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Dick, doof, arm?

27. Mai 2014

doofAmüsierte sich das Kinopublikum früher über »Dick und Doof«, fügen Wissenschaftler dem komischen Duo heute das Attribut »arm« hinzu. Der Soziologe Friedrich Schorb nimmt die Zusammenhänge unter die Lupe.

Für die relativ Armen in den Industriestaaten sind kalorienreiche Lebensmittel eher erschwinglich, weil sie viel billiger sind als jene mit weniger Kalorien. Meist sparen sie an der Qualität der Nahrung, nehmen z. B. Weißmehlerzeugnisse statt teuren Vollkorns. Schorb erläutert das abweichende Konsumverhalten armer Familien, die glauben: Konserven verderben nicht. Die Fertigsoße mit ungesunden gehärteten Fetten kommt kurzfristig billiger als Einzelzutaten und Gewürze. Für langfristige Überlegungen fehlt der finanzielle Spielraum. So wurde von Armutshaushalten, die in der von Schorb zitierten Gießener Ernährungsstudie (GESA) befragt wurden, der Begriff »Gummiwoche« geprägt: Das Geld ist aufgebraucht, die Woche vor Monatsende zieht sich, die Suppe wird mit Wasser gestreckt. Reserven werden aufgegessen, Frisches Obst gibt es nicht mehr.

Eine solche Nahrungsaufnahme sieht Schorb als Grund für krankhaftes Übergewicht an. Menschen, die am Monatsende regelmäßig hungern müssen, seien in einem unfreiwilligen Jo-Jo-Zirkel. Auf die Zeit der Mangelernährung »folgt der Heißhunger, der Körper reagiert auf unerwartete Kalorienzufuhr, indem er besonders sorgfältig speichert«. Das Schicksal ereilt nun auch Menschen in Entwicklungsländern, wobei diese an Folgen wie Diabetes wegen schlechterer medizinischer Versorgung eher sterben.

Anke Nussbücker

Friedrich Schorb: Dick, doof und arm? Droemer Verlag, br., 240 S., 16,95 €.

Quelle: Neues Deutschland

 

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