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Generalstreik in Griechenland

28. November 2014

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Mit einem erneuten Generalstreik wehrten sich am Donnerstag die Lohnabhängigen Griechenlands gegen die fortgesetzte Kürzungspolitik der Regierung. Diese wird auch nach Auslaufen des »Rettungsprogramms«, das dem Land von EU und Weltwährungsfonds (IWF) aufgezwungen wurde, unvermindert fortgesetzt. Für einen Tag blieben Schulen, Behörden und Großbetriebe geschlossen, die Schiffe im Hafen und die Züge in den Bahnhöfen. Im Flugverkehr fielen mehrere hundert Flüge aus. In den Medienhäusern wurde bereits am Vortag gestreikt, so dass am Donnerstag keine Tageszeitungen erschienen. Auch von den harten Steuererhöhungen und der allgemeinen Senkung der Kaufkraft in ihrer Existenz bedrohte Inhaber kleiner und mittlerer Handels- und Handwerksbetriebe hatten sich dem Ausstand angeschlossen.

Der gestrige Generalstreik richtete sich konkret gegen den dem Parlament zur Abstimmung vorgelegten Haushaltsentwurf, der weitere Lohnkürzungen, Entlassungen und Privatisierungen öffentlicher Dienstleistungen vorsieht Zeitgleich stockten in Paris die Gespräche zwischen griechischer Regierung und Troika über den Umgang mit dem Auslauf des Kreditprogramms.

Von den durch in- und ausländische Medien geisternden Erfolgsmeldungen über die Griechenland oktroyierten Kürzungsmaßnahmen ist im Land selbst jedoch wenig zu spüren. Angebliche Fortschritte wie die Erzielung eines Primärüberschusses im Staatshaushalt oder 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum für 2014 nach Jahren starker Rezession seien »nur Zahlen, die nichts Reales aussagen«, meinte eine Teilnehmerin des Streiks im Gespräch mit der Zeitung. »Auch stehen diesen Zahlen 2,5 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, mehr als 1,5 Millionen Arbeitslose und Millionen ohne Zugang zum Gesundheitswesen gegenüber«, fügte die in der Gewerkschaft der Mittel- und Oberschullehrer organisierte Pädagogin hinzu. Entscheidend sei, was in der Gesellschaft passiere: Vierzigjährige, die nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes erneut von den Eltern ausgehalten werden müssten, ganze Generationen, die den Glauben an die Zukunft verloren hätten. (…)

Quelle: jw

3 Kommentare leave one →
  1. Kaputt machen, besser machen permalink
    29. November 2014 08:01

    Interessant, dass zwar der Generalstreik erwähnt wird, weil er schlecht geleugnet werden kann, aber gleichzeitig nicht bewusst darüber reflektiert wird, was das eigentlich für ein Mittel ist und warum es genau angewendet wird usw.

    Man merkt bei dieser unbewussten Schreibweise der JW, dass der Bevölkerung noch kein Stück Klarheit über dieses Phänomen im Klassenkampf herrscht.
    Wäre nämlich eine gefestigter und klarer Standpunkt bei den Beherrschten darüber vorhanden, könnte die Jounaille nicht mehr einfach so über solche Erhebungen schreiben, ohne die eigentliche Methode eines Wortes zu würdigen.

    Ohne die Klarheit über die wichtigsten Kampfmittel des Proletariats, kann es keinen revolutionären Fortschritt geben.
    Ohne die Erkenntnis, dass die Gesellschaft auf wirtschaftlicher Gundlage basiert und bügrerlicher Radikalismus (vegan, queer, öko, Pazifismus, …) als Politikum nur einen unbedeutenden Teil des Voranschreitens im emanzipatorischen Sinne ausmacht, wird es gar kein Vorankommen geben – denn das Politische fließt automatisch in die Bahnen, die ihm vorbestimmt sind und wird immer Teil des Zentralismus bleiben. Um das Organisationsprinzip dieser Gesellschaft, das in allen Lebensaspekten seine negativen, feindlichen Folgen äußert, zu ändern, muss die Gesellschaft von Grund auf geändert werden.
    Das führen die meisten bürgerlichen Anarchisten und Aktivisten zwar auf den Lippen, aber sie meinen damit Probleme wie Ausgrenzung „gaaanz raaadikaaal“ zu diskutieren.
    Die Meisten tragen dabei nicht mal die Freiheit als Ziel für alle in ihrem Herzen, sondern einen bestimmten soziologischen Zustand, der nur ungleich zu „Diskriminierung“ ist – eine fatale Fehleinschätzung des menschlichen Lebens, welches – erst einmal in bestimmte Formen gepresst – zu einem autoritären Siechtum zurückkehren muss.
    Nein, diese Leute nehmen aktuell alle an, dass man über die Politik – ein Mittel was sie den Autonomen entliehen haben – die Gesellschaft ändern kann. Das Diskutieren, das Demonstrieren und das „Ausgrenzungsmechanismen sichtbar machen“ ist aber immer nur ein Appell an andere. Es ist noch kein konstruktirver Sozialismus und noch keine Selbstorganisation. Selbstständig mit anderen zu diskutieren, ist menschlicher Alltag – kein revolutionärer Akt.
    Revolutionäre Tiefe erlangt eine Bewegung erst, wenn sie die Wurzel des Übels angreift – die Wurzel unserer heutigen fatalen Situation ist die wirtschaftliche Zwangslage, künstlich der Gesellschaft durch Staat und Eigentum aufgepfropft.

    Bevor sich hier in Deutschland keine Bewegung etabliert, die sich selbst Verbesserungen verschaffen will, im Sinne wirtschaftlicher Selbstorganisation und Hilfsorganisation, die sich über das politische Gehabe hinwegsetzt, wird sich keine Besserung bemerkbar machen.
    Im Grunde läuft es hier doch immer gleich: Diejenigen, die revolutionäre Veränderungen herbeiführen wollen, sind in der Minderzahl, weil beständig das Dogma der Eroberung der politischen Macht im Raum steht. Wenn es auch nicht die Macht sein soll, so ist das Primat des Abstrakten, des Geistigen und des Politischen doch über all überragend.
    Dieses Problem führt immer wieder dazu, dass sich statt wirtschaftlicher Selbstorganisation bürgerliche Parlamente konstitutieren. Die Ökobewegung ging in ihren Anfängen mit den Anarchisten zusammen. Aber die versäumten in die Tiefe ihrer Idee vorzudringen und eine echte kraftvolle, selbstbewusste Propaganda zu entfalten. Das Ende vom Lied sind all die Joschk Fischers, die wir so lieben.
    Mit einigen Linken-Politikern ging es ja auch so – sie alle sind jetzt Gefangene eines politischen, schwerfälligen Apparats und sitzen da, wo sie immer hin wollten, ohne dass es sich irgendwie auswirken würde, weil eben hier nicht der Schalter für gesellschaftliche Veränderung liegt.

    Beständig erleben wir, wie die wirtschaftlichen Zusammenkünfte der Herrschenden zu Veränderungen unseres Lebens führen, zu Veränderungen der Politik des Staates, ihrem Instrument.
    Erst neulich äußerte sich Bloomberg TV in einer Szene, welche ein Treffen von Merkel, Obama u.a. zeigte, mit einer Headline, die lautete „Is this political?“
    Sie haben uns dieses Spielzeug der Politik in Jahrhunderten andauernden Kämpfen abgetreten, aber ihr echtes Zentrum haben sie geschickt vor uns ferngehalten. Wir stürzen uns wie die Aasgeier auf Reste und Kadaver, statt uns die frische Beute selbst zu schlagen.
    „Veganismus“ und „Containern“ illustriert das Ganze ja trefflich.
    Warum die Beherrschten nicht aufwachen und ihre Taktiken, sofern sie in Deutschland überhaupt Taktiken anwenden, nicht einer grundlegenden Revision unterziehen, wo dies sogar die Faschisten machen, in ganz Europa, seit Jahren, ist eine wichtige Frage.
    Hat uns die geistige Flexibilität verlassen? Sind die Anarchisten heute die Spießer?
    Das trockene Schlagwörtertum unserer Reihen interessiert keinen mehr und wirkt in den seltensten Fällen attraktiv auf Außenstehende. Darauf wird nicht reagiert.
    Die praktische Betätigung ist gemessen am Bekunden unseres Endziels mehr als gering. Auch das ist seit Jahrzehnten so – man sehe sich eine FAU an, die seit ~ 30 Jahren existiert, aber noch keine wirklichen Strukturen geschaffen hat, sondern von Ortsgruppen durchsetzt ist, die immernoch am Autonomen-Ansatz festhalten, obwohl sie sich als anarcho-syndikalistisch bezeichnen, usw.

    Die Verzerrungen in unserer Bewegung sind unser Untergang. Der Untergang der freiheitlichen Bewegung in Deutschland sind Menschen, die sich stumpf und faul in unseren Gruppen niederlassen, politische Schlagwörter gegenseitig austauschen und sie in irgendwelchen Formen, in „Protest“ usw. äußern, aber keine lebendigen Impulse erschaffen, die gesellschaftliche Grundlage zu verändern. Ohne praktische Betätigung seit Jahrzehnten, ist ihr Geist verkümmert und sie sind nur noch Kopien des Gewesenen.
    Man sehe sich eine Graswurzel-Truppe an, die ernstlich behauptet, der Pazifismus sei eine anarchistische Angelegenheit – hier merkt man sofort, wie sehr doch die Cliquenwirtschaft bei uns Einzug gehalten hat. Unfähig zu praktischer Betätigung haben diese Promis der deutschen Szene erst kürzlich auf einer Buchmesse anonym geäußert, dass sie stets den „reinen Pazifismus bewahrt haben“ und sich ernstlich darüber aufgeregt, dass kurdische Frauen mit Waffen in der Hand bei Spendenaufrufen abgebildet werden – ja sie haben sogar kritisiert, dass die Kurden sich überhaupt ihrer Abschlachtung durch den Islamischen Staat widersetzen, weil das „reine Prinzip“ damit nicht konform geht.
    Genossen – solch eine Haltung zeigt die äußerste Zerrüttung unserer Bewegung an und die Unfähigkeit ihrer Träger noch auf die echten Belange des Lebens Bezug zu nehmen. Wir müssen aus dem Zustand des Irrenhauses und der politischen Spielwiese runter in eine seriöse wirtschaftliche Kampforganisation treten, sonst ist hier alles verloren.

    Auch für Europa nehmen wir eine verantwortliche Haltung ein, denn Deutschland ist in vielen Dingen der Reaktion ein Vorreiter. Türkische Kollegen weisen mich bei Demonstrationen in der Nähe unseres Arbeitesplatzes gerne daraufhin, dass ja die Fussballfans in der Türkei viel mehr randale machen, weil die Polizei weniger „stark“ sei, als in Deutschland – hier aber sei sie „vorbildlich“, nicht würde passieren…. aber auch andere Beispiele zeigen diese Vorreiterolle, allen voran die wirtschaftliche Ausbeutung, die zwar in anderen Ländern materiell weniger gedeckelt wird, aber die hier in einer Hörigkeit ausartet, die einfach nur krank ist.
    Dieser Hörigkeit, die wir zu allererst brechen müssen, rücken wir mit politischer Religion nicht zu Leibe, sondern verstärken sie durch die Unzulänglichkeit dieser politischen Einseitigkeit nur noch.

    Sieht man sich die Ereignisse in Griechenland an, so kann beim Generalstreik sagen, dass sich zwar kein großartiger perspektivischer Weitblick in den Massen Bahn bricht, wohl aber ein gesunder Instinkt – denn ohne eine gehörige Protion Zusammengehörigkeitsgefühl kann so ein Generalstreik nicht stattfinden. Die Tatsache seiner kurzen Dauer – ein Tag oder? – bezeugt dabei natürlich noch den Mangel an Bewusstsein und Erziehung, den die Menschen bislang erfahren haben.
    Wenn wir dieses Urteil fällen, und daraus unseren Nutzen ziehen wollen, dann müssen wir dieses Verhältnis auf unsere Verhältnisse übertragen: Bei uns ist nicht mal das drin!

    Die nächsten Schritte unserer Bewegung, der anarchistischen, wir der anarcho-syndikalistischen müssen sein, Einhalt zu gebieten, der politischen Einseitigkeit, Zurückschrauben des Schlagwörtertums und Bereinigen aller Internetseiten, Foren, Zentren und Treffpunkte von dieser schmierigen Subkultur der Szene, die alle Außenstehenden als naiv und vertrauensunwürdig empfinden.
    Nach diesem persönlichen Reinigungsprozess müssen Zweigstellen eingerichtet werden, die zwischen anarchistischer Bewegung und syndikalistischer Bewegung bestehen, damit sich die Genossen so verteilen können, wie es ihr Streben nahelegt – „reine“ Anarchisten und ihr heute dogmatischer Standpunkt haben in den wirtschaftlichen Kampforganisationen nichts zu suchen, können wohl aber – nach einiger geistiger Klärung – in der anarchistischen Bewegung wieder schöpferische Tätigkeit entfalten.
    Diese Zweigstellen müssen ein planmäßiges Zusammengehen ermöglichen, welches sich in der ersten Zeit auf einen nach Innen gerichteten Bildungs- und Erziehungsprozess richtet um dann nach dem Erreichen der primären und sekundären Grundlagen des freiheitlichen Gedankens, nach Außen zu treten und eine neue Literatur, eine ganz neue Propaganda zu entfalten. Auch das Auftreten darf nicht mehr die Verwechselung von freiheitlicher Bewegung mit diversen Subkulturen nahelegen.

    Ziel muss es mittelfristig sein, wirtschaftliche Selbstorganisation in eigenen Betrieben zu etablieren, für unsere Gewerkschaft zu werben und sie zu vergrößern, nachdem sie von allen szenigen und subkulturellen Einflüssen und Verzerrungen bereinigt wurde.

    Wichtig ist und bleibt die unangenehme Aufgabe über eigene Verzerrungen aufzuklären und diese klar zu erkennen: Dogmatische Verknöcherung und Kontraproduktivität der IAA, lebensfeindliche Einstellung der Pazifisten, Tierfreunde und anderer Politniks unter uns sowie der politische Standesdünkel und szenige Arroganz, die unlängst zum Zusammenbruch des Café Libertad Kollektivs geführt haben, müde lächelnde Lehrerhaftigkeit von Wortführern und Gurus aus den eigenen Reihen und viele andere Dinge, die wir aufarbeiten müssen.

    Kapseln wir uns weiter ab, vertrocknen wir weiterhin in Abstraktion statt in konstruktivem Sozialismus, so werden wir niemals unserer Idee ans Licht verhelfen können und ewig dieser würdelose Spielball der wirtschaftlichen Diktatur bleiben.

  2. Am Generalstreik kann man unser Defizit sehen permalink
    30. November 2014 16:35

    In dem vorhergehenden Leserbrief finde ich manches Wahre aber auch Dinge, die man so nicht stehen lassen kann. Ich greife nur eine Sache heraus, die Verächtlichmachung des Pazifismus als bürgerlich. Diese Verwendung eines Begriffes (bürgerlich) gehört genau zum genannten Bereich des „Schlagwörtertums“, das wir los werden müssen. Das ist nicht nur dumm sondern auch unfair, weil die Nicht-Gewalt-Anwender in der Realität meist praktischer und erfolgreicher sind als die Gewehrschüttler.
    Mein Punkt: Wenn die Leute, die sich als anarchistisch und syndikalistisch definieren, konsequent und effektiv arbeiten wollen, dann ist eins zu tun, was momentan völlig brachliegt, sich um die ökonomische Hauptfrage Gedanken zu machen. Es muss dann welche unter ihnen geben, die an der Frage arbeiten, wie die Großwirtschaft in die Selbstverwaltung der Produzenten gebracht werden kann – die sie überhaupt wieder stellen! Generalstreik fordert aus seiner Logik heraus diese Antwort. Das bedeutet dreierlei: diese Notwendigkeit und Möglichkeit als Ziel zu benennen, die schlechte innere und äußere Funktion des Manager/Aktiengesellschaftskapitalismus immer wieder aufzuzeigen und Ideen zu spinnen, wie die Eigentumsvertreter aus der Wirtschaftsleitung gedrängt werden können. Eine vollständige Theorie darüber ist im Vorhinein weder möglich noch nötig. Das wichtigste ist erstmal, den Fokus dorthin zu verschieben und damit aufzuhören, gelegentlich von alten Räte-Modellen und dergl. als vorhandene Lösung zu reden, die leider kaum jemand mehr kennt. Die Modelle müssen aus der heutigen Wirklichkeit neu heraus gedacht werden und wir müssen die heutigen Menschen mit ihrem Bewußtsein einbeziehen. Wir dürfen uns da nichts vormachen: nicht Kleinkollektive, Lohnumfragen im Gaststättenbereich oder Marxismus-Anarchismus-Verbrüderung können die Bevölkerung davon überzeugen, dass sie auch selbstverwaltet leben könnte. Jede/r arbeite da, wo er/sie es am besten kann, am dringendsten wäre allerdings, Energiewirtschaft, Transportwesen, Landwirtschaft und und und sozialistisch umzudenken (denn der Geist geht voraus).
    Obwohl auch ein altes Konzept und so nicht mehr vorschlagbar, ist der Gildensozialismus eine sehr gute Anregung und Messlatte dafür, was zu leisten ist: http://williammorristexte.com/2014/10/12/g-d-h-cole-selbstverwaltung-in-der-wirtschaft/

    • Kaputt machen, besser machen permalink
      30. November 2014 19:39

      Es geht im Grunde darum, die praktische Betätigung im Wirtschaftsbereich wieder aufzunehmen um daran unsere aktuellen Vorstellungen zu korrigieren. Da stimme ich dir zu.

      Aber „weil der Geist voraus geht“, darf er nicht pazifistisch verseucht sein, sondern darf erst gar keine Dogmatik entwickeln – auch nicht diejenige eines „Gewerhschüttlers“, das ist genauso wahr. Aber wie gesagt, es ist die Praxis, die Wirtschaft, an der wir uns messen müssen – und da müssen wir, um gute Arbeit leisten zu können, den Kopf frei haben. Keine Religion!

      Um anziehend auf andere zu wirken und unsere Kräfte zu vergrößern, müssen wir auch das Gehabe der Szene ablegen, die – aufgrund des Mangels an Praxis – in ihren Schlagwörtern gefangen ist und diese überall wiederholt. Das schreckt andere ab, denn die haben das Gefühl einer betenden Sekte gegenüber zu stehen.

      So und jetzt nochwas zum Begriff „bürgerlich“, nachdem ich dich bezüglich des Pazifismus bereits widerlegt habe:

      Das bürgerliche Parlament etablierte sich, als die Kraft der Arbeiter und Bauern dadurch geschwächt wurde, dass ihre Forderungen nicht mehr wirtschaftlich und durch sie selbst, sondern politisch und durch das Bürgertum vertreten wurden.
      Markenzeichen des Bürgertums ist politischer Radikalismus – also eine Art Verlagerung und Überkompensation, weg vom eigentlichen Übel (Wirtschaft), aber dafür umso pompöser und „überradikaler“ mit Worten. > Politik labern, anstatt ihr wirtschaftliche Ausformungen zu geben.
      Pazifismus ist auch nur eine Facette dieses „Radikalismus“ – der nur ein scheinbarer Radikalismus ist, denn er geht ja gar nicht bis zur Wurzel. Er besagt nichts anderes, als dass das Wesen eines Menschen sich nicht frei und nach seinen Entscheidungen entwickeln darf, weil das „der Frieden“ so will. Da könnte man jetzt auch Hitler, Gott oder Stalin einsetzen – es ist egal – das Wesen der politischen Religion ist erfüllt.

      So und jetzt noch zu deinem Denkfehler, der sich dadurch zeigt, dass du „Gewehrschüttler“ den Pazifisten gegenüberstellst:

      Der „Gewehrschüttler“, also ich vermute mal jemand, der alle möglichen Probleme in der Gesellschaft mit Gewalt und Exekution lösen will, ist nichts anderes, als jemand, der ebenso an seine politische Religion glaubt.
      Man bezeichnet ihn nicht als Menschen, sondern er trägt den Beinamen „Gewehrschüttler“, weil er sein selbstdenkendes und selbstbestimmtes Menschen-Wesen abgelegt hat und zu einem „Gewehrschüttler“ geworden ist. Genauso sieht es mit allen Pseudo-Radikalinskis aus und das alles ist religiöses Verhalten.
      Deswegen ist nicht der Pazifist das Gegenteil des Gewehrschüttlers, sondern der freie und frei denkende Mensch mit Selbstbewusstsein.

      Es steht eine gänzliche Revision des freiheitlichen Strebens an und zwar so schnell und so gründlich wie möglich. Dabei müssen Verzerrungen der letzten Jahrzehnte niedergerissen werden um neuen Impulsen Bahn zu brechen. Wir müssen praktisch die Revolution in unseren eigenen Reihen, zunächst jedoch in uns selbst vollziehen, um im Großen, in der Gesellschaft weitermachen zu können.

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