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OZ ist tot – Hamburg hat sein Lächeln verloren. Ein Nachruf

29. September 2014

Tief durchatmen und den Panzer der Normalität sprengen -Flora-Wandbild von Sinje KätschWalter Josef Fischer, alias OZ, Hamburgs – und wohl auch Deutschlands – bekanntester Sprayer und Graffitikünstler ist tot. Am 25. September 2014, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wurde er in der Nähe des Hauptbahnhofs Hamburg beim Sprühen eines Tags von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt. Er ist 64 Jahre alt geworden. Sein gewaltsamer Tod, der auf verstörende Weise einem risikoreichen Leben zu entsprechen scheint, ist eine furchtbare Tragödie und hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen ist.

Zwei Jahre zuvor: KP Flügel, Buchautor und Hörfunkjournalist, rief mich im Hamburger Verlagsbüro von Assoziation A an und erzählte, er plane gemeinsam mit Jorinde Reznikoff die Herausgabe eines Buches über OZ, das dessen Werk im Spannungsfeld „zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ beleuchten solle. Er suche dafür einen Verlag. Ich war spontan Feuer und Flamme für das Projekt. „Du wirst es nicht glauben, aber das ist genau mein Ding“, antwortete ich.

Noch heute kann ich mich nicht daran erinnern, jemals einem Buchprojekt so schnell und vorbehaltlos zugestimmt zu haben. Ich beschäftigte mich seit geraumer Zeit mit Streetart und hatte die Stadt auf dem Fahrrad mit der Fotokamera im Gepäck auf der Suche nach ihr erkundet. Die Allgegenwärtigkeit von OZ im Straßenbild Hamburgs war frappierend und zog mich wie so viele vor mir in den Bann. Der Produktionsprozess des Buches gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht und zog sich in die Länge. Andreas Blechschmidt, in der Soli-Arbeit mit OZ aktiv und Mitarbeiter des Anwaltsbüros am Schulterblatt, das OZ als Rechtsbeistand zur Seite trat, stieß hinzu. Sven Stillich, den ich von einem Buch über das Gängeviertel her kannte und außerordentlich schätzte, fragte ich, ob er bereit sei, ein Porträt über OZ beizusteuern. Ich selbst radelte erneut Hunderte von Kilometern durch die Stadt, um Fotos für das Buch aufzunehmen, und kontaktierte Streetartisten, die sich unter dem Motto „Free OZ“ mit eigenen Kunstwerken mit OZ solidarisiert hatten. Walter selbst war  anfangs extrem misstrauisch und nur schwer von dem Projekt zu überzeugen. Ohne seine Einwilligung würde ich das Buch aber nicht machen, so viel stand fest. Erschwerend kam hinzu, dass sein Umfeld zerstritten war und von vielen Seiten – sei es mit den besten, sei es mit eigennützigen Absichten – an ihm herumgezerrt wurde. Der Vorteil war: Ich lernte Walter nun genauer kennen.

Walter Josef Fischer, wie OZ mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 7. Januar 1950 in Heidelberg geboren. Als uneheliches Kind wird er von seiner Mutter getrennt und von den Verwandten in ein katholisches Waisenhaus abgeschoben. Dort arbeiten zum Teil Erzieher und Erzieherinnen, deren Haltung noch von der der nationalsozialistischen Ideologie der „Ausmerze“ von der Norm abweichender Menschen geprägt ist. Als uneheliches Kind, das zudem an einer Sprachbehinderung aufgrund einer – später operierten – Gaumenspalte leidet, erfährt er mannigfache Demütigungen und Erniedrigungen, die er sein Leben lang nicht vergessen wird und die ihn auf immer prägen werden. Mit 15 Jahren verlässt er das Heim. Pläne, Gärtner oder Friseur zu werden, verlieren sich im Leeren Walter bricht die Lehre ab. Anfang der 1970er Jahre trampt er durch Europa und unternimmt eine Weltreise, die ihn bis nach Indien und  Afghanistan, schließlich Indonesien führen wird. Go East. Er verliebt sich in die tropische Natur, empört sich aber auch über Raubbau und soziale Ungerechtigkeit. Schließlich zieht die indonesische Polizei seinen Pass ein und schiebt ihn nach Deutschland ab. Zurück in Baden-Württemberg macht er in Stuttgart eine Entdeckung, die sein Leben verändern wird. Es ist die Zeit des RAF-Prozesses in Stammheim und die Straßen sind voller Sprühereien, die sich mit den Gefangenen solidarisieren. Walter F. ist fasziniert und experimentiert mit der Sprühdose als Mittel des politischen Ausdrucks. Mitte der 1980er Jahre will er die Freistadt Christiania in Kopenhagen besuchen, kommt aber nur bis Flensburg, wo er 1986 zum ersten Mal wegen Sachbeschädigung vor Gericht gestellt wird. Anfang der 1990er Jahre zieht er nach Hamburg. Erst hier entwickelt er sein charakteristisches OZ-Logo, das er in den nächsten Jahren zehntausendfach – neben Smileys, Spiralen, farbigen Gemälden – an die Hauswände, Stromverteilerkästen, Poller, Pfeiler und Brücken der Hansestadt sprühen wird. Bald sind ihm die Polizei und die Hochbahnwache auf den Fersen. Schließlich wird sogar eine eigene Soko Graffiti gegründet, die ihm auflauert. Wiederholte Male wird er brutal zusammengeschlagen. Wegen seiner Sprühereien wird er mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt und verbringt insgesamt fast acht Jahre seines Lebens im Gefängnis.

Der Kampf gegen die „Saubernazis“ wird zu seinem Lebensinhalt. Er hat als Heimkind und sprachbehinderter Mensch den Terror der Normalität am eigenen Leibe erfahren. Aus dieser permanenten Demütigung hat er ein hochempfindliches Sensorium für das unterschwellige Gewaltpotential von Sauberkeitsfimmel, Ordnungswahn und bürgerlichen Sekundärtugenden, die dieses Land noch nie am Morden gehindert haben, entwickelt. Das Grauen der deutschen Geschichte ist ihm stets präsent, auf den Leib gebrannt, als tiefe Beunruhigung und innerer Antrieb zum Handeln, als Verpflichtung zum „Dagegenhalten“. Wiederholt ist ihm gedroht worden, unter den Nazis sei „so jemand wie er vergast worden“. Als er in den Strafprozessen Schilder hochhält, auf denen „KZ OZ“ oder „Jude“ steht, wird dies häufig kritisiert. Genauso wie sein Statement, er wolle mit seinen Kringeln und Spiralen an jeden einzelnen ermordeten Juden und „Zigeuner“ erinnern. Illegitime Einnahme einer Opferrolle und Banalisierung der NS-Verbrechen lautet der Vorwurf, in Wirklichkeit ist dies jedoch Ausdruck seiner Hypersensibilität gegenüber der Kontinuität einer untergründigen Gewaltbereitschaft gegenüber allem Abweichenden in der bundesrepublikanischen Gesellschaft und Beleg seines aufrichtigen Versuchs, mit bescheidenen Mitteln Widerstand und Erinnerungsarbeit zu leisten. Im Grau – „Wehrmachtsgrau“, wie er gern sagte – lauerte für ihn stets auch das Grauen. In der Übertünchung der Graffitis durch Stadt, Verkehrsbetriebe und Privateigentümer sah er einen Fanatismus am Werk, dem er kompromisslos den Kampf ansagte.In vielen Kommentaren wurde die rhetorische Frage aufgeworfen, ob denn jeder, der um die frischgestrichene Fassade seines – realen oder nur prospektiv erhofften – Eigenheims fürchte, nun ein Nazi sei. Wie auf die meisten rhetorischen Fragen, ist die Antwort eindeutig: in diesem Fall ein Nein. Die Frage ignoriert jedoch das Wesentliche: den eklatanten Überschuss an latenter und nur zu oft exzessiver Gewalttätigkeit, wie er sich selbst nach dem Tod von Walter F. in zahllosen Internet-Kommentaren Bahn bricht, die sich nicht scheuen, den Tod dieses „Schmierfinks“ zu feiern. Ein Hass, den er nicht wegen eines Gewaltverbrechens oder Massenmords, sondern wegen harmloser Graffitis auf sich zieht. Es ist genau diese Mentalität, gegen die OZ mit vollem Recht zu Felde zog.

Dabei ist das Schaffen von OZ wesentlich vielfältiger, als gemeinhin wahrgenommen wird. Neben dem Schriftzug „OZ“, den von den Hauswänden lächelnden Smileys und den tausendfachen Kringeln und Spiralen umfasst es auch großformatige farbige Werke, die manchmal an Zellstrukturen erinnern, manchmal wie kosmische Visionen auf einem LSD-Trip wirken. Farbexplosionen, in denen Mikro- und Makrokosmos sich ineinander spiegeln. Darin verwoben aufblitzende menschliche Gesichter, manchmal lächelnd, manchmal einen aufrüttelnden Schrei artikulierend. Die Reduktion, die Fokussierung auf das Elementare zeichnet sein Werk aus. Darin Keith Haring ähnelnd. Die schwarzen Tags sollten nicht aus dem Blick geraten lassen, dass das Universum von OZ im Wesentlichen bunt ist. Der Stadt die Farbe zurückzugeben, sie zu verschönern, ist das erklärte Ziel von OZ.Deutlich wird dies auch in den Atelierbildern, die OZ auf Leinwand gesprüht hat. Als Spiritus Rector stand ihm dabei in einem bisweilen durchaus konfliktiven Verhältnis über Jahre sein Galerist Alex Heimkind von der OZM Art Space Gallery zur Seite, der mehrere Ausstellungen mit und von OZ organisierte und ihn zu Gemeinschaftsproduktionen mit anderen Künstlern ermunterte. Insbesondere in der letzten Ausstellung „Untitled“ ist ein qualitativer Sprung in der künstlerischen Entwicklung von OZ erkennbar, der sein ungeheures Potential erahnen lässt. Paradoxerweise hat Walter selbst das nie recht würdigen können. Immer wieder betonte er, dass er für die Galerie nur arbeite, weil er seine Anwälte finanzieren müsse. Sein Arbeitsfeld war definitiv die Straße.OZ‘ Werk kann indes nur angemessen gewürdigt werden, wenn man es in seiner komplexen Gesamtheit ins Auge fasst. Wie er im Laufe von knapp einem Vierteljahrhundert die Hamburger Stadtlandschaft gestaltet hat, lässt sich nur mit dem Begriff des Gesamtkunstwerks fassen, als monumentale soziale Plastik, die sein Leben mit einbezieht. Mit feinem Gespür hat das Hamburger Streetart-Duo Los Piratoz ein Graffiti gesprüht, das den chinesischen Dissidenten und Künstler Ai Weiwei mit Piratendreispitz neben die Parole „Free OZ“ stellt. Beider Leben erscheint als ein Gesamtkunstwerk – nur dass bei OZ das Moment der Selbstinszenierung gänzlich fehlt.

Wohl auf lange Sicht einzigartig sind die Konsequenz und Zielstrebigkeit, mit denen OZ seinen Weg beschritt. Er ließ sich darin durch nichts und niemanden beirren: nicht durch Gewalt, Repression und Gefängnis, die ihn nicht brechen konnten; nicht durch ein Leben in bitterer Armut, das er durch völlige Bedürfnislosigkeit konterte; nicht durch Lob, Schmeichelei oder Winken mit materiellen Vorteilen, denen gegenüber er gänzlich unempfindlich blieb. Ich kenne kaum jemanden, der so unabhängig von den Meinungen anderer Menschen war wie er. Darin war er unerreichbar und unkorrumpierbar. Felsenfest in seinen Überzeugungen. Walter hatte seine Entscheidung getroffen, seinen Kompass gefunden und folgte ihm unbeirrt. Zu sprayen war für ihn so selbstverständlich wie für andere das Atmen oder die Nahrungsaufnahme. Ein existentieller Akt. Auch wenn seinem Handeln eine offenbare Besessenheit innewohnte: OZ war für mich in einem grundlegenden Sinn das aufrüttelnde Beispiel eines freien Menschen.

Im März 2014 lag das Buch „Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ schließlich druckfrisch vor uns. OZ hielt sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Hamburg auf. Wieder einmal war er von der Hochbahnwache verprügelt und mit dem Kopf auf das Trottoir geschlagen worden, was – möglicherweise verbunden mit einem leichten Schlaganfall – seine Artikulationsprobleme wieder hatte aufleben lassen. Zur Rehabilitation befand er sich in einer neurologischen Klinik in der Lüneburger Heide. Zu dritt fuhren wir nach Soltau, um Walter das Buch offiziell zu überreichen. Der Weg vom Bahnhof zur Klinik gestaltete sich als Schnitzeljagd: Wir brauchten nur den zahllosen Kringeln in der zuvor super-cleanen Kleinstadt zu folgen, um zielsicher zur am Waldrand gelegenen Klinik zu gelangen. Und selbst hier waren zwischen den Bäumen auf einsamen Schildern seine Embleme zu finden. „Walt-Art“ nannte sie KP Flügel mit treffendem Witz. Wir verbrachten einen schönen, sonnenbeschienenen, frühlingshaft warmen Tag mit Walter, der das Buch bereits über einen Gewährsmann erhalten hatte. Er hatte es von vorne bis hinten durchgearbeitet und mit Kommentaren versehen. Wenn ihm etwas nicht gefiel, stand da zum Beispiel: „Von nichts ’ne Ahnung, aber dumm rumlabern.“ Wie er es denn insgesamt finde, fragten wir ihn leicht beunruhigt. „Na ja, hätte schlimmer kommen können, nicht wahr.“ Aus seinem Mund war das fast das höchste Lob.

Am 15. April 2014 folgte die Buchpremiere im Gängeviertel. Der Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die mit einer Overheadprojektion seiner Arbeiten verbundene Lesung gelang als wunderschöne, beglückende Würdigung des Werkes von OZ und setzte ein klares Zeichen gegen die Kriminalisierung seiner Kunst und von Streetart im Allgemeinen. Walter war incognito in der
freundschaftlich-beschützenden Begleitung seines Anwalts Andreas Beuth anwesend, von fast niemandem erkannt. Aber diesmal war er wirklich gerührt. „Zu mehr als hundert Prozent“ zufrieden sei er, wie er mir sagte.Tatsächlich hatte er sich einen Platz erkämpft, den ihn niemand mehr nehmen konnte. In der Presseberichterstattung hatte es langsam, aber sicher einen Wandel gegeben, und mit den Ausstellungen und Veröffentlichungen der letzten Zeit war die Frage, ob es sich bei „OZ“ um Kunst handele, entschieden. OZ hatte sich aus einem geschmähten, beleidigten, misshandelten und eingekerkerten „Schmierfinken“ in einen anerkannten Graffiti-Künstler verwandelt. Unumkehrbar. Seine Peiniger und Verfolger waren auf immer gescheitert. Mit seinem Werk hatte sich OZ unauslöschlich in das Gedächtnis der Hansestadt eingeschrieben, war Teil ihrer Geschichte geworden. Ihm selbst war das wie immer völlig schnuppe. „Und wozu soll das gut sein?“, fragte er. „Damit mich die Schergen beim nächsten Mal noch besser erkennen können?“

Wir haben uns danach noch einige Male gesehen und miteinander telefoniert. Einmal fragte ich ihn, ob er es in unserem Alter nicht
bequemer fände, auf einem Damenfahrrad zu fahren. „Ne“, sagte er. „Weißt du, wozu ich das brauche?“ Er hielt an, lehnte sein „Herrenrad“ an ein Straßenschild, stieg auf die Querstange und klebte oben einen Sticker an. „Da kommen die Schergen nicht so schnell ran und können ihn nicht wieder entfernen.“

Walter besaß eine ausgeprägte Guerillamentalität. Er sah sich in einem einsamen Kampf gegen die Mächte des Graus: Werbung, Ordnungshüter, Polizei. Ein Partisan der Farbe versus das Einerlei der kapitalistischen Stadt, gegen das er mit friedlichen Mitteln kämpfte. Gegen die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums reklamierte er ein Recht auf Stadt für alle und setzte es in einem selbstbewussten Akt der Aneignung und Umgestaltung in die Tat um. Seine einzige „Waffe“ war die Sprühdose, mit der er seine Umwelt verschönern wollte. Zumeist war er als Einzelkämpfer unterwegs. Obwohl er von zahlreichen Streetartisten und Graffiti-Writern als Vorbild verehrt wurde und auch in der Fanszene des FC St. Pauli auf große Resonanz stieß, suchte er nur selten den Kontakt. „Was hab ich mit denen zu tun?“, sagte er häufig. Er war schon vom Alter her eine Ausnahme und spielte auch sonst in einer anderen Liga.Walter konnte auch anstrengend, starrsinnig und nervig sein. Ich erinnere mich, wie ich in einer schwierigen Situation in das Anwaltsbüro von Andreas Beuth am Schulterblatt kam. Im Besprechungsraum saß Walter mit mehreren Anwälten und weiteren Personen, um das Vorgehen in diversen Streitfällen zu besprechen. Der Einzige, der sprach, war Walter. Kerzengerade auf seinem Stuhl. Entschieden und stur. Unverrückbar in seinen Vorstellungen und Wertungen, die er endlos wiederholen konnte. Er wusste genau, was er wollte.

Zum Schluss das Wichtigste: Es gab etwas an Walter, das mich – und wie ich weiß: nicht nur mich – bereits nach wenigen Begegnungen zutiefst angerührt hat. Er verfügte über einen eigenen Zauber. Vielleicht war es diese eigenartige und scheinbar widersprüchliche Verbindung von höchster Verletzlichkeit und Ungeschütztheit, die dieser scheue und schmächtige Mann ausstrahlte, und seiner singulären Konsequenz, Hartnäckigkeit und Eigenwilligkeit. OZ war durch nichts zu brechen und strahlte eine schwer zu ergründende, spürbare Energie aus, die bisweilen in seinen dunkelbraunen, fast schwarzen Augen aufglühte. Allzu häufig haben wir uns nicht gesehen, aber wir hatten einen Draht zueinander und ich habe diesen ganz und gar besonderen und einzigartigen Menschen sehr gemocht. Und ich bin glücklich, dass wir ein Buch veröffentlichen konnten und durften, das sein Schaffen in Ausschnitten für die Zukunft bewahrt. Sein Tod hat mich zutiefst erschüttert und ich hoffe, dass ein Funke meiner Zuneigung ihn in seiner Einsamkeit erreicht.Er fühle sich, wenn er in Hamburg unterwegs sei, von dem OZ-Schriftzug buchstäblich gegrüßt, hat Herr von Eden in unserem Buch geschrieben. Genauso ging es mir. Bei jedem Streifzug durch die Stadt begegnete mir ein Graffiti von OZ und jedes Mal entlockte es mir ein inneres Lächeln. Seine Omnipräsenz hatte etwas Tröstliches, war Teil meines Heimatgefühls geworden. Home is where your heart is. OZ gehörte definitiv dazu. Als ich heute im Fahrstuhl zu meinem Arbeitsplatz in unserer Bürogemeinschaft hinauffuhr, fiel mein Blick auf einen Kringel von OZ, der den klapprigen Kasten, der manchmal stecken bleibt, seit seinem letzten Besuch zierte. Nun muss ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe, daran denken, dass Walter ihm keine weiteren Zeichen mehr hinzufügen wird. Die Welt ist durch seinen Tod ärmer geworden. Wie jemand im SWR richtig bemerkte: Hamburg hat sein Lächeln verloren.

Theo Bruns, Hamburg, 27. September 2014

Der Link zum Buch:
http://www.assoziation-a.de/neu/Free_OZ.htm

6 Kommentare leave one →
  1. RIP permalink
    1. Oktober 2014 18:16

  2. Mike Spike Froidl ~ Don Chaos de la Nada permalink
    20. November 2014 17:55

    Mike Spike Froidl ~ Don Chaos de la Nada
    http://www.don-chaos.de/donchaos.html

    Samstag 24.11.2012 Hamburg

    am obigen Datum ab 20 Uhr Filme und Ausstellungsabend
    im No Pasaran, Lobuschstr. 39 Hamburg Altona.

    http://www.lobusch.org

    ~ syndikalismusTV ~

    • Mike Spike Froidl ~ Don Chaos de la Nada permalink
      20. November 2014 19:03

      UUUPS

      Aktuelle Termine und die neue Seite verjessen

      >fr.21.11. 2014 20 h Lesung and Finissage, Galerie Filter, Elbestr.37, Berlin-Neukölln

      >sa. 22.11 2014 19 h Gruppenaussstellung „Insekten“, Galerie whatUlookinart, Potsdamerstr. 72, Berlin

      >sa.29.nov 2014 20 h Lesung and Finissage Kunstverein GRAZ, Schäffnerstr.21, Regensburg

      >fr 19.Dez.2014 19 h, Ausstellungeröffnung Welt in Flammen, 84 Ghz, Georgenstr. 84, München-Schwabing

      http://www.mike-spike-froidl.de

  3. Werbung am Rande der Apokalypse permalink
    19. Oktober 2015 01:11

    Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 1)

    Über die vielen negativen Auswirkungen der Reklameindustrie und der gesamten Marketingmaschinerie, die sich in immer mehr Lebensbereiche der Menschen ausbreitet, habe ich hier im Blog ja schon des öfteren geschrieben. Dennoch ist dieses Thema so wichtig – und da es immer noch viel zu viele Leute gibt, die Werbung bloß für ein notwendiges Übel oder sogar für etwas Wertvolles halten, werde ich nicht müde, die Schädlichkeit der Reklame zu betonen. Deshalb war ich auch sehr erfreut, als ich neulich den Artikel „Advertising at the Edge of the Apocalypse“ von Prof. Sut Jhally aus dem Jahre 1999 entdeckte, der seitdem natürlich nichts an Aktualität verloren hat. Mit seiner freundlichen Erlaubnis präsentiere ich Euch seinen Text hier in der von mir übersetzten Fassung – da er sehr lang ist, werde ich ihn hier in mehreren Teilen veröffentlichen. Ich beginne heute – ganz überraschend – mit Teil 1:

    —————-
    Werbung am Rande der Apokalypse

    In diesem Artikel möchte ich eine einfache Behauptung aufstellen: die Werbung des 20. Jahrhunderts ist das mächtigste und dauerhafteste Propaganda-System in der menschlichen Geschichte und seine kumulierten kulturellen Auswirkungen werden mitverantwortlich dafür sein, die Welt, wie wir sie kennen, zu zerstören. Wenn sie dies erreicht, wird sie verantwortlich für den Tod Hundertausender von Menschen sein und die Menschen der Welt daran hindern, glücklich zu werden. Einfach ausgedrückt hängt unser Überleben als Spezies davon ab, die Gefahren der Werbung und der Kommerzkultur, die sie ausgelöst hat, zu minimieren. Ich habe diese Behauptung dick gedruckt, damit niemand Zweifel darüber haben kann, was in unseren Diskussionen über Medien und Kultur auf dem Spiel steht, während wir das neue Jahrtausend betreten.

    Kolonisierung der Kultur:

    Karl Marx, der hervorstechende Analytiker des Industriekapitalismus des 19. Jahrhunderts, schrieb 1867 zu Beginn von „Das Kapital“: „Der Reichtum von Gesellschaften, in denen die kapitalistische Produktionsweise vorherrscht erscheint als ein ‚gewaltige Anhäufung von Güten‘“. Bei der Suche, sein Analyseobjekt von früheren Gesellschaften zu unterscheiden, bezog sich Marx daruaf, wie sich eine Gesellschaft an der Oberfläche präsentiert und hob eine quantitative Dimension heraus – die Anzahl von Gegenständen, mit denen Menschen im Alltag interagierten.

    In der Tat war keine andere Gesellschaft in der menschlichen Geschichte in der Lage, dem immensen produktiven Ausstoß des industriellem Kapitalismus das Wasser zu reichen. Diese Tatsache prägt auch den Weg, wie die Gesellschaft sich selbst darstellt – die Art, wie sie erscheint. Überall im Kapitalismus gibt es Produkte/Gegenstände. In diesem Sinne ist der Kapitalismus wirklich eine revolutionäre Gesellschaftsform, die die Landschaft des sozialen Lebens dramatisch verändert, in einer Art und Weise,wie es keine andere Form der sozialen Organisation in so kurzer Zeit zuvor geschafft hat. Dieses sticht Marx als besonderes Unterscheidungsmerkmal ins Auge, als er das London des 19. Jahrhunderts beobachtet. Der Ausgangspunkt seiner eigenen Kritik ist deshalb nicht das, war er für die treibende Kraft der Gesellschaft hält (Kapital) und auch nicht das, von dem er glaubt, dass es Wert und Wohlstand schafft (Arbeit), sondern die Ware/das Produkt. Von dieser oberflächlichen Erscheinung geht Marx daran, die äußere Hülle der Gesellschaft zu durchdringen und die darunterliegende Struktur zu analysieren, die in den „versteckten Wohnstätten“ der Produktion liegt.

    Es reicht natürlich nicht aus, diese „gewaltige Anhäufung an Waren“ herzustellen, sie müssen auch verkauft werden, so dass weitere Investitionen in die Produktion durchführbar sind. Sobald sie hergestellt wurden, müssen Waren in den Kreislauf von Vertrieb, Verkauf und Konsum eingespeist werden, so dass ein Profit zum Besitzer des Kapitals zurückfließen und ein Wert in Geldform „realisiert“ werden kann. Wenn der Kreislauf nicht komplett durchlaufen wird, würde das System kollabieren und Stagnation und Depression hervorrufen. Kapitalismus muss deshalb auf Teufel komm raus den Verkauf der Waren sicherstellen. In dem Sinne ist das Problem des Kapitalismus nicht die Massenproduktion (welches gelöst wurde), sondern das Problem des Konsums. Deshalb ist es seit den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts an zutreffender, die Beschreibung „die Konsumenten-Kultur“ zu benutzen, wenn es darum geht, westliche Industrie-Marktwirtschaften zu charakterisieren.

    Der Konsum ist dermaßen bedeutend für sein Überleben und Wachstum, dass der Industrie-Kapitalismus am Ende des 19. Jahrhunderts eine einzigartige neue Einrichtung ins Leben rief – die Werbeindustrie –, um sicherzustellen, dass die „gewaltige Anhäufung an Waren“ zurück zu Geld transformiert wurde. Die Aufgabe dieser neuen Industrie sollte es sein, die besten kreativen Köpfe der Gesellschaft anzuwerben und eine Kultur zu erschaffen, in denen Wünsche und Identität mit Produkten verknüpft werden, um die tote Welt der Dinge mit menschlichen und sozialen Möglichkeiten lebendig zu machen (etwas, das Marx prophetisch den „Waren-Fetischismus“ nannte). Und in der Tat hat es niemals einen vergleichbaren Propaganda-Aufwand gegeben wie den der Werbung des 20. Jahrhunderts. Mehr Nachdenken, Anstrengungen, Kreativität, Zeit und Aufmerksamkeit fürs Detail wurde in den Verkauf der gewaltigen Produktanhäufung gesteckt als in jede andere Kampagne der Menschheitsgeschichte, um das öffentliche Bewusstsein zu ändern. Ein Indikator dafür ist ganz einfach die Summe an dort investiertem Geld, die bis zum heutigen Tag exponentiell gewachsen ist. Heutzutage werden alleine in den USA über 175 Milliarden US$ pro Jahr ausgegeben, um uns Dinge zu verkaufen. Solch eine Konzentration an Bemühungen gab es zuvor noch nie.

    Es ist deshalb keine Überraschung, dass etwas so Zentrales, für das so viel Geld ausgegeben wird, in unserem sozialen Leben eine so wichtige Rolle spielt. Kommerzielle Interessen, die darauf abzielen, den Konsum dieser gewaltigen Anhäufung von Waren zu maximieren hat mehr und mehr Räume unserer Kultur mit Beschlag belegt. Beispielsweise wurde praktisch das gesamte Mediensystem (Fernsehen und Presse) als ein System fürs Marketing entwickelt – seine Hauptfunktion besteht darin, Publikum zu generieren, das an Werbetreibende verkauft werden kann. Sowohl die Werbung, die über diese Medien transportiert wird wie auch die journalistischen Inhalte, die als Begleitung dienen, feiern die Konsumentenkultur. Die Filmkultur, einst außerhalb des direkten Einflusses des breiteren Marketingsystems aktiv, ist nun über Strategien wie Lizensierungen, Produkt Placements etc. vollkommen integriert. Die Hauptfunktion vieler Holywoodfilme besteht heutzutage darin, dem Abverkauf von Produkten zu helfen. Da öffentliche Gelder vom nicht-kommerziellen Kulturbereich abgezogen werden, kämpfen Kunstgallerien, Museen und Symphonieorchester um das Sponsoring durch Konzerne. Selbst diejenigen Einrichtungen, von denen man dachte, dass sie außerhalb der Marktlogik stünden, werden hineingesaugt. Hochschulen verkaufen nun die Werbeflächen an ihren Bussen, den freien Platz in ihren Fluren und die Zeit & Aufmerksamkeit ihrer Schüler an Händler, die Schokoriegel, Softdrinks und Jeans verhökern. In New York werden Sponsoren für öffentliche Spielplätze gesucht. In der heutigen Welt wird alles von irgendwem gesponsert. Die neuesten Pläne der Space Marketing Inc. suchen nach Raketen, um kilometerlange Plakatwände zu transportieren, die mit der Sonne und dem Mond um die Aufmerksamkeit der Erdbevölkerung konkurrieren.

    Weil Werbebotschaften überall zu finden sind, von den Früchten im Supermarktregal über Urinale bis hin zu dem Platz zwischen unseren Füßen (Bamboo Lingerie ließ eine Kampagne in Manhatten durchführen, bei der auf den Bürgersteig „Von hier aus sieht es aus, als wenn Sie neue Unterwäsche gebrauchen könnten“ gesprüht wurde), kann es nicht verwundern, dass viele Berichterstatter inzwischen den Bereich der Kultur einfach als eine Beigabe zum System der Produktion und des Konsums ansehen.

    Die kommerzielle Durchdringung unserer Kultur ist in der Tag so überwältigend geworden, dass sie für die Marketingleute ihre ganz eigenen Probleme geschaffen hat, weil diese sich nun den Kopf darüber zerbrechen müssen, dass ihre jeweilige Botschaft aus dem „Lärm“ und dem „Wirrwarr“ dieser geschäftigen Umgebung herausragt. In diesem Sinne sind die Hauptkonkurrenz für Werber nicht einfach andere Marken ihres Produkttyps, sondern alle anderen Werbetreibenden, die um die Aufmerksamkeit einer zunehmend zynischer werdenden Öffentlichkeit buhlen, die alles tut, um Reklame auszuweichen. Es ist ein merkwürdiges Paradox, dass der Job eines einzelnen Werbers umso schwieriger wird, je mehr Raum Werbung in unserer Kultur belegt. Deshalb werden immer mehr Sorgfalt und Ressourcen in die Erschaffung kommerzieller Botschaften gesteckt – viel mehr als in die begleitenden redaktionellen Inhalte, die dazu gedacht sind, die Aufmerksamkeit der Leute zu fesseln. Wenn wir landesweit ausgestrahlte Werbespots mit etwas vergleichen wollen, müssten wir dies wohl mit den teursten Blockbustern im Kino tun. Auf die Sekunde umgerechnet kostet ein durchschnittlicher Reklameclip mehr als ein Film wie Jurassic Park.

    Die beiden Folgen dieser Entwicklungen sind, dass Werbung überall ist und gewaltige Summen an Geld und Kreativität für sie ausgegeben werden.

    Wenn Marx in der heutigen Zeit schreiben würde, glaube ich, dass er nicht nur durch die Gegenwart von noch mehr Gegenständen betroffen wäre, sondern auch durch den allgegenwärtigen „Diskurs durch und über Gegenstände“, der die öffentlichen und privaten Räume durchzieht. (siehe Leis et al. 1990, S. 1) Dieser kommerzielle Diskurs ist die Grundlage, auf der wir leben, der Raum, in dem wir zu denken lernen, die Linse, durch die wir die Welt um uns herum zu erkennen lernen. Wenn wir verstehen wollen, wohin wir als Gesellschaft uns bewegen, ist eine adäquate Analyse dieser kommerziellen Umwelt unentbehrlich.

    Zu diesem Verstehen gehört auch eine Klarstellung, was wir mit der Macht und Effektivität von Anzeigen meinen, und in der Lage zu sein, die richtigen Fragen zu stellen. Allzu lange konzentrierte sich die Diskussion darauf, ob Werbekampagnen Nachfrage für ein spezifisches Produkt erzeugen. Wenn du Pepsi, Ford oder Anheuser Busch bist, mag das die richtige Frage für dich sein. Aber wenn du dich für die soziale Macht der Werbung und den Einfluss von Werbung auf die Gesellschaft interessierst, ist das die falsche Frage.

    Die richtige Frage wäre, nach der kulturellen Rolle der Reklame zu fragen, nicht nach ihrer Marketingrolle. Kultur ist der Platz und Raum, in dem eine Gesellschaft Geschichten über sich selbst erzählt, in der Werte ausgedrückt und artikuliert werden, wo Vorstellungen von Gut und Böse, Moral und Amoral definiert werden. In unserer Kultur dominieren die Werbegeschichten die Räume, die diese Funktion vermitteln. Da Menschen im Pinzip geschichtenerzählende Wesen sind, bedeutet das Studium der Werbung die Untersuchung des zentralen Geschichtserzählungsmechanismus unserer Gesellschaft. Die korrekte Frage, die man aus dieser Perspektive stellen muss, ist nicht, ob eine spezielle Anzeige die Produkte, die es anpreist, auch verkauft, sondern was die stets gleichartigen Geschichten sind, die Werbung als solche darüber verbreitet, was wichtig in der Welt ist, wie man sich verhalten soll, was gut und was schlecht ist. Letztlich muss man also danach fragen, welche Werte Werbung permanent verbreitet.

    —–

    Die nächsten Teile folgt dann in den nächsten Tagen! Teil 2 HIER, Teil 3 HIER und Teil 4 HIER
    Verwandte Beiträge:

    Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 3)
    Werbung am Rande der Apokalypse (5. und letzter Teil)
    Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 2)
    Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 4)
    Angefüttert – Fernsehwerbung und ihr schädlicher Einfluss auf die Gesundheit von Kindern

    http://konsumpf.de/?p=13638

  4. Köpenicke permalink
    8. November 2015 18:04

    S-Bahn fahren ist geil … Mit der Punkband „Nordwand“ im Sonderzug nach Köpenick

  5. St. Pauli! Scheiß Bullen! Habt ihr immer noch nicht genug permalink
    2. Juli 2016 00:51

    St. Pauli! Scheiß Bullen! Habt ihr immer noch nicht genug

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