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Eingesandt: Bericht ABC-Belarus Veranstaltung in Bremen

4. April 2014

Belarus-Infotour-2014_PlakatA2-725x1024Am heutigen Donnerstag fand in Bremen eine Infoveranstaltung der anarchistischen Antirepressionsorganisation „Anarchist Black Cross“ (ABC) zur Situation gefangener Anarchisten in Weißrussland statt. Eine Genossin vom ABC aus Weißrussland berichtete aus erster Hand. Sie gab dabei einen fundierten und höchstinformativen Einblick in die politische und soziale Realität des Landes. Einen Schwerpunkt legte sie auf die staatliche überwachung und die verschiedenen Gesetze, von denen immer wieder neue verabschiedet und in Kraft gesetzt werden, um jegliche Opposition gegen die Diktatur Lukaschenkos zu unterbinden. Weder gibt es eine freie Presse noch die Freiheit des organisatorischen Zusammenschlusses. Demonstrationen und Versammlungen werden von den Behörden regelmäßig untersagt. Seit neuestem ist die „Versammlung in Gruppen“ verboten und in der Haupstadt Minsk wird die Repressionsschraube weiter angezogen um das Stadtbild schon im Vorfeld der kommenden Hockey-Weltmeisterschaft (9.-25. Mai) von armen Menschen und Oppositionellen zu säubern. Ihren Vortrag hielt die Genossin in Englisch, dass ins deutsche übersetzt wurde. Hätte man deutlicher darauf hingewiesen, wäre vielleicht noch der eine oder die andere Migrantin zu dieser Veranstaltung erschienen. Leider waren generell nur sehr wenige BesucherInnen anwesend, die halbstündige Verspätung des Beginns änderte daran nichts. Woran liegt es, dass nur so wenige Leute – speziell aus dem libertären Spektrum Bremens – den Weg zu einer Veranstaltung über die in Arbeitslagern und unter den Bedingungen der Isolationshaft gefangenen gehaltenen Gleichgesinnten fanden?

Im weiteren Verlauf gab die Genossin einen Überblick über die verschiedenen Gruppen und Strömungen des Anarchismus in Weißrussland. Sie kam auch auf aktuelle Ereignisse zu sprechen. Gerade erst im März wurden eine Anzahl junger Genossen verhaftet, u.a. weil sie sich gegen Nazigewalt wehrten. Ein anderer Genosse wurde bei seiner Einreise nach Weißrussland verhaftet und unter der Anklage des Terrorismus – angeblich hätte er ein AKW in die Luft sprengen wollen – vom russischen Geheimdienst verhaftet und nach Russland verbracht. Alles das macht deutlich, dass die GenossInnen in Weißrussland alles andere als Hobby-Anarchisten oder Lifestyle-Anarchisten sind. Für ihre anarchistischen Überzeugungen und ihren Kampf für eine Welt ohne Ausbeutung und Herrschaft riskieren sie Verhaftungen, Entlassungen, Schikanen, Folter. Der Kampf unter diesen extremen Bedingungen nötigt höchsten Respekt ab. Vorallem auch gegenüber den Genossen, die in Arbeitslager und Knast standhaft bleiben. Ihar Alinevich, einer der seit 2010 verhafteten Genossen, der eine 8-jährige Haftstrafe aufgrund verübter „direkter Aktionen“ ableisten muss, hat über seine Haft einen Erlebnisbericht verfasst. Dieses Jahr erschien eine englischsprachige Übersetzung unter dem Titel „On the Way to Magadan“. Das Buch gibt es bei den Veranstaltungen gegen Spende zu erwerben. Eine deutsche Übersetzung über das „unzensierte Weißrussland“ exisiert (noch?) nicht.

Beeindruckend ist, dass sowohl die vortragende Genossin als auch Ihar Alinevich, Vorschläge zur Unterstützung der gefangenen Genossen unterbreiten aber gleichwohl hervorheben: Das wichtigste ist es, AnarchistIn zu werden. „Ich denke die beste Solidarität sind die Neuigkeiten über den Erfolg und die Entwicklung der Bewegung. Dies bekräftigt, nach was wir streben“ (Ihar Alinevich).

Bei der Solidaritätsarbeit mit den Gefangenen solle generell darauf geachtet werden, dass das zu erreichende Ziel im Vordergrund stehe und nicht die Form. Als Beispiel nannte sie eine Graffiti-Aktion. Hier käme es darauf an Menschen mit der Botschaft zu erreichen. Es mache keinen Sinn Zeit, Geld und Energie in ein Graffiti zu stecken, das unter einer Brücke von niemandem gesehen wird oder an einem geschlossen Ort angebracht wird. Briefe an die Gefangenen und Schreiben an die staatlichen AUtoritäten mit der Forderung nach deren Freilassung seien gute Mittel der Solidarität. Übrigens: Für den kommenden August rufen verschiedenen ABC-Gruppen zu einer Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen auf.

Zum Abschluss des Vortrages stellte die Genossin die Vorzüge einer festen, verbindlich arbeitenden Gruppe vor. Für ihre ABC-Gruppe gehört dabei auch die Schulung und Vorbereitung auf mögliche Repressionen zur Grundlage, um solchen nicht unvermittelt gegenüber zu stehen und entsprechende Hilfe und Solidarität unverzüglich in Bewegung setzen zu können. Dies gelte auch für Genossen und Gruppen in Ländern, in welchen die Repression bislang keine solche Ausmaße angenommen hat wie in Belarus. Auch in diesen Regionen sollten sich die GenossInnen kundig machen.

Die Rundreise des ABC-Belarus geht weiter. Wer die Möglichkeit hat zu den Veranstaltungen zu gehen, sollte dies tatsächlich nutzen und die GenossInnen aus Weißrussland bei dieser Gelegenheit auch mit dem ein oder anderen Euro unterstützen. Freiheit und Glück to the Belarus Comrades.

Die nächsten Termine:

03.04     Hannover (DE)     UJZ Korn (Kornstr. 28-30, 30167)     20:00 Uhr     UJZ Korn     –
04.04     Bielefeld (DE)     AJZ (Heeper Str. 132, 33607)     19:00 Uhr     Infoladen Anschlag     –
04.04     Schwerte (DE)     Rattenloch (Eintrachtstr. 10, 58239)     19:00 Uhr     Anarchistische Gruppe Dortmund     Solikonzert für ABC Belarus mit: Auszenseiter (Screamo), Poweryoga (D ‘n’ B Screamo), Empty On The Inside (Downtempo HC). Eintritt 5€ Keine Veranstaltung!
08.04     Dortmund (DE)     Nordpol (Münsterstr. 99, 44145)     tba     Anarchistische Gruppe Dortmund     –
09.04     Wuppertal (DE)     Autonomes Zentrum (Markomannenstr. 3, 42105)     19:30 Uhr     Chat Noir     Vokü & Infostand
10.04     Bonn (DE)     tba     tba     ASJ Bonn     –
11.04     St.Ingbert (DE)     JUZ (Pfarrgasse 49, 66386)     19:00 Uhr     JUZ     –
12.04     Freiburg (DE)     KTS (Baselerstr. 103, 79000)     20:00 Uhr     Autonome Antifa Freiburg     –
21.04     Salzburg (A)     tba     tba     tba     –
23.04     Graz (A)     tba     tba     tba     –
24-27.04     Wien (A)     ABC-Festival     tba     ABC Festival     –
24.05     Zürich (CH)     tba     tba     Karakök Autonome     –
25.05     Winterthur (CH)     tba     tba     Libertäre Aktion Winterthur     –

O.S.  

One Comment leave one →
  1. gtret permalink
    8. April 2014 10:27

    Weil es in Bremen eine auch in der libertären Szene gut verankerte Rote Hilfe gibt. Das anarchistische schwarze Kreuz mag in Weißrussland gut und richtig sein – in Bremen braucht es kein Mensch…

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