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Antimilitarismus und Widerstand gegen den Krieg 1914 – 1918

25. März 2014

heartfield_hyenaFreitag, 25. und Samstag, 26. April 2014
Anarchistische Bibliothek Wien
Lerchenfelder Straße 124-126, Hof 3, Tür 1A, 1080 Wien
http://www.a-bibliothek.org

Freitag, 17.45 Uhr: Eröffnung durch Peter Stipkovics

Freitag, 18.00 Uhr: Gerhard Senft – Antimilitaristische Bestrebungen auf internationaler Ebene vor 1914

Pause (Vokü/vegan)

Freitag, 19.30 Uhr: Robert Foltin – Krawalle, Streiks und Meutereien: Widerstand gegen den Krieg 1914 – 1918

 

Samstag, 16.30 Uhr: Gerhard Senft – Verweigerung und Desertion: Widerstand gegen den Krieg in Einzelbiographien

Pause (Vokü/vegan)

Samstag, 18.00 Uhr: Friedrich F. Brezina – „Nach dem Kriege!“ Josef Popper und sein Programm der Grundversorgung

Samstag, 19.30 Uhr: Erstes Wiener Lesetheater – Antimilitarismus in der Literatur. Texte von Karl Kraus u. a.

EINTRITT FREI

Büchertisch: Verlag Monte Verita

http://www.ramus.at

Quelle: Pierre Ramus Gesellschaft

10 Kommentare leave one →
  1. Mit Jubel in die Hölle permalink
    25. März 2014 17:16

    Mit Jubel in die Hölle

    Viele Menschen begrüßten 1914 den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Kaum einer ahnte, wie mörderisch er wirklich werden würde und dass er das Ende des alten Europa bedeutete.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/2120282/Mit-Jubel-in-die-H%C3%B6lle

  2. Willy Huhns Untersuchungen zur Vorgeschichte des Nationalsozialismus permalink
    25. März 2014 18:38

    Ein Grundkurs in politischer Geburtshilfe
    Willy Huhns Untersuchungen zur Vorgeschichte des Nationalsozialismus

    Die bundesrepublikanische Studentenbewegung entdeckte in den 60er Jahren nicht nur den frühen revolutionären Horkheimer und Wilhelm Reich wieder, sondern auch die Rätekommunisten. So wurde Willy Huhns Schrift von 1952 zur Vorgeschichte des Nazi-Faschismus und zur Rolle der Sozialdemokratie in dieser Vorgeschichte bereits in der letzten Ausgabe des theoretischen Organs des SDS Neue Kritik von 1970 nachgedruckt. Sie wurde 2003 vom Freiburger ça ira-Verlag zusammen mit weiteren Aufsätzen von Willy Huhn wiederveröffentlicht, editorisch ergänzt durch kritische, biografische und bibliografische Beiträge von Clemens Nachtmann, Christian Riechers, oachim Bruhn und Ralf Walter.
    In den 30er/40er Jahren untersuchten rätekommunistische Theoretiker ähnlich wie Vertreter der Kritischen Theorie die Tendenz zum „autoritären Staat“ in Deutschland, der Sowjetunion und den USA. Dabei wurden erste Ansätze zu einer linksradikalen Totalitarismustheorie entwickelt, die keinen revisionistischen Absichten folgte, sondern aus der Klassenperspektive die Ähnlichkeiten zwischen „rotem und braunem Faschismus“ (Otto Rühle), aber auch die Übereinstimmungen zum amerikanischen New Deal, dem staatlich verordneten Arbeitszwang und den keynesianischen Versuchen, die Weltwirtschaftskrise mit verstärkter staatlicher Planung zu überwinden, herausarbeitete. Otto Rühle sprach in diesem Zusammenhang von einem „Weltfaschismus“. Und auch die Sozialdemokratie blieb von dieser generellen Kritik nicht verschont: Willy Huhn bezeichnete den Nationalsozialismus als die „konsequentere Sozialdemokratie“. Dieser Befund deckt sich teilweise mit den Erkenntnissen von Franz Neumann, der in seinem Werk „Behemoth“ herausarbeitete, wie der Sozialimperialismus der Sozialdemokratie in den NS einfloss.
    Willy Huhns Essay Etatismus-„Kriegssozialismus“-„Nationalsozialismus“ in der Literatur der deutschen Sozialdemokratie referiert die Debatten in der Sozialdemokratie, in denen der Gedanke einer Verbindung von Nationalismus und Sozialismus erprobt wurde – von Anfang an. Lassalle, der „eigentliche Begründer der Sozialdemokratie“, erscheint bei Huhn als der totalitäre Staatsvergötzer, der er war. Gegen den „bürgerlichen Egoismus“ forderte der Parteigründer etwa in einem Brief an Bismarck eine Diktatur nicht der Arbeiterklasse selbst, sondern in ihrem Namen und in ihrem Interesse – und zwar durch das „sozialistisch gewandelte“ preußische Königtum. (Übrigens sieht Huhn hier deutliche Paralellen zu den russischen Bolschewiki, die er nur „russische Lassalleaner“ nennt.)
    Das von Huhn nachgezeichnete sozialdemokratische Ideenpanorama aus den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zeigt die machtvolle Bewegung der Partei (und ihrer Vorstellungen vom Sozialismus) hinein in den Staat der bismarckschen Sozialgesetzgebung, der parlamentarischen Repräsentanz und der nationalen Verantwortung – dabei nur oberflächlich irritiert durch die Kritik von Marx, Engels und anderen Revolutionären.
    „Beim Ausbruch des I. Weltkrieges … erfüllte sich auch an der deutschen Sozialdemokratie die Voraussage Eduard Bernsteins (…): ‚Im weiteren Verlauf wird das Nationale so gut sozialistisch sein wie das Munizipale. Nennen sich doch schon heute Sozialisten demokratischer Staatswesen gern Nationalisten.'“ (Huhn, S. 63). Nun entdeckte die deutsche Sozialdemokratie, dass die Anforderungen des Krieges diejenigen ihrer Vorstellungen zur Reife brachten, die mit der Hoffnung auf eine bruchlose Entwicklung des Sozialismus aus dem preußisch-deutschen Staatswesen liebäugelten. Einer vom Staat zu Kriegszwecken gelenkten Wirtschaft verlieh die Sozialdemokratie mit dem Terminus „Kriegssozialismus“ höhere Weihen. Gern sprach man vom „Kaisersozialismus“, nannte Wilhelm II einen „Arbeiterkaiser“ und dergleichen. Aus der Verlautbarungs- und Selbstverständigungsliteratur der SPD fördert Huhn Erhellendes der beklemmendsten Art zutage. Gerade deutsche Sozialisten forderten eine „Durchstaatlichung“ der Gesellschaft zur Landesverteidigung. „So wurde“, fasst Willy Huhn zusammen, „die Mehrheitssozialdemokratie, welche sich mit dieser Begründung auf dem Boden der Landesverteidigung und der Bewilligung der Kriegskredite, vor allem aber auf den des ‚Kriegssozialismus‘ stellte, vor der Weltgeschichte die erste nationalsozialistische Partei!“ (ebenda)
    Huhn erinnert auch daran, dass die sozialdemokratische Reichtagsfraktion im Mai 1933 für die nationalsozialistische Erklärung zur Außenpolitik gestimmt hatte und schlussfolgert: „Wenn die Nazis … diese ‚guten‘ Sozialdemokraten [gemeint sind die „Mehrheits-Sozialdemokraten“] tatsächlich ‚toleriert‘ hätten, so würden letztere 1939 Hitler ebenso in den II. Weltkrieg gefolgt sein, wie ihre Vorgänger dem Kaiser in den I. Weltkrieg“. (Huhn, S. 66) Und hier handele es sich keinesfalls um blanken Opportunismus, denn – und so endet die Schrift – „der deutsche Nationalsozialismus entstand … 1914 und zu einem wesentlichen Teile innerhalb der rechten Sozialdemokratie.“ (Huhn, S. 76).
    In einer weiteren, nun zugänglich gemachten Schrift Bilanz nach 10 Jahren (1929-1939) versucht Huhn, diese Kritik nach einer kurzen autobiographischen Vorbemerkung zu systematisieren. Von der Kritik der Sozialdemokratie, des Staatssozialismus, des Kriegssozialismus geht er über zur historischen Kritik des Bolschewismus und des Faschismus. Immer wieder findet Huhn die Melange aus Nationalismus, Etatismus und Sozialismus als verbindendes fnB1 aller Faschismen, aber auch der Sozialdemokratie. In Deutschland, Russland wie Italien waren es sozialistische Parteien oder Gruppen, die die Durchsetzung des totalen Staates bewerkstelligten.
    In der Frage von Krieg und Imperialismus war den Rätekommunisten klar, dass man sich auf keine Seite einer Kriegspartei stellen konnte. Damit würde man nur den Fehler des Burgfriedens und der „heiligen Allianzen“ des Ersten Weltkriegs wiederholen. Kommunisten hätten auf der Arbeiterseite zu stehen und sollten die nicht abreißenden Streiks und Tendenzen zur eigenständigen Organisierung der Arbeiter unterstützen. Dennoch kommt Huhn zu folgender Einschätzung:
    „Da in diesem Krieg der Sieg Deutschlands über die ältesten kapitalistischen Staaten schon wegen ihrer sozialökonomischen Rückständigkeit kaum zweifelhaft ist, ist es ein Unsinn, politische Hoffnungen an eine militärischeNiederlage Deutschlands zu knüpfen. Ich würde es für ein großes geschichtliches Unglück halten, wenn die liberal-parlamentarischen Systeme des Kapitalismus noch einmal siegen würden. An einer Zerschlagung des mitteleuropäischen Wirtschaftsraums kann m.E. keine zukunftsorientierte Richtung interessiert sein.“ (Huhn, S. 161) Wie ist das zu erklären? Huhn steht in der Tradition eines deterministischen Geschichtsverständnisses. Bei aller im übrigen scharf vorgetragenen Kritik will er den „rationellen Kern der Kriegswirtschaft“ nicht bestreiten. In ihrem Protagonisten, dem Nationalsozialismus, und im Zweiten Weltkrieg glaubt er eine ‚objektive historische Notwendigkeit‘ zu erkennen, denen Kommunisten keine abstrakte, idealistische Kritik und Position von außen entgegenhalten dürfen. Er hält die Tendenzen zur Durchorganisierung und Durchstaatlichung der Gesellschaft für einen in der Logik der kapitalistischen Verhältnisse notwendigen geschichtlichen Entwicklungsschritt. Eine europäische Organisation zur Überwindung der Nationalstaaten ist nötig, und die ist „wirtschaftlich rationeller und machtvoller vom europäischen Kern aus herzustellen“ (ebenda). Und drittens sieht er im Versailler Vertrag einen „Raubzug“, der zwingend zum Krieg führen muss.
    Wie man diese ideologischen Begründungen auch interpretieren mag – Huhn stand mit dieser Fehldiagnose nicht alleine. Auch der Gründer der kommunistischen Partei Italiens, Bordiga, warnte vor einem Sieg über das faschistische Deutschland, weil der Klassenkampf dadurch zurückgeworfen werde. Sohn-Rethel hielt ebenfalls den Nationalsozialismus für eine überlegene Wirtschaftsform, und die Rolle dieses Plan-und-Taylor-begeisterten Sozialisten im nationalsozialistischen Mitteleuropäischen Wirtschaftstag ist nach wie vor unklar.
    Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Huhn sich positiv auf den Liberalen und Anti-Sozialisten Hayek in dessen Ablehnung des Staatssozialismus bezieht. Dieser Bezugspunkt heutiger Liberaler und Neo-Konservativer erscheint so im anti-etatistischen und anti-totalitären Licht. Und tatsächlich begründet sich der intellektuelle Neo-Konservativismus zuweilen auch anti-(sozial)staatlich, obwohl er praktisch autoritär wirkt und auf Kriegskapitalismus setzt. Auch die heutige Sozialdemokratie schwenkt auf diesen Kurs ein, und die Frage ist erlaubt, inwieweit Huhns Beschreibungen lediglich eine vergangene historische Phase pointiert treffen.

    Die verdienstvolle Publikation hätte Lob verdient. Leider hinterläßt der abschließende Beitrag des Herausgebers Joachim Bruhn einen unangenehmen Geschmack. Nach der zwar diskussionsbedürftigen aber doch genauen und erhellenden Einführung von Clemens Nachtmann erscheint der Verlegernachschlag aus dem Textbaukasten als eine Übung in kümmerlicher Häme,uninteressiert an politischer Debatte und Erkenntnisgewinn. Da wird Huhn – mitsamt „dem“ Rätekommunismus! – gewogen und für zu leicht befunden, weil sie allesamt die „innerstaatliche Feinderklärung“ nicht als die Essenz nationalsozialistischer Herrschaft begriffen hätten – zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, wohlgemerkt. Zu dieser Zeit gab es nicht nur die Erfahrung von Judenpogrom und Kommunistenverfolgung. Auch die Sozialdemokratie,die Geburtshelferin des Real-Nationalsozialismus im von Willy Huhn begründeten Geschichtsbild, hatte, soweit sie nicht fliehen konnte, in den Gestapo-Kellern und Konzentrationslagern Quartier genommen. Huhn war dies keineswegs verborgen geblieben, und einer der luzidesten Abschnitte in seinen Darlegungen verdankt sich seinem Bemühen um Verständnis dieses Widerspruchs. Auf die Idee, es Willy Huhn anzulasten, dass er die in der „Endlösung“ von 1943 beschlossene Vernichtung der europäischen Juden nicht 1939 schon in produktiver Phantasie vorweggenommen hat, kann wohl nur ein Antideutscher kommen.
    Aus nicht näher zitierten „antizionistischen Schriften“ Willy Huhns leitet Bruhn das Recht ab, den Rätekommunismus generell als „Avantgarde des Antisemitismus“ abzukanzeln. So findet sich am Ende ein origineller und genauer Denker wie Willy Huhn und alle, die auf den Klassencharakter dieser Gesellschaft aufmerksam machen, in eine Kiste geworfen mit denjenigen, die von „raffendem“ und „schaffendem Kapital“ schwafeln. Antisemitismus – das praktische und ideologische Projekt, um dem Klassenkampf entgegenzuwirken und eine „Volksgemeinschaft“ zu konstruieren – soll vom Klassenkampf selbst auf den Weg gebracht worden sein… unter allen Begründungen fürs Renegatentum und den Abschied vom Proletariat dürfte diese Behauptung die ekelhafteste sein.
    h.

    aus: Wildcat 69, Frühjahr 2004
    http://www.wildcat-www.de/wildcat/69/w69huhn.htm

  3. pervers... permalink
    25. März 2014 21:53

    …dass Hippies bei solchen Ereignissen immernoch mit ihrem „vegan“ angeschissen kommen müssen. Einfach nur zwanghaft. Das zeigt deren religiös-politischen Realitätsverlust und wie zugeschissen die in der Birne sind, welchen unbemerkten totalitären Ballast die mit sich herumschleppen.
    Total hirnverbrannt, diese Szene-Anarchos.

    Das Niveau der ganzen Veranstaltung muss unter so einem Kinderquatsch leiden und es gibt echt noch Leute die da mitmachen… bekloppt.
    Zwischen den Themen dieses naive „Vokü / Vegan“ – wer soll sowas dann noch ernst nehmen?
    Als ob dieser Unsinn auch nur annähernd ähnlich wichtig wäre…

    • Anarcho permalink
      27. März 2014 00:21

      Ui, die Anarchistische Bibliothek Wien als Szene-Anarchos und Hippies. Das ist ja fast schon amüsant und zeigt irgendwie nur, dass du das Projekt schlicht nicht kennst.

      Ja was erwartest du dir denn – ein 5-Sterne-Menü? Oder jemand der sich hinstellt und 50 Portionen Fleischmahlzeit zubereitet, weil das in der Größenordnung und mit der vorhandenen Kochinfrastruktur ja so zeitsparend und kostengünstig geht? Meine Fresse, manche Leute haben Sorgen.

      • Grüße aus der Kombüse permalink
        28. März 2014 10:15

        Gutebutter an die Ofenkartoffeln ……… Ein paar Wiener Würstchen im Eintopf würden schon genügen, oder wäre das schon Kannibalismus ❓

      • 29. März 2014 23:40

        auch die ZK-Würstchen aus Frankfurt.

  4. Gehorsam kann tödlich sein! Das Milgram Experiment permalink
    26. März 2014 21:11

    Gehorsam kann tödlich sein! Das Milgram Experiment

    Das Milgram-Experiment sollte ursprünglich dazu dienen, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus sozialpsychologisch zu erklären. Dazu sollte die „Germans-are-different“-These geprüft werden, die davon ausging, dass die Deutschen einen besonders obrigkeitshörigen Charakter haben. Nach den ersten Ergebnissen der Untersuchung in New Haven schien dies jedoch nicht mehr notwendig, auch weil die Untersuchung in ihrem Aufbau wesentlich grundsätzlicher angelegt war.[1] Milgram erhielt für diese Arbeit 1964 den jährlich vergebenen Preis der American Association for the Advancement of Science in der Kategorie Sozialpsychologie. Die American Psychological Association hingegen schloss Milgram wegen des Experimentes für ein Jahr aus, nachdem ein Kritiker ihm in der Zeitschrift American Psychologist vorgeworfen hatte, ein „traumatisierendes“ Experiment vorgenommen zu haben, das „potenziell schädlich“ für die Versuchspersonen sei.[2] Vor allem wegen dieser Kritik, die auch von zahlreichen anderen Fachleuten geäußert wurde, verweigerte die Harvard University Milgram später eine Anstellung.

  5. Die sogenannte Urkatastrophe 1914 permalink
    27. Juni 2014 16:23

    von Arno Klönne, Telepolis – http://www.heise.de/tp 13.01.2014

    Selektives Gedächtnis

    Einhundert Jahre seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges – die kulturindustrielle Verwertung eines solchen Ereignisses lässt sich nicht aufschieben bis zum August, auch im Erinnerungsgewerbe herrscht harte Konkurrenz, und so sind wir schon umstellt von einschlägigen Angeboten zum Rückblick auf eine „Urkatastrophe“.

    Der Begriff ist äußerst beliebt, um „1914“ gedanklich unterzubringen – und drängt ein Missverständnis auf; keineswegs waren es Naturgewalten, die damals in völlig neuen Dimensionen Zerstörung und Tod auslösten. Es handelte sich um Menschenwerk, unter Nutzung hochentwickelter Technik.

    Also muss das Interesse den großen und kleinen Akteuren gelten, und die Medien stellen dafür Material zur Verfügung (darunter auch historisch seriöses), vor allem über das Verhalten von Staatsmännern, Diplomaten, Heerführern, über die Impressionen von Literaten und Künstlern, ein wenig auch über die Gefühlswelt des gemeinen Volkes.

    Bei dem Versuch, den Trend derzeit dominierender Beschreibungen und Deutungen von „1914“ zu erfassen, stößt man auf ein Problem: Ganz überwiegend erscheint der Erste Weltkrieg als Inferno, in das die beteiligten Staaten „hineingeschlittert“ oder in das sie „schlafwandelnd“ geraten sind; dessen Brutalität niemand voraussah; bei dem Täter und Opfer nicht mehr zu unterscheiden sind. Und wo eine besondere Verantwortung des Deutschen Reiches nicht gegeben war.

    Angesichts dessen empfiehlt es sich, an diese Erinnerungskultur einige Fragen zu stellen:

    Gab es sie gar nicht – deutsche Programme und Pläne für eine gewalttätige Expansion nach Westen und Osten, für den Zugriff auf industrielle Ressourcen und agrarische Räume, dem Kalkül wirtschaftlicher Eliten entstammend?

    Lebte die wilhelminische Gesellschaft zivil vor sich hin – keine alltägliche Militarisierung, keine staatliche Erziehung der Jugend zum „Waffengang“ und zum „Opfertod“? Keine Stigmatisierung derjenigen, die vor dem großen Krieg warnten, zu „Vaterlandsverrätern“?

    Existierten sie nicht, die profithungrigen Waffenfabrikanten, die auf Einsatz ihrer Produkte drängten? Die wirtschaftlich kalkulierend das Kriegswerkzeug auf den modernsten Stand brachten, in Kenntnis seiner massenmörderischen Fähigkeiten?

    Und andererseits: Hat vor dem Jahre 1914 niemand öffentlich informiert über die vernichtenden Eigenschaften eines Krieges im Industriezeitalter, über das kommende „Menschenschlachthaus“?

    Wenn Erinnern an Geschichte selektiv geschieht, hat das Gründe. Zumeist aktuelle.

    Es ist ja nicht so, als seien heutzutage militärische Instrumente zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen out of area nicht mehr im Kalkül der Politik, und die Rüstungsindustrie braucht immer noch Gelegenheiten, ihre Produkte in der Anwendung vorzuführen. Da kann ein Rückblick in die Geschichte seine peinlichen Seiten haben.

    Quelle: http://www.heise.de/tp/news/Die-sogenannte-Urkatastrophe-1914-2101461.html

  6. Die Schüsse von Sarajevo oder: Von der Abdrift der Geschichte permalink
    27. Juni 2014 16:46

    In der Schule bekamen wir beigebracht: Am 28. Juni 1914 hat in Sarajevo ein fanatischer Serbe den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand feige ermordet. Die Folge war der Erste Weltkrieg. Um 1968 herum hieß es dann: Papperlapapp – der Imperialismus und seine Widersprüche führten zum Krieg. Die Attentäter von Sarajevo kamen in dieser Version der Geschichte gar nicht mehr oder nur als willenlose Marionetten vor. Heute geht es unserem Autor Götz Eisenberg um die dialektische Vermittlung beider Erklärungen, in der sowohl die konkreten Gestalten der Attentäter und ihre Intentionen, als auch der Imperialismus – als übergreifender Rahmen und Bedingungsgefüge der Ereignisse – vorkommen.

    I. Besuch am „Vidovdan“ (Veitstag)

    „Was einen Terroristen ausmacht, ist zunächst einmal eine bestimmte Art der Verzweiflung. Oder genauer gesagt, das Streben, über die Verzweiflung hinauszugehen, indem er sein Leben einsetzt und so der Verzweiflung einen Sinn gibt.“
    (John Berger)

    http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=22169

  7. 1914 - Die Reichtagsdebatten zu den Kriegskrediten --- Eine szenische Lesung ### Talkrunde mit den rechtsnationalen Peter Gauweiler & Willy Wimmer und den linksnationalen Oskar Lafontaine & Gregor Gysi permalink
    1. Januar 2015 15:43

    1914 – Die Reichtagsdebatten zu den Kriegskrediten

    Mit einer szenischen Lesung hat die Fraktion DIE LINKE an die Reichstagsdebatten zu den Kriegskrediten vor 100 Jahren erinnert. Geschichten aus der Geschichte. Passiert vor einhundert Jahren – am 4. August und am 2. Dezember 1914 – im Deutschen Reichstag. Eine Veranstaltung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 28. August 2014.

    Talkrunde mit den rechtsnationalen Peter Gauweiler & Willy Wimmer und den linksnationalen Oskar Lafontaine & Gregor Gysi

    An die szenische Lesung schließt sich eine Diskussionsrunde mit Gregor Gysi, Willy Wimmer, Peter Gauweiler und Oskar Lafontaine an, die von Luc Jochimsen und Jakob Augstein moderiert wird. Der Mitschnitt der Diskussion ist hier zu sehen:

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