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Für die FIFA „säubert“ der Staat in Brasilien

29. Mai 2014

… Armut soll die Fußball-Weltmeisterschaft nicht belasten. Deswegen vertreibt die Polizei Bewohnerinnen und Bewohner aus den ärmsten Wohnvierteln und Slums. Und wer nicht freiwillig gehen will…

fifa

2 Kommentare leave one →
  1. nicht einschalten permalink
    31. Mai 2014 06:21

    Die Gesellschaft des Spektakels
    (La société du Spectacle) ist das 1967 erschienene Hauptwerk des französischen Künstlers und Philosophen Guy Debord. Es handelt sich um eine philosophisch an Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Georg Lukács geschulte radikale Anklage der modernen westlichen und östlichen Industriegesellschaft, des Kapitalismus, der realsozialistischen Bürokratie, der Form der Ware und der modernen damit einhergehenden Regierungstechniken.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gesellschaft_des_Spektakels
    Die Gesellschaft des Spektakels im pdf Format, hier: http://offene-uni.de/archiv/textz/txtz.htm

  2. die Vierte Halbzeit muss die Revolution werden permalink
    31. Mai 2014 21:20

    …dass Millionen Arbeiter weltweit dazu applaudieren und sich noch das „All in one rythm“-T-Shirt von Lidl kaufen, ist schon ärgerlich.

    Wenn ich mir vorstelle, was es für ein stolzes Gefühl schaffen würde, wenn weltweit Millionen Arbeiter ihre Halluzinationen ablegen würden und als Antwort die Weltmeisterschaft des Bonzenfußballs zertreten würden, jeden Flyer, jedes public viewing, jedes T-Shirt, Trikot, Banderole, Poster, Aufkleber, Autoschmuck und alles einfach zusammentragen würden und ein Video von dessen Verbrennung an die Hinterbliebenen der Erschossenen senden würden, das wäre wenigstens ein Signal von Würde, aber stattdessen geben sie den Verantwortlichen noch Kohle und konsumieren dieses versnobte Fußballplagiat.
    Echt ekelhaft.

    Wie wäre das schön, wenn die ganzen Mega-Stadien, welche die Vorstände nach menschenverachtenden Industriebetrieben benannt haben, endlich in Rauch aufgehen würden – allen voran diese ekelhafte Bayer-Arena, des Krebsmedikamente zurückhaltenden Bayer-Konzerns – aber leider wird das Ding nicht angezündet, sondern noch und nöcher mit Kohle befüllt, zum Dank, dass der Bayer Konzern die Leute und die Flüsse vergiftet und seine Arbeiter doppelt ausbeutet: Durch die Arbeit und durch das erkaufte Prestige eines Stadions.

    Alles was über den Bolzplatz hinausgeht, müsste eigentlich dem Erdboden gleichgemacht werden, denn all die riesigen Stadien mit integrierter Polizei-Wache usw. sind nichts anderes, als ein Symbol dafür, dass den Arbeitern ihr Lieblingssport gestohlen wurde. Das gilt auch für den Boxsport.
    Der Boxsport hat längst die Hinterhöfe verlassen und auch die Boxer heute sind versnobt und scheiße. Sie rauchen nicht mal mehr. Alkohol trinken sie auch nicht – statt dessen werden sie Bürgermeister usw.
    Auch da müsste alles niedergebrannt werden, denn eines ist sicher:

    Da, wo der Sport seine gesellige Grundlage entzogen bekommt und zu einem Geschäft wird, da stirbt er über kurz oder lang aus und verliert seine Basis in der Bevölkerung, die allein durch das tagtägliche Experiment die Weiterentwicklung, das Leben der Sportart garantiert und weiterführt.
    Was nutzt der Fußball dem Menschengeschlecht, wenn nur noch eine Hand voll Professioneller für Millionenbeträge den Ball kicken und Abermillionen mit Übergewicht und Koordinationsschwierigkeiten zu Hause sitzen und zusehen?
    In so einem Zustand kann man sagen, dass der Fußball, der nicht mehr gespielt sondern nur noch angesehen wird, ausgestroben ist. Seine Roots sind ausgedörrt und nur noch wenige Subkulturen interessiert der Fußball wirklich.
    Das Boxen ist fast gänzlich als Massensport verschwunden – klar, die taube Masse glotzt gut honorierte Muskelpakete beim Schlagabtausch an, aber der Sport ist nicht Teil ihres Lebens.

    Die Tragödie, die in Brasilien stattgefunden hat und die Menschen dahingerafft hat, die wahrscheinlich mehr Fussball gespielt haben in ihrem Leben, als die Zuschauer, für deren Zusehen sie sterben mussten, ist nur die Spitze des Eisberges der Kapitalisierung des menschlichen Lebens, genauer im Bereich des Sports.

    Die Kapitalisierung und Vergeldlichung lässt zwangsläufig alles menschenwürdige Verhalten in den Staub von Privatbesitz und Macht sinken und damit sterben die Kulturwerte, die in ihrem Wesen dem Gelde und dem Besitz entgegengesetzt sind. So geht es auch den Sportarten – in ihnen geht es keinesfalls darum, dass ein sogenannter Spitzensportler den Ball von der einen Spielfeldhälfte ins gegenerische Tor versenkt oder den Torschuss mit seinem Glied vollführt, und was die Bildzeitung dazu zu sagen hat, sondern beim Sport geht es immer nur darum, wie sehr er in der Lage ist, die Menschen zusammenzuführen und ihrem Zusammenleben eine schöne Note verleihen kann.

    Alles andere ist Kapitalismus.

    Aus diesem Grund ist die Agitation und bewusste Selbstorganisation im Sport unbedingt zu dessen Überleben als glückspendendem Kulturgut zu betreiben.

    Besonders die anarcho-syndikalistische Jugend kann hierüber neue Elemente ihren Reihen hinzufügen, die durch ein bewusst selbstständiges, obrigkeitsloses Training nach den Bedürfnissen der Trainierenden, freiheitliche Werte „spielerisch“ erproben kann.
    Auch alte Kämpfer und Kämpferinnen können ihrem Leben neuen Schwung geben, in dem sie die Fähigkeiten ihres Körpers wieder herstellen und verbessern, was in dem einen oder anderen Fall sicherlich einer persönlichen Revolution gleichkommt.

    Auch Organisationsformen und administratives Geschick können um den Sport herum erprobt werden – Fußball und andere, leicht und kostengünstig ausführbare Sportarten sind ideal um viele strategisch wichtige Werte und Fertigkeiten für die soziale Revolution zu erproben. Das kann auch ohne weiteres mit freiheitlichem und revolutionärem Bewusstsein geschehen.

    Man hüte sich allerdings vor so manchen Trends der letzten Jahre, die zwar sportlich von Belang waren, die aber in ihrer Beschaffenheit nach eher dazu dienten, die Ausführenden aus der Masse in ihrem Lifestyle abzuheben. Sie dienten eher als nettes modisches Accesoir, denn als Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühls der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen.
    Hier muss der Fokus ganz wichtig und klar sein: Nicht die politisch korrekteste Sportart gilt es zu finden, nicht die „besten“ Werte gilt es beim Sport zu erreichen, um seine Ausübung zu legitimieren – einzig und allein das Verantwortungs-, das Zusammengehörgkeitsgefühl und der Wille das Leben den Reichen zu entreißen und in die eigenen Hände zu nehmen, soll der Antrieb sein, den Sport als zwischenmenschliches Kulturgut zurückzuerobern.

    Bei Allem sollte auch der Bedarf der Ausübenden nicht zu kurz kommen:
    Wer zuviel wiegt um den Fußball seinen Gelenken zumuten zu können, sollte sich in einer Bedarfsgemeinschaft erstmal fit machen. Alleine durch das gemeinse Abnehmen und die dadurch erzielten persönlichen wie sozialen Erfolge, ist bereits etwas gewonnen.
    Man stelle sich vor, man kann Menschen aus unserer Bewegung heraus das Gefühl geben, persönliche Erfolge erzielt zu haben, ein nie geahntes erotisches Selbstbewusstsein an sich zu entdecken zum Beispiel und man könnte diese starke, tiefe Motivation mit dem Bewusstsein der sozialen Revolution verbinden – freilich würde ein seelisches Aufblühen mehr verfangen als, die bis zum Überdruss exerzierten trockenen, „politischen Diskussionen“ der Politaktivisten.

    Die vierte Halbzeit sollte daher die Revolution sein.
    Die erste Halbzeit war das ursprüngliche Spiel auf dem Bolzplatz, welches in der zweiten Halbzeit unter kollektiver Psychose und Applaus in die großen kapitalistischen Stadien einzog, aus denen die Hälfte der Bolzenden von früher durch Stadionverbote verbannt wurden. Die dritte Halbzeit ist das gegenseitige Zerfleischen der Arbeiter, die ihren Feind in den eigenen Reihen wähnen, anstatt in den Kapitalisten, die ihnen den Fußball entziehen und kurzerhand zu ihrem Privatbesitz erklären, aus dem sie die „Problemfans“ lieber raushalten wollen, weil das besser für’s Geschäft ist.
    Die vierte Halbzeit muss die Revolution sein – das Wiedererwachen des Sportes im Volk, das bewusste selber Spielen und auch das bewusste Fan-sein, im Gegensatz zur unbewussten Ersten und zur konsumistischen Zweiten Halbzeit, die es ermöglichte, dass die Kapitalisten langsam aber stetig alles an sich rissen und man noch applaudierte. Und im Gegensatz zur Dritten Halbzeit, in der die Arbeiter sich gegenseitig fertig machen und ihren wahren Feind nicht erkennen, der ihnen das ganze Lebensgefühl zu einem Konsumgegenstand verformt.

    Sehnsüchtig erwarten wir den Tag, an dem der Anpfiff kommt, zu diesem Feindschafts-Spiel der Unterdrückten gegen die Reichen. Der Kultur gegen den Staat.
    Des Fußballs gegen den Kapitalismus.

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