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Zehntausende demonstrieren in Düsseldorf für Rojava und gegen den IS

12. Oktober 2014

kein gottvon Perspektive Kurdistan

Zigtausende Demonstrant*innen aus ganz Deutschland und Europa kamen am gestrigen Samstag in ‪‎Düsseldorf‬ zusammen, um gegen den Terror der Organisation Islamischer Staat zu protestieren und um sich mit dem Widerstand der kurdischen Selbstverteidigungseinheiten ‪‎YPG‬ und YPJ zu solidarisieren. Aus der gesamten Bundesrepublik sowie dem benachbarten Ausland waren Zehntausende mit Bussen, Autos und der Bahn teilweise bereits in der Nacht angereist. Die sich auf den Polizeibericht stützenden Presseangaben von 20-30.000 mögen für die Abschlusskundgebung vor dem Landtagsgebäude zugetroffen haben, auf der allerdings nur ein Bruchteil des Demonstrationszuges überhaupt ankam, bevor die Polizei den Platz wegen Überfüllung absperrte.

Für den gesamten Demonstrationszug, der sich auf eine Länge von rund drei Kilometern hinzog, vermeldet Civaka Azad die Schätzung von 80.000 Demonstrationsteilnehmern. Bereits auf der Festwiese in Düsseldorf-Oberkassel, wo vor einigen Wochen auch das kurdische Festival stattfand, sei die Menge auf rund 40.000 Menschen angewachsen. Als der vordere Teil der Demonstration bereits zur Zwischenkundgebung am Burgplatz angekommen war, konnte sich der Schluss der Demonstration erst von der Festwiese aus in Bewegung setzen, und es strömten immer noch mehr Menschen nach.

In Sprechchören und auf Plakaten wurde »Stoppt das Massaker in ‪#‎Kurdistan‬« und »Freiheit für Kobanê«.gefordert. Derweil mischten sich in ein Fahnenmeer aus den unterschiedlichsten kurdischen sowie zahlloser roter Fahnen vor allem türkisch-kommunistischer Organisationen auch zahlreiche Antifa-Fahnen sowie Fahnen und Transparente der Linkspartei und Linksjugend, aber auch der auffällig stark vertretenen ‪‎MLPD‬. Auch die antiautoritär-kommunistische Organisation Ums Ganze folgte einem Aufruf des Antifa AK Köln und war mit zwei Hochtransparenten und einem bemerkenswert großen Block vertreten.

Auf der mehrstündigen Abschlußkundgebung am Landtagsgebäude sprach per Telefon direkt aus ‪Kobanê‬ zugeschaltet der Ko-Vorsitzende des Kantons Kobanê, Enver Muslim. Er berichtete über die aktuelle Lage und betonte dabei, dass immer noch Tausende von Zivilisten in der Stadt seien. Daneben sprachen u.a. zahlreiche Vertreter migrantischer Organisationen, der kurdischen Bewegung, der alevitischen Gemeinden, der kurdischen Frauenbewegung, von medico international sowie als Ehrengast der ‪PYD‬-Kovorsitzende Salih Muslim. Dieser bedankte sich auf kurdisch und englisch bei den Demonstrationsteilnehmern für ihre Solidarität. In Kobanê werde nicht nur das Leben der Menschen vor Ort verteidigt, sondern auch die Demokratie und menschliche Werte. Ausdrücklich bedankte er sich auch für die Bombardierung von IS-Stellungen um Kobanê in den vergangenen Tagen durch die ‪USA‬.

Für die Linkspartei sprach Bundestagsabgeordneter Wolfgang Gehrcke, der sich auf die Abschaffung des ‪‎PKK‬-Verbots in Deutschland konzentrierte. Den Pazifismus der Linkspartei kritisierte derweil MLPD-Vorsitzender Stefan Engel: »In einem solchen Kampf auf Leben und Tod bedeutet Pazifismus nichts anderes als die Unterstützung der Reaktionäre.« Gökay Akbulut, Sprecherin der Veranstalter, griff die Türkei heftig an. Sie spiele ein falsches Spiel: »‎Erdogan‬ versucht mit Hilfe des IS die Kurden zu zerschlagen.« Gegen die humanitäre Katastrophe brauche es endlich einen Sicherheitskorridor für Hilfslieferungen, Flüchtlinge, Kämpfer und vor allem für Waffen. Das liege aber nicht im Interesse des türkischen Staatschefs Erdogan, der die Gunst der Stunde nutzen wolle, um die kurdische Autonomie zu verhindern. Nun sitze Kobanê in der Falle zwischen IS und türkischem Militär. Darum wolle man auch kein militärisches Eingreifen der Türkei, sondern verlange lediglich den dringend benötigten Versorgungskorridor vom eingeschlossenen Kobanê über türkisches Gebiet zum Kanton Cizîr.

Die Polizei griff zwar nicht ein, als Symbole illegalisierter Organisationen zu sehen waren. Ein Polizeisprecher drohte jedoch an, dass im Nachgang noch Anzeigen erstattet würden. Davon abgesehen, gab es – für eine solch große Demonstration doch bemerkenswert – keinerlei Vorkommnisse. Allen Beteiligten war klar, dass Polizei und skandalheischende Medien jede Rangelei in den Mittelpunkt der Berichterstattung gestellt hätten.

Schon bei vergangenen Großevents hatten die kurdischen Organisationen bewiesen, mit zahllosen Ordner*innen und Helfer*innen für die Sicherheit selbst Verantwortung zu übernehmen und auch hitzigere Gemüter in das gemeinsam Demonstrationsziel eingereiht zu bekommen. Selbstverwaltung bedeutet eben auch, die Polizei überflüssig zu machen, ohne andauernd Hilfspolizei spielen zu müssen.

Gleichzeitig versammelten sich in ‪‎Basel‬ weit über 5.000 Demonstrant*innen zu einer schweizweiten Großdemonstration. Und in ‪Wien‬ hatte bereits am Vortag eine österreichweite Zentraldemonstration mit bis zu 10.000 Teilnehmer*innen stattgefunden. Im Vorfeld einer kleinen Demonstration in ‪Bregenz‬ war es gestern zu einer Messerattacke von Islamisten auf kurdische Demonstrationsteilnehmer gekommen, bei der die Angreifer jedoch selbst verletzt wurden.

Quellen u.a.: Civaka Azad, Kurdische Nachrichten Nûçe- News, Frankfurter Rundschau, taz, ruhrbarone, Rote Fahne News, n-tv.
Bilder: twitter via @Hevallo, Antifa AK Köln

3 Kommentare leave one →
  1. Anonymous permalink
    12. Oktober 2014 20:24

    Der Block von „ums ganze“ wurde zu nicht unerheblichen Teilen von Anarchist*innen und Syndikalist*innen gestellt. IL und „ums ganze“ hatten zwar die Hochtransparente, aber diese dienten (Alt)Autonomen, Anarchist*innen und Syndikalist*innen >nur< als Orientierungshilfe/Treffpunkt.

    Anarchist*innen und Syndikalist*innen riefen während der gesamten Demo:

    "Kein Boss(!). Kein Staat. Kein Kalifat."
    "Wir sind wenig. Wir sind leise – finden ISIS trotzdem Scheiße!"
    "Biji Azadi. Biji anarşi." (Es Lebe die Freiheit. Es lebe die Anarchie)

    Der meistgerufene Slogan auf der Demo war übrigens: "Biji Serok Apo" (Es lebe unser Führer Abdulla Özalan)

  2. Solidarität mit Protest von Kurden und Türken gegen ISIS und Türkeipolitik Düsseldorf 06.-07.10.2014 permalink
    13. Oktober 2014 00:07

    Solidarität mit Protest von Kurden und Türken gegen ISIS und Türkeipolitik Düsseldorf 06.-07.10.2014

    Infos unter: http://civaka-azad.org

    ISIS greifen von mehreren Seiten von der Türkei unterstützt Kombane an.
    Brutale Massaker finden statt ?, drohen statt zu finden.
    Unsere Mainstream-Medien berichten darüber nicht gewissenhaft, aufklärend, sondern einseitig.
    Deshalb protestieren Kurden vor und in dem WDR-Düsseldorf, aber auch weltweit, über dieses Unrecht.
    Anschließend gingen wir noch vor den Landtag.
    Das Friedenscamp vor dem Landtag, ausgehend von den Montags- Mahnwachen oder Demonstrationen in Düsseldorf, solidarisiert sich ausdrücklich mit den protestierenden Kurden und wir fordern einen sofortigen Stopp dieses hinterhältigen Geostrategischen Geschachere von USA, Türkei, anderen Beteiligten, aber auch der EU, Nato, unseren Regierungen und besonders der Medien die über die wahren Hintergründe nicht aufklären, im Gegenteil, sie verdecken diese Zusammenhänge und geheimen Interesssen.
    „Wer schweigt, stimmt zu“, „Wer verfälscht, ist Täter, Mörder, Schuldiger“.

  3. Düsseldorf: Solidaritätsdemonstration mit den kurdischen Kämpfern in Kobane permalink
    13. Oktober 2014 20:54

    Düsseldorf: Solidaritätsdemonstration mit den kurdischen Kämpfern in Kobane

    Eine machtvolle Demonstration in Düsseldorf zur Solidarität mit dem Widerstand in Rojava und Kobanê gegen die faschistischen IS-Terroristen. Die Losung der MLPD war: Die Schlacht um Kobanê ist von weltweiter Bedeutung! Es lebe die internationale Solidarität! Stefan Engel stellte den Vorschlag eines Solidaritätspaktes aller revolutionären Organisationen weltweit mit dem kurdischen Befreiungskampf vor. Aufhebung des PKK-Verbots und des Waffenembargos gegen die kurdischen Kämpfer der PYD und YPG.

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