wirklich zum Kopfschütteln gebracht. Denn der Marxismus-Leninismus (Stalinismus, Maoismus, Trotzkismus) sind Beispiele dafür, wie man die Arbeiterklasse nicht befreit sondern unter neuen, diesmal „roten“, Herrschern versklavt und ausbeutet. Die Lehre des Marxismus-Leninismus ist für den Klassenkampf und die Befreiung völlig unbrauchbar. Anstatt der Selbstermächtigung der Arbeiter und Unterdrückten führt sie zu einem autoritär-zentralistischen Staatswesen, an dessen Spitze eine allmächtige Hierarchie und „Führung“ steht und die Menschen in uniforme Muster zwingt. Der ML propagiert eine revolutionäre Partei. Die ist aber so überflüssig und kontraproduktiv wie ein Kropf. Selbstorganisation, gemeinsame Entscheidungsfindungen, Solidarität von unten, „Lokalismus“ und Föderalismus, gemeinsame Weiterbildung, gemeinsame Interessen („Klasseninteressen“), das sind die Grundlagen, auf denen eine erfolgreiche Revolution aufbaut. Der Sozialismus in den „real-sozialistischen Ländern“ „scheiterte“ nicht, er wurde von Anfang an von der bolschewistischen Partei hintertrieben, die die wahren Selbstorganisationen der Arbeiterklasse, im revolutionären  Russland z.B. Arbeiterräte und Fabrikkomitees illegalisierte und bekämpfte. Schau einmal in das Buch von Volin, die „verratene Revolution“, dort finden sich zahlreiche detaillierte Berichte darüber.

Für uns haben die Revolution der Machnowtschina in der Ukraine (1920) und die soziale Revolution der von anarcho-syndikalistischen Überzeugungen getragenen Arbeiterklasse in Spanien 1936 erstmals in der jüngeren Zeit einen positiven Ausblick auf eine wirklich sozialistische Gesellschaft beinhaltet. Beide Bewegungen wurden von den Bolschewisten auf das blutigste bekämpft, verleumdet und unterdrückt. Dazu kamen dann noch erschwerend selbst gemachte Fehlentscheidungen innerhalb der anarcho-syndikalistischen und anarchistischen Bewegung Spaniens.

Übrigens taugt der ML auch nicht für das Geschichtsverständnis, da er größtenteils in simplen Schwarz-Weiß-Kategorien denkt und psychologische Bedingungen und auch das Patriarchat ausklammert.

Ein „kommender Sozialismus“ muss, und da wiederholen wir uns, auf der Selbstorganisation der Arbeiterklasse und der Selbstverwaltung von Betrieben, Kommunen und Gesellschaft basieren. Er muss die Freiheit und Verschiedenheit des Individuums respektieren und verteidigen. Das in diesem Prozess jegliches Privateigentum an den Produktionsmitteln in die Verfügungsgewalt aller übergeht ist selbstverständlich. Ebenso wie es eine revolutionäre Wachsamkeit gegenüber neuen Formen der Herrschaft und einer Bürokratisierung geben muss.

UNDERDOG: Wie sind anarcho-syndikalistische Inhalte in deinem Alltagsleben eingebunden?

SYNDIKALISMUS: Sie finden sich im Verhalten untereinander wieder, in der gegenseitigen Hilfe und natürlich in der Diskussion mit KollegInnen, MitschülerInnen und hin und wieder auch den Nachbarn. Es beginnt beim bemühen, auf eine möglichst leicht verständliche Art, Antikapitalismus und Selbstorganisation in die Diskussionen und Überlegungen einzubringen und reicht bis hin zu den Fragen, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen soll. Die Ansatzpunkte sind dabei sehr vielfältig. Sei es die Lohnarbeit und die Armut, oder die Umwelt und die Schule. Die Erziehung durch die Eltern etc. Je nach Gesprächspartner und Gegebenheit kann man mal tiefer auf bestimmte Sachen eingehen oder es bleibt eher an der Oberfläche. Im Betrieb bringen wir z.B. Themen wie „Dienst nach Vorschrift“, langsamer Arbeiten, einhalten von Pausen, das Verweigern von Überstunden (Die Bosse sollen neue KollegInnen einstellen!) und offensivere Kampfmethoden wie Streiks und Sabotage in die Diskussion.

One Comment leave one →
  1. Momo permalink
    6. Dezember 2014 19:47

    Schönes Interview.
    Das Buch von Volin heißt aber „Die unbekannte Revolution“, obwohl verraten heute besser passt als unbekannt. Ich bin es gerade am Lesen, kann es auch nur sehr, sehr empfehlen!

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