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Anarchistischer Funke: An die Montagsdemonstrationen

15. Mai 2014

afunkemontagDie­ser Text rich­tet sich an die ak­tu­ell im deut­schen Staat statt­fin­den­den Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen. Ver­brei­tet den Text wei­ter, lest ihn auf Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen vor oder ver­teilt ihn dort! Wir sind nicht be­reit Fa­schist*innen und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker*innen das Feld des An­ti­mi­li­ta­ris­mus zu über­las­sen. Wenn in eurer Stadt der Ein­fluss von Rechts zu stark ist, or­ga­ni­siert eure ei­ge­nen un­ab­hän­gi­gen Ak­tio­nen und De­mons­tra­tio­nen.

Wir sind alle Men­schen – aber nicht un­be­dingt mit den­sel­ben Idea­len und Zie­len
Was wür­det ihr sagen, wenn bei der nächs­ten Demo An­ge­la Mer­kel (oder an­de­re Par­tei­mit­glie­der) auf­tau­chen wür­den und sich so­li­da­risch mit der Demo er­klä­ren wür­den. Wenn sie er­zäh­len wür­den, dass sie ja wie wir alle für den Frie­den seien und alles tun wür­den um die­sen um­zu­set­zen. Wür­det ihr sagen “Auch Mer­kel kann sich än­dern! Auch Mer­kel ist ja für den Frie­den“ ? Oder wür­det ihr kri­tisch hin­ter­fra­gen, ob das nur ge­heu­chelt und ge­lo­gen ist? Denn ein rei­nes State­ment für den Frie­den ist noch lange kein Zei­chen, dass dies ernst ge­meint ist oder ein­fach nur aus Op­por­tu­nis­mus ge­schieht und Mer­kel am nächs­ten Tag einen wei­te­ren Kriegs­ein­satz an­ord­net. Was ist wenn Sol­da­ten auf eurer Demo auf­tau­chen und er­zäh­len sie seien für Frie­den und am nächs­ten Tag Men­schen ge­zielt er­mor­den?

Und was ist wenn Neo­na­zis auf­tau­chen und plötz­lich er­zäh­len sie seien auch nur für Frie­den, wäh­rend sie an­sons­ten gegen Ho­mo­se­xu­el­le, Mi­grant*Innen und An­ti­fa­schist*Innen het­zen, sie be­dro­hen und ver­prü­geln oder sogar er­mor­den? Wie kann man davon aus­ge­hen, dass alle Men­schen, die sich hin­stel­len und sagen sie wol­len Frie­den, das ge­nau­so mei­nen? Man muss doch kri­tisch hin­ter­fra­gen und die Men­schen an­hand ihrer Taten auch ab­seits die­ser Demo be­ur­tei­len. Wir müs­sen uns die Frage nach un­se­ren Idea­len und Zie­len stel­len und diese dis­ku­tie­ren! Sich Frie­den zu wün­schen und dafür auf die Stra­ße zu gehen ist ein guter An­fang. Die Frage ist wie er­rei­chen wir die­sen für alle?

Links und rechts?
Stimmt, wir brau­chen diese Ka­te­go­ri­en von links und rechts nicht un­be­dingt, denn na­tür­lich gibt es viel mehr Va­ria­tio­nen von An­sich­ten. Man soll­te diese dua­lis­ti­sche Be­trach­tungs­wei­se na­tür­lich noch viel dif­fe­ren­zier­ter be­trach­ten. Trotz­dem soll­te uns das nicht daran hin­dern un­se­re Stand­punk­te zu re­flek­tie­ren, sowie auch die An­sich­ten von an­de­ren Men­schen zu hin­ter­fra­gen. Wir soll­ten Men­schen mit un­ter­schied­li­chen An­sich­ten nicht ein­fach in die Ka­te­go­rie „Spal­ter“ ein­ord­nen, son­dern uns in­halt­lich damit aus­ein­an­der­set­zen.

Wenn wir an­fan­gen die Ka­te­go­ri­en “links“ und „rechts“ zu hin­ter­fra­gen, soll­ten wir auch einen Schritt wei­ter­ge­hen und alle Ka­te­go­ri­en & Nor­men hin­ter­fra­gen. Kön­nen wir Frie­den mit den Kon­struk­ten von Staa­ten und Na­tio­nen er­rei­chen? Indem wir uns z.B. auf die Na­ti­on be­ru­fen und diese als iden­ti­täts­stif­tend an­er­ken­nen, schlie­ßen wir all die­je­ni­gen Men­schen aus, die ver­meint­lich „Aus­län­der“ sind oder die sich nicht „in­te­grie­ren“. Wer möch­te denn über­haupt in eine Ge­sell­schaft, die von Kon­kur­renz, Aus­beu­tung und Ver­ein­zelung be­stimmt ist, in­te­griert sein? Wir kön­nen so­lan­ge wir uns als „die Deut­schen“ (oder ir­gend­ei­ne an­de­re Na­tio­na­li­tät) be­grei­fen nur einen aus­schlie­ßen­den Frie­den er­rei­chen, der in­ner­halb un­se­rer ver­meint­lich ho­mo­ge­nen Grup­pe be­steht; denn was soll denn über­haupt „deutsch“ sein? Mehr als über das, was in un­se­rem Pass steht sagt es nichts aus, ge­schwei­ge denn etwas über un­se­re je­wei­li­ge In­di­vi­dua­li­tät.

Wir müs­sen die Ka­te­go­ri­en von Volk und Na­ti­on hin­ter uns las­sen, um einen Frie­den, der alle Men­schen um­fasst, zu er­rei­chen. Wir müs­sen uns auch fra­gen, wie wir einen Frie­den er­rei­chen wol­len, so­lan­ge die Welt in Staa­ten or­ga­ni­siert ist, die letzt­lich immer ein Ge­walt­ver­hält­nis dar­stel­len. In man­chen Fäl­len sind diese Staa­ten de­mo­kra­tisch auf­ge­baut, wo­durch deren Ge­walt viel­leicht we­ni­ger of­fen­sicht­lich wird, aber nichts desto trotz nicht we­ni­ger prä­sent ist. Denn um Ent­schei­dun­gen um­zu­set­zen, die die Re­gie­ren­den (de­mo­kra­tisch le­gi­ti­miert) ge­trof­fen haben, be­nö­ti­gen sie als letz­tes Mit­tel immer die Staats­ge­walt (sei es in Form von Po­li­zei, Ord­nungs­amt, Ge­rich­ten oder Mi­li­tär), die diese Ent­schei­dun­gen auch im Not­fall mit Ge­walt durch­set­zen. Sei es um Men­schen aus ihren Dör­fern zu ver­trei­ben um Braun­koh­le ab­zu­bau­en, aus ihren Woh­nun­gen zu schmei­ßen um Ka­pi­tal­in­ter­es­sen zu schüt­zen und die Mie­ten kräf­tig zu er­hö­hen oder um die Men­schen, die sich nicht ruhig stel­len las­sen auf ihren Demos zu be­hin­dern oder an­zu­grei­fen (siehe z.B. Stutt­gart 21, Block­u­py, Ham­burg am 21.​12.​2013 ab­ge­se­hen davon, dass man vllt. auch Dinge daran aus­zu­set­zen hat) Selbst wenn diese Ent­schei­dun­gen in Volks­ab­stim­mun­gen le­gi­ti­miert wur­den (Stutt­gar­t21), be­deu­tet dies nicht we­ni­ger Ge­walt, auch wenn die Mehr­heit dies ent­schie­den hat.

Ent­schei­dungs­fin­dung
Al­lein die Ent­schei­dungs­fin­dung im Staa­te ist schon völ­lig falsch, denn sie rich­tet sich, auch in De­mo­kra­ti­en, nicht nach den Be­dürf­nis­sen der Men­schen, son­dern meist nach wirt­schaft­li­chen As­pek­ten, die uns als al­ter­na­tiv­los ver­kauft wer­den. In einem Wirt­schafts­sy­tem in dem Kon­kur­renz und gren­zen­lo­se Aus­beu­tung unser aller Leben be­stim­men, Wachs­tum und Pro­fit die Ma­xi­me dar­stel­len, in dem das Pri­vat­ei­gen­tum von Fir­men & Kon­zer­nen auf Kos­ten an­de­rer Men­schen ge­schützt wer­den, kön­nen sol­che Ent­schei­dun­gen nur gegen die Be­dürf­nis­se einer gro­ßen Mehr­heit der Men­schen ge­rich­tet sein. Wir müs­sen un­se­re Ent­schei­dun­gen daher wie­der selbst in die Hand neh­men und ver­su­chen Ent­schei­dun­gen in un­se­ren Grup­pen, un­se­ren Be­trie­ben, un­se­rer Nach­bar­schaft oder all­ge­mein in un­se­rem so­zia­len Um­feld ge­mein­sam und im Kon­sens zu tref­fen.
Wir brau­chen keine sou­ve­rä­nen Staa­ten, son­dern sou­ve­rä­ne Men­schen!

Schluss mit Nor­men & Zwän­gen
Wir soll­ten hin­ter­fra­gen, wenn uns an­de­re Men­schen ver­su­chen zu er­klä­ren, wie sich be­stimm­te Men­schen oder wir sel­ber zu ver­hal­ten und sein zu haben. Auch die­ser Text be­an­sprucht nicht „ die Wahr­heit“ zu ver­tre­ten, son­dern soll nur einen Den­k­an­stoß geben. Wir soll­ten be­son­ders kri­tisch sein, wenn sol­che Nor­men als na­tür­lich oder auf an­de­re Weise un­um­stöß­lich pos­tu­liert wer­den. Sei es wie sich an­geb­lich Frau­en und Män­ner zu ver­hal­ten haben; dass wir nur etwas Wert seien, wenn wir für einen Lohn ar­bei­ten wür­den; dass die bür­ger­li­che Klein­fa­mi­lie die na­tür­li­che Form sei (ob­wohl sich das Fa­mi­li­en­bild im Laufe der Zeit schon immer ge­än­dert hat); wen und wie wir an­de­re zu lie­ben haben; etc. Jede*r soll­te sich so ver­hal­ten dür­fen und so leben dür­fen, wie er*sie es für rich­tig hält, un­ge­ach­tet des­sen, was an­de­re be­haup­ten. Gleich­zei­tig soll­ten wir an­de­re Men­schen in ihrer Frei­heit so wenig wie mög­lich ein­schrän­ken, denn die Frei­heit aller An­de­ren ist die Be­din­gung für un­se­re ei­ge­ne Frei­heit. Wir soll­ten uns auch selbst hin­ter­fra­gen, mit wel­chen Nor­men & Rol­len wir uns iden­ti­fi­zie­ren. So soll­ten wir in un­se­rer Ent­wick­lung zur ei­ge­nen In­di­vi­dua­li­tät fin­den, statt uns an ge­sell­schaft­li­chen, fest­ge­setz­ten Kon­struk­ten zu ori­en­tie­ren. Frie­den er­rei­chen wir nur in dem wir Gren­zen & Zwän­ge ab­leh­nen und über­win­den, um eine ge­rech­te­re und fried­li­che­re Welt zu er­schaf­fen!

an­ar­chis­ti­scher Funke

Quelle: Anarchistischer Funke

4 Kommentare leave one →
  1. KenFM am Set: Prinz Chaos II. über die Montagsmahnwachen / Pedram Shahyar (Attac) permalink
    20. Mai 2014 20:50


    Prinz Chaos II. über die Montagsmahnwachen


    KenFM im Gespräch mit: Pedram Shahyar (Attac)

  2. Montagsdemos unter Feuer - Streit um Bewertung es geht weniger um Inhalte als um verpasste Debatten u. verschiedene Milieus. permalink
    21. Mai 2014 18:04

    Montagsdemos unter Feuer
    Paul Schreyer 21.05.2014
    Beim Streit um die Bewertung der aktuellen Montagsdemonstrationen geht es weniger um Inhalte als um verpasste Debatten und verschiedene Milieus. Ein Kommentar
    Das Unverständnis ist groß. Wer sind bloß diese Leute? So oder ähnlich taucht die Frage immer wieder in Berichten und Analysen auf, die sich mit den aktuell in mehr als 50 deutschen Städten stattfindenden „Montagsmahnwachen für den Frieden“ auseinandersetzen. Am Montag wehrte sich auch Außenminister Steinmeier bei einem Wahlkampfauftritt in Berlin in einer Wutrede direkt gegen Demonstranten, die ihn als „Kriegstreiber“ angegriffen hatten. Steinmeier warf ihnen seinerseits Eskalation vor.
    http://www.heise.de/tp/artikel/41/41820/1.html

  3. 22. Mai 2014 19:36

    Dass jeder, der “den Kapitalismus personifiziert”, deshalb automatisch und ohne Aussicht auf Besserung Feind ist, ist eine andere – und sehr blödsinnige – These…
    http://lowerclassmagazine.blogsport.eu/montagsdemos-ii-die-linke/

  4. ¿¿¿¿¿ Was wurde aus den Montagsdemos der "Friedensbewegung 2014"????? permalink
    16. November 2014 16:58

    ¿¿¿¿¿ Was wurde aus den Montagsdemos der „Friedensbewegung 2014“?????

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