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Schwarz-Roter Ticker (170) [7 Meldungen]

10. Juni 2014

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Fachkräftemangel hausgemacht

Der von der Wirtschaft beklagte Fachkräftemangel ist laut dem neuen nationalen Bildungsbericht weitgehend hausgemacht. In vielen Berufen, in denen über das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter geklagt wird, gibt es seit Jahren zu wenig Lehrstellen, wie die Wissenschaftler an Hand von amtlichen Daten auflisten. Der Bericht wird am Freitag vom Bundesbildungsministerium und der Kultusministerkonferenz offiziell vorgestellt. Er lag der Nachrichtenagentur dpa bereits am Montag vor. In den industriellen Kernberufen wie auch in den Gesundheits- und Pflegeberufen bestehe seit Jahren beim Lehrstellenangebot der Unternehmen eine »beträchtliche Unterdeckung«, heißt es laut dpa im Bericht. Im Schnitt gebe es hier zehn bis 14 Prozent mehr Bewerber als angebotene Plätze. Netto fehlten laut Bericht 2013 mindestens 50000 Ausbildungsplätze. (jW)

Psychopharmaka: Konsum verdoppelt

Immer mehr Bürger nehmen Medikamente gegen die Folgen psychischer Überlastung. Die Zahl ambulant verordneter Psychopharmaka hat sich zwischen 2003 und 2012 von 1,27 Millionen definierten Tagesdosen auf 2,06 Millionen fast verdoppelt, berichtete Bild am Samstag unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Linkspartei. Zu den verordneten verschreibungspflichtigen Mitteln gehören unter anderem solche gegen Depressionen und Beruhigungsmittel. Als Gründe nennt die Regierung steigende Diagnosezahlen und Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen, »steigende Flexibilitäts- und Leistungsanforderungen« aufgrund »veränderter komplexer Arbeitsbedingungen« sowie erhöhte Sensibilität von Ärzten und Therapeuten. (jW)

Brasilien: Polizei attackiert Streikende

Brasilien-Streik-Sao-Paulo-540x304Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist die Polizei in der Metropole Sao Paulo erneut gegen Demonstranten vorgegangen. Einsatzkräfte der Polizei setzen Blendgranaten und Tränengas gegen etwa 150 Protestierende vor. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Die Demonstranten hatten am frühen Morgen den seit Tagen anhaltenden Streik der U-Bahn-Beschäftigten unterstützt und den Verkehr auf einer Hauptverkehrsstraße von Sao Paulo mit brennenden Mülltonnen blockiert. Die U-Bahn-Beschäftigten streiken seit Donnerstag für höhere Löhne. Am Sonntag hatte ein Arbeitsgericht den Ausstand für illegal erklärt, die Streikenden beschlossen aber dennoch eine Fortsetzung. Rund 4,5 Millionen Menschen benutzen normalerweise täglich die U-Bahn. Zuvor hatte Gewerkschaftschef Altino Melo dos Prazeres dafür geworben, dass die Arbeiter die Gelegenheit der WM und später anstehender Wahlen nutzen sollten, um Druck auszuüben. »Die Regierung muss verhandeln«, erklärte er laut der Nachrichtenwebsite »G1«. Für Montag hatte die Gewerkschaft eine neue Kundgebung angekündigt. Die Streikenden hatten zuletzt angebotene Lohnerhöhungen von 8,7 Prozent abgelehnt. Sie wollen mindestens 12,2 Prozent, ursprünglich hatten die Beschäftigten wegen der galoppierenden Inflation sogar ein Plus von 16,5 Prozent durchsetzen wollen. Am Freitag hatten sich wegen des Streiks bereits Rekordstaus mit einer Länge von bis zu 250 Kilometern gebildet. Auf die U-Bahn sind täglich 4,5 Millionen Menschen angewiesen. Betroffen sind auch die Linien zum Corinthians-Stadion, wo nach der Eröffnungsfeier WM-Gastgeber Brasilien gegen Kroatien antritt. Zu der Eröffnung werden 60.000 Fans erwartet – sowie Präsidentin Dilma Rousseff und etwa ein Dutzend weitere Staats- und Regierungschefs. (Neues Deutschland)

Polizist verweigert Einsatz gegen Flüchtlinge

Der Vorgang ereignete sich, als die Räumung des Sitzstreiks bereits im vollen Gange war. Am frühen Nachmittag hatten sich rund 70 Flüchtlinge auf dem Platz auf den Boden gesetzt, um so für ein Recht auf Arbeit und ein Bleiberecht zu protestieren. Trotz mehrfacher Aufforderungen weigerten sie sich, wieder aufzustehen. „Gebt uns eine Arbeitserlaubnis und Schlafmöglichkeiten, dann gehen wir“, sagte ein Sprecher. Anschließend habe sich ein Polizist der Einheit, die den Flüchtlingen direkt gegenüberstand, umgedreht und gesagt: „Das mach’ ich nicht!“, berichtet die Journalistin Tina Fritsche, die Zeugin des Disputs geworden ist. Als der Befehlsgeber verdattert geguckt habe, habe der Beamte seine Weigerung untermauert. „Ich remonstriere hiermit.“ Als Ex-Pressesprecherin der Lehrergewerkschaft GEW wusste Fritsche sofort, was das bedeutet: Der Polizist nahm die im Beamtenrecht vorgesehene Möglichkeit in Anspruch, die Ausführung des Befehls aus Gewissensgründen zu verweigern, weil er ihn für rechtlich unzulässig hielt. Zwei Stunden später, als die Protestler zur Lampedusa-Mahnwache am Steindamm gezogen waren, wurde der Beamte von Journalisten angesprochen, worauf laut Fritsche ein Kollege neben ihm gesagt habe: „Die ganze Gruppe hat remonstriert.“ (taz)

NATO-Übung setzt österreichische Luftsicherung ausser Kraft

Zu einer brenzligen Situation ist es am Donnerstag im österreichischen Luftraum gekommen. Wie erst am Samstag bekannt wurde, fiel die zivile Flugsicherung kurzfristig aus. Die Störung habe rund 25 Minuten gedauert, einige Flugzeuge waren nicht mehr auf dem Radarschirm zu sehen. Die „Positionsdaten wurden per Funkkontakt ausgetauscht“, sagte Pohanka. Probleme habe es auch im benachbarten Luftraum gegeben, Ausfälle wurden von den Flugsicherungen in Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei registriert. Ursache für den Ausfall könnte eine NATO-Übung in Ungarn gewesen sein. Die Überprüfung der Systeme der Austro Control habe ergeben, dass diese einwandfrei funktioniert haben.Laut „Kurier“ wurde in Ungarn eine NATO-Übung für elektronische Kampfführung durchgeführt, bei der auch das Blockieren von Transpondern auf dem Übungsplan stand. Probleme mit dem Radar wurden jedenfalls auch aus mehreren NATO-Mitgliedsländern gemeldet. Betroffen war beispielsweise auch die Karlsruher Kontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung (DFS), die weite Teile des oberen Luftraumes in Deutschland überwacht. (Der Standard)

Franz Beckbauer in Korruption verwickelt?

beckiboyDie Rolle von Franz Beckenbauer bei der umstrittenen Weltmeisterschaftsvergabe an Qatar und seine Geschäftsbeziehungen zu den Ausrichtern der kommenden Fußball-Weltmeisterschaften gerät immer stärker in die Kritik. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der Chefermittler des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Michael Garcia, innerhalb seiner Untersuchung zum korruptionsverdächtigen WM-Zuschlag an das Emirat Qatar auch Franz Beckenbauer um eine ausführliche Stellungnahme gebeten. Die britische Zeitung „The Telegraph“ will zudem erfahren haben, dass Beckenbauer ebendiese Stellungnahme verweigert habe. Er sei seit seinem Ausscheiden aus der Exekutive der Fifa im Juni 2011 nicht mehr im Fußball tätig und könne daher nicht zur Aussage gezwungen werden, zitiert die Londoner Zeitung Beckenbauer. Die englische Zeitung „Sunday Times“ hatte am Wochenende darüber berichtet, dass Beckenbauer vor und nach dem Zuschlag für Qatar geschäftlich im Emirat am Persischen Golf gewesen sei. So sei Beckenbauer im Oktober 2009 auf Einladung des inzwischen lebenslang gesperrten qatarischen Fußballfunktionärs Mohamed bin Hammam und auf Vermittlung seines Freundes Fedor Radmann in Qatar gewesen. Radmann war zu diesem Zeitpunkt als Lobbyist der letztlich unterlegenen australischen Bewerbung tätig, bislang war angenommen worden, Beckenbauer habe deshalb für Australien gestimmt. (FAZ)

4 Kommentare leave one →
  1. Auch Erbarmen geht nicht ohne Coca Cola – Nun engagiert sich der Getränkekonzern auch in der Armutsökonomie der „Tafeln“ permalink
    10. Juni 2014 19:43

    Angesichts eines Werbeplakats im öffentlichen Raum stellt sich mir die Frage, ob es eher gut oder schlecht ist, wenn die eigenen Thesen von der Wirklichkeit überholt werden. Es handelt sich dabei um ein Plakat von Coca Cola Deutschland, auf dem die Unterstützung der „Tafeln“ erklärt wird, zu denen der Konzern nun eine „stolze Partnerschaft“ aufgenommen hat.

    Tafeln? Das sind doch die inzwischen als äußerst ambivalent eingeschätzten „Lebensmittelretter“, die bundesweit immer mehr arme Hartz-IV-Empfänger, Langzeitarbeitslose, Rentner und mancherorts sogar Studierende versorgen. Regelmäßig werden die Tafeln kritisiert, weil sie dazu beitragen, das Problem der Armut zu entpolitisieren. Armut, so der Kern der Kritik, entwickele sich durch die stetige Präsenz der Almosensysteme in diesem Land von einem politischen Skandal zu einer gesellschaftlich arrangierten Bedürftigkeit. Und innerhalb der sich immer weiter ausdifferenzierenden neuen Armutsarrangements lassen sich auch Gewinne erwirtschaften. Armutsökonomie bedeutet, dass Armut zur (ver)handelbaren Ware wird. Von Stefan Selke[*].

    Coca Cola Deutschland ist einer dieser Akteure, die mit Armut noch gute Geschäfte machen. Es stimmt nachdenklich, wenn ein Markenunternehmen (Coca Cola) öffentlich erläutert, warum es ein anderes Markenunternehmen (die „Tafeln“) unterstützt. Was also haben eine bekannte Zuckerbrause und ein bekanntes Almosensystem gemeinsam? Und warum wird für diese Gemeinsamkeit öffentlich geworben?

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=21980

  2. new film by Oliver Ressler on commodity markets in Switzerland - The Visible and the Invisible permalink
    11. Juni 2014 12:27

    The Visible and the Invisible

    Ein Film von Oliver Ressler
    20 Min., 2014

    In den letzten Jahren hat sich die Schweiz zum globalen Zentrum des Rohstoffhandels entwickelt. Von keinem Staat aus werden mehr Rohstoffe gehandelt; dennoch gelangt das gehandelte Rohöl, Kupfer, Aluminium, die Kohle oder der Weizen nie auf Schweizer Territorium, da der Handel komplett virtuell durchgeführt wird. Trotz ihrer Bedeutung für die Schweizer und die globale Ökonomie ist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig über diese im Stillen durchgeführten Geschäfte bekannt.
    Die Zentralen der Rohstoffkonzerne, die zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt gehören, liegen oft in den höheren Stockwerken von Bürogebäuden im Rohstoff-Hub Genf oder im Falle von Glencore Xstrata im Kanton Zug, einer Steueroase. An diesen Orten wird der Handel ungestört und weitgehend unsichtbar für die Öffentlichkeit abgewickelt. Dieser relativen Unsichtbarkeit in der Schweiz stehen die sichtbaren, oft katastrophalen Auswirkungen gegenüber, die der Abbau und Handel der Rohstoffe unter neokolonialen Bedingungen für die Menschen, die Umwelt und die staatlichen Strukturen für die im Süden konzentrierten Abbaugebiete hat.

    Der Film „The Visible and the Invisible“ (Das Sichtbare und das Unsichtbare), dessen Titel das gleichnamige Buch des französischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty zitiert, diskutiert ein Ausbeutungsverhältnis, das giftige Industrien und inhumane Jobs im globalen Süden herausbildet, während die gigantischen Profite aus dem Rohstoffhandel in den Händen einiger weniger im globalen Norden anfallen. Aus unser Blickfeld vernebelnden Schwaden, die auch auf die mit der Produktion einhergehende giftige Emissionen verweisen, tauchen Bilder auf; Bilder der in der Schweiz befindlichen Konzernzentralen, der unauffälligen Firmenschilder von Vitol, Trafigura, Mercuria, Gunvor, Litasco, Bunge und Dreyfus, werden mit Bildern von den Abbauorten im Süden verwoben. Der Film diskutiert anhand des Rohstoffhandels, wie der Reichtum im Norden und die Armut im Süden ursächlich miteinander in Verbindung stehen und unterläuft dabei eine dominante Mythologie des Kapitalismus, dass nämlich der Wohlstand im Norden ohne Opfer anderswo möglich wäre.
    Regisseur, Produzent und Schnitt: Oliver Ressler
    Narration: Oliver Ressler

    Die Narration wurde durch die Lektüre von Erklärung von Bern, Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz (2012) und Eduardo Galeano, Die offenen Adern Lateinamerikas (1973) inspiriert.

    >> [engl.] In recent years, Switzerland has become the global center for commodity trading. In no other country are more commodities bought and sold than in Switzerland; nevertheless, the crude oil, copper, aluminum, coal or wheat never reaches Swiss territory because the deals are carried out completely in a virtual world. Despite its importance for the Swiss and the global economy, the public knows very little about these secret transactions.

    The headquarters of the commodity groups, which are among the most profitable companies in the world, often lie in the upper floors of office buildings in the commodity-hub Geneva or in the case of Glencore Xstrata in the canton of Zug, a tax haven. In these places, the traders go about their profitable business, undisturbed and largely invisible to the public. This relative invisibility in Switzerland lies in contrast with the visible, often catastrophic impact that the mining and trade of raw materials under neocolonial conditions has for people, the environment and the states in the zones of extraction concentrated in the global South.

    The film “The Visible and the Invisible,” whose title quotes a book of the same name by the French philosopher Maurice Merleau-Ponty, addresses a relationship of exploitation between the toxic industries and inhumane jobs in the global South and the gigantic profits from commodity trading in the hands of a few persons in the global North. The film presents a field of view, obscured by smoke, that also points to the toxic emissions associated with the production in southern places; these images are interwoven with images of corporate headquarters located in Switzerland with unprepossessing name plates of Vitol, Trafigura, Mercuria, Gunvor, Litasco, Bunge and Dreyfus. The film thematizes, with reference of commodity trading, how the wealth in the North relates to poverty in the South; it undermines a dominant capitalist myth that northern “victimless” prosperity could not be causally related to southern poverty.

    Weitere Informationen und Filmausschnitt:
    http://www.ressler.at/de/the_visible/

  3. Die Miete, ein Verarmungsrisiko permalink
    11. Juni 2014 12:37

    Steigende Mietpreise in den Großstädten lassen immer mehr Familien zusammenrücken. Viele können sich die Citylage längst nicht mehr leisten. …
    http://www.taz.de/Kommentar-Wohnungsmarkt/!140102/

  4. Die willige Anne permalink
    12. Juni 2014 19:08

    Christian Wulff klagt an – Ist er ein Opfer von Medien und Justiz?

    Über Ex-Bundespräsident Christian Wulff diskutieren Dirk Roßmann, Ralf Stegner, Armin Laschet, Sarah Tacke und Bernhard Pörksen.

    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/328454_anne-will/21815358_christian-wulff-klagt-an-ist-er-ein-opfer-von

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