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Ein Blick auf Leben und Wirken von Rudolf Rocker

26. März 2014

rocker-3-timesEiner unserer hervorragenden Lehrer für Freiheit und Emanzipation ist Rudolf Rocker. Er wurde 1873 hier, in Mainz, geboren und starb 1958 nahe Crompond, USA.

Was im Leben dieses Mannes zwischen Geburt und Tod geschah, ist mit Worten kaum zu würdigen – Im damaligen Mainz wurde Rocker durch liberale Ideale seines Onkels geprägt und lernte schon als Kind einige “Clubisten”, alte Kämpfer der 1848er Revolution und der Mainzer Republik, kennen. Während seiner Lehre als Buchbinder stieß Rocker zur Sozialdemokratie, der er aber, nachdem sich innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung eine Aristokratie herausgebildet hatte, den Rücken kehrte. In den 1890er Jahren machte er Bekanntschaft mit den Ideen Michael Bakunins und musste bald, nachdem er die erste anarchistische Gruppe in Mainz gegründet hatte, wegen Verstoßes gegen das “Sozialistengesetz” des Saupreußen Bismarck fliehen.

Er gelangte nach Paris und lernte dort den aufstrebenden französischen Syndikalismus, die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung kennen. Seiner anarchistischen Ausrichtung gaben diese konkreten und praktischen Vorstellungen eine neue Form und einige Jahre später wurde Rocker zu einem der wichtigsten Theoretiker des Anarcho-Syndikalismus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er allerdings noch viel Zeit, seine Ideale zu erproben. So waren es die jüdischen Arbeiter des Londoner Eastends, mit denen er lebte und gegen die unerträgliche Ausbeutung des Sweatshop-Systems kämpfte – im Verbund mit anderen Arbeitern und durch die Erlangung von Einheit durch solidarisches Zusammenwirken der Dockarbeiter und der jüdischen Arbeiterklasse gelang es, das Sweatshop-System abzuschaffen.

Nach diesen Erfolgen sollten sich jedoch wieder die für Rockers Leben typischen Turbulenzen einstellen, als er am Vorabend des Ersten Weltkrieges als “Feindlicher Ausländer” in einem Internierungslager inhaftiert wurde. Die gesamte Zeit des Krieges verbrachte Rocker “Hinter Stacheldraht und Gitter”, so der Titel der autobiographischen Schrift zu dieser Phase seines Lebens. Mittlerweile als Vater zweier Kinder, gelangte er zurück nach Deutschland und beteiligte sich mit Fritz Kater und vielen anderen an der Organisation der Freien Arbeiter Union Deutschlands, die revolutionäre Gewerkschaft der Anarcho-Syndikalisten, und schuf mit Augustin Souchy und Alexander Shapiro die I.A.A., die anarcho-syndikalistische Internationale Arbeiter Assoziation. Auch in diesem Lebensabschnitt wurde Rocker aus der konstruktiven Phase herausgerissen und durch das chaotische und lebensverneinende Treiben der Faschisten in Deutschland zur Flucht gezwungen. Kurze Zeit nach der Machtübertragung wurde sein langjähriger Freund Erich Mühsam, der berühmte Dichter und Redakteur, deportiert und wie später bekannt wurde, viehisch gefoltert und ermordet.

Der faschistische, sowie der hinzukommende bolschewistische Stumpfsinn konnten jedoch nicht verhindern, dass Rocker der I.A.A., sowie den Genossen der Spanischen Revolution, eine wirkungsvolle Geistesgrundlage stiftete, von der wir noch heute zehren. Im us-amerikanischen Exil verbrachte Rocker seinen Lebensabend, den er für die Vollendung seiner umfassenden Erkenntnisse und Erfahrungen nutzte – so blieb er bis an sein Lebensende für die Aufklärung und Befreiung der Menschen tätig und ist aus diesem Grunde für immer in unserem Herzen verankert.

Neben diesem Erfolg in der freiheitlichen Arbeiterbewegung fand in diesen Londoner Jahren für Rocker ein weiteres, den Rest seines Lebens prägendes Ereignis statt: Er lernte die ukrainische Jüdin Milly Witkop kennen und beide kämpften fortan unbeirrt Seite an Seite für die Emanzipation.

Quelle: ASJ Mainz (Dort unter dem Titel „Rudolf Rocker – ein Mainzer von Welt“ erschienen)

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  1. Daniel Garber talks with filmmaker Adam Kossoff about his documentary The Anarchist Rabbi permalink
    13. Juni 2015 19:04

    A new film documents this history with an impressionistic examination of London, then and now. Period photos and recordings share the screen with contemporary, sepia-toned shots of London’s East End. It’s having itsAnarchist_Rabbi Canadian debut today at the Toronto Jewish Film Festival.

    Its called The Anarchist Rabbi, and is narrated by actor/writer Stephen Berkoff, and written and directed by Adam Kossoff. Adam is a writer, artist and filmmaker who explores historically separate but site-specific videos.

    I reached Adam by telephone in London. He talks about anarcho-syndicalism, Rudolph Rocker (1873-1958), London’s East End, strikes, revolution, Russian immigrants, his grandfather, Arbeter Fraynd, history, politics, the use of colour in film, memorials, Kropotkin, Emma Goldmann… and more!

    [audio src="https://danielgarber.files.wordpress.com/2015/05/garber-may7-15-interview.mp3" /]

    https://danielgarber.wordpress.com/2015/05/08/daniel-garber-talks-with-filmmaker-adam-kossoff-about-his-documentary-the-anarchist-rabbi-at-tjff/

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