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Bremer Räterepublik – Wir blicken zurück und denken nach vorne!

10. Februar 2014

14-02-09_raeteAm 04. Februar Vor 95 Jahren endete die leider kurze Geschichte der Bremer Räterepublik. Um das Andenken an dieses wichtige Ereignis der Bremer Geschichte aufrecht zu erhalten, sollen hier einige Gedanken aus der FAU Bremen zum Andenken an die Räterepublik weitergegeben werden, die auch eine Brücke in die Gegenwart schlagen. Weitere Informationen zur Räterepublik gibt es in der Broschüre „Syndikalismus und Räterevolution in Bremen 1918/19“.

Zum mittlerweile 95. Mal jährte sich am 04. Februar die Zerschlagung der Bremer Räterepublik. Die Räterepublik wurde infolge der Novemberrevolution am 10. Januar 1919 ausgerufen. Bei ihrer Initiierung waren sowohl sozialdemokratische, kommunistische aber auch syndikalistische Gruppierungen von Bedeutung. Die Räterepublik hatte frühzeitig mit starkem politischem, wirtschaftlichem und militärischem Druck von innen und außen zu kämpfen.  Nur knapp einen Monat später, am 4. Februar 1919, zerschlugen das „Freikorps Caspari“ und die der Reichsregierung nahestehende Division Gerstenberg die Bremer Räterepublik. Dies geschah auf Drängen der bürgerlichen Eliten Bremens, die nicht auf ihre unter der Monarchie erworbenen Privilegien verzichten wollten und auf Restauration setzten, im Einvernehmen mit der damaligen sozialdemokratischen Reichsregierung.  Der gewaltsamen Niederschlagung der Räterepublik fielen über 75 Menschen zum Opfer, mindestens 175 wurden verletzt. Der daraufhin von den Truppen verhängte Belagerungszustand markierte das Ende der sozialistischen Räterepublik.

Es ist lange Tradition Bremer Anarchosyndikalist*innen dieser zugleich bemerkenswerten wie tragischen historischen Ereignisse und ihren Opfern auf ihre Weise zu gedenken. Dabei darf aus unserer Sicht aber nicht der Blick für die Gegenwart verloren werden. Es gilt herauszustellen, welche Ideen und Konzepte auch heute noch Bedeutung für unser politisches Denken und Handeln haben.

Die emanzipatorische Kraft der Räterepublik lag zunächst in der Ablehnung des sich im Entstehen befindenden parlamentarischen Systems und der Festigung der Arbeiter- und Soldatenräte in der Gesellschaft. Die Idee eines Rätesystems, in dem die Gesellschaft in kleinen Basiseinheiten gedacht wird, aus der sich anschließend die unterschiedlichen Räte herausbilden, halten wir nach wie vor für erstrebenswert. Die damit einhergehende Politik von unten nach oben findet ebenso unsere Unterstützung, wie das Konzept des Imperativen Mandats, wonach die Funktionsträger*innen nicht länger nur ihrem Gewissen verpflichtet sind, wie es heute der Fall ist, sondern direkt den Menschen. Dieses Verständnis von direktdemokratischer Politik ist auch heute noch für unser politisches Denken grundlegend.

Die Revolutionärinnen und Revolutionäre der Bremer Räterepublik tasteten allerdings nicht im notwendigen Maße die damaligen kapitalistischen Eigentumsverhältnisse an und blieben somit weiterhin abhängig von dem Wohlwollen der Banken und Wirtschaftseliten. Diese groteske Situation hatte neben dem militärischen Eingreifen großen Anteil an ihrem politischen Scheitern. Ein revolutionäres, emanzipatorisches Projekt kann nur gelingen, wenn es die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse radikal beseitigt und die ökonomischen Möglichkeiten zur Selbstorganisation der Produktion schafft. Nur auf diese Weise kann ein politisches Projekt, wie die Bremer Räterepublik, die nötige Stabilität erlangen, um langfristig erfolgreich zu sein.

Derartige Zustände des gesellschaftlichen Umbruchs, wie nach dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs oder in anderen die bestehenden Verhältnisse ins Wanken bringenden Phasen der freiheitlichen Arbeiterbewegung, scheinen heute weit entfernt. Seit vielen Jahren wird uns gar das Ende der Geschichte – der Sieg des Kapitalismus – gepredigt. Doch sowohl der wieder in die Krise geratene Kapitalismus als auch immer wieder aufflammende selbstorganisierte soziale Kämpfe, wie der Neupack-Streik oder die anhaltenden Flüchtlingsproteste verdeutlichen uns sogar hierzulande das Gegenteil, wenn auch auf (noch) niedriger Ebene. Der Wille und die Ideen von damals finden sich in diesen Auseinandersetzungen wieder. Deshalb ist es für uns unabdingbar sich ihrer zu erinnern und gegen parteipolitische Vereinnahmung zu verteidigen!

Quelle: FAU Bremen

6 Kommentare leave one →
  1. Geschichtsbewusst permalink
    11. Februar 2014 08:33

    Ich kann den Ausführungen zustimmen. Sehr schön übrigens das so regelmäßig an dieses Ereignis erinnert wird. Auch die Grafik gefällt mir sehr gut. Wäre das nicht sogar ein gutes T-Shirt Motiv?

    • unbewusst permalink
      11. Februar 2014 18:37

      Gab es dieses Jahr eine Gedenkveranstaltung von der FAU?

      • Geschichtsbewusst permalink
        12. Februar 2014 09:18

        Nein

  2. 12. Februar 2014 16:21

    im Ruhrgebiet wird es im April, wieder eine Radtour zum Thema Märzrevolution 1920 geben

  3. Buten un Binnen permalink
    13. Februar 2014 10:04

    Ein Kurzbericht über die diesjährige Gedenkveranstaltung der Kommunisten gibt es bei Buten un Binnen: http://www.radiobremen.de/fernsehen/buten_un_binnen/video56592-popup.html

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