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Ehern, tapfer, vergessen

11. September 2014

ehernDie Schwarze Katze hat am 03.08.14 in Dortmund ein Interview mit Martin Veith, einem der Autoren des Buches „Ehern, tapfer, vergessen – Die unbekannte Internationale – AnarchistInnen & SyndikalistInnen und der Erste Weltkrieg“ geführt. Es geht um antimilitaristischen Widerstand im I. Weltkrieg in verschiedenen Ländern, so auch in Rumänien und Neuseeland. Der Autor gibt im Interview Auskunft über sein im Buch erschienenen Kapitel „„Krieg dem Krieg” – Agitation und Widerstand von Anarchisten und Syndikalisten gegen den Ersten Weltkrieg in Rumänien“. Das Interview ist hier nachlesbar: http://schwarze.katze.dk/texte/buch30.html und wurde ausserdem in der Papierausgabe der Gai Dao Nr. 45 September 2014 auf den Seiten 14-15 abgedruckt.

Ja, wir sind Forscher

Schwarze Katze Interview mit Martin Veith

Interview zum Buch „Ehern, tapfer, vergessen. Die unbekannte Internationale. AnarchistInnen & SyndikalistInnen und der Erste Weltkrieg.“ Gai Dao Nr. 45, September 2014

Schwarze Katze: Ich spreche jetzt mit…

Martin Veith: Martin Veith.

Schwarze Katze: Du hast an einem Buch mitgewirkt, das heißt „Ehern, tapfer, vergessen. Die unbekannte Internationale. AnarchistInnen & SyndikalistInnen und der Erste Weltkrieg.“, erschienen im Verlag Edition AV. Was steht da so drin?

Martin Veith: Das Buch ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Institut für Syndikalismusforschung. dem Verlag Edition AV und anarchistischen und anarchosyndikalistischen Historikern und anderen Forschern zum Widerstand von AnarchistInnen und SyndikalistInnen im I. Weltkrieg eben nicht nur in Deutschland. Man muss dazu sagen, es gibt ein Buch, das den Widerstand von SyndikalistInnen in Deutschland gegen den I. Weltkrieg behandelt, das ist der Band 2 in der selben Reihe. Die Reihe heißt „Kapital braucht Kriege – Wir nicht: AnarchistInnen und SyndikalistInnen und der Erste Weltkrieg. Band 2 ist geschrieben von Helge Döhring und heißt „Im Herzen der Bestie: Syndikalismus in Deutschland 1914–1918“ und behandelt hauptsächlich mit Schwerpunkt auf Berlin den Widerstand in den Betrieben und den Widerstand von den revolutionären Obleuten. Dieses Buch hier, der Band 3, behandelt verschiedenste Länder auf der ganzen Welt und den Widerstand von AnarchistInnen und SyndikalistInnen dagegen.

Schwarze Katze: Ein Thema von dem Buch ist der anarchistische Widerstand in Rumänien, und darüber hast du im Rahmen der Antimilitarismus-Kampagne der Anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr etwas erzählt.

Martin Veith: Genau, wir hatten hier gestern eine Veranstaltung, wir sind eingeladen worden von den Genossinnen und Genossen der AFRR und in der Veranstaltung gestern habe ich eben ein bisschen was berichtet auch über die Entstehungsgeschichte des Buches, da kann ich auch noch ganz kurz was zu sagen. Mein Schwerpunkt in der Veranstaltung war die Situation in Rumänien, das ist ja sehr unbekannt, dass es in Rumänien eine anarchistische und anarchosyndikalistische beziehungsweise syndikalistische Bewegung gab.

Schwarze Katze: Was gab es denn da für anarchistischen Widerstand?

Martin Veith: Das war zum Einen auf agitatorischer Ebene. Es gab Broschüren von Peter Kropotkin, die vertrieben worden sind bis in die Kasernen rein, bis in die Sammelstellen und Truppentransporte . Es gab aber hauptsächlich einen syndikalistischen Widerstand, der natürlich auch von Anarchisten unterstützt worden ist. Es gab in Hafenarbeiter-Städten wie Brăila und Galati auch Streiks gegen den Krieg, es gab Proteste gegen die Teuerung, die im Zuge des Krieges vonstatten gegangen ist, Leute haben trotz Verbot demonstriert, die wurden teilweise vom Militär blutig niedergeschlagen: Im Erdölgebiet von Prahova, das ist nördlich von Ploiești, das ist etwa 100 Kilometer westlich von Bukarest gelegen, die Berge hoch. Das war immer das Petroleumgebiet, das war auch ein Kriegsziel der deutschen Politik, des Kaisers, um das Erdöl in die Hand zu bekommen, da gab es Streiks, Widerstand, Sabotage der Bohranlagen, es gab vielfältige Aktionen.

Schwarze Katze: In dem Buch geht es auch noch um anarchistischen und syndikalistischen Widerstand im I. Weltkrieg in anderen Ländern.

Martin Veith: Ja genau, das ist sehr interessant, weil das Schöne ist dann, wenn man dann so einen Resümee ziehen kann, dann kann man sehen, dass eigentlich in allen Ländern ziemlich ähnliche Situationen geherrscht haben. Das fängt an mit Zensur, mit Verbot, mit Verfolgung, aber auch mit Widerstand auf ganz vielfältigen Ebenen, mit Streiks. In dem Buch finden sich zum Beispiel Berichte über die Situation in Russland, über Österreich, über Ungarn und über England. In England am Beispiel von Stockport, dann wie gesagt über Rumänien, über Italien, das ist ein sehr interessanter Beitrag über Italien. Es hat dazu geführt, dass die italienischen Anarchistinnen und Anarchisten, die vorher weniger gemeinschaftlich organisiert waren, sich dann am Ende doch in einer gemeinsamen Organisation zusammengeschlossen haben. Es gibt einen Bericht über Spanien, insofern interessant, da Spanien kein aktiver Teilnehmer am I. Weltkrieg war, sondern die spanische Regierung nicht aktiv eingetreten ist in den Krieg, es gibt einen sehr interessanten, informativen Beitrag über Südamerika, und eben über Neuseeland. Das ist sehr spannend, also auch in Neuseeland gab es Widerstand.

Schwarze Katze: Was ist denn in Neuseeland passiert?

Martin Veith: In Neuseeland waren es interessanterweise die Wobblies, die da sehr aktiv waren. Die haben angefangen zu Boykotten aufzurufen, daß Leute nicht eingezogen werden sollen zum Militär, es gab Widerstandsbewegungen gegen die Mobilmachung, es gab dann auch die Repression des Staates, die dann dazu geführt hat, dass Leute interniert worden sind, ähnlich in anderen Ländern, wie auch in England. Ein Beitrag behandelt zum Beispiel die Internierung von Rudolf Rocker in London, wie es ihm da ergangen ist, und ein anderer Beitrag behandelt das Manifest der 16, was eigentlich nur 15 waren, aber in der Historie falsch dargestellt wird, wo sich AnarchistInnen um Peter Kropotkin für den Krieg ausgesprochen hatten, gegen das Deutsche Reich und gegen die Mittelmächte.

Schwarze Katze: Du arbeitest am Institut für Syndikalismusforschung mit.

Martin Veith: Ja, wir sind Forscher, durchaus keine Akademiker, auch wenn es Akademiker bei uns gibt, aber wir machen das aus Interesse, weil wir aus der Bewegung kommen und haben einen Schwerpunkt in die Erforschung der emanzipatorischen Arbeiterbewegung gelegt mit Schwerpunkt syndikalistischer und anarchosyndikalistischer Arbeiterbewegung. Ein Schwerpunkt ist dabei natürlich die Situation in Deutschland, das zu erforschen, das wiederzugeben. Ein anderer Schwerpunkt ist Osteuropa, Ukraine und Rumänien. Wir publizieren dazu einmal im Jahr ein Jahrbuch, das heißt „Syfo Forschung und Bewegung“, wo wir Forschungsergebnisse vorstellen und versuchen es in einer leicht verständlichen Weise zugänglich zu machen. Dann gibt es verschiedene Materialien, die wir in der „Edition Syfo“ veröffentlichen, wo bestimmten Themen ein bisschen detaillierter nachgegangen wird und wir veröffentlichen Bücher, machen Veranstaltungen, helfen immer gerne jeder und jedem beim Forschen, wenn sie selbst Interesse haben, in ihrer Stadt was herauszufinden, sind gerne behilflich, können auch immer angesprochen werden.

Schwarze Katze: Dazu gibt es auch eine Website.

Martin Veith: Ja, es gibt sogar zwei. Es gibt einmal die Website unter http://syndikalismusforschung.info und es gibt den Blog http://syndikalismusforschung.wordpress.com – wo auch aktuellere Sachen zu finden sind. Also einige unserer Broschüren gibt es auch kostenlos zum Download als PDF, da kann man gerne draufgucken und ansonsten wenn es Interesse gibt kann man sich immer gerne mit uns in Verbindung setzen und sehen, ob doch was dabei ist, was man machen kann.

Schwarze Katze: Wie fandest du die Antimilitarismus-Kampagne?

Martin Veith: Fand ich sehr schön, ich fand vor allem das Motto klasse, „Krieg dem Krieg! Für die soziale Revolution!“ Finde ich ganz wichtig, also wir verstehen uns auch im Institut für Syndikalismusforschung als Revolutionäre, wir wollen die Soziale Revolution, wir machen das nicht einfach abgehoben im luftleeren Raum. Ich fand das auch gut, dass es so offensiv thematisiert worden ist hier in Dortmund, ich hab das gesehen, also wo überall Flugblätter verteilt worden sind, wo Plakate hängen, es hat sich auch ein bisschen in der Stadt wiedergespiegelt, fand ich sehr gut, fand auch das Interesse an dieser Kampagne recht gut. Unterm Strich würde ich sagen, sehr gut, das so ins Bewusstsein gebracht zu haben, eben auch von einem anarchistischen Standpunkt aus.

Schwarze Katze: Vielen Dank für das Gespräch!

Martin Veith: Ja, gerne. Bitteschön!

Quelle: Schwarze Katze

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