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Rache für den „Mindestlohn“

30. September 2014

notlovinitDie großen Fastfood-Ketten haben einen Weg gefunden, die Einführung des Mindestlohns auszuhebeln: Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie sämtliche Zuschläge werden einfach abgeschafft. Unterm Strich bliebe den Beschäftigten weniger als heute.

Der gesetzliche Mindestlohn rückt näher und die deutsche Wirtschaft hat sich in weiten Teilen darauf eingestellt. In Hochlohnbranchen wie der Chemie-, Elektro- oder Automobilindustrie sind 8,50 Euro pro Stunde ohnehin kein Thema. In anderen Bereichen wurden verbindliche Übergangslösungen vereinbart, die ein allmähliches Ansteigen der Entgelte auf 8,50 bis spätestens Anfang 2017 vorsehen.

Anpassungspläne besonderer Art haben nun Fastfood-Ketten und andere Großgastronomen vorgelegt, die im Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) zusammen geschlossen sind. Der Verband präsentierte in der vergangenen Woche zum Start der Tarifverhandlungen, die an diesem Mittwoch in die zweite Runde gehen, ein bemerkenswertes Angebot für die mehr als 100.000 Beschäftigten: Es soll teils sogar zweistellige Entgeltsteigerungen bis zum Mindestlohnniveau geben, was unterm Strich aber Lohneinbußen von einigen hundert oder sogar mehreren tausend Euro pro Jahr bedeuten würde.

Bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) herrscht angesichts der Offerte Fassungslosigkeit. „Es kann doch nicht sein, dass infolge der Mindestlohneinführung die Beschäftigten weniger in der Tasche haben als vorher“, sagt NGG-Vize Burkhard Siebert dieser Zeitung.

Weihnachts- und Urlaubsgeld entfallen komplett

Es kann nicht? Oh doch. BdS-Hauptgeschäftsführerin Valerie Holsboer kleidet ihr „ yes, we can“ in freundliche Worte. Angesichts der Mindestlohneinführung sei „klar, dass wir das Gesamtpaket bestehend aus Entgelt- und Manteltarifvertrag neu schnüren müssen“.

Quelle: BZ

4 Kommentare leave one →
  1. Granado permalink
    30. September 2014 16:03

    Die „Berliner Zeitung“ (Ost) ist nicht zu verwechseln mit Springers B.Z.

  2. 30. September 2014 16:58

    Wobei diese „Rache“ jetzt medienwirksam als solche verkauft wird, damit die Leute nie wieder eine Erhöhung fordern. Der Mindestlohn ist in den USA ja schon längst Gang und Gäbe, von wegen Maccas…Die komplette Streichung sämtlicher Zulagen war eh schon in Planung. Soll jetzt auch bei uns im Betrieb eingeführt werden, und ich arbeite zurzeit in einem Betrieb, der deutlich über Mindestlohn zahlt. Wieder meine Frage: Wo sind eigentlich die Gewerkschaften????

    • sputnik permalink
      30. September 2014 18:03

      In welcher bist Du denn aktiv?

  3. Alfredsson permalink
    30. September 2014 19:31

    Der klassische Fall zur Mindestlohn-Unterbietung dürften die Tarifverträge für Zeitarbeit sein: In der untersten Lohngruppe wird zwar jetzt 8,50 € gezahlt, aber eben nur für sieben Stunden am Tag, auch wenn tatsächlich acht Stunden (oder mehr) gearbeitet wird. Das nennt sich dann 35-Stunden-Woche. Die achte Stunde geht auf ein „Zeitkonto“ (Momos graue Herren grüßen…) von maximal 150 Stunden. Das entspricht etwa der Stundenzahl der vierwöchigen Kündigungfrist.

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