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Eingesandt: Karstadt Mainz – kein ungefährlicher Ort

13. Februar 2014

karstadtBericht eines Augenzeugen: „Am 12. Februar 2014 ereignete sich um 16:00 im Mainzer Karstadt Café ein Polizeiübergriff, den ich als Augenzeuge beobachtete und wie folgt versuche objektiv zu schildern:

Im, der Fußgängerzone zugewandten Teil des Gebäudes, ist ein Café im Karstadt-Kaufhaus untergebracht, es befindet sich im ersten Obergeschoss. Hier gibt es einen großen Bereich zum Sitzen, in dem die Leute platznehmen, die sich vorher am Buffet bedient haben. Ich saß in 10m Entfernung zu einem Mann um die 50 Jahre, der ein Bierchen trank und sich sonst vollkommen ruhig verhielt. Die Lokalität war beinahe leer. Etwa eine halbe Stunde ereignete sich gar nichts, bis drei Polizisten in den Besucherraum stürmten.

Sie näherten sich dem unauffälligen Herrn von Rechts und von Links und riefen dabei, er solle sich ganz ruhig verhalten und „das Messer“ nicht ergreifen. Der Mann verhielt sich weiterhin – ohne eine erkennbare hastige oder sonstwie feindlich interpretierbare Reaktion – ruhig. Die Beamten stellten sich nun um den Herrn herum und forderten ihn auf, aufzustehen, was er tat. Nun durchsuchten sie den Mann unnötig grob, bemessen an der sofortigen Kooperation mit den Beamten. Es wurde erklärt ein Messer sei entwendet worden und der Kaufhausdetektiv hätte das beobachtet.

Nach reiflicher Suche, die mehrere Minuten andauerte, wurde kein Messer, noch sonst ein gestohlener Gegenstand gefunden. Der Mann äußerte sich nun subtil kritisch zu gewissen Ausdrücken die die Polizisten ihm gegenüber nutzten, darunter: „die behördlich bekannte Person XY“, wie er am Funkgerät genannt wurde, woraufhin er kund tat, dass dies „ja ein interessanter Begriff“ wäre. Die Feststellung der Personalien des, den Behörden laut ihrem eigenen Funkspruch bekannten Mannes, erfordete nach der Meinung eines Beamten die sofortige Verbringung in die Wache. Dazu sei nochmals bemerkt, daß weder ein entwendeter Gegenstand bei dem Mann gefunden wurde, noch, dass sein Verhalten auf Unzurechnungsfähigkeit, Eigengefährdung, Gefährdung Dritter oder Feindlichkeit den Beamten gegenüber schließen ließ.

Nach einer kurzen Ruhephase stürmten weitere fünf Polizisten in den Raum, umzingelten den Mann und fragten erneut, ob er ohne Gegenwehr in die Wache mitkommen würde. Er verneinte dies gelassen. Nun gingen ihn die acht Polizisten starke Truppe direkt an, es erfolgten Hebel und Griffe ins Gesicht, erkennbar war, dass sein Kopf nach hinten gebogen wurde und dabei ein Beamter in die Augen des Mannes griff, zeitgleich fixierten zwei Beamte seine Arme, zwei Beamte seine Beine und zerrten den immernoch vollkommen passiven Mann so zu fünft vom Stuhl. Es erfolgte keine erkennbare Gegenwehr, nicht mal ein Zucken, keine Kraftausdrücke fielen, als die Beamten den Mann mithilfe von Hebeln und den Knien niederdrückten. Seitens der Polizisten konnte man: „Wie langsam? Erst nicht mitkommen wollen und dann „langsam“ – das geht nicht!“ vernehmen, nachdem der Mann die Beamten, ohne dass er seine Stimme dazu hob, darauf hinwies Schmerzen zu erleiden. Die beteiligten Beamten hoben nun den Mann auf die Füße, während sein Kopf immernoch fixiert und weit über die natürliche Stellung nach hinten gedrückt wurde. Der Mann wurde in dieser Zwangshaltung abgeführt. Dies alles geschah, um es nochmal zu betonen, ohne einen Beweis seiner angeblichen Tat, alleine auf Geheiß des Detektives hin.

Während des ganzen Spektakels stand der verantwortliche Kaufhausdetektiv grinsend daneben, anscheinend hatte er zwei jugendliche Hilfskräfte dabei, die darüber diskutierten, ob das jetzt „krass war oder nicht“. Einer der jungen Männer hielt eine transparente Tüte, in der ein aus der Verpackung gelöstes Küchenmesser zu erkennen war. War das etwa der Grund für den Polizei-Einsatz? Ein im Besitz des Kaufhauses befindliches Küchenmesser, welches keine erkennbare Verbindung zu dem Mann aufwies?

Die unverhältnismäßige Aktion der Mainzer Polizei war weder mit dem Wert des nicht gestohlenen Gegenstands vereinbar, noch mit dem Verhalten des Mannes, der sich zu jeder Zeit kooperativ und ruhig verhalten hat. Dass er seiner Ausweispflicht nicht nachkam, war die einzige objektiv erkennbare Verfehlung des Mannes. Aber auch die Feststellung der Personalien erfordert in unserem heutigen Zeitalter keine zwangsweise Überführung in die Wache, sondern nur einen Funkspruch, jeder und jede Schwarzfahrerin, die mal den Ausweis nicht dabei hatte, weiß das. Der Mann machte auch noch die Aussage, er habe den Verlust seines Ausweises bereits bei „Euch [bei einer Polizeiwache, d.V.] gemeldet“, dem nicht nachgegangen wurde. Dieses Verhalten und die Vehemenz des Karstadt-Detektives lassen tief blicken.

Wahrscheinlich hat es einen Grund, weswegen das Café wie leergefegt war – nur unbedarfte und sicherlich nicht wiederkehrende Gäste dieser Lokalität, wie ich, konnten in so eine Falle tappen. Wozu Karstadt seine Kunden so von der Polizei drangsalieren lässt, ist unklar – Vertrauen der Kundschaft gewinnt man so sicherlich nicht.

Zeigen auch Sie, daß sie mit dem Verhalten des Detektivs und der Polizei in diesem Fall nicht einverstanden sind: Fragen Sie beim Polizeiberatungszentrum nach, was passierte und vergleichen Sie, bilden Sie sich eine Meinung:

Fuststraße 4

55116 Mainz

06131 4806999

www.polizei.rlp.de

Wer nicht einverstanden ist, kann handeln und wenigstens nicht bei Karstadt Mainz einkaufen gehen. Für Ortsunkundige: Es geht um die Filiale in der Ludwigstraße, am Gutenbergplatz. Man kann ihnen nur empfehlen, das Kaufhaus und besonders das dortige Café zu meiden, wenn ihnen die Illusion von Grundrechten lieb und teuer ist. Anscheinend kann es dort zu körperlichen Übergriffen kommen, die die demokratische Gewaltenteilung außer Kraft setzen und keines nachvollziehbaren Beweises bedürfen.“

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