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Kurzbericht vom Protest gegen den Parteitag des Front National in Lyon

30. November 2014

antifnDen folgenden Bericht von candp über die Proteste gegen den Parteitag des pro-faschistischen Front National in Lyon übernehmen wir von Linksunten Indymedia.*

Der FN gibt sich auf seinem zweitägigen Parteitag in Lyon rechtsbürgerlich. Zwar kann man an den Einlasskontrollen vor der Halle noch die eine oder andere Glatze sehen, die für Ordnung sorgt, ansonsten dominieren aber die Schlipsträger. Frauen sind hoffnungslos in der Minderheit beim FN, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass neben Parteichefin Marine Le Pen, die die nächste Präsidentin in Frankreich werden will, nun auch Marion Le Pen, die Enkelin von Parteigründer Jean-Marie Le Pen, in die Parteispitze aufrückt.

Auf dem Parteitag absolvieren Geert Wilders und Heinz-Christian Strache von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) ihre erwarteten Gastauftritte, aber auch Andrej Isajew, Mitglied von Putins Partei “Einiges Russland” und stellvertretender Vorsitzender der Duma, tritt ans Mikrofon. Die Russen unterstützen auch den Wahlkampf des FN mit einem Millionenkredit. Medienberichte sprechen von einem 40 Millionenkredit der First Czech Russian Bank, bestätigt hat der FN bisher nur ein Darlehen in Höhe von 10 Millionen Euro. Der FN scheint ein strategisches Bündnis mit Putin eingegangen zu sei. Marine Le Pen traf sich im April mit führenden russischen Politikern, darunter Parlamentspräsident Sergej Naryschkin. Auch kursieren Informationen, dass sie sich kürzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Putin selbst, für den sie wiederholt öffentlich geschwärmt hatte, in Moskau getroffen habe. In einem “Europa der Völker”, das die derzeitige Denke der Neuen Rechten repräsentiert, sind die homophoben, reaktionären gesellschaftlichen Vorstellungen des russischen Machtapparates für Le Pen, Wilders und Co von besonderer Attraktivität.

Zur umfangreich beworbenen Demo gegen den Parteitag des FN erschienen nur enttäuschende 4000 Leute. Angetreten waren das übliche Spektrum von einigen Vertretern der PCF bis zu aus Paris angereisten Leuten von L’Action Antifasciste Paris-Banlieue. Bei der NPA trug mindestens jeder zweite eine Fahne, was eine bewährte Strategie ist, um den eigenen Block besonders groß wirken zu lassen. Ein Vorgehen, das in Lyon auch von den Anarcho Syndikalisten angewandt wurde. Nach einem behäbigen Auftakt mit den üblichen Reden kam schnell Bewegung in die Sache, weil der autonom/anarchistische Block den vorhandenen Raum auf der Demo für direkte Aktionen nutzte. Die Bullen ließen sich nicht lange bitten und griffen die Demo direkt an. Besonders glücklich dürften sei aber an diesem Tag nicht mit ihrer Strategie geworden sein. Obwohl etliche Straßen mit Absperrgittern und WaWe’s blockiert waren und auch Reizgas großzügig spendiert wurde, zog sich die ganze Angelegenheit dann doch über Stunden hin. Zwar schrumpfte die Demo durch die immer weiter gehenden Angriffe der Bullen auf zum Schluss unter 1000 Leute, jedoch hatte sich der betont aktivistische Teil da eh schon verabschiedet und zerschlug lieber etliche Fensterscheiben  jenseits der Demo Route. Die Bullen trabten dabei völlig überfordert immer hinterdran.

Hinterher war das Gejammer bei der etablierten Linken groß, es gab sogar Beschwerden, das die Bullen nicht konsequent genug gegen die “Randalierer” vorgegangen seien, die bürgerlichen Medien berichten von “auswärtigen Krawallmachern”, u.a. aus der BRD und Italien.  Dominierend waren aber in Lyon die Sprechchöre “Bullen, Mörder”, die immer wieder aus der Demo hallten, sowie der Kontrollverlust der zahlenmäßig beeindruckend aufmarschierten Staatsmacht. Unterdessen gehen auch die Aktionen in Frankreich nach dem Mord an Remi gegen die Bullen und die sie beliefernden Unternehmen weiter.

Quelle: Linksunten Indymedia

* Anmerkung Syndikalismus: Die Falschinformation im Ursprungstext über die Parteizugehörigkeit von Strache wurde von uns korrigiert.

2 Kommentare leave one →
  1. La manifestation anti-FN dégénère / Lyon (69) - France 29 novembre 2014 permalink
    1. Dezember 2014 00:02

    La manifestation anti-FN dégénère / Lyon (69) – France 29 novembre 2014

  2. Momo permalink
    2. Dezember 2014 06:04

    Da treffen sich 4000 Leute, um öffentlich zu sagen: Wir finden die Partei doof. Und dann gibt es eine riesige Bullen-Schlägerei und kaputte Scheiben.
    Ich stelle mir eine Person vor, die sich von der FN ein wenig angezogen fühlt, weil sie arm ist, ihre Arbeit nervt, und das Leben einfach Scheiße ist. Und die FN bietet ihr eine scheinbare Lösung, eine, die andere Parteien seit Immer ihr nicht bieten konnten (weil keine Partei es kann, aber darauf kommt die Person von selbst nicht, weil sie durch ihre stumpfsinnige Lohnarbeit einen zu kleinen Horizont bekommen hat). So, und dann gibt es eine Gegenbewegung. Und sie ist entweder verwirrt, dass da Leute gegen sind, oder steckt sie, was wahrscheinlicher ist, gleich in eine Schublade. Und bei anarchistischen und linken Demonstranten wird vermutlich die Chaoten-Randalierer-Schublade sein. Und dann findet die Demo statt, und die Leute aus der Chaoten-Randalierer-Schublade liefern sich eine Straßenschlacht mit den Bullen und zerschlagen wahllos Schaufenster. Sie bleiben also in der Schublade, besser, sie werden noch tiefer hinein geschoben, und die Lade wird fest zugeschlossen.

    Einige werden jetzt sagen: Aber Leute, die in Schubladen denken, wollen wir eh nicht erreichen. Mir doch egal, was die denken, die sind eh dumm! OK, aber wen wollt ihr denn erreichen? Entweder solche, die FN eh schon scheiße finden, solche, die FN (eher) gut finden, oder solche, denen es scheißegal ist. Für erstere braucht man keine Demo, denn sie sind ja schon überzeugt. Die zweite Gruppe sind wie die Person, die ich oben beschrieben habe, sie sind abgeschreckt (oder auch eh zu überzeugt, um sich von einer Demo beeinflussen zu lassen). Und letztere werden sich nicht mit dem Thema beschäftigen, wenn sie es vorher auch nicht gemacht haben, und wenn sie es in den Nachrichten lesen, werden sie wohl genau so reagieren, wie die Person oben.
    Was bringt die Demo also? Sie zeigt den eigenen Leuten: Sooo stark sind wir!! Sooo viele Bullen kommen wegen uns. Und sooo viele Wasserwerfer. Sooo toll lassen wir uns verprügeln und sooo toll verhaften. Denn das ist sooo cool und widerständig! Und wir können sogar sooo viele Schaufenster einschlagen! Boooaaah, da kriegen Autonom-Boy, -Girl und -Trans soooooo große Augen! Toll!

    Dann gibt es noch den Einwand: Das ist aber voll unfair, dass die Demo auf die (wenigen) Krawallmacher reduziert wird! Die meisten wollten doch nur friedlich demonstrieren. Dazu meine ich: Dann sind sie doof genug, auf so eine Demo zu gehen! Denn sie wird in der Öffentlichkeit und von allen, die sich oberflächlich damit beschäftigen, ohnehin auf das Ereignisreichste (hier Gewalt und Krawall) reduziert. So ist es nun mal, und damit muss man sich abfinden, wenn man auf Demos gehen will. Und so läuft es auch schon seit Jahrzehnten, und wer das immer noch nicht gecheckt hat, und die Demo immer noch für eine wirksame „Direkte Aktion“ hält, den kann ich nur dumm nennen.

    Was eine friedliche Demo für einen Nutzen haben soll, das ist eine andere Frage, die ich hier jetzt nicht diskutieren möchte, nur soviel: Lieber handeln statt betteln!

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