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Grammer – ein Daimler Zulieferer mit miesen Bedingungen

28. April 2014

grammerWenn der Arbeitsalltag und die Löhne bei Daimler immer schlechter werden, wie wird es dann bei den Zulieferern aussehen? Hier ein Beispiel der Grammer ArbeiterInnen aus Oyten.

Die Grammer System GmbH stellt hier in Oyten unter anderem die Mittelkonsole für die neue C-Klasse her. Grammer in Oyten ist ein neuer Standort, die meisten Mitarbeiter sind entweder noch in der Probezeit oder in Leiharbeit. Der Arbeitsalltag beginnt jeden Tag aufs Neue mit Druck, es herrscht ein autoritärer Ton. Der Standartspruch der Vorgesetzten heißt „Ihr müsst noch schneller werden“, dabei arbeitet dort schon jeder an der Belastungsgrenze. Es wird in drei Schichten gearbeitet, wobei die Schicht 7,5 Std. plus Pause haben sollte. In der Realität sieht das etwas anders aus. In der Regel werden die Schichten inzwischen um zwei Stunden verlängert. Das heißt, die Nachtschicht geht von 22 Uhr bis 8 Uhr und die Frühschicht fängt um 4 Uhr an. Es wird nicht gefragt ob man länger machen kann, es wird von der Werkleitung angeordnet.

Pausen werden bei Grammer oft nicht durchgeführt. Es stehen jedem 30 Min. zu, die meisten werden jedoch nach 15 Min. schon wieder zum Arbeitsplatz gerufen oder gehen von sich aus wieder zurück in die Produktion. Als Argument wird genannt, man arbeite ja Just in Time und da könne man sich es nicht leisten, in Verzug zu kommen. Wenn man dort durch die Halle geht, sieht man den Leuten schon an, wie ausgelaugt sie sind. Viele erzählen davon, wie viel sie schon abgenommen haben, seit dem sie bei Grammer sind.

Das Schlimmste ist aber, wie man die Leute gegeneinander ausspielt. Die Vorgaben sind einfach nicht zu schaffen. Da ist schon vorprogrammiert, dass die ArbeiterInnen in der Produktionskette hinterher hängen. Die Folgen sind, dass die nachfolgenden Stationen leer laufen und die KollegInnen Druck machen, weil sie nicht weiter arbeiten können. Meistens hängt die Logistik hinterher. In diesem Fall haben die Leute aus den Montagebereichen keine Pause, sondern müssen in andere Bereiche. Wenn es wieder läuft, müssen sie an ihre Stationen zurück und Gas geben. Der Frust über die viel zu hohen Anforderung entlädt sich nicht an dem Arbeitgeber, der für die Situation verantwortlich ist, sondern an den jeweiligen KollegInnen.

Samstagsarbeit und Überstunden sind die Regel. Die KollegInnen werden wahllos in den 3 Schichten hin und her geschoben. Wie und wann gearbeitet werden soll, wird mit dem Spruch „Frau Wallerstein hat angeordnet“ festgelegt. Urlaub ist kaum möglich. Mitspracherecht gibt es nicht. Es gibt keinen Betriebsrat und es gibt keine Gewerkschaft. Dafür gibt es jede Menge Druck und Arbeit.

Viele KollegInnen fragen sich, warum es keinen Betriebsrat gibt und warum die Gewerkschaft daran nicht interessiert ist. In anderen Grammer Standorten sind die KollegInnen bei der IG Metall organisiert, in Oyten jedoch kaum. Das mag mit der Zusammensetzung der noch sehr neuen Belegschaft zu tun haben. Wir haben in anderen Betrieben aber auch schon oft miterlebt, dass die Gewerkschaften am Anfang stark an einem Betrieb interessiert sind, solange sie dort Mitglieder werben können. Sobald dieses Ziel erfüllt ist, werden die KollegInnen von der Gewerkschaft fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Deswegen kann es erfolgreicher sein, gegen die Arbeitsbedingungen bei Grammer einfach selbst was zu machen. Man könnte erst mal in den normalen Gespräche, die wir alle auf der Arbeit miteinander führen überlegen, was wir am meisten fordern und wie wir bereit sind, uns dafür einzusetzen. Das könnte man den Chefs dann mit entsprechendem Nachdruck vorsetzen, denn gerade bei so geballter Auftragslage, werden die Führungskräfte sich ganz genau überlegen, ob sie einen Konflikt mit uns wirklich eingehen wollen. Möglichkeiten dafür gibt es viele, bei der DHL in Bremen haben KollegInnen zum Beispiel einfach eine kleine Betriebsgruppe gegründet, um sich auszutauschen.

Wir fordern euch alle, die das lesen auf, mit uns in Kontakt zu treten und mit uns weiter zu überlegen, wie wir bei Grammer aus dem Dilemma kommen, ohne zu kündigen, wie das schon viele bei Grammer nach kurzer Zeit getan haben Das kann aber keine Lösung sein, denn jedes mal wenn einer geht wird es für die alle noch etwas schlechter.

Quelle: Bremen macht Feierabend

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