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Update zur Situation in Şengal, wo weiterhin ein Massaker an den Êzîden droht

21. Oktober 2014

isis offensiveNach den neuerlichen Großangriffen des Islamischen Staates auf die einstige Hochburg der Êzîden, das nordirakische Shingal, bleibt die Lage dort angespannt.

In Folge der Angriffe mussten erneut geschätzte 7.000 in der Region verbliebener êzîdischer Zivilist*innen aus ihren Dörfern fliehen und befinden sich nun ohne jede Versorgung in den Bergen. Noch am Nachmittag zerstörten IS-Banden die heilige Stätte Quba Amadîn am Südrand des Gebirges unwiederbringlich. Auch die bedeutendste Pilgerstätte #Sherfedîn nördlich des Gebirges wurde von Granaten getroffen, sie steht jedoch noch und wird von den êzîdischen Verteidigungseinheiten YBŞ um General Qasim Śesho bis zum Letzten verteidigt.

Aktuelle Situation vor Ort

Von êzîdischer Seite wird nun berichtet, dass im Laufe des gestrigen Tages rund 700 Verteidigungskräfte der YPG sowie immerhin 150 Peshmerga-Kämpfer zur Verstärkung der êzîdîschen Verteidigungseinheiten eingetroffen sein sollen. So gelang es, den weiteren Vormarsch des Islamischen Staates auf das Sinjar-Gebirge zurückzuschlagen. Dabei sollen nach unterschiedlichen Angaben zumindest 60 islamistische Angreifer und 20 Verteidigungskämpfer getötet worden sein. Sieben bewaffnete Fahrzeuge konnten in der Nähe von Shlo beschlagnahmt werden. Gerade bestätigte ein êzîdischer Kommandeur neuerliche Luftschläge der US-Koalition. Sie seien jedoch nur in einiger Entfernung erfolgt. Ob bei dem nebligen Wetter Ziele getroffen wurden, blieb unklar. Bereits gestern hatte es gehießen, zwei von amerikanischen Helikoptern aus lancierte Luftschläge seien erfolglos geblieben. In diesen Minuten werden die Angriffe der Islamisten immer heftiger. Sie scheinen alles daranzusetzen, die êzîdische Pilgerstätte erobern und zerstören zu können.

Islamistischer Völkermord an den Êzîden

Während auch Angehörige anderer Glaubensrichtungen verfolgt und massakriert werden, messen die Islamisten der vollständigen Eliminierung des êzîdischen Glaubensgemeinschaft besonders große Bedeutung zu, da sie die Êzîden, einer denunziatorischen Fehlinterpretation folgend, als „Teufelsanbeter“ betrachten. Nachdem bereits im Zuge des Großangriffes im August Tausende Êzîden ermordet, versklavt und erniedrigt wurden, droht also nach wie vor ein neuerliches Massaker. Bereits am 3. August mussten Zigtausende auf die Berge fliehen, als ISIS die wehrlose Stadt überfiel. Nachdem die Peshmerga der KDP noch am Vorabend des Angriffs das Weite gesucht hatte, konnten die Geflohenen erst über einen Sicherheitskorridor gerettet werden, den die zur Hilfe geeilte PKK mit Unterstützung durch US-Luftschlägen freikämpfen konnte. Zehntausende konnten gerettet werden, doch Tausende waren bereits an Durst und Erschöpfung gestorben. Seitdem ist das Vertrauen der meisten Êzîden in die Barzani-Regierung schwer gestört, während die PKK weltweit als Retter der Eziden gefeiert wurden.

Kritik an der kurdischen Regionalregierung

Gestern hatte selbst der Barzani-nahe Sender Rûdaw den êzîdischen Kommandeur Qasim Simo zitiert, die Kämpfer auf den Bergen seien bislang per Helikopter versorgt worden, „aber seit beinahe 20 Tagen sei nichts mehr angekommen.” Der êzîdische Offizier Sulaiman Dawid betonte derweil, dass militärische Hilfe am Nötigsten sei: „Wir brauchen mehr Unterstützung in Form von Waffen, um das Gebiet schützen zu können und ISIS am weiteren Vormarsch zu hindern.“ Während die Stadt Zummar vor Tagen an ISIS zurückfiel, könne Rabia derzeit weiter gehalten werden. Auch Kritik an der kurdischen Regionalregierung reißt nicht ab. Dass die einigermaßen ausgerüsteten südkurdischen Peshmergakräfte mit über 150.000 Kämpfern nach wie vor nicht in der Lage sind, die Êzîden der Region wirksam vor weiteren Angriffen zu schützen bzw. die Region vom Islamischen Staat wieder zu befreien, weckt Unverständnis. Die Regionalregierung hatte gestern erklärt, dass ihre Peshmergaeinheiten nicht über die vom Regenwetter überfluteten Straßen gelangen könnten. Andere Berichte machten die Runde, dass die Regionalregierung einen Übertritt der êzîdischen Einheiten in die Reihen der KDP fordere, bevor sie zur Unterstützung bereit sei. Das aber hatten êzîdische Kommandeure stets klar abgelehnt. Umso mehr hängt eine Befreiung von der YPG, der PKK sowie von direkten Waffenlieferungen und Luftangriffen der USA ab. Dass es im nordirakischen Zakho, einem von der bürgerlich-feudalen KDP dominierten Flüchtlingsschwerpunkt, zudem erneut zu gewaltsamen Übergriffen von Sicherheitskräften auf protestierende Êzîden kam, ist inakzeptabel. Zwei Êzîden wurden dabei mit harter Munition angeschossen und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Solidarität überall

Heute abend finden wieder bundesweite Proteste und Solidaritätsbekundungen in zahlreichen Städten statt. Bereits gestern abend waren spontan Tausende in Städten wie Hannover, Bielefeld und Berlin für die Menschen in Shingal auf die Straße gegangen. Die Demonstrationen werden vielfach von kurdischen Vereinen und Jugenden getragen – Versuchen, eine Spaltung zwischen êzîdischen und nichtêzîdischen Kurden zu provozieren, sollte auch weiterhin ein Riegel vorgeschoben bleiben, zumal die êzîdische Religion mit der kurdischen Sprache und Kultur eng verbunden ist, vielfach sogar als der Ursprung aller Kurden gesehen wird. Wer in #Rojava Hand in Hand für die Freiheit kämpft, sollte auch anderswo zusammenhalten!

Quelle: Perspektive Kurdistan

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