Skip to content

Rezension: Evert Arvidsson – Der freiheitliche Syndikalismus im Wohlfahrtsstaat

24. September 2014

arvidssonDie heute mehr als ein halbes Jahrhundert alte Broschüre Der freiheitliche Syndikalismus im Wohlfahrtsstaat von Evert Arvidsson  hält einige Gedanken und Lehren für den geneigten Leser bereit, die in der heutigen Beklemmung der freiheitlichen Bewegungen durchaus fortschrittliche Impulse liefern können.

Alles Leben ist Wandel und der freiheitliche Syndikalismus strebt zum Leben, so könnte man die Philosophie des Autors beschreiben, die in seinem Werk durchschimmert. Der Text ist geprägt von einer Bejahung der Erneuerungen der syndikalistischen Bewegung in Schweden, die sich von der Aufstandsromantik losgesagt hat; die den erweiterten, legalen Rahmen der Staatsdemokratie ausnutzt, um ihre Aufbauarbeit zu leisten, statt sich ihn durch unüberlegte und selbstgenügsame Reflexe zu verengen. Trotz aller Verbesserungen, die sich durch die Staatsdemokratie eingestellt haben, ist sich Arvidsson jederzeit bewusst darüber, dass der Staat sein Verschwinden durch Aufgabe der Staatsdemokratie und Annahme der Diktatur zu verhindern weiß. Der Autor sieht sich in dieser Hinsicht als Syndikalist besonders dem Bolschewismus und Marxismus entgegengestellt.

Dieser diktatorische Zustand bestimmt aber Schweden zu seiner Zeit nicht. Um interessierte Aktivisten anzuziehen, muss deshalb der Syndikalismus, der die Bedürfnisse der Zeit bedienen soll, auf die neuen Bedingungen möglichst gut angepasst sein. Arvidsson stellt einige Anpassungen der schwedischen Bewegung vor, wie zum Beispiel die Reaktionen auf die sich durchsetzende „Arbeitslosenklasse“. Wenn man in der deutschen Bewegung heute an Hartz IV denkt und an das Potenzial, welches eine solche Klasse hätte entwickeln können, im Gegensatz zu perspektivlosen Lippenbekenntnissen der Anti-Hartz IV-Proteste, dann merkt man sofort, dass auch in älteren Werken einige Ideen stecken, die für unsere Zeit von Nutzen sein können.

Dieser Anpassung stellt Arvidsson die Gefahr der Selbstgenügsamkeit entgegen, die eine Idee, eine Bewegung, einschränkt und sie unattraktiv für die Masse macht, von deren Belangen ihre abstrakten, dogmatischen Forderungen losgelöst sind. Dem Syndikalismus treu zu bleiben, heißt nach Arvidsson, seine Prinzipien zu erneuern und dem Wandel, der sich überall im Leben zeigt, auch in der Idee Raum zur Entwicklung zu verschaffen. Eine starre Idee, die ihr Programm ohne Rücksicht auf den Gang der Dinge vollstreckt ist toter Glaube und stirbt zwangläufig ab.

Die Broschüre des schwedischen Syndikalisten reiht sich ein in die Tradition des Anarcho-Syndikalismus, stets auch eigene Ansichten zu reflektieren und die Zeit, in der man sich befindet, genau zu besichtigen, um die eigenen Einstellungen an ihr zu prüfen. Es war immer einer der Vorzüge dieser Bewegung, dass es in ihr wache Geister gab, die die Revolte auch nach innen lebten, damit die Bewegung Impulse zur Erneuerung erfuhr und nicht geistig verknöcherte. Im Gegensatz zum sogenannten Postanarchismus, der lediglich die eigenen Schlagwörter in modernen soziologischen Trends zu bestätigen sucht, aber weit von Attraktivität und Praxis entfernt ist, macht es das zukünftige Potenzial des Syndikalismus aus, eben dieser satten Selbstgenügsamkeit durch bewusstes Leben und perspektivische Gewerkschaftspraxis zu entgehen.

Exemplarisch für diese Tradition sind beispielsweise Rudolf Rockers Möglichkeiten einer anarchistischen und syndikalistischen Bewegung, Horst Stowassers Aufsatz „Ist der Anarchismus noch zu retten?“ in seinem Werk Anarchie! und Beltrán Roca Martínez‘ Die Renaissance des Anarcho-Syndikalismus.

Will der freiheitliche Syndikalismus heute in Deutschland eine positive Entwicklung beginnen, so muss auch er, ähnlich dem von Arvidsson dargestellten schwedischen Modell und ähnlich dem von Martínez dargestellten spanischen Modell, viel Arbeit investieren, um moderne, der Zeit angepasste Kompetenzen aufzubauen, weg von jeglichem subkulturellen Prokrustebett. Dazu ist eine Phase der Besinnung nötig; eine Aufbauphase ergibt sich nicht aus der heute herrschenden Unordnung und Entschlusslosigkeit.

Evert Arvidssons Broschüre ist eines der Werke, die uns dazu reichlich Beispiele anderer, unsere Ziele mittragender Organisationen ‒ hier die SAC ‒ liefern. Die Broschüre zeugt von einem lebenserfahrenen Autor, der mit seinen Ansichten nicht hinterm Berg hält, sondern sie erfolgreich einzubringen versucht, auch auf die Gefahr hin, von Zeloten angefeindet zu werden. Letztendlich aber sind es nicht die Priester der reinen Lehre, die den Fortschritt weiterbringen, sondern die Unorthodoxen und Rebellen, die einer Bewegung zu neuen Mitteln verhelfen. Arvidsson ist zweifelsohne einer von ihnen.

Evert Arvidsson: Der freiheitliche Syndikalismus im Wohlfahrtsstaat | Darmstadt | Verlag Die Freie Gesellschaft | 1960

Quelle: Arbeiterbörse für Literatur

3 Kommentare leave one →
  1. Antipolitik 1 permalink
    24. September 2014 18:19

    Gustav Landauer

    Antipolitik

    Ausgewählte Schriften – Band 3.1
    herausgegeben von Siegbert Wolf und illustriert von Uwe Rausch

    Gustav Landauer wollte den Menschen Auswege aus der Anonymität und Isolation ihrer Lebensverhältnisse jenseits von Individualismus und Kollektivismus im Verständnis von sozialer Individualität in Gemeinschaft eröffnen. Hierbei war er nicht gewillt, bei einer von ihm immer wieder eingeforderten Gesellschaftskritik stehen zu bleiben. Vielmehr forderte er, aus dem Fundus anarchistischer Theorien schöpfend, dazu auf, system-oppositionelle Haltung zu verbinden mit konstruktivem, individuell und sozial verantwortlichem Handeln, um so die libertäre Lebenswelt zu verwirklichen. Im Zentrum seines Denkens und Handelns stand die Überzeugung, dass sich die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Engagement wiedererkennen müssen. Das Erstrebte, nämlich die restrukturierte Gesellschaft, müsse bereits auf dem Weg dorthin deutlich identifizierbar sein.

    Die im vorliegenden Band “Antipolitik” der „Ausgewählten Schriften“ Gustav Landauers abgedruckten Texte legen den Schwerpunkt auf Geschichte und Programmatik des „Sozialistischen Bundes“ (1908-1915). Sie versammeln Landauers bedeutende, bis heute aktuellen Aufzeichnungen unter der Überschrift „Wege in die Gemeinschaft“ hin zu einer kommunitären, föderalistischen Restrukturierung der Gesellschaft.

    „Siegbert Wolf gibt Gustav Landauers ‚Ausgewählte Schriften‘ in 6 Bänden heraus. […] Siegbert Wolf kennt Gustav Landauer wirklich. Das ist ein großes Glück für dessen Andenken.“ (Ronald Vierock, „Antipolitik“ oder das Eigentliche? In: „Hinter der Weltstadt“. Mitteilungen des Kulturhistorischen Vereins Friedrichshagen e. V., Nr. 20, April 2010, S. 55/56.)

    Rezensionen

    Besprechung auf Hagalil hier …
    http://www.hagalil.com/archiv/20-10/02/landauer.htm

    E.A. Homburg: Landauer ist möglich! Nach Jahren erscheint endlich eine umfangreiche Landauer-Ausgabe.

    Mit den seit 2008 im Verlag Edition AV (Lich/Hessen) erscheinenden „Ausgewählten Schriften” Gustav Landauers (1870-1919) ist es nach bislang vergeblichen Anläufen erstmals gelungen, das Werk dieses bedeutenden Libertären in einer mehrbändigen Ausgabe umfassend zu präsentieren. Bislang konnten vier Bände – Internationalismus (Bd. 1, 2008), Anarchismus (Bd. 2, 2009) und Antipolitik (Bd. 3.1. u. 3.2, 2010) – vorgelegt werden; weitere zu den Themen: „Nation, Krieg und Revolution“, „Philosophie und Judentum“ sowie „Literatur“ werden folgen.
    Als Literaturkritiker, Übersetzer, Roman- und Novellenautor, Vortragsredner und Essayist, als libertärer Sozialist und jüdischer Kulturphilosoph genoss Gustav Landauer hohes Ansehen. Er agierte als Anti-Politiker, Sprach- und Kulturkritiker sowie Initiator zahlreicher libertärer Projekte. Er legte als erster eine umfangreiche Übersetzung der mittelhochdeutschen Predigten des Mystikers Meister Eckhart vor (1903) und wirkte mit am Hauptwerk „Beiträge zu einer Kritik der Sprache“ (1901/02) seines langjährigen Freundes, des Sprachphilosophen Fritz Mauthner (1849-1923). Aus dieser Kooperation entstand die Schrift „Skepsis und Mystik. Versuche im Anschluss an Mauthners Sprachkritik“ (1903), die zusammen mit der geschichtsphilosophischen Monographie „Die Revolution“ (1907) und dem programmatischen „Aufruf zum Sozialismus“ (1911) für das Verständnis von Landauers Denken und Handeln grundlegend ist.
    Was Gustav Landauer vor allem antrieb, betraf die Suche nach einer menschlichen Gemeinschaft freier und gleichberechtigter Menschen in einer dezentralen und föderal vernetzten Welt. Auf sämtlichen Betätigungsfeldern wird diese Sehnsucht nach einem selbstbestimmten, frei vereinbarten Miteinander deutlich: Sowohl in dem von ihm 1908 gegründeten „Sozialistischen Bund“ (gemeinsam mit seinem anarchistischen Freund Erich Mühsam) und in seiner Zeitschrift „Sozialist“ als auch in seiner umfassenden Rezeption der Dramen William Shakespeares sowie der Französischen Revolution von 1789, in seinen zahlreichen Vorträgen zur deutschen und internationalen Literaturgeschichte ebenso wie etwa in seinem Engagement für eine Regeneration des Judentums (gemeinsam mit seinem Freund, dem Religionsphilosophen Martin Buber), seinem Antimilitarismus und seiner Mitwirkung an den revolutionären Ereignissen in München 1918/19. Mit seiner ausformulierten Konzeption eines libertären und föderativen Sozialismus – Stichwort: kommunitärer Anarchismus – zielte er auf eine grundlegende Erneuerung des Menschen und der Gesellschaft in Richtung Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und Humanismus.
    Während der Revolution von 1918/19 engagierte sich Gustav Landauer von München aus für eine freiheitliche Umgestaltung der Gesellschaft. Unablässig warb er für ein föderatives und dezentrales Rätesystem. Während der ersten bayerischen Räterepublik im April 1919 agierte er als „Volksbeauftragter für Volksaufklärung“, sprich: Kulturminister. Allerdings blieben ihm substantielle Veränderungen versagt. Anfang Mai 1919 wurde er im Zuge der Niederschlagung der Revolution brutal ermordet.
    Für Gustav Landauer bedeutete Anarchismus Herrschafts- und Staatslosigkeit, freies Ausleben der einzelnen Individuen und solidarischer Zusammenhalt aller Menschen. Ausgangspunkt ist seine anhaltende Empörung über soziale Ungerechtigkeiten und die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Wiederholt wies er auf die Notwendigkeit der Übereinstimmung von Zweck und Mittel hin, betonte die Überwindung von Gewalt in allen sozialen Beziehungen und forderte, bereits ‚hier und heute’ mit der gesellschaftlichen und persönlichen Umgestaltung zu beginnen.
    Anarchie bedeutete für Landauer nicht nur keine Herrschaft von Menschen über Menschen, sondern auch keine Herrschaft äußerer Ziele, Zwecke und Sinngebungen über das Leben der Menschen. Außerdem stelle eine libertäre Gesellschaft kein in eine ferne Zukunft verschobenes Menschheitsprojekt dar. Anarchie war für ihn der höchste Ausdruck sozialer Ordnung, eine nichttotalitäre Ordnung, die keinen Krieg und keine strukturelle Gewalt mehr kennt.
    Gustav Landauers Kulturphilosophie und Antipolitik wirkten auf so unterschiedliche Zeitgenossen wie Martin Buber, Erich Mühsam, Margarete Susman, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Georg Kaiser, Ernst Toller, Hugo von Hofmannsthal und Manès Sperber. Seine Schriften wurden in der deutschen Jugendbewegung diskutiert und nahmen Einfluss auf die genossenschaftliche Siedlungsbewegung in Palästina und auf viele Kulturzionisten.
    Landauers noch heute lesenswerte Texte vermitteln nicht nur einen detaillierten Einblick in den Anarchismus, seine Geschichte, Theorie und vielfältigen Strömungen, sondern zeichnen zugleich ein sozialgeschichtliches Panorama einer bewegten Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts und in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
    Jeder Einzelband der „Ausgewählten Schriften“ Gustav Landauers ist mit einer ausführlichen Einleitung sowie umfassender Textkommentierung seitens des Herausgebers versehen; beigefügt sind jedem Band eine Primär- und Sekundärbibliographie, eine chronologische Zeittafel zu Leben und Werk Landauers, ein Namenregister sowie eindrucksvolle Illustrationen des hessischen Künstlers Uwe Rausch (Langen).
    Dem Herausgeber Siegbert Wolf, Historiker und Publizist aus Frankfurt/M., und dem Verlag Edition AV ist für diese vorzüglich edierte Werkausgabe zu Gustav Landauer zu danken.

    Inhaltsverzeichnis und Personenregister (als PDF)
    http://www.edition-av.de/info/landauer_band_3_1.pdf

    INHALT
    Einleitung von Siegbert Wolf

    „Anarchie im ursprünglichen Sinne: Ordnung durch Bünde der Freiwilligkeit“
    Wege in die Gemeinschaft – Der „Sozialistische Bund“
    SEINER ZEIT VORAUS

    Henry George und der sozialdemokratische Agrarprogrammentwurf
    Das Petroleum-Weltmonopol
    Vorwort
    Vorwort und Anhang
    Der erste Mai
    Brot
    Freiheit
    Vom geistigen Privileg
    Rückkehr in die Großstadt

    VERWIRKLICHUNG

    Volk und Land. Dreißig sozialistische Thesen
    Unterirdische Strömungen in Deutschland
    Brief Gustav Landauers an Erich Mühsam vom 03. Mai 1907
    Die zwölf Artikel des Sozialistischen Bundes
    Die zwölf Artikel des Sozialistischen Bundes. (2. Fassung)
    Brief Gustav Landauers an Erich Mühsam vom 16. Juni 1908
    Sozialistischer Bund. Organisation.
    Das erste Flugblatt: Was will der Sozialistische Bund?
    Das zweite Flugblatt: Was ist zunächst zu tun?
    Das dritte Flugblatt: Die Siedlung
    Brief Gustav Landauers an Margarethe Faas-Hardegger vom 13. September 1908
    Brief Gustav Landauers an Martin Buber vom 15. September 1908
    Brief Gustav Landauers an Margarethe Faas-Hardegger vom 10. Oktober 1908
    „Der Sozialist“
    Brief Gustav Landauers an Margarethe Faas-Hardegger vom 24. Januar 1909
    Sätze vom Sozialistischen Bund
    Sozialismus und Bürgertum
    Konsum und Produktion
    Brief Gustav Landauers an John Henry Mackay vom 13. Mai 1909
    Liebe Kameraden!
    Die zwei Seiten
    Einkehr
    Eine sozialistische Bank
    Vom Weg des Sozialismus
    Organisationsfragen
    Die Siedlung
    Sozialistisches Beginnen
    Am sozialdemokratischen Parlamentarismus
    Kompromittiert
    Die Fortführung von Ferrers Werk
    Aus den Jahrgangseinleitungen zum „Sozialist“ (1910-1915):
    Zum neuen Jahrgang
    Zum dritten Jahrgang
    Zum vierten Jahrgang
    Zum fünften Jahrgang
    Zum sechsten Jahrgang
    Zum siebten Jahrgang
    Aufruf zur freien Schule
    Preußen
    Schwache Staatsmänner, schwächeres Volk!
    Der Schlendrian
    In Sachen der Konsumgenossenschaften
    Sozialismus und Genossenschaft
    Vorbemerkung zur ersten Auflage „Aufruf zum Sozialismus“
    Selbstmord der Jugend
    Die Niederlage von Jena
    Vom freien Arbeitertag
    Rede von der Reichstagsgalerie
    Die Abschaffung des Krieges durch die Selbstbestimmung des Volkes. Fragen an die deutschen Arbeiter
    Ferdinand Huber
    Aufruf zur Mitarbeit an einer geplanten Jugendzeitschrift des „Sozialistischen Bundes“
    Der Arbeitstag
    Das glückhafte Schiff
    „Der Physiokrat“
    Zum Thema: Sozialismus und Wissenschaft
    Der neue Hertzka
    Antwort auf einen kritischen Brief
    Arbeitselig
    Die preußischen Wahlen
    Von der Siedlung. Gespräch eines Siedlungsfreundes mit einem unwahrscheinlichen Gegner
    Der Sozialist
    Die Spitze
    Aus dem weltlichen Konfirmandenunterricht für die Arbeiterjugend
    Vom Sozialismus und der Siedlung. Thesen zur Wirklichkeit und Verwirklichung
    Brief Gustav Landauers an Max Müller vom 07. Dezember 1915
    Brief Gustav Landauers an Rudolf Leonhard vom 31. Dezember 1915

    ANHANG

    Zeittafel
    Primär- und Sekundärbibliographie
    Siglen und Abkürzungen
    Anarchistische Zeitungen und Zeitschriften
    Namenregister
    Angaben zur Person des Herausgebers und des Illustrators

  2. Antipolitik 2 permalink
    24. September 2014 18:26

    Gustav Landauer

    Antipolitik

    Ausgewählte Schriften – Band 3.2
    herausgegeben von Siegbert Wolf und illustriert von Uwe Rausch

    „Keiner findet die Freiheit, der sie nicht in sich hat. Und desgleichen: Nichts, was wirklich die Menschheit angeht […] kann irgendwie von Menschen durchgeführt werden, ohne dass diese Menschen in Freiheit zusammenwirken.“ (1911)
    Die im Band 3.1 und im vorliegenden Band 3.2 zum Thema „Antipolitik“ versammelten Aufsätze Gustav Landauers mit dem Schwerpunkt auf Geschichte und Programmatik des „Sozialistischen Bundes“ (1909-1915) bieten eine Gesamtschau von Landauers kommunitärem Anarchismus. Der Doppelband dokumentiert Landauers Weg, den er für notwendig erachtete, um zu einer Restrukturierung der Gesellschaft jenseits von Staat, kapitalistischem Markt und Großindustrie zu gelangen: Zusammenschluss in Bünden und Gemeinden und Gründung landkommunitärer Genossenschaftssiedlungen. Zugleich sollten die Menschen innerlich reifen und zu neuen sozialen Arrangements untereinander und im Verhältnis zur Natur finden – in Gegenseitigkeit, freier Vereinbarung, Freiheit und Gerechtigkeit: „Wahrer Sozialismus ist der Gegensatz zu Staat und kapitalistischer Wirtschaft. Sozialismus kann nur erwachsen aus dem Geist der Freiheit und freiwilligen Einung, kann nur entstehen in den Individuen und ihren Gemeinden. Je weiter der Geist des Sozialismus um sich greift, […] um so durchgreifender tritt an die Stelle der autoritären Gewalt der Vertrag, an die Stelle des Staates der Bund freier Gemeinden und Verbände: die Gesellschaft.“ (Die Zwölf Artikel des Sozialistischen Bundes, 1912).

    Rezension

    Besprechung auf Hagalil hier …
    http://www.hagalil.com/archiv/20-10/02/landauer.htm

    Inhaltsverzeichnis und Personenregister (als PDF)
    http://www.edition-av.de/info/landauer_band_3_2.pdf

    INHALT
    Einleitung von Siegbert Wolf

    „Der Sozialismus ist die Rückkehr zur […] natürlichen, abwechslungsvollen Verbindung aller Tätigkeiten“ – Der „Sozialistische Bund“ (II)
    Anmerkungen

    LANDAUER GEGEN GROSS

    Ein Wörtchen an die Frauen
    Brief Gustav Landauers an Erich Mühsam vom 12. Juli 1909
    Tarnowska
    Vorläufiges vom Neumalthusianismus
    Von der Ehe
    Anmerkung Gustav Landauers zu Ludwig Berndl. Einige Bemerkungen über die Psycho-Analyse
    Brief Gustav Landauers an Erich Mühsam vom 10. Juli 1911
    Brief Gustav Landauers an Martin Buber vom 01. September 1911
    Brief Gustav Landauers an Martin Buber vom 18. September 1911
    Anmerkungen

    AM WERK

    Gruppe „Grund und Boden“ (Oranienburg), Sozialistischer Bund. Siedlungsfonds
    Gruppe „Grund und Boden“, Aufruf zur Beteiligung an einer Siedlung
    Gruppe „Arbeit“ des Sozialistischen Bundes, Berlin: An die deutschen Arbeiter!
    Freier Arbeitertag
    An die Menschen, zu denen unsere Stimme dringt
    Organisationsstatut der Siedlungs-Vereinigung „Gemeinschaft “
    Zur Vorbereitung der ersten Siedlung
    Anmerkungen

    ZEITGENOSSENSCHAFT

    Eine ungehaltene Rede
    Offener Brief an Herrn August Bebel
    Die direkte Gesetzgebung durch das Volk
    Die Kriegsfeier
    Erinnerung ans Ausnahmegesetz
    Zum 18. Januar
    Vom Duell
    Der Reichstagsabgeordnete Bebel als Denunziant
    Herr Bebel, der Denunziant
    Bismarck. Ein Zwiegespräch
    Zirkular an die Mitglieder des Reichstages, die Presse und die Staatsanwaltschaft betr. den Prozess Ziethen
    Der Fall Ziethen. Ein Appell an die öffentliche Meinung
    In Sachen Ziethen
    Parlamentskritik
    Was für Zustände!
    Verwirklichung heißt die Losung!
    Die Partei
    Bilder aus der Krise
    Die Gefahren des Bergbaues
    Gespenster
    Ein Beispiel
    Die Politische Polizei
    Wohin?
    Wer soll anfangen?
    Die Kläglichkeit des deutschen Reichstags
    Von der Dummheit und von der Wahl
    Die Botschaft der „Titanic“
    Adel
    August Bebel
    Zwangslogik und Arbeitszwang
    Anmerkungen

    ANHANG

    Zeittafel
    Primär- und Sekundärbibliographie
    Siglen und Abkürzungen
    Anarchistische Zeitungen und Zeitschriften
    Namenregister

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: