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Wie ich aufgehört habe mich über “catcalling” zu ärgern…

14. November 2014

sokannsgehen…und gelernt habe Leute zu schlagen.

Das “catcalling”-Video aus der letzten Woche ist viral gegangen und es finden sich bereits viele Diskussionen darüber im Internet. Es sieht so aus, dass einige beleidigt waren, als sie gelernt haben, dass das, was sie tun “Belästigung” genannt wird.

Der Gedanke über “catcalling” zu schreiben (ehrlich gesagt kannte ich den Begriff gar nicht, bevor ich das Video gesehen habe und finde auch den Namen selbst extrem nervig) kam mir, nachdem ich einem Typen in der U-Bahn Station eine reingehauen hab. Ihr wisst schon (zumindest die Frauen unter euch werden es wohl nur zu gut kennen), es war das Übliche. Er hat mich angemacht, ich hab ihm den Mittelfinger gezeigt, dann schrie er mir “Fotze” hinterher, als ich gerade weg ging. Dann bin ich auf ihn zu gerannt und hab vor den Augen diverser “Zuschauer” angefangen ihn zu schlagen. Ich hatte niemanden um Hilfe gebeten. Danach, als ob es eine Art Geheimabsprache unter den Männern nach dem Viral-Video gab, wurde ich häufiger gegrüßt und viele fragten mich die dämlichsten Fragen, um ins Gespräch zu kommen. Das machte mich rasend.

Ich bin lieber aggressiv als weinerlich (oder: wie sehr wir Valerie Solanas vermissen..)

Ja, ich glaube nicht daran, dass Belästigung und Werben um die Aufmerksamkeit einer Frau dasselbe sein muss. Ich glaube, es ist schön, sich etwas Spontanität zu wahren, die ihre Grenzen kennt. Ich persönlich hätte von der Frau erwartet, dass sie auf die Typen reagiert und sieht was dann passiert. Das wäre noch viel interessanter gewesen. Denn eine Reaktion (gut oder schlecht) zu bekommen, ist etwas, womit sie normalerweise nicht rechnen. Es ist jedoch unglaublich lustig, wenn man die sekundenschnelle Veränderung im Gesicht des Typen sieht, wenn man ihm sagt, er soll sich verpissen. Es ist genauso unbezahlbar, ihre verdutzten Blicke zu sehen, wenn man ihnen eine klebt.

Natürlich bin ich mir der Risiken bewusst, die so etwas mit sich bringt (wegen der uns umgebenden Vergewaltigungsgesellschaft) und ich kann auch nicht sagen, wann man wie reagieren sollte – das muss jede für sich selbst entscheiden – ich würde vorschlagen immer ein Pfefferspray oder einen Elektroschocker dabei zu haben.

Ich weiß wie schwer es ist, so etwas in postmodernen Feministinnenkreisen zu äußern, aber genauso wie ich es verabscheue, dem Opfer die Schuld zu geben oder mit Theorien daherzukommen die eng an veraltete Ansichten des Essentialismus oder Bio-Determinismus anknüpfen, wie die des Feministen-Trolls Camille Paglia (man nennt sie auch Anti-Feministin aber diese Bezeichnung will sie nicht annehmen). Ich verabscheue aber auch die Fetischisierung der Opferrolle, besonders in der “Ersten Welt”.
Wir werden es nie schaffen, einem Mann endgültig beizubringen, wie er sich verhalten soll. Was aber auch Besorgnis erregend ist, ist wie wir uns selbst immer in die Opferrolle drücken, was dazu führt, dass wir unser Gefühl für Kontrolle und Kraft verlieren. Um es zu präzisieren: Ich glaube, eine weite Definition von Belästigung und Vergewaltigung (besonders wenn es um einvernehmlichen Sex geht, aber natürlich auch nicht in jedem Fall, was ich hier nicht darstellen werde) hält uns manchmal davon ab, unsere eigene Kraft zu erkennen. Männer testen gerne ihre Grenzen, und wir sollten nicht zu schüchtern sein, sie ihnen aufzuzeigen. Das ist allemal besser, als im Nachhinein darüber zu grübeln ob das, wessen man ausgesetzt war, gefallen hat oder nicht.catcalling

Es hilft einfach dem Frauenbild nicht, wenn wir uns als die Schwachen und Hilflosen sehen, in Momenten, in denen wir es nicht sind. Mit anderen Worten: wenn wir nicht als Objekte gesehen und behandelt werden wollen, müssen wir aufhören uns wie Objekte zu benehmen, über die bestimmt werden kann, und wir sollten anfangen, uns selbst zu vertreten, wann immer wir können.

Das wird dabei helfen, das Frauenbild neu zu füllen, weg von dem Bild der schwachen Frau auf welches sich die meisten Typen verlassen. Jedes Arschloch, das dich angreift (besonders verbal) ohne dass es von dir eine sofortige Reaktion bekommt, wird sich nur bestärkt fühlen, es bei der Nächsten wieder zu tun. Ich mag es, sie öffentlich bloßzustellen, da das manchmal schlimmer ist als geschlagen zu werden.

All die schwarzen Kerle

Ich denke, es ist legitim, wenn wir Frauen auf das “catcalling” und die täglichen Belästigungen auf der Straße aufmerksam machen, und das Video tut dies ziemlich gut.

Was mir jedoch auffiel war das unproportionale Auftreten (oder Zeigen) von schwarzen und lateinamerikanischen Männern. Ich werde jetzt hier keine Statistiken präsentieren, die zeigen, dass weiße Männer sogar noch ekelhafter sein können, und es könnte stimmen, dass Frauen mehr “gecatcalled” werden, wenn sie durch arme Gegenden laufen (was die Frau in dem Video tut) und auch das hätte nichts mit “Rassen” oder Genen zu tun, wie Francis Galton es sich vor hundert Jahren vorgestellt hat. Es hat mit sozialer Ungleichheit und den ganzen Nachteilen, die sie mit sich bringt, zu tun. Ein Video wie dieses zu veröffentlichen birgt die Gefahr, dass damit rassistische Stereotypen und der Hass auf “Unterschichten” an Fahrt gewinnt.

Dieses Video basiert faktisch auf Ethnizität, und wie ich später herausfand, wurden die weißen Männer einfach rausgeschnitten. Ich glaube nicht, dass dies der richtige Weg ist, für eine Sache zu kämpfen, aber mit Sicherheit ist es der richtige Weg um rassistische Ressentiments zu verbreiten. Menschen mit rassistischen Ideen haben es aufgegriffen um zu sagen, was sie anscheinend schon eine ganze Weile sagen wollten.

Im übrigen hoffe ich, dass wir eines Tages durch die Gegend laufen können, ohne dass Wildfremde lauthals unsere Schönheit bewundern. Wenigstens der, dem ich eine verpasst hab, wird sich wohl nicht mehr trauen.

-Mibbi Mibbilante

Quelle: Lower Class Magazine

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  1. L.A.D.Y. S.C.U.M. permalink
    15. November 2014 01:57

    Solanas war die ältere von zwei Töchtern von Dorothy Biondi und Louis Solanas, der als Barkeeper arbeitete.[1] Solanas machte im Juni 1954 ihren Schulabschluss an der Oxon Hill High School in Maryland und begann anschließend ein Studium der Psychologie an der University of Maryland, das sie 1958 abschloss. Im Jahr darauf brach sie ihren Masterstudiengang an der University of Minnesota ab, um das Land zu bereisen.[2]

    Laut einem psychiatrischen Gerichtsgutachten von 1968 war Solanas’ Kindheit und Jugend „ziemlich traurig“ und von einem „zerrütteten Elternhaus“ geprägt. Sie wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht und häufig außerhalb der Familie untergebracht. Solanas gab an, bereits mit 13 sexuelle Erfahrungen gesammelt und Ladendiebstahl als normal empfunden zu haben. Mit 14 wurde sie in einem Internat untergebracht, was sie als zeitweilige Rettung empfand. Einem Studienkollegen erzählte sie, dass sie sich ihr Studium durch Prostitution finanziere.[3]

    Um 1968 lebte Solanas in Greenwich Village, wo sie ihr „Manifesto“ im Handverkauf anbot, obdachlos war und sich von Resten ernährte. Sie lernte Andy Warhol kennen und war bald darauf öfter Gast in seiner Factory. Sie wollte, dass Warhol ihr Theaterstück Up your Ass (zu deutsch sinngemäß „leck mich“) produzierte. Da er interessiert schien, vertraute sie ihm ihr einziges Manuskript an, allerdings verschwanden die Papiere in der Factory. In dem Maß, in dem Solanas später unter Wahnvorstellungen litt, wuchs ihre Überzeugung, dass Warhol ihr das Stück gestohlen habe.[3]

    1967 traf Solanas den Verleger Maurice Girodias, der zu diesem Zeitpunkt vor allem Underground-Literatur sowie Pornografie veröffentlichte. Er war von ihrem „Wortwitz“ begeistert und bezeichnete sie als „Bilderstürmerin“. Er kaufte ihr die Rechte am S.C.U.M. Manifesto ab.

    Noch im selben Jahr spielte Solanas eine Rolle in Warhols Film I, A Man. Sie fühlte sich von Warhol und der künstlerischen Hierarchie seiner Factory ausgenutzt und verlangte eine Gagenerhöhung. Nachdem sie ihn deshalb telefonisch bedrängte, wurde sie von der Factory ausgeschlossen. Im Herbst 1967 wurde ihr ihre Unterkunft im Chelsea Hotel gekündigt und sie begann, an eine Konspiration von Warhol und Girodias zu glauben. Außer sich vor Zorn und Verzweiflung beschimpfte sie Warhol am Telefon.[3]

    Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen seiner Factory ab und schoss dreimal auf ihn. Warhol wurde durch die Schüsse schwer verletzt. Girodias nutzte die durch den Skandal ausgelöste Publicity, um Solanas’ S.C.U.M. Manifesto zu veröffentlichen. Solanas wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie im Matteawan State Hospital für kriminelle Geisteskranke absaß. Nach ihrer Entlassung 1971 war sie meist obdachlos, in den 1980er Jahren lebte sie in Kalifornien. Am 25. April 1988 wurde sie vom Hausmeister eines Obdachlosenheims im Tenderloin-Viertel von San Francisco tot aufgefunden. Sie erstickte mit 52 Jahren an einem Lungenemphysem.[3]

    Solanas’ Leben und die Hintergründe ihrer Schüsse auf Warhol wurden 1997 von Mary Harron unter dem Titel I Shot Andy Warhol verfilmt. Die Hauptrolle spielte Lili Taylor.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Valerie_Solanas#Leben

    Das SCUM-Manifest

    Maurice Girodias, der Herausgeber des SCUM-Manifests, behauptete, SCUM stehe für Society for Cutting Up Men (dt. wörtlich: Gesellschaft zur Zerstückelung von Männern). Solanas hingegen schien dies nie so beabsichtigt zu haben.[4][5] Der Satz Society for Cutting Up Men taucht nie in dem Text auf und Solanas bezeichnet einen bestimmten Frauentyp, nicht Männer, als SCUM. Sie schreibt:[6]

    „Der wirkliche Gegensatz besteht daher nicht zwischen Frauen und Männern, sondern zwischen SCUM auf der einen Seite – dominanten, sicheren, selbstbewußten, fiesen, gewalttätigen, eigensüchtigen, unabhängigen, stolzen, abenteuerlustigen, stürmenden und drängenden, arroganten Frauen, die sich imstande fühlen, das Universum zu regieren, die schon bis an die Grenzen dieser Gesellschaft gestürmt sind und die bereit sind, über das, was ihnen hier geboten wird, hinfortzudrängen – und auf der anderen Seite den netten, passiven, entgegenkommenden, ‚kultivierten‘, höflichen, bescheidenen, unterwürfigen, abhängigen, verschreckten, bewusstlosen, unsicheren, Anerkennung suchenden Papa-Töchterchen […]“

    Das Manifest beginnt mit folgender Passage:

    „Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und abenteuerlustigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.“

    Mary Harron lobt Solanas’ „ausgeprägten Hang zur Komik“ und bezeichnet das SCUM-Manifest als eine „brilliante Satire“, in welcher Solanas den Männern die Schuld an jedem Übel der modernen Welt gibt. In ihrer Schmähschrift sagt Solanas, die Geschichte habe bewiesen, dass Männer weder fähig noch willens seien, menschlich zu handeln, und aus diesem Grund vernichtet werden müssen, damit der Aufbau einer menschlichen Gesellschaft möglich werde. Noch härter werden jene Frauen beurteilt, die sie als „Kollaborateurinnen der Männerherrschaft“ bezeichnet.[3]

    Andere Autoren argumentieren ebenfalls, dass das SCUM-Manifest eine Satire und Parodie im Sinne von Jonathan Swifts A Modest Proposal ist, die sich mit dem Patriarchat und Sigmund Freuds Psychoanalyse auseinandersetzt. Der Text ersetzt lediglich das Wort Frau durch Mann und nutzt alle Klischees der psychoanalytischen Theorie: Der biologische Unfall, das unvollkommene Geschlecht, den Penisneid, der nun zum Pussy-Neid geworden ist.[7][8][9][10] In einem Interview mit der Zeitschrift Village Voice erklärte Solanas dazu, dass ihr Manifest nicht als ernst gemeinte Handlungsanleitung gedacht war.[11]

    Das S.C.U.M.-Manifest wurde 2004 von Mario Eick unter dem Titel Manifesto für die Bühne adaptiert und inszeniert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Valerie_Solanas#Das_SCUM-Manifest

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