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Hört auf, so verdammt dämlich zu sein

29. Oktober 2014
keinenazis

Keine Nazis? Entweder ihr verkauft euch selber für dumm oder denkt, alle anderen sind noch dümmer.

Nicht Pyros, Steine und ein umgefallener Bullenwagen sind das Problem. Dass ihr nicht im Stande seid, vernünftige Gedanken zu formulieren, macht euch so verdammt unsympathisch. Offener Brief an alle Hools, Ultras und anderen Teilnehmer der HoGeSa-Proteste.

Wir haben nichts gegen Hools und Ultras. Im Gegenteil, wir gehen selber ins Stadion und irgendeinen Hippiefimmel für immerwährende Gewaltlosigkeit haben wir auch nicht. Wir sind auch nicht dagegen, dass Fußballfans Politik machen. Im Gegenteil, wir glauben, das ist eine wichtige Sache. Im vergangen Jahr waren in Istanbul vier Millionen Menschen auf der Straße, haben die Bullen vom zentralen Platz in der Stadt vertrieben und den Staat massiv herausgefordert.

Jungs und Mädels aus allen Vereinen gingen gemeinsam auf die Straße, Besiktas, Glatasaray, Fenerbahce, mit einem Schal in allen Farben: Istanbul United. Gegen Korruption, teure Mieten, beschissene Arbeitsbedingungen, die Islamisierung der Gesellschaft und die Unterdrückung von Minderheiten wie Aleviten und Kurden. Vier Millionen Menschen, Straßenschlachten, die über Tage gingen, Tote durch Polizeigewalt – und trotzdem gab es viel Sympathie für die Leute, die da gekämpft haben.

Sagt doch wo ihr steht

Warum waren die sympathisch und ihr seid es nicht? Weil ihr euch so verdammt dämlich anstellt. Ihr geht auf eine Demonstration, an der Neonazis der Partei „Die Rechte“ teilnehmen, bei der Leute den Hitler-Gruß zeigen, bei der ein Mob „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“ und “Nationaler Sozialismus jetzt” skandiert und ein Typ rumläuft, der sich das Tor des KZ-Buchenwald auf den Schädel tätowieren hat lassen. Und dann beklagt ihr in diversen Internetforen und auf euren schönen Seiten die „Lügenpresse“, die euch Nähe zu Rechten vorwirft. Was erwartet ihr denn? Glaubt ihr, die Menschen sind so dumm, wie ihr sie gern hättet? Jeder Blinde erkennt, was da gespielt wird.

Eure Verteidiger sagen: „Klar, da waren ein paar Neonazis, aber nicht viele.“ Seid ihr so armselig und ungebildet, dass ihr die neonazistische Ideologie nicht kennt? Ihr wollt gegen „Salafisten“ demonstrieren, zumindest angeblich, weil die so inhuman sind. Wo sind denn Nazis humaner? Waren sie humaner, als sie alle, die ihnen nicht gepasst haben, in Massenhinrichtungen erschossen oder in Vernichtungslagern vergast haben? Waren sie humaner, als sie an Menschen medizinische Experimente durchgeführt, sie auf offener Straße erhängt haben? Waren sie humaner, als sie die ganze Welt mit einem Krieg überzogen haben, der in der Geschichte seines Gleichen sucht? Und Leute, die das geil finden, stehen neben euch auf einer Demonstration. Und ihr erwartet, dass man euch nicht Idioten, Rassisten, Rechte nennt? Warum denn, wenn ihr so handelt?

Ihr sagt, das ist lange her. Die, die neben euch stehen, würden jederzeit wieder so handeln, wenn sie die Macht dazu hätten – egal hinter welchen Phrasen sie sich verstecken. Und sogar jetzt, wo sie keine Macht haben, morden sie. 1993 verbrannten Neonazis in Solingen türkische Kinder, darunter die vier Jahre alte Saime Genc. In Mölln, ein Jahr vorher, hatten sie schon die 10 Jahre alte Yeliz Arslan ermordet. Neben solchen Leuten steht ihr. Neben Leuten, die allein während der kurzen Geschichte der wiedervereinigten Bundesrepublik dutzende wehrlose Menschen ermordet haben. Darunter Kinder, Jugendliche, Behinderte, Obdachlose. Das soll euer Mut sein?

Was wollt ihr mit „Deutsch“?

Wir fragen uns: Seid ihr wirklich alle so, wie die Kommentare in euren Foren uns glauben lassen? Dumm, unfähig zu Mitgefühl, feige? „Wir sind doch nicht feige“, werdet ihr sagen. Doch. Es ist feige, gesellschaftliche Probleme immer auf diejenigen zu projizieren, die noch schwächer sind, als man selber. Eure Lösung für alles sind „die Ausländer“ oder „die Asylanten“. Wir haben eure Kommentare gelesen. Es ist die alte Stammtischleier. „Zu viele Asylanten“, die „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ oder absurder Weise auch das Gegenteil: „Die Ausländer arbeiten nicht.“ Ihr sucht euch diejenigen, die keine Lobby haben. Habt ihr euch schon mal die Lebensbedingungen von „Asylanten“ angesehen? Wisst ihr, wie es ist, nach einem Krieg, den Europa begonnen hat, vor islamistischen Milizen aus Libyen fliehen zu müssen?

Ihr regt euch über „Wirtschaftsflüchtlinge“ auf, weil die eure Steuergelder kosten. Warum regt ihr euch nicht über Kriegseinsätze der Bundeswehr in Afghanistan auf, über Steuerbetrug durch Firmen und Millionäre, über die Bankenrettung? Soviele Flüchtlinge kann Deutschland gar nicht aufnehmen, dass es auch nur einen Bruchteil dieser Ausgaben bedeuten würde. Und die „Ausländer sind kriminell“? Ehrlich, findet ihr das nicht lächerlich, wenn dieses Argument von Leuten wie SS-Siggi vorgetragen werden, die unzählige Male vorbestraft sind, meistens wegen Gewaltdelikten.

Ausländer nehmen euch auch nicht die Arbeit weg. Das kann der Kapitalismus schon ganz ohne Ausländer. Sicher, oft werden Ausländer als noch billigere Arbeitskräfte geholt, damit das Kapital Ausgaben sparen kann. Aber wer ist dann „schuld“? Der ausländische Arbeiter, der, um seine Familie zu ernähren, einen Job annimmt? Oder ein wirtschaftliches System, das systematisch Niedriglöhne hervorbringt und einen gleichzeitig zum Arbeiten zwingt, damit man überleben kann, aber keine ausreichend bezahlte und würdevolle Arbeit zur Verfügung stellt? Sollte der ausländische Kollege nicht der erste sein, mit dem ihr Schulter an Schulter steht?

Aber nein, ihr wollt lieber für „Deutschland den Deutschen“ demonstrieren. Und seid „stolz, deutsch zu sein“. Was heißt das denn? Es heißt gar nichts. Es sagt nichts darüber aus, ob ihr euch anständig verhaltet, nichts darüber, was jemand tut oder denkt. Es ist ein leeres Wort, in das ihr eure Hoffnungen legt.

Hört doch einfach mal auf, so dämlich zu sein

Eure „Argumente“ sind faule Ausreden. Ihr wollt gegen „Salafisten“ sein, aber in Wahrheit hetzt ihr gegen jede Muslimin, jeden Muslimen. Hand aufs Herz. Wer von euch hat sich denn wirklich die Mühe gemacht, zu lesen, welche Strömungen es im Islam gibt? Wer von euch weiß, was Sunniten, was Schiiten, was Aleviten sind? Es ist euch scheissegal. Weil es euch um Hetze gegen „andere“ geht, auf die ihr eure Probleme projiziert, und die euch als Sündenböcke dienen.

Ihr wollt nicht über euren Tellerrand schauen. Ihr seid gefangen in einer wahnhaften Welt, in der ihr euch gegenseitig bestärkt. Ihr könntet anfangen, wie Menschen unter Menschen gegen Kapital und Staat aufzustehen, und eure blödsinnigen Einteilungen der Welt in „Ausländer“ und „Deutscher“ sein lassen. Ihr könntet das tun und damit anfangen, Gedanken zu entwickeln, die aus euch tatsächlich politische Menschen machen und nicht eine Horde Besoffener auf der Jagd nach dem wahren Deutschtum.

Es gibt jede Menge Gründe: Polizeirepression, niedrige Löhne, hohe Mieten, Salafisten, Faschisten, Kriege und deutsche Geopolitik wie in der Ukraine. Zu allen diesen Themen haben Linke seit langem viel zu sagen. Es sind auch deutsche Linke wie Andrea Wolf gewesen, die an der Seite der kurdischen Befreiungsbewegung, die heute tatsächlich gegen den „Islamischen Staat“ kämpft, gekämpft haben und heute noch kämpfen – und nicht wie ihr nur so tun. Es sind Linke, die versuchen, Zwangsräumungen zu verhindern, wenn Menschen ihre Wohnungen verlieren sollen, weil die Miete zu teuer wurde. Es sind Linke, die gegen die Krisenpolitik und die Bankenrettung auf die Straße gegangen sind. Es sind Linke, die gegen Krieg und Völkermord aufstehen.

Es liegt an euch. Fangt an, gegen die Gesamtscheisse einzustehen, ohne euch Sündenböcke zu suchen. Oder bleibt bei eurem Deutschtum und steht weiter neben Neonazis auf inhaltsleeren Demonstrationen. Aber dann wundert euch nicht, wenn man euch Idioten nennt.

# Dieser Beitrag wurde uns zugesandt von einer Gruppe, die sich Hooligans gegen Dummheit (HgD) nennt, 27.10.2014

Quelle: Lower Class Magazine

8 Kommentare leave one →
  1. Buuuum Tschik BummBumm permalink
    29. Oktober 2014 19:08

    Ich denke, dass der Brief ein Schritt in die richtige Richtung ist, dass man Hools nicht mehr als Marsmenschen behandelt, weil sie politisch inkorrekt sind, mit der Differenzierung, dass Nazis nicht zu den Adressaten gehören.
    Aber: Immernoch ist die dazugehörige Facebookgruppe HoGeDu und auch das Schreiben, welches an das Lower Class Mag gesendet wurde nur ein leerer Versuch andere politisch zu indoktrinieren, obwohl ja gerade das als Gefahr und Fehler gebrandmarkt wird.

    Das zeigt mal wieder, dass die Szene, aus der das kommt, keine Alternativen zum politischen Verhalten anbietet, was Hools ja bekanntlich flüchten. Sie sind deswegen noch nicht führertreu, was die Demo zeigte, denn als eine Nazifolkschlampe sie dazu aufrief Sozialpartnerschaft walten zu lassen, da rissen sie lieber die Wanne um.

    Das Ding ist, dass die Szene der „alternativen Widerständler“ in Deutschland rein auf so einer trockenen Politschiene läuft und sogar ihre „Gewerkschaften“ so drauf sind. Es ist alles ein heilloses Chaos und mittendrin so eine Unduldsamkeit und eine Hackordnung der Widersprüche, dass es zum Weglaufen ist. Und das tun die Meisten ja auch.

    Hools sind nicht von einem solchen Schreiben zu beeindrucken – denn die wenigsten lesen. Hools sind Tatmenschen, die viel in sich haben, was raus muss. Es geht nicht um Politik, sondern es geht darum Dampf zu machen. Wenn es Bolschewisten gewesen wären, die die Hooligangrundlage in Deutschland gegründet hätten, dann wären es heute eben „Linke“.
    Die linke Brei-Szene sieht aber nur das Politische an diesen Menschen.
    Sie hat immernoch nicht kapiert (Wie es Rudolf Rocker unzählige Male betont hat) dass Menschen und Gesellschaft, dass das Leben, niemals so einförmig ist, wie es linke Politik, um sich selber wichtig zu machen und sich Geltung zu verschaffen, gerne darstellt.

    Was ich damit sagen will, ist folgendes: Will man Menschen, die sich aus einem inneren Antrieb gegen das ganze System stellen um eine noch schwerere Prüfung zu begehen,bewegen, dann muss man auf einer Augenhöhe mit ihnen sein.
    So ein Schrieb aus dem Trockenen heraus, das wird nichts.
    Nur auf einem zerwülten Bolzplatz nach einer respekteinflößenden dritten Halbzeit, wird man gehör finden.
    „…können wir nur selber tun.“ Also entweder die Autoren sind Hools und brauchen dann dieses Schreiben nicht, oder sie sind keine Hools und täuschen es vor, damit ihre Politik eingang findet, dann ist ihr Vorhaben schon von vorne rein zum Scheitern verurteilt.

    Es gibt einfach Kriegernaturen fern ab von Politik, die vielleicht durch schlechte Erlebnisse zu dem geworden sind, oder aber die einfach so sind. Sie gehören aber zu uns dazu – sie sind Teil unserer Spezies und folgen Trieben, die so auch in jeder und jedem von uns wohnen.
    Es kann nicht angehen, dass diese anderen Leben sich alle nach intellektueller Literatur und Diskussionen zu richten haben und andernfalls die Freie Gesellschaft nicht läuft… das ist einförmiger Schwachsinn von Studenten ohne Lebenserfahrung.
    Andererseits sollte man niemandem hinterherlaufen, aber so unentschieden wie Heute Alle sind, kann man überall auf Interesse hoffen.

    Die Diversifizierung im Menschenbild und die Absage an politisches Verhalten sind die Vorbedingungen für ein Wachsen des Widerstands. Die Bewegung, die das zuerst begreift und umsetzt, statt auf Dogmen gefesselt zu bleiben, wird das Rennen machen.

    • 30. Oktober 2014 04:50

      „Dämlich sind die, die Dämliches tun“
      „…Wir wollten mal einfach sagen: Lügt euch nicht selbst an, ihr lauft in eurer ziellosen Wut einem Weltbild nach, das nicht weniger menschenverachtend ist, als das der Salafisten. Wir wollten aber gleichzeitig auch nicht in diesen Klassismus verfallen und sagen: Jeder Hool ist sowieso zu blöd, um politisch aktiv zu sein. Die Leute müssen aber einsehen, dass sie mit ihren billigen Feindbildern nichts erreichen. Solange sie das nicht tun, bleiben sie allerdings Karikaturen, über die sich jeder – zurecht – lustig macht.
      Und es hat ja zum Teil auch etwas Witziges: Da sind Leute, die posten Dinge, wo sie den Islamisten vorwerfen, einen Religionskrieg zu führen. Und dann haben dieselben Leute, die das bemängeln, so dramatische Kreuzritterszenen oder Wickinger, die gegen die bösen Barbaren anreiten, als Profilbilder. Sie reproduzieren genau das, was sie eigentlich kritisieren wollen, sie sehen sich in einem Religions- und Kulturkampf. Und sie wollen ihn auch gern mit den gleichen Mitteln führen, wie ihre vermeintlichen Gegner. Dutzende von denen rufen dazu auf, „Zecken“ anzuzünden, Muslime zu „enthaupten“. Das ist schon lustig, dass die nichtmal bemerken, wie ähnlich sie den Salafisten sind. Lustig, aber auch verstörend. Man denkt: Das müssten die doch eigentlich merken.
      ‚Sind solche Leute nicht der falsche Ansprechpartner? Man könnte ja einwenden, dass die sowieso nicht auf Argumente hören, wenn sie überhaupt lesen können und außerdem: Gilt nicht die Regel mit Faschisten spricht man nicht?‘

      An die organisierten Faschisten ist der Text nicht gerichtet. Das wären die Aussichten sicher gering. ….“
      der ganze Blogeintrag:
      http://lowerclassmag.com/2014/10/daemlich-sind-die-die-daemliches-tun/

  2. Polizist berichtet vom Aufmarsch der "Hooligans gegen Salafisten" permalink
    29. Oktober 2014 19:11

    Polizist berichtet vom Aufmarsch der „Hooligans gegen Salafisten“

    Ein junger Polizist meldet sich bei Jürgen Domian und berichtet besorgt über die HoGeSa-Demonstration in Köln, bei der er auch im Einsatz war. Er ist entsetzt über die Tatsache, dass ein Nazimarsch überhaupt genehmigt wurde und kritisiert die Regierung, von der er sich als Beamter in Stich gelassen fühlt. Er benennt die Teilnehmer der Demo ganz deutlich als Nazis und Rechtsradikale und fügt hinzu, dass selbst eine NPD – Demo harmloser wäre als das, was er am Sonntag zu hören, zu sehen und zu spüren bekommen hat. Sehr dankbar zeigt er sich gegenüber den Gegendemonstranten, die der Polizei vor Ort den Rücken gestärkt haben. Gesprochen wird auch über die mangelnden Sicherheitsmaßnahmen. So wären die Polizisten vor Ort nicht einmal ausreichend ausgerüstet gewesen und dadurch leichter verwundbar bei Angriffen. Er selbst habe eine Flasche auf den Rücken abbekommen, Kollegen wäre es viel schlimmer ergangen.

  3. Wilfried Schmickler - HoGeSA permalink
    29. Oktober 2014 21:46

    Wilfried Schmickler – HoGeSA

  4. 30. Oktober 2014 21:42

    Hat dies auf T*park rebloggt.

  5. Der Pfad der Gerechten permalink
    31. Oktober 2014 11:53

    Der Pfad der Gerechten

  6. Hooligans vs. Salafisten: Ein bisschen Hass muss sein permalink
    1. November 2014 23:31

    http://daserste.ndr.de/extra3/sendungen/Hooligans-vs-Salafisten-Ein-bisschen-Hass-muss-sein,extra8408.html
    Hooligans und Salafisten, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten. extra 3 mit einem Psychogramm.
    Quelle: NDR, 30.10.2014 22:45 Uhr

  7. "... die sind eben so" permalink
    26. Mai 2016 03:40

    „… die sind eben so“

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