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Eingesandt: Das Sterben der Berufe und Deine Chance

23. März 2014

workersEinen Beruf zu erlernen und auszuüben, bedeutet eigentlich, mehrere Tätigkeiten in einem bestimmten Feld der zu leistenden Arbeit zusammenzuführen um wirkungsvoll in der Lage zu sein, die an einen herangetragenen Aufgaben zu meistern.

Heute ist es allerdings so, dass Berufe immer mehr zersplittert werden. Sie werden zerfasert und von einer großen Gruppe Menschen, werden Lohngruppen abgespalten, damit am Ende viele simple einzelne Handgriffe übrigbleiben, die gering bezahlt werden und einige wenige komplexe Tätigkeiten, die einigermaßen besser bezahlt werden. Die Gesellschaft des Menschen wird durch den Zentralismus zersplittert und auch die Berufe können sich davor nicht schützen. Die Folgen sind vielschichtig:

Durch die kapitalistische „Scheinrationalisierung“ entstehen große Qualitätsmängel. „Viele Köche verderben den Brei“ kennt man als Warnung vor zu vielen verschiedenen Mitarbeitern, die alle koordiniert werden müssen und alle einen individuellen Ansatz verfolgen, der sich möglicherweise nicht mit dem des Anderen verträgt. „Dass die rechte Hand heute nicht weiß, was die linke tut“ ist Gang und Gäbe. Man gehe nur einmal in eine Zahnarztpraxis. Man kann hier teilweise beobachten, dass ein Zahn von einer bestimmten Ärztin gezogen werden soll, aber von einem anderen Arzt wurzelbehandelt wird. In der Industrie ist das nichts anderes – schlecht oder falsch gefräste Teile sorgen in Motoren für Probleme en masse.

Die Qualität der Verrichtung der Arbeit fällt ins Bodenlose: Zeitarbeitssklaven und Kurzarbeit sind heute normal – Lebenskonzepte werden durch die Industrie noch immer rigoros zertrampelt. Lohndumping ist flächendeckend der einzige Garant dafür, den sogenannten Standort zu schützen. Internationale Firmen sind dort angesiedelt, wo sie die erbärmlichsten Sklaven vorfinden.

Wir sehen also nicht nur ein Zerfasern der Berufe, sondern daraus resultierend auch ein Verdummen der Arbeiter und Arbeiterinnen, weil die Monotonie, der sie fortan entgegenstehen, durch Einschränkung ihres Tätigkeitsspektrums nach Lohngruppen, ihren Geist vergiftet und sie zu Zahnrädern einer todbringenden Maschine macht.

Wer früher einmal eine Dreherausbildung gemacht hat und heute Zerspanungsmechaniker ist, der weiß wovon ich rede: Drei Facharbeiter besorgen 6 Terminals von Fräscomputern mit über 200% mehr produzierten Teilen in einer Schicht, als noch vor einigen Jahren. Dabei wollen die Besitzer noch, dass die überlasteten Facharbeiter „nebenbei“ die ungelernten Leiharbeiter „ausbilden“, die in einigen Monaten, wenn die Verfahren noch weiter vereinfacht sind, ihren Platz für noch weniger Lohn einnehmen werden. Auf diese Weise wird der Mensch durch den Kapitalismus dumm und unfähig gezüchtet und das schon seit Generationen. Wer strebt schon an, „überqualifiziert“ arbeitslos zu sein?

In anderen Bereichen ist das Gleiche abzusehen: Kluge und perspektivisch denkende BWL Studenten, Investment Banker voller Lebenserfahrung und Empathie für ihre Mitmenschen, die gerade von der Uni kommen „rationalisieren“ in den Firmen, die sie beglücken, ihren dritten Neuwagen herbei.

Für diesen dritten Neuwagen verlieren drei Langjährige und 15 Leihsklaven ihre Arbeit.

Dabei darf man nicht vergessen, dass nicht nur der BWL Schnösel daran die Schuld trägt, sondern dass die Existenz einer parasitären Klasse im Betrieb die Schuld hat. Diese Parasiten tun nichts anderes, als Gelder in die eigene Tasche zu verwalten und alle möglichen Lügen und Betrügereien zu erfinden, um sich nicht die Finger schmutzig machen zu müssen, dabei aber noch Millionen Beträge herbei lügen und aus dem Nichts erstehen lassen, teilweise sogar aus „Schulden“ hervorzaubern. Das sind die Politiker des Betriebes. Die Regierung der Unternehmen.

Ihr Zaubern zerstört die Struktur der Berufe und macht damit nicht nur die Arbeitsplätze der Menschen heute zunichte und ihre Arbeitsroutine zu einer monotonen Qual, sondern verdunkelt jede Perspektive auf Verbesserung der Lebensverhältnisse und Regenerierung der vergewaltigten Umwelt.

Wenn du also stolz bist, auf deinen beruflichen Platz in der Gesellschaft, dann denke um!

Handle gegen die, die seit Anbeginn ihrer Existenz gegen Menschen wie dich handeln. Schütze deinen Beruf gegen die Raubzüge der Bosse und Chefs, der Aufsichtsräte und der Investment Banker, die wie Parasiten an deiner Arbeit hängen und deinen Beruf so umgestalten, dass für sie möglichst viel Gewinn dabei herauskommt und für dich eine dröge und langweilige, unterbezahlte Laientätigkeit, in der du jederzeit austauschbar bist.

Am härtesten triffst du die Geier mit Krawatte, wenn du ihnen den Gehorsam verweigerst. Verweigere auch ihren Zuträgern im DGB den Gehorsam. Arbeite mit guten Kollegen deiner Gewerkschaft zusammen und organisiere mit ihnen die Basis deines Betriebes. Vermeide es, von Gewerkschaftsbonzen vertreten zu werden und reiße den Betriebsrat mit anderen guten Kollegen an dich. Dann verdränge die Leute aus der Gewerkschaft in deinem Betrieb, die den Bossen und Aasgeiern zuarbeiten, weil sie hoffen ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Drängt sie raus, denn sie sind Verräter und gehorchen euren Feinden. Wenn ihr einmal reine gemacht habt, dann streikt.

Streikt so lange, bis ihr erste Erfolge errungen habt, bspw. eine Erweiterung der gewerkschaftlichen Freiheiten oder mehr bezahlte Pausen, die Übernahme von Leiharbeitern, die Wiedereinstellung gefeuerter Kollegen usw. Dann lasst die Situation ruhen. Ihr bestimmt, wann gearbeitet wird und wann nicht. Bereitet einen neuen Streik vor, der weitere Freiheiten erkämpft. Der neue Streik könnte auch den Nachbarbetrieb erfassen. Stellt euch vor, ihr fahrt mit einem Bus von gemeinsam kämpfenden, stolzen Arbeitern ins Industriegebiet, statt mit einem Bus gegenseitig fremder Sklaven…

Letztendlich sollte für dich immer im Hinterkopf sein, dass deine Situation mit den Millionengewinnen an der Börse immer schlechter wird. Es geht für dich nur noch bergab und „dein“ Boss und „deine“ Regierung scheißen auf dich. Sogar die oberen Ränge der Gewerkschaftsbonzen scheißen auf dich und deine mickrige Visage, die sie sowieso vergessen haben, wenn du gegangen wurdest.

Nur deine Kollegen, die du bisher eher skeptisch betrachtet hast, sind die einzigen, die dir helfen können. Denke um! Befreunde dich mit ihnen, lerne sie kennen und erkenne dein Schicksal in ihrem.

Schließt euch zusammen. Nur gemeinsam und wenn ihr zusammenhaltet könnt ihr ein Gegengewicht bilden und den Reichen, die euch jeden verfluchten Tag vorführen, mit ihren kürzeren „Arbeitszeiten“, ihren Geschäftswagen, Bonusmeilen, Steuervergünstigungen und leeren Sprüchen den Gehorsam verweigern – Du und deine Kollegen ernährt die, die euch verarschen!

Bedenke, es gilt noch immer: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es WILL.“

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