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100 Jahre 1. Weltkrieg: Krieg dem Krieg heute?

17. Oktober 2014

bremen100jVeranstaltung am Freitag dem 21. November 2014 um 19.00 Uhr im „Resonanz“ (Lahnstrasse 24) in Bremen.

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. In der öffentlichen Aufarbeitung scheint es, als seien die Millionen Toten und Verwundeten, die Traumatisierungen und Folgeerscheinungen seit 1914 geradezu vom Himmel gefallen. Keiner wollte den Krieg, und doch fand er statt – vier Jahre lang. Diese Tendenz in der öffentlichen Präsentation wird flankiert durch das Verschweigen derjenigen Kräfte, die gegen den Krieg kämpften. Das Morden erscheint damit nicht nur schicksalhaft – gewissermaßen als Naturkatastrophe – sondern darüber hinaus als alternativlos.

Die Deutung dieses komplexen Geschehens als Krieg zwischen Nationen verschleiert generell seinen Charakter als Klassenkampf von oben gegen die Bevölkerungen aller Länder. Wirtschaftspolitische Interessen kommen, wenn überhaupt, nur in der Außenpolitik zur Sprache. Dabei bedeuteten die Jahre 1914-1918 vor allem einen zentralen Angriff auf die globalen antikapitalistischen Bewegungen von Arbeiter_innen und Bäuer_innen jener Zeit, die überall von den Herrschenden als bedrohlich empfunden wurden.

Wir halten die historische Diskussion zum ersten Weltkrieg aus aktueller Sicht für wichtig. Was damals die Form eines Weltkriegs zwischen Staaten annahm, erscheint heute in Formen eines weltweiten sozialen Kriegs zwischen Kapital und ausgepressten Menschen in seinen verschiedenen Ausprägungen – global. Für eine neue Diskussion ist es vor allem nötig, sich aus den verkrusteten Positionen der Alt-Linken und aktuellen Friedensbewegung zu lösen, die meint, die Probleme von heute in der Polarisierung von Ost und West oder in Form eines platten Anti-Ameri- kanismus angehen zu können. Für unsere Veranstaltung haben wir als Einstieg in die Diskussion zwei Beispiele aus Osteuropa gewählt. Ein Sprecher des „Instituts für Syndikalismusforschung“ stellt die reichhaltigen Facetten einer „unbekannten Internationale“ am Beispiel Rumänien vor, einem Kernland deutscher Kriegszielforderungen und Region eines beachtenswerten Widerstandes der syndikalistisch-anarchistischen Arbeiterbewegung. Ein zweiter Beitrag wird die massenhafte Verweigerung der Soldaten der russischen Armee als Vorgeschichte der russischen Revolution 1917 einordnen, und dabei z.B: die Desertion aus der Armee als Verweigerung von Gewalt und Rück- kehrbewegung von Zwangsmobilisierten aufs Dorf vorstellen. In einem dritten Impuls wird es um eine antinatio- nale und damit antikapitalistische Sichtweise auf die Konflikte in der Ukraine gehen. Wir fragen, ob die Friedens- bewegung in letzter Zeit versagt hat, indem sie das Vorgehen des Putin-Regimes unterschlägt und dessen Vorgehen mindestens relativiert. Damit kann sie keinen Beitrag zu einer strategischen antikapitalistischen Vision leisten.

Was können die Unterdrückten und Gewaltopfer unserer Tage und die radikale Linke heute aus der Geschichte lernen? Wie kann auch heute gemeinschaftlich gegen die neuen Kriege interveniert werden? Oder: sind wir nicht längst Teil eines weltweiten sozialen Kriegs? Das möchten die „Industrial Workers of the World“ und das „Institut für Syndikalismusforschung“ mit euch erörtern und beratschlagen am:

Freitag, 21. November 2014 um 19.00 Uhr im „Resonanz“ (Lahnstrasse/Ecke Hohentorsheerstrasse, Bremen-Neustadt, Linien 1, 8 und 26 – Haltestellen „Hochschule Bremen“ oder „Pappelstrasse“.)

Eine gemeinsame Veranstaltung des Institut für Syndikalismusforschung (Syfo) und der Industrial Workers of the World (IWW) GMB Bremen.

Quelle: IWW Bremen

2 Kommentare leave one →
  1. "Auf Leben und Tod - Kehl und der Erste Weltkrieg" permalink
    30. Dezember 2014 14:42

    FdA-IFA, im heimatmuseum: „Auf Leben und Tod – Kehl und der Erste Weltkrieg“ von nigra
    Date Thu, 25 Dec 2014 13:24:33 +0200

    der erste weltkrieg feiert seinen hundertsten geburtstag und alle feiern mit. so auch das städtische hanauer museum in kehl. zuletzt hatte ich dieses als grundschüler auf einem ausflug besucht. der provinzmief hielt mich seither von einem erneuten besuch ab. aber da auch ich gerne geburtstag feiere lies ich es mir nicht nehmen, den mief zu ignorieren und einen zweiten versuch zu starten. ich wurde positiv überrascht. —- die ausstellung ist in zwei bereiche und räume unterteilt: „heimat“ und „front“. sehe ich mal von der eher enttäuschenden installation der künstlerin ilse teipelke zum thema „front“ ab, ist die ausstellung, die seit dem 26.06.2014 zu sehen ist, gelungen, auch weil sie für mich zwischen den zeilen, eher hintergründig einen hauch von antimilitarismus atmet und eine kritik am patriotismus übt. vielleicht interpretiere ich auch zuviel hinein: vielleicht würde ein*e gestandene*r nazi oder vaterlandsgesell*in das genau anders herum deuten. aber tafeln mit überschriften wie „die langen leben der generäle“, die aufzeigen, dass die generäle durch die bank sehr alt wurden, die normalen soldaten aber allesamt jung und brutal an den fronten zu tode kamen, scheinen mir doch eine kritik am militarismus auszustrahlen. ein anderes schild würdigt erich maria remarque und seinen roman „im westen nichts neues“, der jahre später von den nationalsozialist*innen zu hauf verbrannt wurde.

    interessant für mich war an der ausstellung natürlich ihr bezug auf kehl und die umliegenden gemeinden. viele der auftauchenden familiennamen sind mir geläufig und mit den urenkeln der damaligen protagonist*innen ging ich wohl teilweise zur schule.

    der „heimat“-raum ist ganz stark den völlig absurden und skurilen „patriotika“ gewidmet. das sind gegenstände die ein patriotisches „branding“ tragen. hier findet sich wirklich so ziemlich jeder alltagsgegenstand, von der schnupftabakdose mit eisernem kreuz und „gott mit uns“ über essteller mit soldatenromantik bis hin zu weihnachtsbaumschmuck in form von 42-mm-granaten der „dicken bertha“. nahezu jedes unternehmen beteiligte sich am patriotischen irrsinn und das sicher nicht nur, weil es sich davon mehr profit erhoffte. parallel dazu fand eine säuberung der deutschen sprache statt: unzählige nichtdeutschsprachige markennamen wurden patriotisiert. das wurde dann im stil von „aus raider wird twix“ beworben. diese lustigen sprachpurist*innen gab es also schon damals. die patriotisierung war allumfassend.

    sehr spannend und informativ sind die auszüge aus dem tagebuch des kehlers matthias nückles, der aus der sicht eines einfachen menschen beschreibt, wie sich der alltag verändert und der krieg immer näher rückt. schließlich kommt sogar gegen ende des krieges die revolution nach kehl. nückles beschreibt dies in drei akten (siehe fotos 8., 9. und 10.). dass es in kehl einen arbeiter- und soldatenrat gab, war mir echt neu.

    auf einem großformatigen bild ist der damalige kaiser wilhem II (der verkackte kriegstreiber) mit gesenktem kopf vor einem grab eines gefallenen soldaten zu sehen. er wird mit den worten „Ich habe es nicht gewollt.“ zitiert. jahre später sollte der glühende antisemit in einem brief an seinen amerikanischen freund pouitney bigelow, der ein großer verehrer hitlers und mussolinis war, folgenden satz schreiben: „Die Presse, die Juden und Mücken sind eine Pest, von der sich die Menschheit so oder so befreien muß – I believe the best would be gas [„ich glaube, gas wäre die beste lösung“; nigra].“

    die ausstellung ist noch bis zum 11.01.2015 zu sehen. hingehen, lachen und weinen.
    http://fda-ifa.org/im-heimatmuseum-auf-leben-und-tod-kehl-und-der-erste-weltkrieg

    http://www.ainfos.ca/de/ainfos04022.html

  2. Das Todeslabyrinth Doku - Ypernschlacht im 1. Weltkrieg permalink
    29. Januar 2015 22:06

    Das Todeslabyrinth Doku – Ypernschlacht im 1. Weltkrieg

    sehr sehenswert

    (Am Ende jedes Teils kan man bequem weiterklicken)

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