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Neues Fußballbuch im Barrikade-Verlag: Die Ära Adolf Jäger

2. September 2014

umschlag-ajBezugsbedingungen: Preis pro Buch 6,80 EURO inkl. Versand gegen Rechnung oder Überweisung. Bei Mehrfachbestellungen gewähren wir entsprechenden Rabatt. Buchhandelskonditionen gelten für Wiederverkäufer. Keine Buchpreisbindung! Das Buch ist im Druck – ausgeliefert wird spätestens ab dem 13. September 2014. Einfach email an: barrikade [at] gmx.org

Leseprobe: Adolf Jäger und John Jahr

Auch wenn dies ein Fußball-Buch speziell über den Altonaer Fußball-Club von 1893 e.V. ist, der aktuell in der 5. Liga – Oberliga Hamburg – als Amateurverein kickt, enthält es einige interessante Verbindungen. Hier die beruflichen Aktivitäten des Ausnahme-Fußballers, unseres «Altmeisters», Adolf Jäger und die des umtriebigen John Jahr, dessen Verlag Gruner + Jahr (stern) ja allseits bekannt ist.

Adolf Jäger – Berufliches & Geschäftliches

Bereits im Januar 1919 eröffnete er einen Tabakwarenladen in der Hamburger Straße 100 [heute Altonaer Straße] in Altona; direkt an der Grenze zu Hamburg-Eimsbüttel, an der Kreuzung zum Schulterblatt, damals eine der lebhaftesten Einkaufsstraßen im Geschäfts- wie Verkehrszentrum an der Nahtstelle zwischen Altona und Hamburg. Hier brummte es.

Die Sportzeitung  (TSS) schreibt dazu: „Die Geschicke der Großen haben immer reges Interesse gehabt. Ihrem Privatleben nachzugehen und zu sehen, welchen Beschäftigungen sie sich hingaben, setzte schon zu allen Zeiten viele Federn in Bewegung. Wenn unsere Großen von dem Schauplatze ihrer Tätigkeit auf dem Rasen zurücktreten, verschwinden sie meistens in der Masse. […] Adolf Jäger hat ein Zigarrengeschäft in Altona gegründet. Wer will in Zukunft in Hamburg-Altona noch über Sport reden, der nicht bei Adolf seine Zigarren gekauft hat! Nur gut, dass die Zigarretten so teuer sind, die liebe Jugend würde sonst wohl oftmals 5 à 1 holen, nur um „ihn“ zu sehen! – „[1]

Zwei Jahre später eröffnet er zusammen mit seinem Vereinskameraden G.H. Koch ein Herrenausstattergeschäft in bester Hamburger Innenstadtlage – direkt gegenüber dem Rathaus in der Hermannstraße 39 im Jahre 1921.[2] Die Eröffnung fand am 29. Januar 1921 statt.[3] Und keine drei Wochen später erfolgte auch gleich ein schwerer Einbruch: „Eben haben Jäger & Koch ihr neues Unternehmen eingeweiht und schon sind sie von „Herren“ aus der Langfinger-Knackerzunft heimgesucht worden. Ergebnis des Besuchs: Eingeschlagene Fensterscheibe und gestohlene Waren im Werte von Mk. 10 000. –.“[4]

Adolf Jäger heiratete kurz vorher am 12. Juli 1921 seine Frau Agnes (1896-1976, geborene Rickmann).

Woher hatte Adolf Jäger das Geld, wer war sein Gönner? Nicht nur diese Frage stellt sich. Es tauchen weitere Zusammenhänge auf, die zumindest so interessant sind, dass ich sie hier einmal dokumentieren möchte. Darüber finden wir auch nichts in dem ausführlichen Bericht Adolf Jaeger – Altona 93 ein Stück deutschen Fußballsports in den Altonaer Neueste Nachrichten (Springer) vom Sonnabend, dem 13. September 1924. Auch dort heißt es nur, dass er „außer seinem Beruf nichts kannte, als seinen Sport.“[5] Was er beruflich machte, wird mit keinem Wort erwähnt.

Anzeigen für Sport- und Herrenmode erscheinen zwischen September 1923 und 15. Juli 1925 (von hier datiert die letzte) in der Vereinszeitung des AFC.[6] Grund hierfür kann auch sein, dass Jägers Geschäftspartner Koch ab Juli 1925 nicht mehr für Altona 93, sondern für den HSV spielte …[7] Ein anderer Grund könnte schlicht und ergreifend ein Konkurs gewesen denn. John Jahr schreibt in seiner Sport-Chronik: „Der selbständige Geschäftsmann muß 10 Stunden arbeiten, um nicht unter den Pleiten seiner Umgebung begraben zu werden.“[8]

Interessant ist auch, dass ich keine Inserate – weder für das Zigarrenhaus noch für das Herrenbekleidungsgeschäft – in der Tageszeitung Altonaer Nachrichten finden konnte, die ja ausgiebig über die Fußballspiele des AFC berichtete. In der Sportzeitung Turnen, Spiel und Sport (TSS) erschienen Anzeigen für das Cigarrenhaus Adolf Jäger von Januar 1919 bis April 1920 und in den Vereinsnachrichten bis 1921. Jedoch nur zwei-drei für Jäger & Koch, dafür wird die Firma namentlich als Verkaufsstelle für Eintrittskarten zu Boxkämpfen und für Stuhlkarten von Fußballspielen in Veranstaltungsanzeigen genannt. Außerdem erscheinen mehrere großformatige der Sport-Geräte-Fabrik von Heinrich Meyer & Söhne aus Hagen in Westfalen, für die „Adolf Jäger“, Altona, Hamburgerstraße, Anfragen nach Fußbällen, Sport- und Boxsport-Artikeln entgegennahm.[9]

Ab 1927 gehört den beiden Fußballern das Bekleidungsgeschäft bereits nicht mehr. Sie haben es verkauft, denn ab 1927 firmiert im Hamburger Adressbuch ein Herr Hans Vespermann als Inhaber des Geschäfts – und sein privater Eintrag lautet ab 1927: Hans Vespermann, in Firma Jäger & Koch[10] … 1929 findet sich einmalig der Eintrag „Herrenmodegeschäft Jäger & Koch“ im Schulterblatt 5.[11] Im Jahr vorher war hier noch ein Herrenausstattergeschäft von Hans Vespermann eingetragen.

Viel spannender ist die Tatsache, dass Adolf Jäger nachweislich ab 1926 in der nahe gelegenen Mercurstraße 5 [heute nicht mehr existente kleine Parallelstraße zur Lagerstraße am S-Bahnhof Sternschanze] eine Anzeigenvermittlung namens Adolf Jäger & Co. besaß. Als Nachweis finden wir einige Inserate der Agentur Jäger & Co. in den Vereinsnachrichten von Altona 93 bis 1926. Und wer waren nun die Mitgesellschafter oder Teilhaber von Adolf Jäger & Co.? Nun, es handelte sich dabei um einen Herrn Julius Selig und – John Jahr. Julius Selig & Co. gab es ebenfalls mit gleicher Adresse von 1922-1925. Im Jahr 1926 werden zwei Firmen verzeichnet, wobei Julius Selig dann auch als Mitgesellschafter bei Jäger vermerkt ist. Ab 1927 ist Adolf Jäger wieder Alleininhaber seiner Agentur und sitzt in der Michaelisstraße 19.[12] In einem redaktionellen Hinweis in den Altona 93-Vereinsnachrichten wirbt er allerdings so:

„Das allverehrte Mitglied Herr Adolf Jäger, Teilhaber der Annoncen-Agentur Adolf Jäger & Co., Hamburg 3, Michaelistr. 19, vertreibt über diese Firma die Zeitschrift „Ärztlicher Wegweiser“, volkstümlich medizinische Halbmonatsschrift … Körperpflege ist und bleibt die Parole.“[13]

Auf einer der folgenden Seiten findet sich dann eine ganzseitige Anzeige für den Ärztlichen Wegweiser und der Vereinszeitung ist eine Bestellkarte mit „A.F.C.-Gruß Adolf Jäger“ beigefügt. Altona 93 ließ seine Vereinszeitung übrigens immer über einem fremden Verlag herstellen, der dann auch für die Anzeigenbeschaffung zuständig war. Es war niemals Adolf Jäger oder seine Werbe-Agentur.

Im Hamburger Adressbuch von 1928 befindet sich die Werbeagentur in der Brauerstraße 30 in Hamburg 8, 1929 in der Burchardstr. 11 in Hamburg 1 und dann 1930-32 in der Schützenpforte 11, Hamburg 1. Seit 1928 lautet der Eintrag wiederum: Adolf Jäger & Co., Annoncen-Expedition, Schützenpforte 11, Hamburg 1 – Inhaber: Adolf Jäger, Altona und John Jahr, Telefon 32 15 87.[14] 1933 ist der Eintrag wieder weg.

Hier paßt ein kleiner Hinweis aus der Vereins-Zeitung vom Juli 1928. Dort erwähnt Robert Kinkhorst, dass Adolf Jäger weiterhin an der Spitze der Ligamannschaft stünde: „Zum Spiel gegen U.S.A. kam er auf einen Tag ganz aus Amsterdam.“[15] Er war also während der Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam (17. Mai-12. August) – zusammen mit John Jahr oder alleine – hat er sich hier also um die Bilder-Lizenzen für seine Agentur gekümmert.

John Jahr war also – nach diesen Angaben – erneut an der Agentur von Adolf Jäger beteiligt – oder hatte sie gekauft. Dies exakt herauszufinden, ist kaum mehr möglich, da keine Firmenunterlagen über Adolf Jäger beim Handelregister mehr ausfindig gemacht werden können. Auch wenn Einträge im Adressbuch chronisch unzuverlässig gewesen sein dürften, sind es die einzigen Anhaltspunkte, die wir auswerten können. Auch im Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch Sperlings für 1929 ist die AE (Annoncen-Expedition) von Adolf Jäger nicht verzeichnet, weder in Altona noch in Hamburg.[16]

Adolf – HSZ 1921Es ist m.E. unzweideutig, dass Adolf Jäger seinen Namen zumindest teilweise „verkaufte“, damit andere damit Geld verdienen konnten. Er vermarktete also seinen guten Namen gegen eine entsprechende Honorierung. Denn es dürfte außer Frage stehen, dass er in drei Geschäften gleichzeitig berufstätig war – also Zigarren und Oberhemden und Anzeigen verkaufte und nebenbei noch alle zwei, drei Tage kräftezehrende Fußballspiele ablieferte.

Ab 1929 wohnte der Kaufmann Adolf Jäger in Altona, in der Straße Lunapark 2, IV. Stock, Tel. 5982, später dann 43 5982 (ab 1933) – diese Telefonnummer nahm er augenscheinlich aus der Hamburger Straße 100 mit.

Ab jetzt verläuft sich auch die weitere berufliche Tätigkeit von Adolf Jäger. 1943 wird er als „Vertreter“ im Hamburger Adressbuch geführt. Seine Witwe Agnes findet sich seit 1947 nicht mehr im Adressbuch, sie stirbt 1976 und ist neben ihrem Mann und Sohn begraben.

Quelle und weiter in der Leseprobe: Muckracker
http://muckracker.wordpress.com/leseprobe-adolf-jager-und-john-jahr/

15 Kommentare leave one →
  1. DER Meier des Vereins permalink
    2. September 2014 13:00

    Na wenigstens ist das Vereinslogo schwarzrot…

  2. 2. September 2014 22:24

    Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt, wie es ist.

  3. Omma Goldman permalink
    3. September 2014 09:33

    Ich habe da noch eine unveröffentlichte Sammlung leckerer Kochrezepte in petto.

  4. Folkert permalink
    4. September 2014 13:51

    Das Buch ist soeben von der Druckerei geliefert worden. 400g fett.

  5. Geschichten die nur das wahre Leben schreibt permalink
    12. September 2014 10:44

    Ehrenmitglied Franziskus überrumpelt1860 und die Papst-Posse
    Vergrößern TSV 1860 München und die Papst-Posse

    Die SZ enthüllt eine Münchner Papst-Posse.

    Bei einer Audienz in Rom hatten die Löwen den „wehrlosen“ Franziskus mit einer Ernennung zum Ehrenmitglied überrumpelt.

    Im Grunde war die Aktion nichts Außergewöhnliches: Wie schon sein Vorgänger Benedikt XVI. wurde jetzt Papst Franziskus (77) zum 1860-Ehrenmitglied ernannt.

    Die Vizepräsidenten Peter Helfer (47) und Heinz Schmidt (54) überreichten letzten Mittwoch dem Pontifex die Urkunde.

    Doch das wird nun zur Papst-Posse!

    Denn: Die Ehrenmitgliedschaft soll ungültig sein.

    Rechtsanwalt Heinz Veauthier (70), der Vereinsmitglied Helmut Kirmaier (56) im laufenden Prozess um die Rechtmäßigkeit des Präsidiums vertritt, hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Vorwurf: „Urkundenfälschung“!

    Veauthier zu BILD: „Die Urkunde ist unecht. Hersteller der Urkunde sind die Unterzeichner Mayrhofer, Schmidt, Helfer, Altmann. Diese jedoch sind nicht der gesetzliche Vertreter des Vereins, sondern ausschließlich Mitglieder.“

    Außerdem: Bei Ehrenmitgliedschaften, so steht es in der Satzung, muss die Delegierten- bzw. Mitgliederversammlung zustimmen – das hat der Verein wohl vergessen.

    Ganz blöd auch: Auf der Ehrenurkunde wird der Papst fälschlicherweise als Franziskus I. bezeichnet…

    http://www.bild.de/sport/fussball/2-bundesliga/1860-und-die-papst-posse-37574546.bild.html

  6. 12. Oktober 2014 02:21

    irgendwer fühlt sich hier scheinbar schon wieder von gut recherchierenden, selbst forschenden Barfusshistorikern in seiner Position als „Akademiker“ herabgemindert, obwohl er ja auch “ 1-2 Buch“ dazu schreiben muss – oder warum könnt ihr hier nur pöbeln?
    pöbelt doch inhaltlich, wenn ihr’s gelesen habt,
    oder ist euch die „Lieblingsnebensache“, „Sonntagsbeschäftigung“ der Leute von unten so z’wider, dass ihr euch über „Fussball“ erheben müsst?
    Schon mal klar geworden, wie viele Nachbarn man beim Amateurfussball treffen kann, mit wievielen Kollegen man beim anschliessernden Bier auch über deren Sorgen und Nöte reden und sich zur gegenseitigen Hilfe verabreden kann?
    Na klar, wem sein Elfenbeinturm sicher ist, so von Beruf Sohn, und mit starrem Blick auf Promotion Habilitation und Elitenbildung, der hat das nicht nötig. ..

  7. 12. Oktober 2014 13:22

    Auch für (libertäre) Fußballverächter eine lohnende Lektüre:

    Fußball, Community und Politik
    http://muckracker.wordpress.com/anarchosyndikalistische-theorie/ancharchismus-und-fusball/

    (zuerst in „barrikade“ Nr. 5, Mai 2011: http://muckracker.files.wordpress.com/2012/06/barrikade-5.pdf)

  8. Weltmeisterwerdung permalink
    11. November 2014 01:33

    DIE MANNSCHAFT

  9. "Die Mannschaft": Intime Einblicke vom deutschen WM-Erfolg permalink
    11. November 2014 01:36

    „Die Mannschaft“: Intime Einblicke vom deutschen WM-Erfolg

    http://www.spiegel.de/video/die-mannschaft-trailer-vom-film-ueber-wm-erfolg-in-brasilien-2014-video-1532227.html

  10. 1 x 1 = ⚽️ permalink
    8. Mai 2015 00:54

  11. Riot Football permalink
    25. Juli 2015 14:45

    Riot Football in Athens

  12. Heino Jaeger ~ Neues vom Sport permalink
    20. Mai 2016 04:53

    Heino Jaeger ~ Neues vom Sport

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