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Kneipe wirft Kellner raus

28. Februar 2014

thumb-haustranspi_schwarzDas „Neue Deutschland“ berichtet über den Arbeitskampf der Kellner in Dresden: Arbeitskämpfe in Kneipen sind selten. Das »Trotzdem« in Dresden indes wurde über Wochen bestreikt. Die Gewerkschaft FAU drängt auf einen Haustarif.

Von Hendrik Lasch, Dresden

Ein solches Bild ist auch im Dresdner Szeneviertel Neustadt ungewöhnlich: Streikposten mit roten Westen und Plakaten, die allabendlich vor einer Kneipe aufziehen. Sie bewachen das »Trotzdem«, ein Lokal, das in der autonomen Szene eigentlich einen guten Ruf hatte. Gründerin Johanna Kalex ist nicht nur stadtbekannte Friedensaktivistin und gegen Nazis engagiert; sie bezahlt ihre Mitarbeiter auch vergleichsweise gut – sogar bei Krankheit. »Das ›Trotzdem‹«, sagt Wolf Meyer, »galt als vorbildlich.«

Meyer spricht indes in der Vergangenheitsform. Der Grund sind Kündigungen für drei Mitarbeiter des Lokals, die heute in Kraft treten. Die Chefin begründet das mit Diebstählen aus dem nur für Kellner zugänglichen Lager. Die Gefeuerten, die allesamt in der Gewerkschaft FAU (Freie ArbeiterInnen-Union) organisiert sind und eine Betriebsgruppe gegründet hatten, halten das für einen vorgeschobenen Grund – und traten in den Arbeitskampf. Bisher drängten sie damit auf eine einvernehmliche Lösung und Gespräche. Weil die ausblieben, soll nun doch geklagt werden. »Wir wollen, dass die Kündigungen zurückgenommen und ein Haustarif abgeschlossen wird«, sagt Meyer. Um dem Nachdruck zu verleihen, rief die Gewerkschaft für gestern Abend zu einer Demo auf.

Arbeitskämpfe in Kneipen sind eine Rarität. Zwar seien unter den Beschäftigten auch in Szenelokalen weniger Studenten als vermutet, sagt Meyer; viele Kellner verdienen dort über Jahre ihren Lebensunterhalt – aber zu miserablen Arbeitsbedingungen. Eine nicht repräsentative Auflistung der FAU, die im Sommer 2013 in Dresden eine »Branchensektion Nahrung und Gastronomie« gegründet hat, nennt Stundenlöhne um fünf bis sechs Euro. Bezahlten Urlaub gibt es oft ebenso wenig wie Lohnfortzahlung bei Krankheit. Trinkgeld wird oft einbehalten. Immer mehr Kellner, sagt Meyer, müssten sogar als Selbstständige arbeiten.

Für Gewerkschaften ist das Gastrogewerbe bisher dennoch ein schwieriges Pflaster. Auf der einen Seite sind die Mitgliederzahlen in der Branche gering; andererseits handelt es sich meist um Kleinbetriebe, die nur selten im zuständigen Arbeitgeberverband DEHOGA organisiert sind – in der Dresdner Neustadt sind es 15 von 100 Lokalen. Entsprechend dürftig fallen die Aktivitäten aus. Die Gewerkschaft NGG unterhält zwar in Dresden eine Zweigstelle; auf eine Anfrage des »nd« zur Situation der Beschäftigten im lokalen Gaststättenwesen gab diese aber keine Antwort.

Die FAU, eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft, will mit ihrer Branchensektion in diese Bresche stoßen. Seit Oktober habe es schon eine Kampagne für einen Mindestlohn gegeben; zudem dränge man auf Haustarifverträge, die sozialen Mindestanforderungen genügten, berichtet Meyer. Zumindest in der als linksalternativ geltenden Neustadt gebe es steigende Mitgliederzahlen, sagt er, ohne freilich Zahlen zu nennen. Die gestern beendete Streikaktion im »Trotzdem«, über die Lokalblätter ebenso berichten wie Internetforen, sorgt für Resonanz. In Regensburg soll eine zweite Branchensektion in Gründung sein.

Quelle: Neues Deutschland

7 Kommentare leave one →
  1. Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht permalink
    1. März 2014 22:59

    Das sozialistische System wird letzten Endes an die Stelle des kapitalistischen Systems treten; das ist ein vom Willen der Menschen unabhängiges objektives Gesetz. Welche Versuche auch immer die Reaktionäre unternehmen mögen, das Rad der Geschichte aufzuhalten, es wird dennoch früher oder später die Revolution ausbrechen, die dann unvermeidlich den Sieg davontragen wird.

    • Радио Ереван permalink
      2. März 2014 21:15

      Frage an Radio Eriwan:
      „Darf man die Partei kritisieren?“
      Antwort:
      „Im Prinzip ja, aber es lebt sich besser in den eigenen vier Wänden.“

  2. 2. März 2014 20:17

    „objektives Gesetz“ blafasel!
    Scheiss Murxisten – dieselbe Rechtfertigungsideologie des (unwissenschaftlichen!)
    Determinismus wird benutzt, um Parteieliten an der Macht zu halten, weil sie ja Murxismus erfolgreich zuende studiert und damit die „Weisheit mit Löffeln jefressen haben!
    FUCK
    Schnallt ma‘ endlich dass man in den „Sozialwissenschaften“ diesen Determinismus nicht anwenden kann ohne sich wissenschaftlich lächerlich zu machen –
    was die Glaubensrichtung Ökonomie angeht, genauso.

    • Granado permalink
      4. März 2014 13:46

      Meinst du nicht, erster und hier folgender Kommentar sind ironisches Zitat? (Letzteres von Stalin?)

      • 4. März 2014 17:41

        war mir da nicht so sicher, als das erste hier mit „alleinstellungsmerkmal“ so stand 😉
        das dschugaschwili-zitat war da auch noch nich…
        kann man auf diesem blog auch nich, sich sicher sein.. 😉

      • Fest entschlossen sein, keine Opfer scheuen und alle Schwierigkeiten überwinden, um den Sieg zu erringen permalink
        4. März 2014 19:03

        Was ist Arbeit? Arbeit bedeutet Kampf. An diesen Orten gibt es Schwierigkeiten und Probleme, zu deren Überwindung bzw. Lösung wir benötigt werden. Wir gehen dorthin zur Arbeit und zum Kampf, um die Schwierigkeiten zu überwinden. Nur der ist ein guter Genosse, den es mehr dorthin zieht, wo die Schwierigkeiten größer sind.

  3. Weg mit den Illusionen, zum Kampf bereit sein! permalink
    2. März 2014 23:31

    Die gesellschaftlichen Veränderungen hängen in der Hauptsache von der Entwicklung der Widersprüche in der Gesellschaft ab, also der Widersprüche zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, zwischen den Klassen, zwischen dem Neuen und dem Alten; die Entwicklung dieser Widersprüche treibt die Gesellschaft vorwärts und gibt den Impuls für die Ablösung der alten Gesellschaft durch eine neue.

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